Möglichkeiten und Hindernisse einer literaturwissenschaftlichen Germanistik im afrikanischen Kontext


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2019

20 Seiten, Note: manque


Leseprobe

Inhalt

Einführung

1. Zur Begriffsbestimmung

2. Zur Entstehung der Germanistik in Afrika und deren Lage
2.1 Historische Hintergründe.
2.2 Untersuchung der heutigen Lage
2.2.1 Schwierigkeiten der afrikanischen Germanistik: Das Beispiel des Faches „Literaturwissenschaft“.
2.2.2 Beitrag oder Unterstützung zur Förderung der Germanistik in Afrika

3. Zur Legitimierung der Germanistik in Afrika: Eine Untersuchung der „École de Hanovre “
3.1 Germanistik als Wissenstransfer
3.2 Germanistik als transdisziplinäre Bereicherungswissenschaft: Zum fachlichen Kompetenzerwerb

4. Fazit: Germanistik in Kamerun – Welches fassbares Plus?

Schlussbetrachtung

LITERATURVERZEICHNIS

Vorwort

Zu seinen Lebzeiten war Prof. Dr . ALIOUNE SOW ein ergebener und respektvoller Mann, der mich während meiner Ausbildung an der Universität Yaoundé I geprägt hat. Bei meiner Ankunft an der Fakultät in 2009 war ich sofort von Prof. Dr. Alioune Sow feierlich empfangen, nur, weil er festgestellt hat, dass ich sein Homonym SOW-SOH war, wie er immer es betonte. Spielerisch sagte er immer, dass ich der „ SOH‘‘ aus Kamerun bin und er der „ SOW‘‘ aus Senegal ist. Früh am 29. Juni 2014 hat er uns verlassen. Damals waren wir dabei Endsemesterprüfungen der schriftlichen Phase des Masters II zu schreiben. Dabei ist plötzlich die Nachricht von Dr. Jean Bertrand Miguoué öffentlich gemacht worden. Sofort war ich erstaunt, verblüfft, mir verschlug sogar die Sprache und ich habe begonnen zu weinen. Ich erinnere mich sehr an diese Schreckliche Zeit, wobei ich erstmals eine wichtige Person außerhalb des familiären Kreises verloren habe, dessen Tod mir bis heute leid tut. Damals wollte Ich ihn mit einem Sammelband aus wissenschaftlichen Artikeln von MitkommilitonInnen in Ehren halten. Leider ist das Projekt wegen des Disengagements meiner MitkommilitonInnen gescheitert. Diese wissenschaftliche Arbeit zu seinem Nachruf ist das, was ich damals zu diesem Anlass verfasst habe. Sie gilt als eine Art Anerkennung für mich zur Seite Prof. Dr. Alioune SOW, der meine Schritte in das literaturwissenschaftliche Wissensgebäude geführt, gelenkt und gefestigt hat. Diese wissenschaftliche Arbeit schreibt sich in einen seiner Forschungsschwerpunkte nämlich die Frage einer Legitimierung der Germanistik in Afrika ein, die er vieles darüber geschrieben hat. Beispielhaft hierfür ist seine Doktorthese-: Alioune Sow, Germanistik als Entwicklungs-Wissenschaft: Überlegungen zu einer Literaturwissenschaft des Faches „Deutsch als Fremdsprache‘‘ in Afrika, Hildesheim, Zürich, New-York, 1986, Veröffentlichte Dissertation-, die sich dieser Frage mit großer Akribie widmet. Wer war Prof. Dr. Alioune SOW eigentlich ?

Dieser Kamerunische Germanist senegalesischer Abstammung hatte während 27 Jahre einen Lehrstuhl an der Deutschen Abteilung der Universität Yaoundé I. Neben den Größten Prof. Dr. David SIMO, Prof. Dr . Kuma DOUMBE III und Prof. Dr. Joseph GOMSU bildet er eine wichtige Figur nicht nur der kamerunischen, sondern auch der Afrikanischen Germanistik. Wenn man von Germanistik heutzutage in Afrika spricht, kommen diese Großen Namen am häufigsten und am meist zitierten vor.

