Diese Arbeit befasst sich mit der Bildergeschichte als didaktischer Gattung, mit ihren Potenzialen und Problemen. Das Schreiben gehört zu den Kernkompetenzen, die in der Schule, vor allem im Deutschunterricht, den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden sollen. Es gibt jedoch viele verschiedene Wege und Methoden, den Lernenden im Schreiben zu schulen und die vorhandenen Kompetenzen hinreichend zu fördern. Hier bedienen sich Lehrkräfte verschiedener Schreibanregungen und Schreibhilfen. Dazu gehört das Erzählen von Bildergeschichten, die im Fokus dieser Arbeit stehen. Bildergeschichten sollen Schreibanlässe bieten und eine Schreibfreude bei den Schülerinnen und Schülern entwickeln. Das Nacherzählen von Texten ist bei den Lernenden eine unbeliebte Aufgabe und regt sie wenig zum Schreiben an. Bilder dagegen ziehen die Aufmerksamkeit vieler Schülerinnen und Schüler auf sich, sind kurz und bündig. Bildergeschichten sind leicht zu verstehen und bieten eine gute Vorlage für das Verfassen einer Erzählung. Doch es gibt auch kritische Meinungen zu Bildergeschichten.
Der erste Teil der Arbeit gibt eine Einführung in das Thema Bildergeschichten. Es wird der Frage nachgegangen, was Bildergeschichten ausmacht und was sie von anderen Gattungen und Textsorten unterscheidet. Im nächsten Schritt wird thematisiert, wie eine schriftliche Erzählung mithilfe von Bildergeschichten gelingen soll, wie sie aufgebaut sind. Wie also Bildergeschichten das schriftliche Erzählen einer Geschichte unterstützen. Der nächste Abschnitt nimmt die Möglichkeiten und Grenzen der Bildergeschichte in den Fokus: Welche Normenkonzepte kamen bisher zum Einsatz und welche Schwierigkeiten haben sich aufgezeigt, die mit dem Einsatz von Bildergeschichten behoben werden sollen? Auch wird darauf eingegangen, welche Argumente der Literatur zu entnehmen sind, die die Bildergeschichte als bessere Alternative empfehlen. Mithin wird Normenkritik geübt mit Blick auf den Erwerb schriftlichen Erzählens. Hier soll aufgezeigt werden, an welchen bisherigen Aspekten die Kompetenzen von Lernenden gemessen wurden. Alternative Bewertungen und andere Herangehensweise werden vorgestellt für eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern im Bereich schriftliches Erzählen. Anschließend wird die Bildergeschichte kritisch beleuchtet. Es werden ihre Grenzen aufgezeigt und die sich aus ihr ergebenden Probleme im schulischen Kontext.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildergeschichten als didaktische Gattung und schulische Textsorte
2.1 Einführung in Bildergeschichten
2.2 Schriftliches Erzählen mithilfe von Bildergeschichten
3. Möglichkeiten und Grenzen der „Bildergeschichte“
3.1 Normenkonzepte und Erwartungen der „Bildergeschichte“
3.2 Normenkritik mit Blick auf den Erwerb schriftlichen Erzählens
3.3 Grenzen der Bildergeschichte im Unterricht
4. Vorstellung eines Schülerbeispiels
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die didaktische Eignung von Bildergeschichten als Schreibanlass im Deutschunterricht und hinterfragt kritisch, inwieweit dieses Medium den Erwerb komplexer Erzählkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern tatsächlich fördert oder möglicherweise einschränkt.
- Didaktische Funktion und schulische Verwendung von Bildergeschichten
- Differenzierung zwischen Beschreiben und Erzählen
- Normenkonzepte beim schriftlichen Erzählen im Schulalltag
- Analyse der narrativen Kompetenzen anhand konkreter Schülerbeispiele
- Kritische Reflexion der Wirksamkeit von Bildergeschichten für den Schreiberwerb
Auszug aus dem Buch
3.1 Normenkonzepte und Erwartungen der „Bildergeschichte“
Im Deutschunterricht begegnet man bei Erzählungen oft Problemen, wo von Schülerinnen und Schülern die eigene Selbstständigkeit gefordert wird: Beispielsweise wird ihnen ein Text vorgegeben, anhand dessen sie die Kernhandlung nacherzählen sollen. Das Problem dabei ist, dass zum einen den Meisten nicht gelingt sich vom vorliegenden Text zu lösen und zum anderen die „sprachliche Selbstständigkeit“ nicht zum Vorschein kommt. Die vermeintlich ideale Ausdrucksweise aus dem Ausgangstext wird übernommen und die Schülerinnen und Schüler schreiben sehr nah an der Vorlage. Eine andere beliebte wie problematische Erzählübung ist die einer Erlebniserzählung. Hier können die Schülerinnen und Schüler zwar frei und ohne eine Vorlage schreiben, doch ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten bei der Bewältigung dieser Aufgabe: Vielen gelingt es nicht, ein eigenes erzählwürdiges Erlebnis zu finden. Hinzu kommt, dass dieses Erlebnis aus den eigenen Erinnerungen nur sehr schwer zu einer „lückenlosen und anschaulichen Erzählung“ geformt werden kann.
