Ziel der vorliegenden Masterarbeit ist es, individuelle Vorstellungen von Schülern der 9. Jahrgangsstufe der Realschule zu der Thematik der Berufsausbildung zu erheben, zu analysieren und diese mit der fachwissenschaftlichen Perspektive zu vergleichen. Hierbei ergibt sich für diese Arbeit die folgende Frage: "Welche Vorstellung haben Schüler von einer Berufsausbildung?"
Aus dieser Fragestellung werden die folgenden Unterfragen ausdifferenziert: 1. In welchen Punkten stimmen die Schülervorstellungen mit der fachlichen Sicht zur Berufsausbildung überein? 2. Weisen Schülervorstellungen zur Thematik der Berufsausbildung eine positive Konnotation auf? 3. Welchen Einfluss hat die allgemeinbildende Schule auf die Schülervorstellungen zur Berufsausbildung?
Die Zahlen aus dem zurückliegenden Abschnitt stellen dar, dass die Schüler durchaus Vorstellungen und Kenntnisse zur Thematik der Berufsausbildung vorweisen können. Trotzdem soll im Laufe der Arbeit festgestellt werden, welche Tiefe die Schülervorstellungen zur Berufsausbildung aufweisen oder ob sie häufig eher oberflächlich, unvollständig und durch die lebensweltliche Perspektive geprägt sind.
Inhalt
1 Problem und Zielsetzung, methodische Rahmenkonzeption und Struktur
1.1 Problemdifferenzierung und Eingrenzung des Untersuchungsfeldes
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Methodische Rahmenkonzeption und Struktur
2 Theoretische Grundlagen zur Schülervorstellung
2.1 Die Didaktische Rekonstruktion
2.2 Schülervorstellungen als Untersuchungsgegenstand
2.2.1 Schülervorstellungen unter der konstruktivistischen Perspektive
2.2.2 Schülervorstellungen im Rahmen des Modells der Didaktischen Rekonstruktion
2.3 Konstruktivistische Theorien des Wissenserwerbs
2.3.1 Conceptual Growth und Conceptual Change
2.3.2 Theorie des erfahrungsbasierten Verstehens
3 Theoretische Grundlagen zur Berufsausbildung
3.1 Begriffsbestimmung und Entstehung
3.2 Die Struktur des dualen Berufsbildungssystems
3.2.1 Die Berufsschule als Lernort
3.2.2 Der Betrieb als Lernort
3.2.3 Ausbildungsordnung
3.2.4 Berufsausbildungsvertrag
3.2.5 Rechte und Pflichten in der Berufsausbildung
3.3 Die schulische Berufsausbildung
3.4 Jugend und Ausbildung
3.5 Der Ausbildungsmarkt
4 Berufsorientierungsmaßnahmen in der Sekundarstufe I
4.1 Bildungsplan Sekundarstufe I – Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung
4.2 Betriebspraktikum
5 Erhebung von Schülervorstellungen - Methode und Vorgehen
5.1 Ablauf der Untersuchung
5.2 Geplante Durchführung
5.3 Entwicklung des Erhebungsinstrumentes
5.3.1 Untersuchungsgruppe
5.3.2 Untersuchungsart
5.3.3 Typ und Größe der Stichprobe
5.3.4 Forschungsfrage
5.3.5 Der Interviewleitfaden
5.4 Pretest
5.5 Durchführung der Befragung
5.6 Beschreibung des Auswertungsverfahren
5.6.1 Aufnahme und Transkription der Interviews
5.6.2 Die Auswertungsmethode
5.6.3 Definition der Analyseeinheiten
5.6.4 Festlegung der Analysetechnik
6 Erhebung von Schülervorstellungen Grundlagen der qualitativen Datenerhebung
6.1 Maßnahmen zur Qualitätssicherung nach Gropengießer
6.2 Gütekriterien qualitativer Datenerhebung
6.2.1 Objektivität
6.2.2 Reliabilität
6.2.3 Validität
6.2.4 Weitere Kriterien nach Mayring
7 Auswertung des Interviews
7.1 Bildung der Kategorien
7.2 Kategoriensystem
7.3 Analyse der einzelnen Bereiche
7.3.1 Schülervorstellungen zur Struktur der Berufsausbildung
7.3.2 Schülervorstellungen zu Rechten und Pflichten in einer Berufsausbildung
7.3.3 Positive Konnotation der Ausbildung
7.3.4 Schülerantworten zu den Berufsorientierungsmaßnahmen
7.3.5 Wunschvorstellungen zur Berufsausbildung
7.4 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
8 Zusammenfassung und Ausblick
8.1 Kritische Betrachtung
8.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, individuelle Vorstellungen von Schülern der 9. Jahrgangsstufe der Realschule zur Thematik der Berufsausbildung zu erheben, zu analysieren und diese mit der fachwissenschaftlichen Perspektive zu vergleichen, um zu klären: „Welche Vorstellung haben Schüler von einer Berufsausbildung?“
- Qualitative Erhebung von Schülervorstellungen mittels leitfadengestützter Interviews.
- Anwendung des Modells der Didaktischen Rekonstruktion als theoretischer Rahmen.
- Untersuchung der Struktur des dualen Berufsausbildungssystems aus Schülerperspektive.
- Analyse von Rechten, Pflichten und Berufsorientierungsmaßnahmen in der Schule.
