Ist der Mensch zum moralischen Handeln verpflichtet?

Moralisches Handeln nach Christine Korsgaard und Immanuel Kant


Essay, 2019

8 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Christine Korsgaard: The Sources of Normativity

1 Vorstellung der Problematik

2 Darstellung des Arguments

3 Erwiderung gegen Einwände

Literaturverzeichnis

Christine Korsgaard: The Sources of Normativity

Im folgenden Essay soll ein Argument Christine Korsgaards zur Antwort auf die Frage, warum Menschen moralisch Handeln sollten und was sie dazu verpflichtet, aus ihrem Werk „ The Sources of Normativity, 1996“ dargestellt und anschließend kritisch betrachtet werden. Das Ergebnis des Arguments ist die Ansicht, dass wir durch persönliche Gesetze zu moralischem Handeln verpflichtet sind, welche wir uns in Folge unserer Identitätsbildung selbst geben.

1 Vorstellung der Problematik

Christine Korsgaard sucht in ihrem Buch „ The Sources of Normativity, 1996“ nach einer Antwort auf die von ihr formulierte „normative question“ (Korsgaard, 1996) welche nicht nur danach fragt, welche Handlungen moralisch richtig oder falsch wären, sondern vor allem nach einer Rechtfertigung sucht, warum wir überhaupt moralisch handeln sollten, beziehungsweise was uns dazu verpflichtet. Zusammenfassend kommt Korsgaard letztendlich zu dem Schluss, dass die Verpflichtung zu moralischem Handeln auf Maximen basiert, die wir uns selbst bilden. Da wir Menschen reflektierende Lebewesen sind, überlegen wir oft vor einer Handlung, ob wir diese nun durchführen sollten oder nicht und bilden uns mit den Entscheidungen, die wir treffen, eine Identität, der wir treu bleiben wollen. Um nicht wider uns selbst zu handeln, verpflichten wir uns somit selbst dazu, unseren Maximen zu folgen. (ebd. S.165)

2 Darstellung des Arguments

Zur Einführung in ihr Argument bezieht sich Korsgaard auf Immanuel Kant. Wenn man den Wunsch, hat eine Handlung auszuführen, überlegt man meist zuerst, ob man die Handlung durchführen sollte oder nicht. Die Frage ist nun, wie man dabei zu einer Entscheidung gelangt. Immanuel Kant liefert dafür mit dem kategorischen Imperativ eine gute Möglichkeit zur Entscheidungsfindung. Dieser besagt nämlich, man solle nur nach derjenigen Maxime handeln, von der man zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werden könnte. (vgl. Kant 2016, 421). Es wird hier nicht vorgegeben, was diese Maximen sind, denn jeder Akteur muss sich selbst fragen, ob er wollen könnte, dass eben jene Maxime seiner Handlung zum Gesetz für alle werden könnte und letztendlich für sich selbst entscheiden, ob er nun handelt oder nicht. Dies macht den kategorischen Imperativ zu einem Gesetz des freien Willens, denn die einzige Einschränkung bei der Wahl der Maxime ist, dass sie ein Gesetz sein könnte. Somit unterliegt der Handelnde auch keinen äußeren Zwängen. (vgl. Korsgaard, 1996, S.98)

Korsgaard fügt Kants Theorie jedoch noch etwas bei, sie unterscheidet nämlich den kategorischen Imperativ von dem „moralischen Gesetz“. Der kategorische Imperativ bezeichnet das Gesetz, nur nach Maximen zu handeln, die man selbst als Gesetze wollen kann, während das moralische Gesetz besagt, man solle nur nach Maximen handeln, denen alle rationalen Lebewesen zustimmen könnten. Denn nur wenn die Maxime meiner Handlung ein Gesetz wäre, dem jeder zustimmen könnte, würde es als moralisches Gesetz gelten. Um dies zu erkennen war Kant der Meinung, man sollte testen, ob etwas dagegen sprechen würde, also ob es einen allgemeinen Grund gäbe, warum man das Gesetz nicht wollen könnte. Korsgaard argumentiert weiters, dass es dabei bedeutend ist, dass der Akteur sich selbst als Mitglied der Gemeinschaft aller rationalen Lebewesen sieht und wertschätzt. (ebd., S.100)

