Als ich nun nach einem ansprechendem Thema für die vorliegende Diplomarbeit
suchte, ließ ich mich von einem guten Bekannten inspirieren. Er behauptete mit einem Funken Stolz ein „Workaholic“ zu sein. Mit einer gewissen Ungläubigkeit beobachtete ich an ihm, wie viel er arbeitete und stellte ihm die Frage, wie es dazu kommt so viel zu arbeiten. Als antwort erhielt ich die scherzhaft gemeinte doch ernst zu nehmende Aussage, dass er mit seiner Arbeit „verheiratet“ sei und gerne mit seiner „Frau“ zusammen bliebe. Sein Privatleben kommt natürlich zu kurz und findet zwischen Tür und Angel statt. Als defizitär definierte er seinen Lebensumstand nicht, vielleicht weil er berufsbedingt soziale Kontakte zu pflegen hat und weil er wohl über den Alkohol Ablenkung gefunden hat. Den Alkoholismus bekam er vorerst mit Hilfe Dritter in den Griff, doch wurde dabei meiner Ansicht nach die Ursache „Arbeitssucht“ als eigentliches Problem entweder nicht erkannt oder nicht als nennenswert bestätigt. Nun stellt sich berechtigt die Frage, wie ich mich von solch einem Leid habe inspirieren lassen können. Die Antwort kann ich so spontan darauf geben, wie die Frage aufgekommen ist. Zum Einen will ich nicht mit einem Gefühl der Hilflosigkeit (bedingt durch meine Unwissenheit über die Arbeitssucht) zusehen müssen, wie mein guter Bekannter sich arbeitsunfähig oder in den Tod arbeitet. Ich will begreifen, was unter Arbeitssucht zu verstehen ist, um nach Aufdeckung der Ursache und Aufrechterhaltung der Arbeitssucht eine entsprechende Hilfe und/ oder Beratung leisten zu können, wenn diese denn auch erwünscht ist.
Zum Anderen will ich mit dieser vorliegenden Facharbeit Sozialpädagogen und Angehörige verwandter Professionen Kenntnisse über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Arbeitssucht vermitteln. Für meine Intention spricht, dass die Arbeitssucht als stoffungebundene Suchtform bisher nur rudimentär erforscht und beschrieben worden ist. Diesen Zielen folgend, führe ich in die Arbeitssuchtthematik ein, indem ich kläre, was Arbeit für den Menschen bedeutet und welche Entwicklung die Funktionalität der Arbeit
durchgemacht hat. Überdies erläutere ich über den Begriff Sucht, wie Arbeitssucht definiert wird. In der vorliegende Arbeit gebe ich im Anschluss daran einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, wobei ich die Schwerpunkte auf die Diagnostik, Stadien, Typen, Symptome und Folgen der Arbeitssucht gelegt habe.
Inhaltsverzeichnis
1 PRÄAMBEL
2 ARBEIT UND SUCHT
2.1 WAS ARBEIT FÜR DEN MENSCHEN BEDEUTET
2.2 DIE FUNKTIONALITÄT DER ARBEIT UND IHRE ENTWICKLUNG
2.3 DIFFERENZIERUNG ZWISCHEN SUCHT UND ARBEITSSUCHT
3 ARBEITSSUCHT
3.1 DIAGNOSTIK
3.2 STADIEN UND SYMPTOME DER ARBEITSSUCHT
3.2.1. Erstes Modell der Entwicklung der Arbeitssucht
3.2.2 Zweites Modell der Entwicklung der Arbeitssucht
3.3 TYPEN DER ARBEITSSUCHT
3.3.1 Erster exemplarischer Typologisierungsversuch
3.3.2 Zweiter exemplarischer Typologisierungsversuch
3.4 FOLGEN FÜR DAS SOZIALE UMFELD
4. INTERVIEWS
4.1 ZIELSETZUNG UND HYPOTHESEN DER INTERVIEWS
4.2 METHODIK
4.3 DIE INTERVIEWS
4.4 AUSWERTUNG: THEMENANALYSE
4.4.1 Themenanalyse zu Interview 1 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.2 Themenanalyse zu Interview 2 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.3 Themenanalyse zu Interview 3 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.4 Themenanalyse zu Interview 4 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.5 Themenanalyse zu Interview 5 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.6 Themenanalyse zu Interview 6 nach dem Textreduktionsverfahren
4.4.7 Themenanalyse zu Interview 7 nach dem Textreduktionsverfahren
4.5 DIE HYPOTHESEN AUF DEN PRÜFSTAND
4.5.1 Vielarbeiter arbeiten nach wirtschaftlichen Prinzipien.
4.5.2 Das Leben des Vielarbeiters ist ganz auf die Arbeit ausgerichtet
4.5.3 Vielarbeiter wissen mit Muße nichts anzufangen, denn sie arbeiten lieber.
4.5.4 Vielarbeiter wurden vorrangig durch die Eltern und andere erziehungsberechtigte Personen zu Vielarbeitern.
5 HILFSMÖGLICHKEITEN
5.1 ÖFFENTLICHE ANLAUFSTELLEN
5.2 THERAPIE
5.2.1 Allgemeine Anmerkungen zur Therapie
5.2.2 Das verhaltenstherapeutische Konzept
5.2.3 Die psychoanalytische Therapie
5.2.4 Konzept der humanistischen Psychologie
5.2.5 Eklektizistisches Konzept
5.3 SOZIALPÄDAGOGIK IN DER BERATUNG ARBEITSSÜCHTIGER UND DEREN SOZIALEM UMFELD
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Arbeitssucht aus sozialpädagogischer Perspektive, mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für Ursachen, Verlauf und Auswirkungen dieser Suchtform zu entwickeln, um betroffenen Personen und deren Umfeld zielgerichtete Beratungs- und Hilfsangebote unterbreiten zu können.