An der Universität Yaoundé I gilt er als Gründer und Vater der Komparatistik, der Interkulturellen Hermeneutik, der Weltliteratur, der Literaturtheorien usw. Wissenschaftlich gesehen ist er pointiert, stringent, scharf, peinlich, aufgehoben.

In meinem Gedächtnis wird immer dieser Große Name der kamerunischen, der senegalesischen und afrikanischen Germanistik verbleiben und andauern. Ich habe die Zeit genommen, um ihm dieses Geschenk zu geben und ich glaube, das wird ihn sehr freuen, da wo er begraben liegt.

Enthält diese Arbeit noch grammatische, orthographische, syntaktische Fehler, hierzu werde ich das Lektorat darum bitten, diese in Erinnerungen an diesen früh gestorbenen Größten zu tolerieren.

TELESPORT FLORIAN SOH MBE (Licencié, es- Lettres, Master, Professeur des Lycées d’Enseignement Général, Co- et Auteur de plusieurs articles scientifiques chez l’éditeur Grin à Munich-Allemagne) Yaoundé, den 18. Juni 2016.

POEME D’HOMMAGE AU Pr. Dr. ALIOUNE SOW, ENSEIGNANT AU DEPARTEMENT D’ALLEMAND DE L’UNIVERSITE DE YAOUNDE I, DECEDE LE SAMEDI 29 JUIN 2014.

Professeur, voilà quelques jours déjà que tu es passé de vie à trépas !

Ton glas à sonner à un moment inopiné.

Tu as décidé de nous quitter sans même nous aviser.

Que ferons-nous ?

Que deviendrons-nous ?

Sans toi qui as consolidé la germanistique africaine et camerounaise.

Sans toi qui as fortement influencé positivement notre formation académique.

Qui me rappellera comme tu le faisais toujours que je suis le « SOH » du Cameroun et toi le « SOW » du Sénégal ?

Je garde de toi dans les tréfonds de mon cœur consterné ce rappel incessant.

Toute l’université de Yaoundé I, tous les étudiants notamment les étudiants de spécialité littérature te pleurent sans cesse avec l’âme chagrine !

Prof., Où vas-tu ?

Où est ta bibliothèque ?

Ne sais-tu pas?

Qu’un professeur comme toi qui meure est une bibliothèque qui brule ?

Que dirons tes collègues de part et d’autre du monde ?

Que dira la « GAS » et son président Serge Glitho ?

Que dira celui-là que tu appelais toujours le « Grand frère David Simo » ?

Que dira ton « Doktorvater », l’Hanovrerien Leo Kreutzer ?

Que dirons tes collègues sénégalais ?

Que dirons les grosses légumes, gros calibres de la germanistique africaine et camerounaise issu(e)s de ta formation valeureuse ?

Que dirons le Pr. Dr. Patrice Djoufack, Pr. Dr. Albert Ngouaffo, Dr. Jean Bertrand Miguoué, Dr. Hyancinthe Ondoa, Dr. Philomène Atyamé, Dr. Bertin Nyemb, Dr. Germain Nyada, Dr. Yomb May, Dr. David Soh, Nganang Alain Patrice, Mathias Donfouet, moi-même et autres ?

Ceux-là qui se sont abreuvés à ta mamelle nourricière et fructueuse !

Que dirai-je, moi, Fleuron de ta formation minutieuse ?

Qui rendra encore vivace par une critique constructive nos soutenances de mémoires ?

Comme un Héro tu t’es retiré du Duo « SS » (SOW-SIMO).

Duo de fer qui a assumé jusqu’à ton départ avec Brio.

La formation des Germanistes camerounais.

Tu laisses ainsi derrière toi un fossé Abyssal !

Dans une entreprise Colossale !

Qui pleure à chaudes Larmes son Professeur Impérial !

Erigé au RANG MAGISTRAL !

Qui a su en 27 ans de loyaux services contribuer à l’émergence de la Germanistique Mondiale !

Je garde de toi la rigueur et la précision dans le travail !

Méticuleux, Courageux, gentil, taquin, stringent et Travailleur, tu l’as toujours été !

Vas en paix Professeur !

