Geschlechterrollen und Eheverständnis in den Fastnachtsspielen des Hans Sachs


Bachelorarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung und Methodik

2. Eheverständnis und Geschlechterverständnis im Wandel

3. Die private Bedeutung und Wichtigkeit der Ehe

4. Hans Sachs und die Fastnachtsspiele im Kontext
4.1 Gesellschaft, Religion und Ehe in Einklang
4.2 Die stereotypischen Figuren
4.2.1 Die listige und intrigante Ehefrau
4.2.2 Der einfältige und eifersüchtige Ehemann
4.3 Moralische Appelle an die Ehepartner

5. Die Ideale Rollenverteilung in den Fastnachtsspielen

6. Fazit und Deutungsmöglichkeiten

7. Literaturverzeichnis

1. Hinführung und Methodik

Die Würde des Menschen, die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und die Gleichberechti- gung von Mann und Frau bilden, zusammen mit der Freiheit des Glaubens, seit 1949 die vier Eck - pfeiler des Deutschen Grundgesetzes und die Basis unserer modernen Gesellschaft.

Wir leben in einer Zeit der Freiheit und Autonomie, in der sich der Fokus zunehmend auf das ein - zelne Subjekt und dessen Lebensqualität gerichtet hat. Das Geschlecht spielt hierbei eine immer un- bedeutendere Rolle, sodass sowohl Männer als auch Frauen nahezu sämtliche Möglichkeiten der Selbstverwirklichung besitzen. Es ist schwer vorstellbar, dass eben diese Gleichstellung und Unab- hängigkeit eine Errungenschaft ist, die in der menschlichen Entwicklungszeit einen verschwindend geringen Zeitraum einnimmt. Auf Grund dieser Tatsache stellt sich aber auch die Frage, wie die Ge - schlechterrollen, die in Deutschland jahrhundertelang in beachtlichem Maße durch das Christentum und die Institution der Ehe geprägt worden sind, vor dieser Zeit betrachtet wurden.

Das Genre der Fastnachtsspiele kann hierbei interessante Einblicke ermöglichen, da weltliches Schauspiel, implizite Gesellschafts- und Kleruskritik und ein beschränkter öffentlicher Rahmen, beispielsweise die Aufführung in privaten Räumlichkeiten oder Wirtshäusern1, aufeinandertreffen. Die „zielgerichtete Normverkehrung“2 und drastische Übertreibungen als stilistische Mittel boten den Verfassern die Möglichkeit, das Publikum sowohl zu unterhalten als auch einen moralischen Appell an selbiges zu richten. Nicht selten behandeln die Fastnachtsspiele deshalb auch private The- men wie Eifersucht, Untreue und die Rollenverteilung in der Ehe, die auf höchst humoristische Weise in Szene gesetzt werden. Die Darstellung verschiedenster Schreckensszenarien des alltägli- chen Lebens, die bei Nichteinhaltung gewisser Normen und Regeln eintreten könnten, sind hierbei ebenso typisch wie die Wiederherstellung der Ordnung und die Aufforderung zur Geselligkeit am Ende des Schauspiels.

Eine Festlegung auf Hans Sachs als Verfasser der Fastnachtsspiele erscheint vor dem Hintergrund seines Schaffenszeitraums, inmitten des reformatorischen Umbruchs im 16. Jahrhundert, bei dem „die Dichtkunst aus ihrer ästhetischen Selbstgenügsamkeit heraustrat und zum Forum aktueller Le - bensfragen der Epoche wurde“3, als sinnvoll.

Hans Sachs, der im Laufe seines Lebens rund 6000 Werke, darunter 85 Fastnachtsspiele, veröffent- lichte4 und bereits früh seine Sympathie für Luther öffentlich bekundete5, verbindet damit ein für diese Fragestellung vielversprechendes Genre mit einer breiten Anzahl an möglichen Quelltexten. Die Inhalte seiner Fastnachtsspiele, so die These dieser Arbeit, rücken aber letztlich ein konservati- ves und auf den Mann gerichtetes Geschlechterverständnis und Eheverständnis in den Vordergrund. Das Ziel dieser Arbeit soll deshalb sein, Sachsens Auffassung der Geschlechterrollen und der Ehe exemplarisch herauszuarbeiten und diese Aussage zu bestätigen.

