Wie gelingt spielerisches Lernen? Gesellschaftsspiele im Englischunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff des Spiels und das Spielen im Unterricht

3. Arten des Spiels

4. Lemziele im Umgang mit Gesellschaftsspielen

5. Diedidaktische Aufarbeitung vonGesellschaftsspielenfürdenEnglischunterricht

6. Praktische Beispielevon Gesellschaftsspielenim Englischunterricht

7. Zusammenfassung

8. Quellen

1. Einleitung

Spiele bieten Englischlehrern die Möglichkeit ihren Unterricht kreativ zu gestalten und von einem häufig lehrerzentrierten Unterricht zu einem schülerzentrierten, spielerischen Lernen zu gelangen. Gerade das auf den Spaß ausgerichtete Spiel motiviert Schüler und Schülerinnen zum Lernen der englischen Sprache. Spiele für den Englischunterricht gibt es in vielen verschiedenen Varianten.

Die folgende Arbeit setzt sich mit dem Thema Spiele auseinander und mit der Frage, welche Spielarten für den Englischunterricht genutzt werden können, wie die Spiele umgesetzt werden und welcher Vorbereitung sie bedürfen. Der Schwerpunkt liegt hierbei bei den Gesellschaftsspielen, weil gerade sie viele Möglichkeiten bieten verschiedene Aspekte wie Grammatik, Vokabeln, Aussprache und Weiteres zu üben. In einem praktischen Teil lege ich exemplarisch dar, welche verschiedenen Gesellschaftsspiele benutzt werden können und wann diese eingesetzt werden.

2. Der Begriff des Spiels und das Spielen im Unterricht

Der Begriff des Spiels kann, abhängig vom Schwerpunkt seiner Betrachtung, in verschiedenster Weise definiert werden. Je nachdem, ob Wissenschaftler das Spiel in Hinsicht auf etwa natürliche oder gesellschaftliche Ursachen untersuchen, ergeben sich unterschiedliche Merkmale. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten der Betrachtung von Spiel und der vielen verschiedenen Spielformen, ist es schwierig, eine alles umfassende Definition des Begriffs „Spiel“ zu finden.

Das allgemeine Alltagsverständnis und die Merkmale bestimmter bekannter Spielformen konntenjedoch von dem Spielpädagogen Hans Scheuerl so systematisiert und genutzt werden, dass ein Katalog von gemeinsamen Merkmalen entstand. Er geht in seinen Untersuchungen davon aus, dass Spiele wie etwa Fußball, aber auch Rollen und Planspiele, gemeinsame Merkmale haben. Alle diese Spiele, so Scheuerl, bedürfen eines freien Raumes. Dies bedeutet, dass das Spiel in sich völlig frei von fremden Zwecken ist. Der alleinige Zweck lege also im Spielen selbst. Des Weiteren geht er davon aus, dass das Spielen zielgerichtet ist. Es gäbe, auch wenn das Spiel seinen offiziellen Regeln nach irgendwann ein Ende hat, immer die Möglichkeit es weiter zu spielen. Das Spiel hat außerdem eine eigene Dynamik, die die Spieler vorantreibt und sie drängt immer weiter zu spielen. Das Spiel hat, laut Scheuerl, einen „Ewigkeitscharakter“, da es unendlich ist und bei Kindern erst durch äußere, vom Spiel unabhängige Einflüsse gestoppt wird wie z.B. Hunger, Müdigkeit oder einen Spielleiter, der das Spiel für beendet erklärt. Trotz der Freiheit des Spiels sei „der spielerische Bewegungsablauf in sich geschlossen durch Spielfeldbegrenzungen, durch Regeln [und] durch materiale Eigenarten.“ Für das Spielen ist es also notwendig, Absprachen über Regeln zu treffen an die sich alle Spieler halten. Außerdem sei das Spiel vollkommen an die Gegenwart gebunden und blende alles auf die Zukunft bezogene aus. Jede einzelne Situation des Spiels bereitet für die Spieler immer wieder neue Überraschungen und bietet eine solche Spannung, dass die Spieler auf jede der Spielbewegungen gebannt sind und alle sonstigen Alltagsgeschehnisse in dieser Zeit vergessen.[1] Das Spielen ist somit unabhängig von der Lebenswelt der Spieler und greift schließlich doch in gewissen Maße auf diese zu. Denn, auch wenn den Spielern beim Spielen nicht bewusst ist, dass es Einfluss nimmt auf bestimmte Aspekte, die sie betreffen, so ist es doch der Fall, dass das Spiel für die Spieler einen Lemeffekt haben kann. Der Spieler befindet sich beim Spielen in einer anderen Wirklichkeit, man könnte sagen in einer „Scheinwelt“, welche ihm aufzeigt, welche Möglichkeiten es gibt zu denken, zu fühlen, zu bewerten und zu handeln. Diese im Spiel aufkommenden potentiellen Handlungs- bzw. Denkmuster werden von dem Spieler außerhalb des Spiels in passenden Situationen genutzt. Sie werden also aus der spielerischen Erprobung heraus auf die Wirklichkeitsebene angewandt. Stellt sich dasjeweilige Handlungsmuster als erfolgreich heraus, führt es zur Umstrukturierung der Realität des Spielers. Es besteht hier jedoch kein Zwang, dass die Muster tatsächlich im Leben des Spielers umgesetzt werden. Die Anwendung der Muster ist letztlich freiwillig und liegt beim Spieler selbst.