Toute la Communauté estudiantine et scientifique de l’Université de Yaoundé I.

Implore l’Eternel, le Dieu d’Abrahame.

Qu’il te Garde pendant ce long PERIPLE.

Vers le PANTHEON LITTERAIRE !

Où tu seras festivement inhumé !

Dans les Jours à venir.

Professeur, pour moi tu n’es pas mort comme le précisait dans ce sillage Dithyrambique Birago Diop en disant : « LES MORTS NE SONTS PAS MORTS » !!

Tes conseils, ton soutien, ta critique scientifique resteront sempiternellement gravés dans ma mémoire !

Professeur, VAS ET REPOSE EN PAIX !!!!

QUE LA TERRE DE NOS ANCETRES TE SOIT LEGERE !!!!

Poème conçu et rédigé par TELESPORT FLORIAN SOH MBE (Licencié ès-lettres, Master, Pleg, Co-et auteur chez l’éditeur Grin à Munich-Allemagne) Yaoundé, le 14 Septembre 2015.

Einführung

Eine der Erbschaft der Kolonialzeit war die Einführung von fremden Sprachen in Afrika. Die Politik der Kolonisierenden bestand also vielmehr darin, unauslösliche Spuren in kolonisierten Ländern zu hinterlassen. In dieser Blickrichtung wurde Deutsch als Fremdsprache nach der Unabhängigkeit in manchen afrikanischen Ländern gelehrt und sogar auch gelernt. Dies lässt sich heutzutage durch die Deutschabteilungen in Universitäten und auch einige Sprachzentren bestätigen. Davon ausgehend wird die Frage nach einer Germanistik als Literarturwissenschaft im afrikanischen Kontext in den Vordergrund gesetzt. Die Auseinandersetzung mit solch einem Thema setzt zunächst die Bestimmung unterschiedlicher Begriffe voraus, die für solche Untersuchung ausschlaggebend sind. Es geht nämlich um Germanistik, Theorie, Praxis, Literaturwissenschaft und interkulturelle Germanistik. Dann wird die Analyse der Entstehung einer Germanistik in Afrika Anlass zur Untersuchung ihrer heutigen bzw. aktuellen Lage geben. Letzten Endes wird zu zeigen versucht, die Argumente zu einer Legitimation der Germanistik in Afrika ans Licht zu bringen.

1. Zur Begriffsbestimmung

Die Untersuchung einer Germanistik als Literaturwissenschaft kann erfolgreich sein, wenn einige Grundbegriffe bestimmt sind, die für die folgende Arbeit von großer Bedeutung sind. So gesehen versteht man unter Germanistik im weitesten Sinne die Wissenschaft von den Germanen, deren Geschichte, Sitte, Religion, Wirtschaft, Kunst, Sprache, Literatur und Recht von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Im engeren Sinne ist die Germanistik in der Jurisprudenz die Wissenschaft vom Recht der germanischen Völker, in der Philologie die Wissenschaft von den germanischen Sprachen und Literaturen. Die germanische Philologie wird noch heute in der Regel mit Germanistik gleichgesetzt. Häufig werden auch „ germanisch “ und „ deutsch“ gleichbedeutend gebraucht, so dass die Germanistik als „ Wissenschaft vom geistigen Leben des deutschen Volkes “ definiert werden kann oder im engsten Sinne als Wissenschaft von deutscher Sprache und Literatur.1 An dieser Stelle muss hervorgehoben werden, dass nur diese letzte Bestimmung im Rahmen dieser Arbeit in Acht genommen wird, wobei viel Wert auf die Literatur in einem afrikanischen Kontext gelegt wird. Da die Germanistik heutzutage vielmehr weltweit gelernt, studiert und gelehrt wird, hat diese Tatsache den Weg zu einer „interkulturellen Germanistik “ ausgehend von den bestimmten kulturellen Wiegen und Werten einzelner Länder geöffnet, wo Germanistik als Fach studiert ist.