Die hierfür gewählte Methodik umfasst zunächst eine Betrachtung der Geschlechterrollen und des Eheverständnisses aus gesellschaftlicher und religiöser Sicht in Hans Sachs Heimatstadt Nürnberg. Anschließend soll die Ehe und ihre Auswirkungen auf den privaten Bereich beleuchtet werden, um beurteilen zu können, welche Bedeutsamkeit sie für das Individuum hatte und wie sie von der Re- formation beeinflusst wurde. Im Vordergrund steht die Frage nach der Auffassung einer idealen Rol- lenverteilung in der Ehe zwischen Mann und Frau und möglichen reformatorischen, politischen und persönlichen Begründungen. Es wird dabei davon ausgegangen, dass die institutionalisierte Refor - mation „dort am erfolgreichsten [war], wo sie die Eingliederung der Frau in den Haushalt unter der Gewalt ihres Ehemannes am nachdrücklichsten betonte“6. Diese Sichtweise mag zwar kritisch zu betrachten sein, wird aber unter anderem von Lyndal Roper, deren Literatur die Grundlage für den ersten Teil dieser Arbeit bildet, vertreten. Darüber hinaus wird zudem von einer generellen Über - tragbarkeit der von ihr geschilderten Situation in Augsburg auf die Situation in Nürnberg ausgegan- gen. Für die Betrachtung der Geschlechterrollen ergibt sich deshalb generell eine eher skeptische Blickweise auf die Stärkung der Ehe im frühneuzeitlichen Kontext.

Nachdem der religiöse und gesellschaftliche Rahmen, in dem sich Hans Sachs bewegte, festgelegt wurde, kann auf dieser Basis eine Einordnung seiner eigenen Person stattfinden. Eine grobe Be- trachtung seines Privatlebens, Konflikte mit der Obrigkeit und sein persönlicher Bezug zur Refor- mation sind dabei von besonderem Interesse. Anhand dieser Erkenntnisse kann in diesem Kontext schließlich eine exemplarische Deutung einzelner Fastnachtsspiele erfolgen, die für die Frage nach den Geschlechterrollen und dem Eheverständnis relevant sein könnten. Im Zentrum stehen hierbei Wie Gott, der Herr, Adam und Eva ihre Kinder segnete, Das Teufelsbannen, Eulenspiegel und des Pfaffen Haushälterin, Das Kälberbrüten und Der Eifersüchtige. Die Wahl dieser Texte erscheint vor allem vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Darstellung der Beziehung zwischen Mann und Frau, ihrem Erscheinungszeitraum und dem porträtierten Machtverhältnis zwischen beiden Ge- schlechtern als schlüssig. Besondere Beachtung erhalten in diesem Teil der Arbeit die von Sachs verwendeten Stereotype, die Darstellung der beiden Geschlechter und die moralischen Appelle an die Ehepartner. Die hierbei gewonnen Eindrücke sollen im Anschluss schließlich dazu dienen, die ideale Rollenverteilung und das damit verbundene Geschlechterverständnis und Eheverständnis in den Fastnachtsspielen des Hans Sachs zusammenfassen und beurteilen zu können.

Ein Fazit soll die gewonnen Erkenntnisse abschließend in einen Zusammenhang bringen und dazu beitragen, die eingangs aufgestellte These zu bestätigen. Hierbei ist hervorzuheben, dass die Texte zu jeder Zeit ambivalente Deutungsmöglichkeiten enthalten können. Es ist also durchaus möglich, dass Literatur und Realität nicht kongruent sind und die gezogenen Schlussfolgerungen irreführend sind, was bei einer abschließenden Beurteilung und Deutung allerdings berücksichtigt werden soll.

