Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit den Vorkenntnissen von Schulanfängern im
Mathematikanfangsunterricht. Im ersten Abschnitt wird es darum gehen, wie und warum
Vorkenntnisse und Vorerfahrungen im Anfangsunterricht eine Rolle spielen. Ich werde im
zweiten Teil exemplarisch einige Untersuchungen vorstellen, die zeigen, welche
Vorkenntnisse man bei Schulanfängern durchschnittlich erwarten kann. Im dritten Teil gehe
ich darauf ein, welche Rückschlüsse man als Lehrkraft aus solchen Untersuchungen für den
eigenen Anfangsunterricht ziehen kann und welcher Handlungsbedarf besteht. Anschließend
folgen die Literaturhinweise.
[...]
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Berücksichtigung von Vorkenntnissen im Anfangsunterricht
2. Mathematische Vorkenntnisse von Schulanfängern
2.1. Untersuchungen
2.1.1. Wissen über den Gebrauch von Zahlen
2.1.2. Kenntnis der Zahlwortreihe
2.1.3. Ziffernkenntnis
2.1.4. Kenntnisse über Maßzahlen
2.2. Fazit der vorgestellten Untersuchungen
3. Berücksichtigung der Ergebnisse im Anfangsunterricht
3.1. Erhebungsmöglichkeiten
3.1.1. Frühe Zusammenarbeit mit den vorschulischen Einrichtungen
3.1.2. Differenzierungsprobe (DP) nach Breuer/Weuffen (1986)
3.1.3. Förderdiagnostische Aufgaben im Unterricht
3.1.3.1. Förderdiagnostische Aufgaben zum visuellen Wahrnehmungsbereich
3.1.3.2. Förderdiagnostische Aufgaben zum auditiven Wahrnehmungsbereich
3.1.3.3. Förderdiagnostische Aufgaben zur Fein- und Grobmotorik
3.1.3.4. Bereichsverbindende förderdiagnostische Aufgaben
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Umgang mit mathematischen Vorkenntnissen von Schulanfängern im Anfangsunterricht und erörtert, wie Lehrkräfte eine fundierte Lernstandsbestimmung durchführen können, um den Unterricht individuell an die heterogenen Voraussetzungen der Kinder anzupassen.
- Bedeutung von Vorerfahrungen im Mathematikanfangsunterricht
- Analyse mathematischer Vorkenntnisse (Zahlenverständnis, Zählen, Ziffern, Maßzahlen)
- Instrumente zur Lernstandsbestimmung und Differenzierung
- Förderdiagnostische Ansätze für visuelle, auditive und motorische Bereiche
- Notwendigkeit einer kompetenzorientierten Unterrichtsgestaltung
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Wissen über den Gebrauch von Zahlen
Schmidt/Weiser (1982) untersuchten das Wissen von Schulanfängern in Bezug auf den Gebrauch von Zahlen. Sie stellten ihnen in Einzelinterviews die Frage „Wozu braucht man Zahlen? Braucht man Zahlen auch beim Einkaufen, Spielen, Basteln oder Bauen, Backen oder Kochen, Autofahren, Telefonieren? Fällt Dir sonst noch etwas ein, wo man Zahlen braucht?“ Nach jeder Teilfrage ließen sie den Kindern eine Pause, um ihre Reaktion abzuwarten. An den Antworten konnten sie erkennen, dass die meisten Schulanfänger offensichtlich schon vielfältige Erfahrungen mit Zahlen gesammelt haben (siehe Tabelle 1). Es tauchten nicht nur die natürlichen Zahlen in ihrer Bedeutung als Kardinal- und Maßzahlen auf, sondern neben Zahlen zum Zwecke der Codierung auch als Ordinal- und Rechenzahlen (vgl. Padberg 1996: 21f).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz von Vorkenntnissen für den Anfangsunterricht und kündigt die Untersuchung exemplarischer Studien sowie die Ableitung pädagogischer Konsequenzen an.
1. Berücksichtigung von Vorkenntnissen im Anfangsunterricht: Dieses Kapitel erläutert, warum Schulanfänger keine homogene Gruppe darstellen und warum Lehrkräfte anstatt eines "fiktiven Nullpunkts" die individuellen Vorerfahrungen der Kinder explorieren sollten.
2. Mathematische Vorkenntnisse von Schulanfängern: Hier werden diverse empirische Untersuchungen vorgestellt, die belegen, dass Schulanfänger bereits über erstaunliche Kompetenzen im Bereich der Zahlen, des Zählens, der Ziffern und der einfachen Addition/Subtraktion verfügen.
3. Berücksichtigung der Ergebnisse im Anfangsunterricht: Das Kapitel stellt konkrete Diagnoseinstrumente vor, wie die Zusammenarbeit mit Vorschuleinrichtungen, die Differenzierungsprobe nach Breuer/Weuffen sowie spezifische förderdiagnostische Übungen im Unterricht.
4. Resümee: Die Zusammenfassung betont die Notwendigkeit einer differenzierten Unterrichtsgestaltung, die das individuelle Kompetenzprofil jedes Kindes berücksichtigt und nicht am Durchschnitt orientiert ist.
Schlüsselwörter
Mathematikanfangsunterricht, Vorkenntnisse, Schulanfänger, Lernstandsbestimmung, Differenzierung, Förderdiagnose, Zahlenverständnis, Zahlwortreihe, Ziffernkenntnis, Wahrnehmungsbereiche, Feinmotorik, Grobmotorik, Kompetenzprofil, didaktische Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung der mathematischen Vorkenntnisse von Schulanfängern und zeigt auf, wie Lehrkräfte diese Kenntnisse im Anfangsunterricht diagnostizieren und nutzen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die empirische Erfassung von mathematischem Vorwissen, die diagnostischen Möglichkeiten im ersten Schuljahr und die daraus resultierende notwendige Differenzierung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Lehrkräfte für die Heterogenität in Eingangsklassen zu sensibilisieren und Instrumente an die Hand zu geben, um Unterricht individuell am Kind auszurichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die auf der Analyse existierender empirischer Untersuchungen und fachdidaktischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Vorstellung von Studien zu mathematischen Vorkenntnissen sowie die Erläuterung praktischer Diagnoseinstrumente wie der Differenzierungsprobe und förderdiagnostischer Aufgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Mathematikanfangsunterricht, Lernstandsbestimmung, Förderdiagnose, Differenzierung und die Heterogenität von Vorkenntnissen.
Warum wird von einem "fiktiven Nullpunkt" abgeraten?
Der Autor warnt vor dem fiktiven Nullpunkt, da Kinder bei Schuleintritt bereits über sehr unterschiedliche Vorerfahrungen verfügen und ein Unterricht für alle auf demselben Stand den individuellen Lernprozess behindern würde.
Was ist das Besondere an der Differenzierungsprobe nach Breuer/Weuffen?
Sie dient als diagnostisches Instrument, um in den ersten Schulwochen Tendenzen in den Wahrnehmungsbereichen (optisch, phonematisch, kinästhetisch, rhythmisch, melodisch) zu erfassen, die für den Lernerfolg maßgeblich sind.
Welche Rolle spielt die auditive Wahrnehmung für das Mathematiklernen?
Störungen in der auditiven Wahrnehmung können laut Arbeit zu Fehlleistungen beim Kopfrechnen oder zum Vergessen von Aufgabenstellungen führen, da das Hören ein selektiver Prozess ist.
- Quote paper
- Simone Kaletsch (Author), 2004, Vorkenntnisse im mathematischen Anfangsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51162