Der Ausdruck „ interkulturelle Germanistik “ ist also ein Dach- und Fachbegriff. Sie ist ein Projekt, das der Bayreuther Germanist Alois Wierlacher, Dietrich Krusche, Gerhard Neuner, Harald Weinrich usf. durch Theorie und Methode in den 70er und 80er Jahren entwickelt haben. Sie bezeichnet eine interdisziplinäre germanistische Fremdkulturwissenschaft, die in Forschung, Lehre und Organisation von der Kultur(en)gebundenheit germanistischer Arbeit ausgeht, kulturelle Vielfalt der Ausgangspositionen, Fragestellungen und Annäherungsweisen nicht für ein Handicap, sondern für einen Vorteil hält, im Dialog der Kulturen praktisch werden und zur internationalen Zusammenarbeit befähigen will.2 In dieser Hinsicht muss hervorgehoben werden, dass das Leitziel interkultureller Germanistik ist, der kulturellen Vielfalt des Interesses am Deutschen und den deutschsprachigen Ländern sowie dem Bedarf an transkultureller Verständigung besser gerecht zu werden als es bisherige Modelle von Germanistik vermochten.3 So gesehen kann man natürlich von einer Germanistik im afrikanischen Kontext sprechen. Dies setzt zunächst voraus, dass man den Bereich bestimmt, da unter Germanistik nicht nur die Sprache, sondern auch die Literatur und die Kultur gemeint wird. In dieser Blickrichtung wird die Ebene der Literaturwissenschaft in den Vordergrund gerückt.

Der Begriff „ Literaturwissenschaft“ ist eine umfassende Bezeichnung für jede Art von wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Literatur. Darüber hinaus ist Literaturwissenschaft im engeren Sinne allgemeiner programmatischer Begriff einer Wissenschaftsdisziplin, deren Gegenstand der gesamte Prozess der Texterstellung, textliche Ausformung, Verbreitung, Rezeption, Wirkung und Bewertung von Literatur ist, vor allem auch in ihrem Bezug zu Wirklichkeit und Gesellschaft sowie zu deren Wert-, Normierungs- und Tradierungssystemen.4

Was die Begriffe „ Theorie “ und „ Praxis “ angeht, verweist der Eine auf die Bezeichnung sowohl für ein System von (wissenschaftlichen) Aussagen über eine (hypothetische) gesetzmäßige Ordnung als auch über einzelne empirische Befunde eines bestimmten (realen oder postulierten [idealen]) Erkenntnis oder Objektsbereichs, und der Andere auf die tätige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.5 In derselben Blickrichtung muss unterstrichen werden, dass Theorie und Praxis vor allem ein im Marxismus verwendetes Begriffspaar ist, das die dialektische Einheit von Erkenntnis und Handeln betont.

2. Zur Entstehung der Germanistik in Afrika und deren Lage

2.1 Historische Hintergründe.

Die Lehre der deutschen Sprache oder Germanistik in den schwarzafrikanischen Staaten ist ein Erbe der Kolonisation. Nach der Reichsgründung im Jahre 1871 versuchte Deutschland ab 1884 das neue Reich mit kolonialen Erwerbungen zu bereichern. Einige Jahre nach der Gründung der Kolonie wurden im Zuge der deutschen Kolonisation Regierungsschulen in Afrika eröffnet. Was den Fall Kameruns anbelangt, wurde die erste Regierungsschule in 1888 in Duala eröffnet, wobei Deutschunterricht dann bis zum Verlust der Kolonie im ersten Weltkrieg betrieben wurde6.

Aufgrund des Versailler Vertrages- aus deutscher Sicht des „ Diktats von Versailles “ verteilten sich die Mandatsmächte des Völkerbundes, Frankreich und Großbritannien, die deutschen Kolonien, nachdem Deutschland für unfähig erklärt worden war, die Kolonien zu verwalten. Nach der Selbstständigkeit dieser Staaten in den 1960er Jahren hatten sie das französische Schul- und Hochschulsystem übernommen. Im Allgemeinen hatten sie Französisch als Landessprache aufgenommen und in einigen Staaten Deutsch als Komplementärsprache. Kamerun zum Beispiel hing damals von der Akademie von Bordeaux ab, aus welcher die Prüfungsaufgaben kamen, und wo sie auch korrigiert wurden. Dort wurde Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch wie bei uns gelehrt.