2. Geschlechterrollen und Eheverständnis im Wandel

Die Idee einer beständigen Partnerschaft zwischen Mann und Frau ist ebenso alt wie die Menschheit selbst. Die sakramentale Eheschließung bietet hierbei die Möglichkeit, diese Partnerschaft zusätz- lich vor Gott und der Kirche zu bekräftigen. Vor allem durch die Reformation rückte die Ehe als eine weltliche und „von Gott gestiftete Institution“7 immer weiter in den Mittelpunkt der Gesell- schaft und rivalisierte dabei mit dem vom Katholizismus idealisierten Verzicht auf eine sexuelle Be- ziehung zwischen beiden Geschlechtern. Luther war davon überzeugt, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau eine göttlich gewollte und nicht zuletzt natürliche Sache sei.8 Er ging dabei sogar so weit, zu behaupten, dass „ zwischen Sexualität [...] und Gesundheit ein Zusammenhang" 9 besteht und betonte dadurch nicht zuletzt auch ihre körperliche Notwendigkeit.

Im Nürnberg des 15. und 16. Jahrhunderts, der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt, festigten sich die städtischen Strukturen, sodass die „soziale Kontrolle“10 zunehmend auch zu einem zentralen An- liegen der Ratspolitik werden musste. Der Nürnberger Rat, der die Interessen der Stadt zu Zeiten des Hans Sachs vertrat und sich eingangs noch bezüglich einer religiösen Positionierung von „bei- den Glaubensfraktionen bedrängt“11 fühlte, schloss sich im Jahre 1525 der Reformation Luthers an und erteilte dem Katholizismus damit eine Absage.12

Diese Entscheidung beendete die Religionsfrage auf politischer Ebene und mündete in einem Ver- bot katholischer Gottesdienste und Predigten.

Ab diesem Zeitpunkt amtete das Stadtgericht darüber hinaus auch als Ehegericht, weshalb innerhalb kürzester Zeit sowohl die weltliche Ehe als auch das damit verbundene Eherecht einen wesentlichen Bedeutungszuwachs erlebten. In Bezug auf die Beziehung zwischen Mann und Frau hatte dies zur Folge, dass das nun obsolete Geschlechterverständnis ebenfalls einem Wandel unterzogen werden musste. „Das weibliche Geschlecht gegen Vorurteile und Verunglimpfungen […] entschlossen in Schutz zu nehmen“13, wurde von Luther schließlich als gesellschaftliche Notwendigkeit verstanden. Das Bild der willensschwachen und triebgesteuerten Frau, das die katholische Kirche jahrhunderte- lang propagierte, galt es zu beseitigen. Auch die Stadt Nürnberg, die nun für die Ordnung und Rechtsprechung im Bereich der Ehe zuständig war und die katholischen Versäumnisse aufzuarbei- ten hatte, sollte hierzu nun ihren Beitrag leisten. Die Auffassung der Ehe als idealisierte Lebensform und Mikrokosmos der Gesellschaft, dem besondere Beachtung gilt und dessen Funktionalität auch von gesellschaftlichem und politischem Interesse sein kann, setzte sich deshalb durch.

Der neugewonnene Bedeutungszuwachs erforderte aber vor allem die Betonung der Ernsthaftigkeit der Ehe und deren langfristige Sicherung. Das Ehepaar musste schließlich als Einheit funktionieren, um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden und die städtische Ordnung auf Dauer wahren zu können. Aus diesem Grund war es zwingend notwendig, dass beide Ehepartner zur Einhaltung ihrer ehelichen Pflichten angehalten wurden. Entscheidend hierfür war, dass nicht mehr nur die öffentli - che Moral, sondern auch die weltliche Justiz diesbezüglich von Relevanz gewesen ist. Ehebruch, oder sonstige grobe moralische Verfehlungen, waren nicht mehr länger ausschließlich Angelegen- heit der Kirche, sondern wurden Teil einer weltlichen Gerichtsbarkeit, was unweigerlich auch eine gesellschaftliche und politische Stärkung des Nürnberger Rates mit sich führte. Für die Bürger hatte dies zur Folge, dass neben dem christlichen Glauben, der auch weiterhin die Basis der Ehe bildete, die Moralvorstellung einer zweiten Obrigkeit zunehmend an Einfluss gewann.

