Der Einsatz von Bildergeschichten im Deutschunterricht. Potenziale zur Förderung der Schreiblust


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildergeschichten als didaktische Gattung und schulische Textsorte
2.1 Einführung in Bildergeschichten
2.2 Schriftliches Erzählen mithilfe von Bildergeschichten

3. Möglichkeiten und Grenzen der „Bildergeschichte“
3.1 Normenkonzepte und Erwartungen der „Bildergeschichte“
3.2 Normenkritik mit Blick auf den Erwerb schriftlichen Erzählens
3.3 Grenzen der Bildergeschichte im Unterricht

4. Vorstellung eines Schülerbeispiels

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Schreiben gehört zu eines der Kemkompetenzen, die in der Schule, vor allem im Deutschunterricht, den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden soll. Es gibt jedoch viele verschiedene Wege und Methoden den Lernenden im Schreiben zu schulen und die vorhandenen Kompetenzen hinreichend zu fördern. Hier bedienen sich Lehrkräfte verschiedener Schreibanregungen und Schreibhilfen. Dazu gehört das erzählen von Bildergeschichten, die im Fokus dieser Arbeit steht. Bildergeschichten sollen Schreibanlässe bieten und eine Schreibfreude bei den Schülerinnen und Schülern entwickeln. Das Nacherzählen von Texten ist bei den Lernenden eine unbeliebte Aufgabe und regt sie wenig zum Schreiben an. Bilder dagegen ziehen die Aufmerksamkeit vieler Schülerinnen und Schüler auf sich, sind kurz und bündig. Bildergeschichten sind leicht zu verstehen und bieten eine gute Vorlage für das Verfassen einer Erzählung. Doch es gibt auch kritische Meinungen zu Bildergeschichten. Diese Arbeit soll daher die Problematik der Bildergeschichte darstellen und einen Einblick in diese didaktische Gattung bieten.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird in Bildergeschichten eingeführt. Es wird der Frage nachgegangen, was Bildergeschichten ausmacht und was sie von anderen Gattungen und Textsorten unterscheidet. Im nächsten Schritt wird thematisiert, wie eine schriftliche Erzählung mithilfe von Bildergeschichten gelingen soll, wie sie aufgebaut sind. Wie also Bildergeschichten das schriftliche Erzählen einer Geschichte unterstützen.

Der nächste Abschnitt nimmt die Möglichkeiten und Grenzen der Bildergeschichte in den Fokus: Welche Normenkonzepte kamen bisher zum Einsatz und welche Schwierigkeiten haben sich aufgezeigt, die mit dem Einsatz von Bildergeschichten behoben werden sollen? Auch wird darauf eingegangen, welche Argumente der Literatur zu entnehmen sind, die die Bildergeschichte als bessere Alternative empfehlen. Mithin wird Normenkritik geübt mit Blick auf den Erwerb schriftlichen Erzählens. Hier soll aufgezeigt werden, an welchen bisherigen Aspekten die Kompetenzen von Lernenden gemessen wurden. Alternative Bewertungen und andere Herangehensweise werden vorgestellt für eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern im Bereich schriftliches Erzählen.

Anschließend wird die Bildergeschichte kritisch beleuchtet. Es werden ihre Grenzen aufgezeigt und die sich aus ihr ergebenden Problemen im schulischen Kontext. Anhand von konkreten Schülerbeispielen werden diese Probleme und Grenzen im letzten Abschnitt verdeutlicht. Aus ihnen soll hervorgehen, warum sich Bildergeschichten nicht für Erzählübungen im Schriftlichen eignen.

Zuletzt werden in einem abschließenden Fazit die Ergebnisse dieser Arbeit noch mal kurz resümiert und in Zusammenhang gebracht. Die zu Beginn aufgeworfenen Fragen werden noch mal aufgegriffen und in den Kontext dieser Arbeit eingeordnet.

2. Bildergeschichten als didaktische Gattung und schulische Textsorte

2.1 Einführung in Bildergeschichten

Lehrkräfte erzählen immer wieder von Schülerinnen und Schülern, für die das Schreiben im Allgemeinen und das schriftliche Erzählen im Besonderen eine große Herausforderung darstellt.1 Sie sitzen lange vor einem Blatt Papier und finden keinen Anfang für ihre Geschichte oder bringen nur mit viel Mühe wenige Sätze zu Papier. Auch Kindern, die schreiben können, fehlt es oft an Schreibanregungen um sie gezielt für das schriftliche Erzählen zu motivieren. Für die Einen bedarf es an Unterstützung bei ihren Schwierigkeiten und für die Anderen an Vorlagen und interessanten Anregungen, die sie beim schriftlichen Erzählen fördern und begleiten.2 An dieser Stelle setzen immer mehr Lehrkräfte auf Bildergeschichten: Sie gelten vor allem in der Grundschule aber auch darüber hinaus als hilfreiches Mittel, um das mündliche und schriftliche Erzählen einzuüben.3 Deswegen sollen hier zunächst Bildergeschichten als didaktische Gattung und schulische Textsorte vorgestellt werden.

