Im folgenden Essay soll ein Argument Christine Korsgaards zur Antwort auf die Frage, warum Menschen moralisch Handeln sollten und was sie dazu verpflichtet, aus ihrem Werk "The Sources of Normativity" dargestellt und anschließend kritisch betrachtet werden.
Zur Einführung in ihr Argument bezieht sich Korsgaard auf Immanuel Kant. Wenn man den Wunsch hat eine Handlung auszuführen, überlegt man meist zuerst, ob man die Handlung durchführen sollte oder nicht. Die Frage ist nun, wie man dabei zu einer Entscheidung gelangt. Immanuel Kant liefert dafür mit dem kategorischen Imperativ eine gute Möglichkeit zur Entscheidungsfindung.
Korsgaard fügt Kants Theorie jedoch noch etwas bei, sie unterscheidet nämlich den kategorischen Imperativ von dem "moralischen Gesetz". Der kategorische Imperativ bezeichnet das Gesetz, nur nach Maximen zu handeln, die man selbst als Gesetze wollen kann, während das moralische Gesetz besagt, man solle nur nach Maximen handeln, denen alle rationalen Lebewesen zustimmen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorstellung der Problematik
2 Darstellung des Arguments
3 Erwiderung gegen Einwände
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die normative Frage, warum Menschen moralisch handeln sollten und was sie zu diesem Handeln verpflichtet. Dabei wird Christine Korsgaards theoretischer Ansatz im Werk "The Sources of Normativity" analysiert, um zu zeigen, wie persönliche Maximen und die Identitätsbildung zur Grundlage moralischer Verpflichtung werden.
- Die normative Frage und ihre Bedeutung für das moralische Handeln
- Korsgaards Weiterentwicklung des kategorischen Imperativs
- Die Rolle der praktischen Identität bei der Entscheidungsfindung
- Die Entstehung von moralischer Verpflichtung durch Selbstgesetzgebung
- Kritische Auseinandersetzung mit der normativen Kraft persönlicher Gesetze
Auszug aus dem Buch
2 Darstellung des Arguments
Zur Einführung in ihr Argument bezieht sich Korsgaard auf Immanuel Kant. Wenn man den Wunsch, hat eine Handlung auszuführen, überlegt man meist zuerst, ob man die Handlung durchführen sollte oder nicht. Die Frage ist nun, wie man dabei zu einer Entscheidung gelangt. Immanuel Kant liefert dafür mit dem kategorischen Imperativ eine gute Möglichkeit zur Entscheidungsfindung. Dieser besagt nämlich, man solle nur nach derjenigen Maxime handeln, von der man zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werden könnte. (vgl. Kant 2016, 421). Es wird hier nicht vorgegeben, was diese Maximen sind, denn jeder Akteur muss sich selbst fragen, ob er wollen könnte, dass eben jene Maxime seiner Handlung zum Gesetz für alle werden könnte und letztendlich für sich selbst entscheiden, ob er nun handelt oder nicht. Dies macht den kategorischen Imperativ zu einem Gesetz des freien Willens, denn die einzige Einschränkung bei der Wahl der Maxime ist, dass sie ein Gesetz sein könnte. Somit unterliegt der Handelnde auch keinen äußeren Zwängen. (vgl. Korsgaard, 1996, S.98)
Korsgaard fügt Kants Theorie jedoch noch etwas bei, sie unterscheidet nämlich den kategorischen Imperativ von dem „moralischen Gesetz“. Der kategorische Imperativ bezeichnet das Gesetz, nur nach Maximen zu handeln, die man selbst als Gesetze wollen kann, während das moralische Gesetz besagt, man solle nur nach Maximen handeln, denen alle rationalen Lebewesen zustimmen könnten. Denn nur wenn die Maxime meiner Handlung ein Gesetz wäre, dem jeder zustimmen könnte, würde es als moralisches Gesetz gelten. Um dies zu erkennen war Kant der Meinung, man sollte testen, ob etwas dagegen sprechen würde, also ob es einen allgemeinen Grund gäbe, warum man das Gesetz nicht wollen könnte. Korsgaard argumentiert weiters, dass es dabei bedeutend ist, dass der Akteur sich selbst als Mitglied der Gemeinschaft aller rationalen Lebewesen sieht und wertschätzt. (ebd., S.100)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorstellung der Problematik: Dieses Kapitel führt in die "normative Frage" ein und erläutert, dass moralische Verpflichtung auf selbst gebildeten Maximen basiert, die eng mit der menschlichen Identitätsbildung verknüpft sind.
2 Darstellung des Arguments: Hier wird Korsgaards Erweiterung von Kants kategorischem Imperativ hin zu einem "moralischen Gesetz" dargelegt, wobei die praktische Identität des Akteurs als zentraler Ankerpunkt für Handlungsentscheidungen dient.
3 Erwiderung gegen Einwände: Dieses Kapitel diskutiert kritische Einwände zur Verbindlichkeit selbst gewählter Gesetze und verteidigt die Relevanz des moralischen Gesetzes gegenüber rein subjektiven Maximen.
Schlüsselwörter
Christine Korsgaard, Quellen der Normativität, Kategorischer Imperativ, Moralgesetz, Praktische Identität, Selbstgesetzgebung, Moralische Verpflichtung, Rationale Lebewesen, Maximen, Handlungsgrund, Identitätsbildung, Normative Frage, Immanuel Kant, Ethik, Selbstbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Werk "The Sources of Normativity" von Christine Korsgaard und untersucht, warum Menschen moralisch handeln sollten und welche Faktoren sie dazu verpflichten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Moralphilosophie, der normativen Ethik sowie der Frage nach der Verbindung von persönlicher Identität und universellen moralischen Gesetzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Korsgaards Antwort auf die "normative Frage" darzustellen und kritisch zu prüfen, wie moralische Rechtfertigungen aus der Selbstbetrachtung des Akteurs abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Argumentationsanalyse, die auf der exegese und kritischen Reflexion des Primärtextes von Korsgaard sowie einschlägiger Kant-Lektüre basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problemstellung, die Herleitung von Korsgaards Argumentation unter Einbeziehung Kants sowie eine Diskussion von Einwänden gegen ihre Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen: Moralische Verpflichtung, Kategorischer Imperativ, Praktische Identität, Selbstgesetzgebung und Normativität.
Wie unterscheidet Korsgaard den Kategorischen Imperativ vom Moralischen Gesetz?
Während der kategorische Imperativ primär auf die Konsistenz der eigenen Maximen fokussiert, stellt das moralische Gesetz die Forderung auf, dass eine Maxime auch von allen anderen rationalen Lebewesen als allgemeines Gesetz akzeptiert werden könnte.
Warum spielt die "praktische Identität" eine so große Rolle?
Die praktische Identität gibt dem Individuum Gründe zu handeln; wer gegen die aus dieser Identität abgeleiteten Gesetze verstößt, riskiert einen inneren Konflikt und den Verlust der eigenen Integrität.
- Arbeit zitieren
- Rita Wernert (Autor:in), 2019, Ist der Mensch zum moralischen Handeln verpflichtet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510811