„Die [städtische] Morallehre stellte die Ehe ins Zentrum der ökonomischen, moralischen und sozialen Ordnung, die errichtet werden wollte. Für beide Geschlechter war Unabhängig- keit im Haushalt und in der Werkstatt an die Ehe gebunden.“14

Hieraus ergab sich die Notwendigkeit einer klaren Rollenverteilung, welche diese Unabhängigkeit voneinander sicherstellen konnte. Der protestantische Glaube und die städtischen Interessen muss- ten dabei in Einklang gebracht werden, um kein widersprüchliches Bild zu vermitteln. Der Mann wird deshalb zum Oberhaupt der Familie erklärt, der die Rolle des „Patriarchen und Haushaltsvor - standes“15 ausübt und das Gesicht der Familie nach außen hin vertritt. Die Frau hingegen wird in ih - rer Rolle als Mutter und Ehefrau gestärkt. Der Haushalt untersteht dem Mann und die Haushaltsfüh- rung der Frau, wodurch sie sich auf komplementäre Weise ergänzen sollten. Der Austausch zweier Ringe, als unendlicher Kreis, welcher die Unauflöslichkeit der Ehe symbolisieren soll, wurde dies - bezüglich eine zentrale symbolische Rolle zuteil.16

Die Reformation und der Nürnberger Rat zielten mit der Etablierung der Ehe als gesellschaftliches Ideal zwar auf unterschiedliche Absichten ab, hatten jedoch beide die Stärkung der Ehe als Ziel. Lu- ther versteht die Ehe als Teil der Schöpfungsgeschichte, welcher „von der weltlichen Obrigkeit als Repräsentantin der göttlichen Ordnung auf Erden reglementiert wird“17. Diese gilt es aus Gottes- fürchtigkeit zu schützen und zu wahren. Der Rat hatte ebenfalls ein Interesse an einer Sicherstellung und Etablierung fester ehelicher Strukturen, da er dadurch die innere Ordnung sicherstellen konnte. Störfaktoren wie Frauenhäuser und Prostitution, die abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit auch eine erhebliche finanzielle Belastung der Haushalte darstellen konnten, wurden zunehmend abgeschirmt und aus der Stadt gedrängt.18

3. Die private Bedeutung und Wichtigkeit der Ehe

Sowohl für den Mann als auch für die Frau markierte die Hochzeit den Zeitpunkt, durch den der Übergang in das Erwachsenendasein gekennzeichnet wurde und der die Gründung eines eigenstän- digen Hausstandes mit sich führte. Die Institutionalisierung der Ehe und deren Einbindung in einen stärken sozialen Kontext hatten zur Folge, dass die Bedeutung der Ehe auch im privaten Bereich zu- nehmen musste. Eine Eheschließung bestand schließlich nicht mehr länger nur aus einem „Ehever - sprechen, das die Partner einander gaben, und ihrer körperlichen Vereinigung“19, sondern bedurfte nun auch der Formpflicht im Sinne einer kirchlichen Trauung.20 Die Hochzeit der beiden Partner wurde dadurch immer mehr zu einem öffentlich-gesellschaftlichen Ereignis und fand verstärkt auch unter zahlreichen Zeugen statt. Leugnen konnte man die Eheschließung deshalb nur noch selten, so- dass von einer zunehmenden Verbindlichkeit und Ernsthaftigkeit der Ehe gesprochen werden kann.

Beide Ehepartner verpflichteten sich letztlich zu gegenseitiger Treue auf Lebenszeit und wurden an- hand von Bibeltexten auf ihre ehelichen Rechte und Pflichten hingewiesen, deren beidseitige Ein - haltung ab dem Jawort verbindlich war. Die Ehe wurde mit der Zeit jedoch auch im öffentlichen Bereich zunehmend als Notwendigkeit verstanden und hatte nicht mehr nur eine private oder sexu- elle Komponente. Die katholischen Deutung der Ehe „als notwendiges Übel“21, das es vor der Öf- fentlichkeit zu verstecken galt, wich der Auffassung der Ehe im Zentrum der Gesellschaft.

