Rechtspopulismus in Deutschland kann nicht nur auf die Geschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus bezogen werden, sondern ist heutzutage aktueller denn je. In Zeiten der Globalisierung und regelrechter Flüchtlingsströme fällt es den politischen Eliten in ganz Europa schwer, den Rechtspopulismus einzudämmen. Anhand dieser Arbeit sollen mögliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge geklärt werden, um Anhaltspunkte dafür zu geben, welche gesellschaftlichen Bedingungen verändert werden sollten, um den Rechtspopulismus unter Kontrolle zu bekommen. Dabei soll ein zusätzliches Augenmerk auf Ostdeutschland fallen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1 Rechtspopulismus
2.2 Pegida als Organisation
3. Rechtspopulismus als sozial deviantes Verhalten
3.1 Außenseiter
3.2 Labelling-Ansatz
3.3 Legitimation
4. Zusammenhänge sozioökonomischer und kultureller Verhältnisse mit Rechtspopulismus
4.1 sozioökonomische Verhältnisse
4.2 Wertewandel
5. Sozioökonomische, demografische und kulturelle Gegebenheiten
5.1 Allgemein
5.2 Ostdeutschland
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen des Zuwachses von Rechtspopulismus in der Bundesrepublik Deutschland, wobei der Fokus besonders auf den sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen in Ostdeutschland liegt. Es wird analysiert, inwiefern Rechtspopulismus soziologisch als sozial deviantes Verhalten eingeordnet werden kann und welche Faktoren zur Legitimation dieses Verhaltens beitragen.
- Soziologische Einordnung von Rechtspopulismus als abweichendes Verhalten
- Analyse sozioökonomischer Faktoren (Schichtzugehörigkeit, Statusängste, relative Deprivation)
- Bedeutung des kulturellen Wertewandels und der Globalisierung
- Besonderheiten in Ostdeutschland (Identitätskrise, Abwanderung, Wertedifferenzen)
- Die Rolle der Legitimation durch politische Akteure und das Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.1 Außenseiter
Außenseiter zeichnen sich in sozialwissenschaftlichem Verständnis dadurch aus, dass sie sich nicht an die sozialen Regeln halten, auf die sich die den Akteur umgebende Gruppe geeinigt hat (vgl. Becker 2014, Seite 25). Demnach bedeutet abweichendes Verhalten nicht, dass es tatsächlich objektiv gesehen abweichend ist. Es kann lediglich in Relation zum Verhalten der durchschnittlichen Bevölkerung betrachtet werden, da das dort aufgefundene Verhalten meist als richtig und das sich davon unterscheidende Verhalten meist als falsch definiert wird (vgl. Becker 2014, Seite 27). Demnach ist es auch plausibel, dass einige Normabweichler davon überzeugt sind, sich nicht abweichend zu verhalten, da sie der Meinung sind, dass ihr Verhalten, im Vergleich zu dem der restlichen Bevölkerung, richtig ist.
Sozialwissenschaftler beobachten Gesellschaften und versuchen anschließend darüber zu urteilen, „[…] ob in ihr Prozesse ablaufen, die ihre Stabilität [der Gesellschaft] zu gefährden und damit ihre Überlebenschancen zu verringern drohen“ (Becker 2014, Seite 29). An dieser Stelle lässt sich das Beispiel des Rechtspopulismus aufschlagen: „Ressentiments und Ängste nehmen angesichts des wachsenden Widerspruchs in der Bevölkerung über die Konsequenzen des Zustroms an Flüchtlingen und der unübersehbaren Defizite des Staatsapparates zu, was sich in eine anwachsende Sympathie und Unterstützung für Positionen der Ab- und Ausgrenzung umsetzt“ (Bischoff 2016, Seite 26). Durch die Abgrenzung von der Gruppe herrscht zu Akteuren, welche sich ebenfalls nicht an konstruierte Regeln halten, ein starker Zusammenhalt (vgl. Rehberg 2016, Seite 18f.). An dieser Stelle ist anzumerken, dass Außenseiter meist nicht nur durch das gezeigte Verhalten an sich zu Außenseitern werden, sondern auch durch andere Einflüsse. Zum einen trägt die Gesellschaft zur Etikettierung als Außenseiter bei: Menschen, welche nicht nach den definierten Regeln der Gesellschaft leben, werden als Außenseiter markiert (vgl. Becker 2014, Seite 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das aktuelle Problem des Rechtspopulismus dar, definiert das Ziel der Arbeit und skizziert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Begriffsdefinition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Rechtspopulismus und führt das Beispiel PEGIDA als eine Form der Organisation zur Verbreitung dieser Einstellungen ein.