Nach der Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags am 22. Januar 1963 übernahm die Bundesrepublik Deutschlands die Förderung der deutschen Sprache in den ehemaligen französischen Kolonien und Mandatsgebieten in Afrika.7 Hierzu berichtet Peter Kasprzyk, ein damaliger Afrikareferent des DAADs:

„Im Rahmen der durch den deutsch-französischen Vertrag von 1963 vorgesehenen Konsultationsgespräche hatte die französische Regierung angeregt, die Bundesrepublik möge die Ausbildung einheimischer Deutschlehrer im frankophonen Westafrika in eigener Regie durchzuführen, sie zog 1967 die französischen Deutschlehrer aus den ehemaligen westafrikanischen Kolonien ab.‘‘(Kasprzyk 1989, 11).8

In dieser Blickrichtung wurden später deutsche Abteilungen in Universitäten frankophonen Afrikas geschafft. Die der Universität Jaunde I wurde von der DAAD-Lektorin Elke Kerker 9 geschafft, deswegen wird sie als „ Pionierin “ dieser deutschen Abteilung bezeichnet.

2.2 Untersuchung der heutigen Lage

2.2.1 Schwierigkeiten der afrikanischen Germanistik: Das Beispiel des Faches „Literaturwissenschaft“.

Zweigliedrig gesehen wird schon von Alois Wielacher zwischen Ausland- und Inlandsgermanistik10 unterschieden. Die Inlandsgermanistik oder Innerdeutsche oder Muttersprachengermanistik ist jene, die im deutschen Raum gelehrt wird. So gesehen erscheint die afrikanische Germanistik als Auslandsgermanistik oder außerdeutsche Germanistik. Sie ist Albert Gouaffo nach die „ jüngste Germanistik der Welt11. Germanistische Studien sind am stärksten in afrikanischen Ländern, Südlich der Sahara, Kamerun, Senegal, Togo, und Côte d’Ivoire vertreten. Die Germanistik als akademische Disziplin wird in diesen Ländern von den Staatsuniversitäten gelehrt.

Was die Forschung angeht, hat man festgestellt, dass die afrikanische Germanistik vielmehr von der Inlandsgermanistik abhängt12. Fast nichts wird in Afrika durch die Staatsmacht zur Förderung der Germanistik gemacht. Dies lässt sich dadurch begründen, dass fast alle in den Deutschabteilungen liegenden Dokumente von Institutionen wie DAAD, Goethe-Institut, deutsche Botschaft usw. offeriert werden. Diese Abhängigkeit führt zu einer Nichtinbetrachtnahme der afrikanischen Literatur in die Forschungsarbeit13. Meisten werden Bücher aus Deutschland gelesen und gelehrt. Bei der Vorbereitung von ihrer Masterarbeit, Dissertationen und Habilitationsschriften sind die afrikanischen Literaturwissenschaftler mit großen Problemen konfrontiert. Die Tatsache, dass die deutschen Bibliotheken mit veralteten und mangelhaften Büchern ausgestaltet sind, bringt die Studenten vom Fach Literaturwissenschaft dazu, Bücher vom Außen bzw. Deutschland auszuleihen oder zu kaufen. Man kann eine Fernleihe machen, die nicht immer leicht ist. Mit „Amazon“14 -, einer deutschen Buchhandlung, wobei die meisten afrikanischen Literaturwissenschaftlichen Forscher Bücher fern kaufen können, - ist das Senden von Deutschland bis Afrika nicht einfach. Zumeist nimmt es viel Zeit ein bezahltes Dokument hierzulande zu haben. Die Tatsache, dass es keinen „ Haut Debit ‘‘ gibt -, was die Netzverbindung anbelangt, bildet eine Bremse für die Forscher. Was die älteste Staatsuniversität, Universität Jaunde I angeht, bemerkt man, dass mangels Bücher fast alle Dissertationen und Habilitationsschriften von Literaturwissenschaft vorwiegend in Europa geschrieben werden15. Hier sind in Europa geschriebene Dissertationsthesen von Patrick Djoufack, Jean Bertrand Miguoué, Hyacinthe Ondoua usw. -, die alle Literaturwissenschaftler sind, -aufzuzählen.