Die Bildergeschichte wird vorrangig zum Erzählenlernen im Deutschunterricht eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine kurze Abfolge von Bildern „die kleine und pointierte Geschichten erzählen“.4 Sie finden ihre Verwendung meist im Sprachunterricht als kleine Höhepunkterzählungen mit einer witzigen Pointe. Hier werden sie in der Didaktik des mündlichen und schriftlichen Erzählens genutzt. Während im Aufsatzunterricht die sprachliche Wiedergabe einer Bildfolge Anfänger von der Erfindung einer eigenen Geschichte entlastet und ihnen einen Schreibanlass bietet, stellt sie noch für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II eine Herausforderung dar. Denn die Versprachlichung und Verschriftlichung einer Bildergeschichte zu einer gelungenen Erzählung erfordert hohe Anforderungen an die Gestaltungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler, auf die aber in dieser Arbeit später eingegangen werden soll.5

Anmerkung der Redaktion: Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Abbildung 1: 'Vater undSohn - Das interessante Weihnachtsbuch6

Die Bildergeschichten vom Vater und Sohn, dem deutschen Zeichner Erich Ohser, sind die bekanntesten Zeichnungen unter dieser Gattung. In den textlosen Geschichten wird meist in witziger Art und Weise dargestellt, wie Vater und Sohn ihren Alltag meistern.7 Diese Zeichnungen kommen auch immer wieder im Deutschunterricht zum Einsatz. Sie sollen mit ihrem meist witzigen und leicht verständlichen Inhalt den Schülerinnen und Schülern einen motivierenden Anlass zum Verbalisieren einer Kurzgeschichte geben.8 Das Augenmerk dieser Aufgabe liegt dabei nicht auf der Beschreibung der einzelnen Bilder, sondern vielmehr darin, sie zu einer ganzheitlichen Geschichte zu machen und zu verschriftlichen. Die Schülerinnen und Schüler sollen die „Lücken“ füllen, wobei die Bilder lediglich Informationen zu den wichtigsten Augenblicken liefern. Denn Bildergeschichten im Deutschunterricht kommen nicht als Beschreibungsaufgabe zum Einsatz, sondern dienen vielmehr als Erzählanlässe.9 Bei dem Einsatz wird im vorhinein angenommen, dass das Erzählen an sich auch aus geordneten beziehungsweise strukturierten Ereignisfolgen besteht. Nicht zuletzt deswegen kommen Bildergeschichten als Stützen zum Einsatz, an deren Bildfolgen sich die Schülerinnen und Schüler orientieren sollen. Dem wird aber in der Literatur oft entgegensetzt, dass eine Ereignisfolge noch keine Erzählung ausmacht: Auch ein Bericht, eine Schilderung oder Beschreibung besteht aus einer geordneten Folge von

Ereignissen.10 Es stellt sich an dieser Stelle deswegen die Frage, was überhaupt eine Erzählung ausmacht und worin ihr didaktischer Mehrwert liegt, die ihren und auch den Einsatz von Bildergeschichten legitimiert.

2.2 Schriftliches Erzählen mithilfe von Bildergeschichten

In diesem Abschnitt soll verdeutlicht werden, was das Erzählen ausmacht und warum diese Textsorte im schulischen Alltag eingesetzt wird. Auf dieser Grundlage soll beleuchtet werden, welche Rolle Bildergeschichten zur Vermittlung des schriftlichen Erzählens zukommt.

Einer Erzählung liegt ein narratives Testmuster zugrunde: In einem fiktiven Raum wird ein erzählwürdiges Erlebnis reproduziert, das - vermeintlich real - in der Vergangenheit stattgefunden hat.11

In der schulischen Aufsatzlehre wird die Textsorte Erzählung unterfächert in Erlebniserzählung, Fantasieerzählung, Nacherzählung sowie Bildergeschichte.12 Letzteres steht im Fokus dieser Arbeit. Offen bleibt aber weiter die Frage, was das Erzählen beispielsweise vom Berichten oder Beschreiben unterscheidet. Auf der einen Seite werden in der Literatur ungenaue Abgrenzungskriterien angeführt wie „Lebendigkeit“, „Subjektivität“ oder „Detailreichtum“, die eine Erzählung ausmachen sollen. Und auf der anderen Seite wird das Einnehmen einer Erzählperspektive als zentrales Merkmal genannt.13 Letzteres entspricht dabei sprachwissenschaftlichen Befunden. Demzufolge verlangt das Erzählen ab, dass man sich fiktiv in die Vorstellung versetzt und sich mit den Figuren identifiziert. Der Schreiber der Erzählung befindet sich mental am Ort des Geschehens und erzählt als Wahrnehmungssubjekt seine Geschichte mit aller Fiktion, die dazu gehört und die eben eine Erzählung ausmacht - auch dann, wenn sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Diese Theorie von Bredel (2001) ist auch bei Bühler (1982) zu finden:

Man ist [...] unvermittelt und plötzlich hineinversetzt in der Vorstellung an den geographischen Ort des Vorgestellten, man hat das Vorgestellte vor dem geistigen Auge von einem bestimmten Aufnahmestandpunkt aus, [...] an dem man selbst sich befindet in der Vorstellung.14

Nicht das chronologische Abarbeiten von Wirklichkeit macht das Erzählen aus, sondern der Aufbau einer fiktiven Welt, wodurch der Schreiber mental an den Ort des Geschehens versetzt wird.15 Bei Fix wird dagegen angeführt, dass die Grenze des Erzählens zum Bericht oder zur Beschreibung fließend sei. Aber auch er hebt die Rolle des „erzählenden Subjekts“ als dominierendes Merkmal beim Erzählen hervor, wo es im Vergleich dazu bei Berichten vielmehr auf sachbezogene Darstellungen ankommt.16 In der Literatur findet man, wenn auch mit viel kritischer Hinterfragung, ein grobes Strukturschema für Erzählungen, die auf drei Hauptphasen begründet werden: Demzufolge hat eine Erzählung den groben Aufbau von Einleitung, Hauptteil und Schluss. Im chronologischen Ablauf der Erzählung baut sich im Laufe der Geschichte eine leichte Spannung auf, die ihren Höhepunkt im Hauptteil erreicht und im Schlussteil wieder auflöst. Die Einleitung bietet eine Orientierung und führt damit in den Ort, die Zeit und die Akteure der Geschichte ein. Im Hauptteil wird man mit der Handlung und mit den aus ihr folgenden Resultaten und Reaktionen konfrontiert, aber auch mit der Auflösung der Geschichte. Im Schluss erfolgt gegebenenfalls eine Evaluation beziehungsweise eine Reflexion des Ganzen.17 Diese Normen werden jedoch auch häufig als einengend kritisiert, weil sie je nach Erzählsituation oder der damit verbundenen Intention, den Erzähler in seiner schriftlichen Gestaltung einschränken würden.18 Die häufig angewandte stilistische Vorgabe, stets im Präteritum zu schreiben, wird ebenso kritisch gesehen. Eine Erzählung zielt insgesamt mit ihren Merkmalen darauf ab, den Hörer/Leser in das Erlebnis zu involvieren.19

Es wurde deutlich, was das schriftliche Erzählen als schulische Textsorte von den Schülerinnen und Schülern abverlangt. In dieser Fülle an Normen, sollte es jedoch im Unterricht nicht darauf ankommen, dass Schülerinnen und Schüler lediglich Textsortenmerkmale vermittelt bekommen, sondern vielmehr „das Erzählen in seiner kommunikativen Funktion“20 verstehen und anwenden können.

Zur praktischen Übung des schriftlichen Erzählens kommen an dieser Stelle oftmals Bildergeschichten zum Einsatz.

[...]


1 Vgl. Wedel-Wolff: Zum Schreibenanregen- Schreibhilfen geben, S. 12

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Böttcher/Becker-Mrotzek: Texte bearbeiten, bewerten und benoten, S. 88 f.

4 Kochheim 1981: AdamsonoderDie SprachlosigkeitderBildergeschichte, S. 320.

5 Haueis, Eduard: Bildergeschichte, S. 28 f.

6 Plauen: Das interessante Weihnachtsbuch (Vater und Sohn)

7 Kochheim 1981: AdamsonoderDie SprachlosigkeitderBildergeschichte, S. 324.

8 Vgl. ebd., S. 320.

9 Vgl. Bredel: Ohne Worte, S. 4.

10 Vgl., ebd., S. 5.

11 Fix: Texte schreiben, S. 94.

12 Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 94.

13 Ebd.

14 Bühler: Sprachtheorie, S. 135.

15 Vgl. Becker-Mrotzek: Schüler erzählen aus ihrer Schulzeit, S. 44.

16 Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 94.

17 Vgl. Maiwald: Erzählt wird im Präteritum, S.61f.

18 Vgl. Fix: Texte schreiben, S. 95 f.

19 Vgl. Bredel: Ohne Worte, S. 14.

20 Fix: Texte schreiben, S. 96.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Bildergeschichten im Deutschunterricht. Potenziale zur Förderung der Schreiblust
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V511794
ISBN (eBook)
9783346084002
ISBN (Buch)
9783346084019
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschunterricht, Didaktik, Textsorten, Bilder, Bildergeschichten, Unterrichtsmethode, Deutschdidaktik
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Der Einsatz von Bildergeschichten im Deutschunterricht. Potenziale zur Förderung der Schreiblust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511794

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