Entscheidend ist, wie wir uns selbst sehen. Jeder Mensch hat eine Vorstellung seiner eigenen Identität, entsprechend jener er Entscheidungen trifft. Wenn man die Ausübung einer Handlung hinterfragt, wird man letztendlich einem Gesetz folgen, welches man sich selbst gegeben hat. Schlussendlich sind es jene Maximen und Gesetze, welche unsere Identität festlegen. Jeder hat eine gewisse Vorstellung davon, wie er selbst sein möchte, und diesem Bild entsprechend will man seine Handlungen vollführen. Nun ist es jedoch ausschlaggebend, welcher praktischen Identität wir uns angehörig fühlen. Ein Mensch kann mehrere praktische Identitäten haben, denn man ist entweder eine Mutter, eine Ehefrau, eine Tochter, aber auch ein Mitglied der Gemeinschaft aller rationalen Wesen. Wie wir uns selbst sehen ist nun ausschlaggebend für die Maxime meiner Handlung. Denn jede meiner Identitäten gibt mir einen Grund zu handeln und diese Gründe bezeichnen im Endeffekt meine Identität. Die Verpflichtung folgt nun daraus, was meine Identität mir verbietet zu tun. Handelt man nämlich gegen seine Gesetze, verliert man einen Teil seiner Identität. Unsere Maximen und Gesetze sind es, was uns ausmacht und uns gewisse Standards gibt, denen wir gerecht werden wollen und schaffen wir dies nicht, kommen wir in einen Konflikt mit uns selbst. (ebd., S.102f.)

Es ist jedoch durchaus möglich, dass eine Diskrepanz zwischen unseren Maximen entsteht. Beispielsweise kann man wissen, dass, als Mitglied der Gemeinschaft aller rationalen Lebewesen, eine gewisse Handlung verboten wäre, es jedoch negative Konsequenzen für ein Familienmitglied hätte, weshalb man seine Identität als Familienmitglied wichtiger schätzt und wissentlich gegen das moralische Gesetz verstößt. Durch Schuldgefühle wird man anschließend jedoch selbst bestraft, und es bedarf normalerweise guter Gründe, um mit Absicht nicht dem moralischen Gesetz entsprechend zu handeln, sofern man sich dazugehörig schätzt. Wenn wir reflektieren und über eine Handlung nachdenken, dann haben wir keine Wahl, als letztendlich zu folgern, was wir tun oder nicht tun sollten, und handeln wir nicht dementsprechend, werden wir durch Schuldgefühle bestraft, was nun die Quelle der Verpflichtung darstellt. Es ist die Tatsache, dass wir uns selbst befehlen zu tun, was wir für richtig halten, die uns zur Moralität verpflichtet. (ebd., S. 102-105)

Zusammenfassend lässt sich nun sagen, dass wir Menschen uns aufgrund der reflektierenden Struktur unseres Gehirns selbst Handlungsgründe geben. Wir selbst bilden uns jene Gesetze, nach denen wir handeln wollen, und somit unsere Identität. Handeln wir nicht nach unseren Maximen, können wir einen Teil unserer Identität verlieren. Wir müssen uns als Teil der Menschheit sehen und erkennen, dass wir Vorstellungen unserer Identitäten haben, denen wir treu bleiben wollen. Erkennen wir uns als Mitglieder der Gemeinschaft aller rationalen Lebewesen und schätzen wir uns als solche, dann verpflichten wir uns zum moralischen Handeln. Wenn wir Handlungen treffen wollen, müssen wir gezwungenermaßen unsere Identität wahrnehmen und wertschätzen, wodurch eine gewisse Verpflichtung entsteht, jener Identität treu zu bleiben. (ebd., S. 124-130)

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Ist der Mensch zum moralischen Handeln verpflichtet?
Untertitel
Moralisches Handeln nach Christine Korsgaard und Immanuel Kant
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V510811
ISBN (eBook)
9783346081971
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Korsgaard, Philosophie, freier Wille
Arbeit zitieren
Rita Wernert (Autor), 2019, Ist der Mensch zum moralischen Handeln verpflichtet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510811

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