Zudem kommt, dass die schlimme finanzielle Lage Afrikas zum Mangel an Infrastrukturen führt. Es fehlt an adäquaten Lehrmaterialien, Dozenten. Als Folge führt diese Tatsache zum Niveauverlust der afrikanischen literaturwissenschaftlichen Studenten, so dass es der afrikanischen Germanistik schwerfällt, mit Inlandsgermanistik zu konkurrieren. Man ist zur Feststellung gekommen, dass es Bücher gibt, die die Dozierenden allein verfügen. Dies bringt Elke Kerker, eine in Jaunde geschickte DAAD-Lektorin, zum Schluss, dass die Vorlesungen in diesem Fall „Lehrerzentriert“ sind. Hinzufügt sie, dass die Dozierenden den Vorsprung „ eines Wissensmonopols 16 “ haben.

Letzten Endes erscheint, dass die literaturwissenschaftlichen Lehrpläne nicht innovativ, sondern rezeptiv sind. Mit solchen Schwierigkeiten ist die afrikanische literaturwissenschaftliche Germanistik konfrontiert. Gibt es Hoffnungen trotz dieser Schwierigkeiten?

2.2.2 Beitrag oder Unterstützung zur Förderung der Germanistik in Afrika

Trotz dieser getroffenen Probleme profitiert die afrikanische Germanistik von einer erheblichen Unterstützung von folgenden Institutionen, die einen interkulturellen Austausch versichern: der DAAD, das Goethe-Institut, die Alexander-von-Humboldt Stiftung, internationale Germanistenvereinigung (IGV), GAS17. Solche Institutionen haben eine riesige Sorge für die afrikanische Germanistik. Der DAAD und das Goethe-Institut bereichern unsere Deutschabteilungen mit Büchern, Lehrmitteln, wenn auch diese nicht genügend sind, aber das ist nichts. Des Weiteren offeriert der DAAD den afrikanischen literaturwissenschaftlichen Forschern die Stipendien, um in Deutschland ihre Forschungsarbeiten zu verfertigen. Beispielhaft hierfür sind einige Magister- und Masterarbeiten der deutschen Abteilung der Universität Jaunde I, die durch eine finanzielle Unterstützung des DAADs geschrieben werden. Die Alexander-von-Humboldt Stiftung ist nicht beiseite zu lassen, weil sie den literaturwissenschaftlichen Dozenten Stipendien nach der Promotion gibt. Zudem versichern zumeist diese Institutionen organisierte Tagungen, Konferenzen von Dozierenden, die um die Lage der Germanistik in Afrika umkreisen18. Von großer Bedeutung ist das in Jaunde neue gegründete Zentrum „Centre for German African Scientific Cooporation 19 “, von dem die kamerunischen Studenten der Germanistik schon an vielen Konferenzen profitiert haben. Dieses Unterstützungszentrum wird der afrikanischen Germanistik behilflich sein, wenn seine Ausstattung zum Ende kommen soll.

3. Zur Legitimierung der Germanistik in Afrika: Eine Untersuchung der „École de Hanovre “

Eine der brisanten intellektuellen Debatte ab den 80-er Jahren, die auf der intellektuellen germanischen Szene geführt worden ist, ist die um die Legitimierung einer Germanistik in Afrika. Sie spiegelte sich in afrikanischen Fachperiodika wie Études Germano-Africaines und in deutschen Jahrbuch DaF wie eine afrikanische Germanistik praktisch gesetzt werden könnte, zur Entwicklung Afrikas beitragen könnte, darauf war und bleibt es zu antworten. Die Frage nach der Notwendigkeit von Deutsch in Afrika und ob Germanistik Anspruch auf einen gesellschaftlichen Stellenwert im Entwicklungsprozess im afrikanischen Erdteil erheben kann wird von einigen einstimmig mit „ja“ beantwortet. Dazu zählt die École de Hanovre mit Autoren wie Ihekweazu (1984, 1987), Sadji (1983, 1984), Simo (1984, 1999), oder Dissertationen wie die von Diop (2000), Sow (1986), oder noch Ndongs Habilitation (1993). Drei wichtige Achsen zur Relevanz einer Germanistik in Afrika sind hier aufzulisten: eine rein wissenschaftliche Germanistik mit emanzipatorisch-bewusstseinsbildendem Ziel, die interkulturelle Germanistik, die berufsbezogene und fachsprachliche Fremdsprachenausbildung.20

[...]