3. Rechtspopulismus als sozial deviantes Verhalten: Hier wird der Rechtspopulismus theoretisch mittels des Außenseiter-Konzepts, des Labelling-Ansatzes und der Legitimationsmechanismen soziologisch eingeordnet.
4. Zusammenhänge sozioökonomischer und kultureller Verhältnisse mit Rechtspopulismus: Das Kapitel analysiert, wie soziale Schicht, Statusängste, relative Deprivation und ein gesellschaftlicher Wertewandel rechtspopulistische Einstellungen begünstigen.
5. Sozioökonomische, demografische und kulturelle Gegebenheiten: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Zusammenhänge mit deskriptiven Daten für die Bundesrepublik Deutschland allgemein und spezifisch für Ostdeutschland.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Rechtspopulismus ein komplexes Phänomen ist, das durch eine Spirale aus sozioökonomischen Faktoren, Werten und Legitimation verstärkt wird.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, Sozial deviantes Verhalten, Ostdeutschland, PEGIDA, Statusängste, Relative Deprivation, Wertewandel, Desintegration, Labelling-Ansatz, Außenseiter, Soziale Bewegung, Politische Kultur, Identitätskrise, Rechtsextremismus, Gesellschaftliche Abgrenzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den Zuwachs rechtspopulistischer Einstellungen und Aktivitäten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Bedingungen in Ostdeutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die soziologische Einordnung von Rechtspopulismus als abweichendes Verhalten, der Einfluss sozioökonomischer Faktoren sowie die Bedeutung kultureller Wertedifferenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu klären, um zu verstehen, welche gesellschaftlichen Bedingungen verändert werden müssen, um rechtspopulistische Tendenzen zu kontrollieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die soziologische Theorien (wie den Labelling-Ansatz) mit empirischen Befunden aus der Fachliteratur verknüpft, um das Phänomen des Rechtspopulismus zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung des Rechtspopulismus als deviantes Verhalten, eine Analyse sozioökonomischer und kultureller Einflüsse sowie eine Anwendung dieser Erkenntnisse auf die aktuelle Situation in Ostdeutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Rechtspopulismus, soziale Devianz, Statusängste, Ostdeutschland, relative Deprivation und gesellschaftliche Desintegration.
Warum spielt Ostdeutschland in der Analyse eine so bedeutende Rolle?
Die Arbeit legt einen besonderen Fokus auf den Osten, da dort seit 1996 eine deutlich stärkere Verbreitung latenter Fremdenfeindlichkeit beobachtet wurde und spezifische regionale Faktoren wie Abwanderung und eine besondere Identitätsgeschichte eine Rolle spielen.
Wie trägt der Labelling-Ansatz zum Verständnis von Rechtspopulismus bei?
Der Ansatz verdeutlicht, dass die Etikettierung als Außenseiter und die Ausgrenzung durch die Gesellschaft dazu führen können, dass betroffene Personen dieses Attribut übernehmen und ihr delinquentes bzw. abweichendes Verhalten sogar verfestigen.
- Arbeit zitieren
- Sarah Engelhardt (Autor:in), 2018, Der Zuwachs von Rechtspopulismus als sozial deviantes Verhalten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510780