Der Mann erhielt im Zuge der Ehe beispielsweise das Bürgerrecht und wurde dadurch erst politisch vollgültiges Mitglied der Stadtgemeinde. Die Frau hingegen wurde ab dem Eintritt in die Ehe ihrem Ehemann unterstellt und zur Mutter- und Ehefrauenrolle verpflichtet. Politische Selbstbestimmtheit und finanzielle Unabhängigkeit erhielt die Frau, im Gegensatz zum Mann, dadurch nicht, sodass zwar von einer Stärkung der Ehe als solche gesprochen werden kann, diese für Frauen aber in ge- wisser Weise eine Unterordnung ihrerseits voraussetzte. Alternativen zur häuslichen Ehe besaß sie nach der Einführung der Reformation kaum noch. Die Frauenklöster und das katholische Nonnen- tum, bei dem die Frau in den ehelichen Stand erhoben wurde und als „Braut Christi“ 22 galt, wurde sukzessiv abgeschafft und die Ehe erforderte nunmehr zwangsweise eine „Integration in die Familie des Ehemannes“23.

Auf Grund der Erhebung der Ehe zu einem gesellschaftlichen Standard, der nicht zuletzt Vorausset- zung für die familiäre und politische Autonomie des Mannes war, entstand jedoch auch ein zuneh - mender Druck auf diesen. Die Erlangung des Bürgerrechts, das dem Ehemann unter anderem durch die Heirat zuteil wurde, war beispielsweise eine Voraussetzung dafür, selbstständiger Handwerks- meister werden zu können.24 Die Hochzeit, bei der die Eltern der Braut im Regelfall zusätzlich eine Aussteuer und Mitgift stellten, war für ihn ein finanzieller Anreiz, der die persönlichen und ökono- mischen Interessen seinerseits verbinden konnte. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass Ehen häufig arrangiert wurden, um den Besitz, den sozialen Status oder familiäre Geschäftsbe - ziehungen zu befördern.25

Zu diesen sozialen und ökonomischen Vorteilen ergab sich für den Mann darüber hinaus auch eine erhebliche Entlastung im gesamten Bereich des Haushalts, welcher der Frau unterstand. Sie hatte sich um die nicht öffentlichen und nicht kommerzialisierten Binnentätigkeiten zu kümmern, wäh - rend der Mann „die öffentlichen Tätigkeiten monopolisierte, die zugleich Repräsentation und höhe- res Prestige implizierten“26.

Diese klare Trennlinie der männlichen und weiblichen Tätigkeitsfelder erforderte eine reibungslose Zusammenarbeit beider Ehepartner. Vertrauen und gegenseitige Treue waren hierbei unabdingbar. Die Ehe ist im Idealbild deshalb auch an die beidseitige Monogamie geknüpft, zu der sich beide Partner beim Eintritt in die Ehe bekennen. Zwar wird die Sexualität durch die Reformation und der Betrachtung als natürliche Sache von den Stigmata der katholischen Kirche befreit, eine Einhaltung der Sittlichkeit und eine Beschränkung auf die Ehe wird jedoch vorausgesetzt. Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe galt aus diesem Grund auch weiterhin als moralische Unsittlichkeit und konnte durchaus auch strafrechtlich verfolgt werden.

[...]


1 Vgl. Glenn Ehrstine: Aufführungsort als Kommunikationsraum. Ein Vergleich der fastnächtlichen Spieltradition Nürnbergs, Lübecks und der Schweiz. In: Klaus Ridder (Hg.): Fastnachtspiele. Weltliches Schauspiel in literarischen und kulturellen Kontexten. Tübingen 2009, S. 83-97, S. 86.

2 Gerhard Wolf: Komische Inszenierung und Diskursvielfalt im geistlichen und weltlichen Spiel. Das Erlauer Osterspiel und die Nürnberger Arztspiele K82 und K6. In: Klaus Ridder (Hg.): Fastnachtspiele. Weltliches Schauspiel in literarischen und kulturellen Kontexten. Tübingen 2009, S. 301-326, S. 303.