1 Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden, 17. Völlig neubearbeitete Auflage des Großen Brockhaus, F.A.Brockhaus, Wiesbaden, 1974.

2 Alois Wielacher und Andrea Bogner (Hrsg.), Interkulturelle Germanistik, Verlag J.B.Metzler, Stuttgart/Weimar, 2003.

3 Alois Wielacher und Andrea Bogner (Hrsg.), Interkulturelle Germanistik, Verlag J.B.Metzler, Stuttgart/Weimar, 2003.

4 Meyers Grosses Taschen Lexikon in 24. Bänden, S. 165-166

5 Ebd.

6 Vgl. http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag/Gouaffo1.htm. Am 21 April 2013 um 17Uhr nachgeforscht.

7 Vgl. http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag/Gouaffo1.htm. Am 21 April 2013 um 17Uhr nachgeforscht.

8 Ebd.

9 Sie hat in Jaunde 7 Jahre verbracht.

10 Vgl. Alois Wierlacher, das Fremde und das Eigene: Prolegoma zu einer interkulturellen Germanistik. München, 1985.

11 http : //zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag Gouaffo1.htm. Am 21 April um 17Uhr nachgeforscht.

12 Vgl. Mathieu Nana Tchuidjang, Unbewältigte Vergangenheiten: Die Darstellung von Kontinuitätserfahrungen in der deutschen Literatur nach 1945 und in nachkolonialen afrikanischen Literaturen, Centaurus-Verlagsgesellschaft Pfaffenweiler, Hannovre, 1997, Veröffentliche Dissertation.

13 Diese Feststellung wird von Ndong, Sow und Tchuidjang in ihren Dissertationsthesen gemacht. Daraufhin befehlen sie eine Einbeziehung der afrikanischen Literatur in Forschungsarbeit.

14 Ihre Webseite ist www.amazon.de

15 http:// zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag/Gouaffo1.htm. Am 21 April 2013um 17Uhr nachgeforscht.

16 Vgl. Elke Kerker, Germanistik in frankophonen Afrika, das Beispiel Kamerun und Madagaskar: Ein Erfahrungsbericht, unveröffentliches Manuskript.

17 Bernd Thum, Interkulturelle Germanistik in der deutschen Muttersprachengermanistik, ihre gegenwärtigen fachlichen Bedingungen, in: Bernd Thum und Gonthier-Louis Fink (Hrsg.), Praxis interkultureller Germanistik: Forschung- und Bildungspolitik, Udicium verlag GmbH, München, 1993. S.117-162. Hier S.118f.

18 Vgl. http://zif.spz.tu-darmstadt.de/jg-13-1/beitrag/Gouaffo1.htm. Am 21 April 2013 um 17Uhr nachgeforscht.

19 Dieses Zentrum ist seit vorigem Jahr eröffnet und hat als Leiter David Simo.

20 Eva Hamann, Nach dem Deutschstudium wird man – was? Eine Überprüfung der Zielsetzungzn der Deutschabteilung der Universität Lomé anhand einer Verbleibstudie, In: Stellenbosch Papers in Linguistics PLUS, Vol. 38, 2009, S. 196.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Hindernisse einer literaturwissenschaftlichen Germanistik im afrikanischen Kontext
Hochschule
Université de Yaoundé I
Note
manque
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V511739
ISBN (eBook)
9783346100573
ISBN (Buch)
9783346100580
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Autor ist kein Muttersprachler
Schlagworte
Interkulturelle Germanistik. Afrika. Prof. DR. Alioune Sow
Arbeit zitieren
Floriant Telesport Soh Mbe (Autor), 2019, Möglichkeiten und Hindernisse einer literaturwissenschaftlichen Germanistik im afrikanischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511739

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