- Gegenüberstellung von alltagssprachlichen Schülerkonzepten und fachwissenschaftlichen Theorien.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Didaktische Rekonstruktion
Dieser Abschnitt behandelt die Thematik der Didaktischen Rekonstruktion, welche erstmals von den Herren Kattmann, Duit, Gropengießer und Komorek in dem Buch „Das Modell der Didaktischen Rekonstruktion – Ein Rahmen für naturwissenschaftsdidaktische Forschung und Entwicklung“ vorgestellt wurde. Folgendes Zitat von ULRICH KATTMANN ist für diese Arbeit äußerst relevant:
„Die Gegenstände des Schulunterrichts sind als solche nicht vom Wissenschaftsbereich vorgegeben, sie müssen vielmehr in pädagogischer Zielsetzung erst hergestellt, d. h. didaktisch rekonstruiert werden“. [KATTMANN 2007, S. 100]
Das Modell der Didaktischen Rekonstruktion wurde Mitte der 1990er Jahre von einer Arbeitsgruppe um HARALD KATTMANN von der Biologiedidaktik in Oldenburg in Zusammenarbeit mit der Physikdidaktik in Kiel entwickelt. Dabei ist man davon ausgegangen, dass Unterrichtsinhalte vor allem von der lebensweltlichen Perspektive der Lernenden, also von ihren bis dahin entwickelten Vorstellungen zur Sache, bestimmt werden. Wichtig dabei ist, dass die fachwissenschaftlichen Strukturen für den Unterricht weder leitend noch normsetzend sein dürfen. [vgl. KATTMANN 2007, S. 100 ff.] Durch die gemeinsame Arbeit wurden Defizite in der fachdidaktischen Forschung festgestellt, die zur Entwicklung des Modelles der Didaktischen Rekonstruktion führten. Es wurde unteranderem erkannt, dass Schülervorstellungen häufig als Fehlvorstellungen gesehen worden sind und empirische Forschung stets getrennt von der Konzeptionierung des Unterrichtes wahrgenommen worden ist. Mittlerweile ist das Modell der didaktischen Rekonstruktion in der Fachdidaktik angekommen und bietet somit einen theoretischen und methodischen Rahmen für Forschungsprojekte. [vgl. GROPENGIEßER 2007a, S. 7]
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problem und Zielsetzung, methodische Rahmenkonzeption und Struktur: Einführung in das Thema, Ableitung der Forschungsfrage und Darstellung des methodischen Vorgehens anhand der Didaktischen Rekonstruktion.
2 Theoretische Grundlagen zur Schülervorstellung: Definition von Schülervorstellungen als Konglomerat aus Erfahrungen und Einstellungen sowie Erläuterung konstruktivistischer Lerntheorien.
3 Theoretische Grundlagen zur Berufsausbildung: Fachliche Klärung der dualen und schulischen Berufsausbildung, ihrer Struktur sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen.
4 Berufsorientierungsmaßnahmen in der Sekundarstufe I: Überblick über schulische Maßnahmen wie den Bildungsplan und Betriebspraktika zur Vorbereitung auf die Berufswahl.
5 Erhebung von Schülervorstellungen - Methode und Vorgehen: Detaillierte Beschreibung der qualitativen Interviewstudie, des Erhebungsinstruments und der Pretest-Ergebnisse.
6 Erhebung von Schülervorstellungen Grundlagen der qualitativen Datenerhebung: Erläuterung der Gütekriterien qualitativer Forschung und der Maßnahmen zur Qualitätssicherung.
7 Auswertung des Interviews: Kategorienbildung und Analyse der Schülervorstellungen in den identifizierten Bereichen mit anschließender Interpretation.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Kritische Reflexion der Arbeit sowie Fazit zu den gewonnenen Erkenntnissen und weiterführenden Ansätzen.
Schlüsselwörter
Berufsausbildung, Schülervorstellungen, Didaktische Rekonstruktion, Duales Ausbildungssystem, Berufsorientierung, Qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, Konstruktivismus, Lernorte, Ausbildungsmarkt, Berufswahl, Fachdidaktik, Erwartungen, Berufspraktikum, Handlungskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die individuellen Vorstellungen von Realschülern der 9. Jahrgangsstufe zur dualen und schulischen Berufsausbildung und vergleicht diese mit fachwissenschaftlichen Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zu den zentralen Themen gehören das duale Ausbildungssystem, rechtliche Grundlagen der Ausbildung, Berufsorientierungsmaßnahmen an Schulen sowie die allgemeine Einstellung Jugendlicher zur Berufswahl.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Vorstellung haben Schüler von einer Berufsausbildung?“ Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Denkstrukturen und das Vorwissen der Schüler zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitatives Forschungsdesign in Anlehnung an das Modell der Didaktischen Rekonstruktion verfolgt, primär gestützt auf leitfadengestützte Interviews mit Schülern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Schülervorstellungen und Berufsausbildung, die methodische Vorgehensweise, die Analyse der Interviews und die Zusammenführung beider Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Berufsausbildung, Schülervorstellungen, Didaktische Rekonstruktion, duales System, Berufsorientierung und qualitative Forschung.
Welche Rolle spielt das Betriebspraktikum für die Schüler?
Das Praktikum dient als zentrale praktische Erfahrung, die maßgeblich zur Präzisierung von Berufswünschen beiträgt und als Instrument der Berufserkundung genutzt wird.
Was sagt die Studie über Fehlvorstellungen bei Schülern aus?
Die Arbeit stellt fest, dass Schüler oft über lebensweltlich geprägte Fehlvorstellungen verfügen, insbesondere hinsichtlich der Lernortkooperation (dual vs. rein schulisch) und der Dauer von Ausbildungen.
- Quote paper
- Philip Ter Haak (Author), 2019, Welche Vorstellung haben Schüler von einer Berufsausbildung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511712