In Zeiten der Medienkrise, die im Jahr 2001 in Deutschland begann und bis heute anhält, hatten und haben die Bereiche Print, Hörfunk und Fernsehen mit finanziellen Einbußen durch Verluste von Auflagen-, Hörer- und Zuschauerzahlen zu kämpfen. Das Fernsehen ist dienliches Beispiel für die in den letzten Jahren zunehmend negativen Entwicklungen in der deutschen Medienlandschaft. Hauptproblem ist das Ausbleiben von Werbeeinnahmen durch Anzeigenkunden bzw. die Verlagerung der Anzeigen vom Print- in den Onlinebereich. Somit wurde Wirtschaftlichkeit, also Einsparungen finanzieller Art, zur obersten Priorität. Das Konkurrenzdenken zwischen den Sendern nimmt zwangsläufig zu und kleine Projekte haben gegen die „TV-Riesen“ oftmals keine Chance. Es bedarf neuen Konzepten, um die Fernsehanstalten aus der finanziellen Krise zu führen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Zur Geschichte des Videojournalismus
3. Einen Beitrag produzieren – Arbeitsschritte eines Videojournalisten
3.1 Der Dreh vor Ort – Vorbereitung und Umgang mit der Kamera
3.1.1 Vorbereitung
3.1.2 Umgang mit der Kamera
3.2 Der Schnitt – Bildauswahl und -bearbeitung
3.3 Das Texten
4. Vor- und Nachteile des Videojournalismus
4.1 Finanzieller Aspekt
4.2 Technischer Aspekt
4.3 Berufsfeldspezifischer Aspekt
4.4 Qualitativer Aspekt
4.5 Zeitlicher Aspekt
5. Schlussbemerkung zur Zukunft des Videojournalismus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Aufstieg des Videojournalismus in der deutschen Fernsehlandschaft vor dem Hintergrund der Medienkrise. Es wird analysiert, ob dieses neue Berufsbild eine nachhaltige Innovation darstellt oder lediglich eine kostensparende Notlösung mit qualitativen Nachteilen ist.
- Historische Entwicklung und Etablierung des Videojournalismus (VJ)
- Arbeitsprozesse von der Recherche bis zur Produktion
- Ökonomische Vorteile und Effizienzsteigerungen durch Ein-Mann-Teams
- Kritische Diskussion der journalistischen und technischen Qualität
- Zukunftsperspektiven für klassische Fernsehberufe
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Umgang mit der Kamera
Zur Grundausstattung eines Videojournalisten gehört neben einem Rechner mit Schnittsystem eine moderne Digitalkamera (Digital-Video-Camera). Digitalkameras sind in den letzten Jahren immer kleiner und leistungsstärker geworden. Eine Digitalkamera wiegt durchschnittlich zwei Kilogramm, was im Vergleich zu den üblichen großen Beta-Kameras sehr wenig ist. Im Durchschnitt kosten die DV-Kameras zwischen 3500 und 5500 Euro. Das obligatorische Zubehör, dazu zählen Stativ und Steadybag, Mikrofone, eine Funkstrecke, Kopfhörer und ein Videorucksack, kostet in etwa noch einmal so viel.
Beim Umgang mit der Kamera sollten bewährte Regeln und Hinweise berücksichtigt werden.
Michael Rosenblum predigt für den Drehablauf einer Sequenz fünf wichtige Basiselemente, die sogenannte „Five-Shot-Technik“. So soll „jede interessante Situation [...] bildlich möglichst aufgeteilt werden:
1. ,Close up on the hand’ (Nahaufnahme von Bewegung oder Aktion)
2. ,Face’ (Nahaufnahme Gesicht)
3. ,Wide Shot’ (Totale von der Situation)
4. ,Oversholder’ (Einstellung über der Schulter des Akteurs)
5. ,Side’ (Seitenstellung der Aktion)“13
Jede der fünf Einstellungen, auch „Shots“ genannt, ist zehn Sekunden lang. „So lässt sich fast jede Situation aufnehmen und später fehlerfrei schneiden.“14
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Kontext der Medienkrise ab 2001 als Auslöser für wirtschaftliche Sparmaßnahmen und die Einführung des Videojournalismus.
2. Zur Geschichte des Videojournalismus: Beleuchtet den Wandel vom klassischen Produktionsteam hin zum Videojournalisten, maßgeblich geprägt durch Konzepte von Michael Rosenblum.
3. Einen Beitrag produzieren – Arbeitsschritte eines Videojournalisten: Erläutert die technischen und methodischen Anforderungen an den VJ bei der Vorbereitung, dem Dreh und der Postproduktion.
4. Vor- und Nachteile des Videojournalismus: Analysiert kritisch die finanziellen, technischen, berufsspezifischen, qualitativen und zeitlichen Auswirkungen des neuen Berufsbildes.
5. Schlussbemerkung zur Zukunft des Videojournalismus: Reflektiert die langfristige Relevanz des VJ und stellt die Frage, inwieweit klassische Berufsrollen im Fernsehen erhalten bleiben.
Schlüsselwörter
Videojournalismus, VJ, Medienkrise, Fernsehjournalismus, Ein-Mann-Team, Digitalkamera, Kosteneffizienz, Medienwandel, Berufsfeld, Produktionsprozess, journalistische Qualität, Five-Shot-Technik, Michael Rosenblum, Fernsehanstalten, Lokalberichterstattung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Videojournalismus als neues Berufsbild in der deutschen Fernsehlandschaft und bewertet dessen Auswirkungen auf Produktion und Qualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der VJ-Produktion, die praktischen Arbeitsschritte, die ökonomischen Beweggründe und die kontroverse Debatte um die Qualität der Beiträge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Videojournalismus eine echte Revolution im Fernsehen darstellt oder lediglich ein qualitativ minderwertiges Produkt der wirtschaftlichen Medienkrise ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Fallbeispielen sowie Expertenmeinungen aus dem journalistischen Umfeld.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen und praktischen Arbeitsschritte eines Videojournalisten sowie in eine detaillierte Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff Videojournalismus sind Kosteneffizienz, Medienkrise, journalistische Qualität und der technologische Wandel die prägenden Schlagworte.
Was zeichnet die sogenannte „Five-Shot-Technik“ nach Rosenblum aus?
Es handelt sich um eine Methode, bei der jede Situation in fünf spezifische Einstellungen (Nahaufnahme, Gesicht, Totale, über die Schulter, Seitenansicht) unterteilt wird, um den Schnittprozess zu erleichtern.
Welche Rolle spielen ökonomische Aspekte bei der Einführung von Videojournalisten?
Finanzielle Einsparungen durch den Verzicht auf große Teams sowie die Möglichkeit, kostengünstiger Lokal- und Regionalthemen zu produzieren, sind die wesentlichen Treiber.
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- Nancy Fischer (Author), 2005, Videojournalismus - Revolution in der deutschen Fernsehlandschaft oder schlechtes Produkt der Medienkrise?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51105