- Bedeutung und Wandel der Arbeit für das Individuum und die Gesellschaft
- Diagnostik, Stadien und Symptomatik der Arbeitssucht
- Typologisierung von Arbeitssüchtigen nach psychologischen Kriterien
- Qualitative Analyse von Interviews mit vielarbeitenden Personen
- Hilfsmöglichkeiten und sozialpädagogische Beratungsszenarien
Auszug aus dem Buch
1 Präambel
Während meines Studiums der Sozialpädagogik habe ich u.a. gelernt, welche Hilfe und Beratung ein Mensch bei der Bewältigung bestimmter kritischer Lebensereignisse angeboten werden kann. Ich erfuhr hierbei, dass sich die Arbeit eines Sozialpädagogen im Wesentlichen auf die Hilfe zur Selbsthilfe, der sozialen Ingeration und dem Abbau diskriminierender Machtstrukturen beläuft, um soziale Probleme zu lösen.
Als ich nun nach einem ansprechendem Thema für die vorliegende Diplomarbeit suchte, welches das Kriterium eines sozialen Problems erfüllt, ließ ich mich von einem guten Bekannten inspirieren. Er behauptete mit einem Funken Stolz ein „Workaholic“ zu sein. Mit einer gewissen Ungläubigkeit beobachtete ich an ihm, wie viel er arbeitete (oft 16 Stunden an jedem Wochentag) und stellte ihm die Frage, wie es dazu kommt so viel zu arbeiten. Als antwort erhielt ich die scherzhaft gemeinte doch ernst zu nehmende Aussage, dass er mit seiner Arbeit „verheiratet“ sei und gerne mit seiner „Frau“ zusammen bliebe. Sein Privatleben kommt natürlich zu kurz und findet zwischen Tür und Angel statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PRÄAMBEL: Die Autorin erläutert ihre Motivation zur Themenwahl, die durch persönliche Beobachtungen im privaten Umfeld und das sozialpädagogische Interesse an unzureichend erforschten Suchtformen geprägt ist.
2 ARBEIT UND SUCHT: Dieses Kapitel definiert Arbeit philosophisch und sozioökonomisch als identitätsstiftend und klärt die begriffliche Abgrenzung zwischen Sucht und Arbeitssucht.
3 ARBEITSSUCHT: Der Hauptteil bietet einen Überblick über den Stand der Forschung zu Diagnostik, Stadien, Symptomen und verschiedenen Typen der Arbeitssucht.
4. INTERVIEWS: Hier werden die Ergebnisse von sieben qualitativen Interviews präsentiert und die aufgestellten Hypothesen kritisch überprüft.
5 HILFSMÖGLICHKEITEN: Das Kapitel diskutiert praktische Beratungsansätze, Selbsthilfegruppen sowie verschiedene psychotherapeutische Therapiekonzepte und die Rolle der Sozialpädagogik.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Eine zusammenfassende Reflexion über die Ergebnisse der Arbeit und den Forschungsbedarf hinsichtlich des Phänomens Arbeitssucht.
Schlüsselwörter
Arbeitssucht, Workaholism, Arbeitsalltag, Sozialpädagogik, Suchtforschung, Selbstdiagnostik, Symptomatik, Typologie, qualitative Interviews, Therapiekonzepte, Arbeitskraftunternehmen, Identitätsbildung, Stress, Burnout, soziale Auswirkungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Arbeitssucht und deren soziologischen sowie psychologischen Hintergründen aus sozialpädagogischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Bedeutung der Arbeit für den Menschen, die Definition der Arbeitssucht, Stadienmodelle, Typologien der Betroffenen, Auswirkungen auf das Umfeld und Lösungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein wissenschaftliches Verständnis für Arbeitssucht zu schaffen, um Sozialpädagogen und Angehörigen verwertbare Kenntnisse für die Beratung und Hilfeleistung zur Verfügung zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstandes kombiniert mit einem empirischen Teil, der auf sieben qualitativen Interviews mit Vielarbeitern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine ausführliche Typologie von Arbeitssüchtigen sowie eine detaillierte Auswertung von Interviews nach dem Textreduktionsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitssucht, Workaholism, Diagnostik, soziale Auswirkungen, Sozialpädagogik, Identitätsbildung und Stress.
Warum wird Arbeitssucht mit Alkoholismus verglichen?
Der Vergleich dient dem Verständnis des Begriffs "Workaholism" in Analogie zu "Alcoholism" und hilft, zwanghafte Verhaltensmuster und Entzugserscheinungen bei Arbeitssüchtigen besser zu veranschaulichen.
Welchen Stellenwert nimmt die Sozialpädagogik in der Arbeit ein?
Die Sozialpädagogik ist das Anwendungsfeld: Die Autorin zeigt auf, wie Sozialpädagogen als Berater für Betroffene und deren soziales Umfeld agieren können, um destruktive Arbeitsmuster zu durchbrechen.
- Quote paper
- Yen Sandjaja (Author), 2005, Arbeitssucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51156