Rudolf König bringt in seinem Aufsatz über „Die Nacherzählung von Bildergeschichten“ den Einsatz von Bildergeschichten als bessere Alternative für Erzählungen ein. Darin sieht er die förderwürdigen Eigenschaften des schriftlichen Erzählens vereint und die Probleme minimiert. Demnach gibt die Reihenfolge der Bildergeschichten den Schülerinnen und Schülern eine Orientierung. Schwächere Schüler können sich am Ablauf orientieren und der stärkeren Schülern bleibt immer noch genug Freiraum sich mithilfe der vielaussagenden Bilder erzählerisch frei zu entfalten. Die sprachliche Umsetzung der Bilder obliegt dabei komplett den Schülerinnen und Schülern. Bei Bildern existiert keine vorgegebene schriftliche Erzählung, an der sich Schüler festfahren. Stattdessen gibt es „nur“ Bilder, die zwar eine Kerngeschichte wiedergeben, aber anhand der Gestik und Mimik aus dem zu beobachtenden Bild etwas Ausführlicheres erzählt werden kann. Hier kommen die eigenen Ausdrücke und Interpretationen des Lernenden zum Vorschein, was die Vorstellungskraft fördert und stärkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung des Schreibunterrichts dar, führt in die Thematik der Bildergeschichten ein und umreißt die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Bildergeschichten als didaktische Gattung und schulische Textsorte: Dieses Kapitel definiert die Bildergeschichte als schulisches Instrument und erläutert die theoretischen Grundlagen des schriftlichen Erzählens.
3. Möglichkeiten und Grenzen der „Bildergeschichte“: Der Hauptteil analysiert bestehende Normenkonzepte, übt Kritik an der didaktischen Praxis und beleuchtet die strukturellen Grenzen des Mediums bei der Förderung freier Erzählfähigkeiten.
4. Vorstellung eines Schülerbeispiels: Anhand zweier konkreter Schülertexte wird aufgezeigt, wie Lernende mit der Vorgabe durch Bildergeschichten umgehen und welche Schwierigkeiten beim Übergang vom Beschreiben zum Erzählen auftreten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und schlussfolgert, dass Bildergeschichten zwar einen Einstieg bieten, jedoch den Erwerb echter Erzählkompetenz eher behindern können.
Schlüsselwörter
Bildergeschichten, Deutschunterricht, schriftliches Erzählen, Schreibdidaktik, narrative Kompetenz, Erlebniserzählung, Bildfolge, schulische Textsorten, Schreibanlass, Textproduktion, Erzählperspektive, Schreibförderung, Didaktik, sprachliche Selbstständigkeit, Rezipientenperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Bildergeschichten im Deutschunterricht und hinterfragt deren pädagogischen Nutzen sowie deren Grenzen bei der Entwicklung der Schreibkompetenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik des schriftlichen Erzählens, der Analyse von Normenkonzepten im Unterricht und der Abgrenzung zwischen dem bloßen Beschreiben von Bildern und dem kreativen Erzählen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Bildergeschichten tatsächlich das schriftliche Erzählen fördern oder ob sie Schülerinnen und Schüler eher in ihrer kreativen Entfaltung behindern, indem sie sie auf eine starre Bildfolge festlegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf fachdidaktische Literatur zur Schreibtheorie sowie auf die qualitative Analyse von Schülerbeispielen, um die theoretischen Thesen in der Unterrichtspraxis zu validieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die didaktische Bedeutung und gängige Erwartungen an Bildergeschichten erörtert, gefolgt von einer kritischen Betrachtung der mit diesem Medium verbundenen Hindernisse für den Aufbau narrativer Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bildergeschichten, schriftliches Erzählen, narrative Kompetenz, Schreibdidaktik und die Unterscheidung von Beschreiben und Erzählen.
Inwiefern beeinflussen Bilder die erzählerische Freiheit?
Die Arbeit argumentiert, dass die feste Abfolge von Bildern dazu führen kann, dass Schülerinnen und Schüler zu einem rein deskriptiven Vorgehen verleitet werden, anstatt eine eigene, in sich geschlossene Erzählung zu entwickeln.
Warum schneiden Schülerbeispiele in der Analyse oft kritisch ab?
Die Analyse zeigt, dass Lernende bei der Arbeit mit Bildergeschichten häufig dazu neigen, die gezeigten Ereignisse nur chronologisch aneinanderzureihen, statt eine lebendige Erzählung mit Perspektivübernahme zu verfassen.
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- Anonym (Autor), 2016, Der Einsatz von Bildergeschichten im Deutschunterricht. Potenziale zur Förderung der Schreiblust, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511794