3 Barbara Könneker: Die deutsche Literatur der Reformationszeit. Kommentar zu einer Epoche. München 1975, S. 8.

4 Vgl. Bernd Roeck: Lebenswelt und Kultur des Bürgertums in der Frühen Neuzeit. München 1991, S. 39.

5 Vgl. Dieter Breuer: Geschichte Der Literarischen Zensur in Deutschland. Heidelberg 1982, S 36.

6 Lyndal Roper: Das Fromme Haus. Frauen und Moral in der Reformation. Frankfurt a. M. 1999, S. 8.

7 Sonja Domröse: Frauen der Reformationszeit. Gelehrt, mutig und glaubensfest. Göttingen 2010, S. 145.

8 Vgl. Martin H. Jung: Luther lesen. Die zentralen Texte. Göttingen 2017, S. 73.

9 Lyndal Roper: Luther. Der Mensch Martin Luther. Berlin 2017, S. 383.

10 Klaus Ridder: Fastnachtstheater. Städtische Ordnung und fastnächtliche Verkehrung. In: ders. (Hg.): Fastnachtspiele. Weltliches Schauspiel in literarischen und kulturellen Kontexten. Tübingen 2009, S. 65-83, S. 74.

11 Eckehard Simon: Fastnachtspiele inszenieren die Reformation. Luthers Kampf gegen Rom als populäre Bewegung in Fastnachtspielzeugnissen, 1521-1525. In: Klaus Ridder (Hg.): Fastnachtspiele. Weltliches Schauspiel in literarischen und kulturellen Kontexten. Tübingen 2009, S. 115-139, S. 120.

12 Vgl. Gottfried Seebaß: Die Reformation und ihre Aussenseiter. Gesammelte Aufsätze und Vorträge. Göttingen 1997, S. 250

13 Christian Volkmar Witt: Martin Luthers Reformation der Ehe. Sein theologisches Eheverständnis vor dessen augustinisch-mittelalterlichem Hintergrund.Tübingen 2017, S. 11.

14 Lyndal Roper: Das Fromme Haus, S. 114.

15 Claudia Steinkämper: Melusine - vom Schlangenweib zur "Beaute mit dem Fischschwanz". Geschichte einer literarischen Aneignung. Göttingen 2007, S. 159.

16 Vgl. Lyndal Roper: Das Fromme Haus, S. 114f.

17 Claudia Steinkämper: Melusine - vom Schlangenweib zur "Beaute mit dem Fischschwanz", S. 159.

18 Vgl. Beate Schuster: Wer gehört ins Frauenhaus?. Rügebräuche und städtische Sittlichkeitspolitik im 15. und 16. Jahrhundert. In: Reinhard Blänker/Bernhard Jussen (Hg.): Über historische Praktiken und Vorstellungen gesellschaftlichen Ordnens. Göttingen 1998, S.185-253, S. 245.

19 Lyndal Roper: Luther. Der Mensch Martin Luther. Berlin 2017, S. 360.

20 Peter Neuner: Martin Luthers Reformation. Eine katholische Würdigung. Freiburg 2017, S. 285.

21 Rüdiger Schnell: Sexualität und Emotionalität in der vormodernen Ehe. Böhlau 2002, S. 22.

22 Lyndal Roper: Das Fromme Haus, S. 179.

23 Ebd.

24 Vgl. Ebd., S. 117.

25 Vgl. Ebd., S. 132.

26 Markus Reisenleitner: Frühe Neuzeit, Reformation und Gegenreformation. Darstellung, Forschungsüberblick, Quellen und Literatur. Innsbruck 2000, S. 47.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Geschlechterrollen und Eheverständnis in den Fastnachtsspielen des Hans Sachs
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V511651
ISBN (eBook)
9783346084750
ISBN (Buch)
9783346084767
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechterrollen, eheverständnis, fastnachtsspielen, hans, sachs
Arbeit zitieren
Chris Zemmel (Autor), 2019, Geschlechterrollen und Eheverständnis in den Fastnachtsspielen des Hans Sachs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511651

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