Das Spiel kann also die Sicht des Spielers auf Handlungs- und Denkmöglichkeiten erweitern. Es kann somit eine therapeutische und belehrende Wirkung haben.[2]

Das Bestehen der Möglichkeit mit einem Spiel Menschen zu belehren, würde bedeuten, dass das Spiel von Therapeuten oder Lehrern zu ihren Zwecken genutzt werden kann. Es ist also in bestimmten Bereichen wie etwa der Therapie oder Schule nicht zweckfrei, wie von Scheuerl angenommen, sondern, wird von den ausführenden Therapeuten oder Lehrern genutzt, um einen spezifischen Zweck zu verfolgen. Insbesondere in der Schule wird das Spiel nicht nur zum Spaß, auch wenn der Spaß eine große Rolle spielt, sondern vor allem „zur Entwicklung der sozialen, kreativen, intellektuellen und ästhetischen Kompetenzen der Schüler“ genutzt. Es spricht vieles dafür, das Spiel ganz bewusst für den Unterricht zu benutzen. Es bietet für Schüler und für Lehrer viele Vorteile. Ein Vorteil ist es, dass Spielen ein ganzheitliches Lernen ermöglicht. So kommt es hier nicht zum einseitigen Lernen, sondern zum Lernen mit Hand, Herz und Kopf. Soziale Einstellungen und Haltungen können hier spielerisch positiv beeinflusst werden. Durch das Spiel kann sich die Gemeinschaft der Klasse weiterentwickeln und fester zusammenwachsen, da die Schüler durch das Spiel gemeinsame soziale Erfahrungen sammeln. Für den einzelnen Schüler bietet das Spiel die Möglichkeit selbsttätig zu arbeiten. Der Lehrer kann das Spiel nutzen, um den Unterricht aufzulockern und von der häufig üblichen Lehrerzentrierung des Frontalunterrichts abzukommen. Er kann außerdem die verschiedenen Spielphasen nutzen, um zu prüfen, was die Schüler bisher gelernt haben.[3] Dass das Spiel für den Unterricht einen hohen Nutzen aufweist, hat sich deutlich erwiesen. Wie steht es aber insbesondere mit dem Fremdsprachen bzw. Englischunterricht? Ist es hier ratsam bzw. wirkungsvoll das Spiel systematisch im Unterricht zu nutzen? Der Pädagoge Hilbert Meyer ist der Ansicht, dass das Spiel hervorragend dazu geeignet ist, um bereits gelerntes anzuwenden oder durch Übung zu vertiefen. Dies trifft auch auf den Englischunterricht zu. Hier können verschiedene Themen des Englischunterrichts spielerisch bearbeitet werden. So können Vokabeln zum Beispiel durch ein Memory eingeübt werden, freies Sprechen unter Anwendung des Wortschatzes durch ein Rollenspiel genutzt werden oder auch kreatives Schreiben durch Nutzung von sogenannten „story cubes“ geübt werden. Der Kreativität des Lehrers sind hier wenig Grenzen gesetzt.

3. Arten des Spiels

Für den Englischunterricht können verschiedene Arten des Spiels genutzt werden. Zu diesen gehören die sogenannten Simulationsspiele, das szenische Spiel und Interaktionsspiele. Bei einem Simulationsspiel geht es darum eine durch Regeln geleitete Simulation eines Konflikts darzustellen und diesen mittels eines Entscheidungsprozesses zu lösen. Das szenische Spiel wiederum zielt vor allem auf „eine körperbezogene ästhetische Darstellung einer symbolisch vermittelten Wirklichkeit“.[4] Hier geht es also weniger um einen kognitiven Prozess der Entscheidungsfindung, sondern um eine vor allem körperbetonte Ausdrucksform. Die sogenannten Interaktionsspiele zielen vor allem auf den Spaß, die Erholung und auf die Spannung während des spielerischen Umgangs mit den Spielpartnem. Gerade der Fokus auf den Spaß der Spieler, macht das Interaktionsspiel zu einem besonders gut geeigneten Spiel für den Unterricht. Die Schüler und Schülerinnen haben durch den Spaß- und Wettbewerbscharakter des Interaktionsspiels eine hohe Motivation mitzumachen, zu lernen und auch zu üben.

Ebenso geeignet wie die Interaktionsspiele ist für den Englischunterricht das Simulationsspiel. Zu den Simulationsspielen gehören das Rollenspiel sowie das Planspiel. Beim Rollenspiel unterscheidet man zwischen dem gelenkten und dem freien Rollenspiel. Bei dem gelenkten Rollenspiel übernehmen die Schüler jeweils eine Rolle, die in ihrem Handeln weitestgehend festgelegt ist. In der zweiten Art, dem freien Rollenspiel, übernehmen die Schüler eine Rolle, dessen Handeln sie kreativ und eigenständig entwickeln können. Hier können sie sich besonders gut einbringen, Handlungen und Einstellungen ausprobieren und kreativ ihre Ideen Umsetzern In beiden Fällen des Rollenspiels werden das freie Sprechen sowie die Anwendung von gelernten Vokabeln geübt. Gleiches gilt für das Planspiel. Hier handelt es sich um ein komplex gemachtes, handlungsorientiertes Rollenspiel, in dem sich zwei Interessengegensätze gegenüber stehen und miteinander argumentieren sollen. Die Spieler des Planspiels stehen unter einem ständigen Druck, eine endgültige Entscheidung zu treffen, welche das Spiel beendet. Besonders das freie Rollenspiel ist für den Englischunterricht gut geeignet, da hier die Schüler in der Lage sind, ihren eigenen Wortschatz anzuwenden und ihre Kreativität zu zeigen. Außerdem stellt das Spiel hier eine Selbsterfahrung dar.

Das szenische Spiel umfasst das freie darstellende Spiel und das Theater. Beide Arten des szenischen Spiels zielen darauf ab, ein Stück bzw. eine Darbietung vor einem Publikum vorzuführen. Beim freien darstellenden Spiel geht es darum, eine Spielidee nach einer Spielvorlage körperlich umzusetzen. Die Anbindung an die Spielvorlage ist hier nicht sehr eng. Dies bedeutet, dass die Schüler und Schülerinnen relativ frei eine Spielidee umsetzen können, z.B. in Form eines Standbildes, dessen Darbietung die Klasse auf Englisch beschreiben und in ihrer Umsetzung korrigieren muss. Hierbei kann freies Sprechen besonders gut geübt werden. In der zweiten Art des szenischen Spiels, dem Theater, sind die Schüler und Schülerinnen eng an die Spielvorlage gebunden. Hier gibt es eine Textvorlage, Regieanweisung oder Notation, welche ihnen vorgibt, was genau gespielt werden soll. Bei der Anwendung von Theater im Englischunterricht geht es weniger um das freie Sprechen, als um die richtige Aussprache, um das Leseverständnis und die damit zusammenhängende Vokabelkenntnis. Besonders motivierend für die Schüler und Schülerinnen, ist die Tatsache, dass das szenische Spiel letztlich einem wirklichen Ziel dient, nämlich der Vorführung vor einem Publikum. Die dabei entstandenen Darbietungen können nach gründlicher Übung auch zu Elternabenden, Schulfeiern oder Projettagen präsentiert werden.

Die Interaktionsspiele werden unterteilt in solche Spiele, die wenig Regeln erfordern und solcher, die einer hohen Anzahl von Regeln bedürfen. Das freie Spiel bedarf weniger bzw. keiner Regeln. Hier können Schüler und Schülerinnen mittels Spielzeug, Puppen oder auf dem Spielplatz eine soziale Wirklichkeit simulieren. Diese Art des Spiels ist vorwiegend für die Grundschule geeignet, da sie durch das Benutzen von Puppen und Ähnlichem noch sehr kindlich betont ist. Hier kannjedoch auch bereits der erste Wortschatz mittels des freien Spiels geübt werden.

Zu den Spielen, die vieler Regeln bedürfen, gehören Mannschaftsspiele, Regelspiele, Strategiespiele, Lernspiele und auch Gesellschaftsspiele. Sie alle haben das Merkmal, dass es bei ihnen zu einem Wettkampf- und Konkurrenzdenken kommt, welches besonders motivierend auf die Schüler und Schülerinnen wirkt. Vor allem Gesellschaftsspiele können gut für den Englischunterricht genutzt werden. Sie können individuell an die Klasse und deren Lemstand angepasst werden und, von ihrem ursprünglichen Nutzen unabhängig, für den Englischunterricht eingesetzt werden.[5]

[...]


[1] Fritz, Jürgen(1991), Theorie und Pädagogik des Spiels, München: Juventa,, S.77-79.

[2] Fritz, Jürgen (1991), Theorie und Pädagogik des Spiels, München: Juventa, S. 14—18.

[3] Meyer, Hilbert (2010), Unterrichtsmethoden 2. Praxisband, Berlin: Comelsen Verlag, S. 341-346.

[4] Meyer, Hilbert (2010), Unterrichtsmethoden 2. Praxisband, Berlin: Comelsen Verlag, S. 346.

[5] Meyer, Hilbert (2010), Unterrichtsmethoden 2. Praxisband, Berlin: Comelsen Verlag, S. 346-349.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wie gelingt spielerisches Lernen? Gesellschaftsspiele im Englischunterricht
Hochschule
Universität Rostock  (Anglistik)
Veranstaltung
Kreative Unterrichtsgestaltung
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V511787
ISBN (eBook)
9783346097446
ISBN (Buch)
9783346097453
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglistik, Didaktik, Fachdidaktik Englisch, Unterrichtsgestaltung
Arbeit zitieren
Katharina Pangritz (Autor), 2014, Wie gelingt spielerisches Lernen? Gesellschaftsspiele im Englischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511787

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