Unter der Voraussetzung des binären europäischen Denkens legitimierten Frankreich und England die Eroberung Afrikas. Wir waren gebildet, zivilisiert, vernünftig und weiß, die Anderen waren ignorant, barbarisch, irrational und schwarz2 Ihr deklariertes
Ziel in Afrika waren die drei Cs, wie Livingstone sie nannte: Commerce, Christianity und Civilization. Dazu kam allerdings noch ein Viertes: Conquest – Eroberung. Sie verlief wie ein Wettlauf, als ob jedes kleine Stück afrikanischen Bodens eine Goldgrube wäre. Die Realität sah allerdings anders aus. Mit dem Profit verbanden sich auch hohe Kosten, vor allem im Verwaltungsapparat, wobei beide Nationen unterschiedliche, ihrer eigenen Tradition kongruenten Strategien verfolgten. Die Kosten waren jedoch nicht nur finanzieller Art, sondern führten zu einem Kulturverlust
der indigenen Afrikaner und damit zu einer Akkulturation3, der Überlagerung beziehungsweise Vermischung der Überlegenen und Unterlegenen.
Erst in den vergangenen Jahren erforschte man die Geschichte des bis dahin als geschichtslos geltenden Kontinents Afrika und man stellt fest, dass die prekolonialen Kulturen in einer nicht-europäischen Form hoch entwickelt waren. Dieses Bemühen hat von europäischer Seite die Abwendung des eurozentristischen Denkens erfordert
und damit den Weg zur Wiederaufarbeitung dieses historischen Kapitels bereitet.
1 Auszug aus Rudyard Kipling: The White Man’s Burden. McClure’s Magazine 12. 1899.
http://boondocksnet.com/ai/kipling/kipling.html 04.07.2004
2 das binäre System des We und the Others gilt als maßgebliche Voraussetzung für den Kolonialismus in den post-colonial studies. Bei B. Ashcroft, G. Griffiths, H. Tiffin: Key Concepts of Post-Colonial Studies. Routledge.
London.1998.
3 J. E. Mabe (Hrsg.): Das kleine Afrika – Lexikon. Bonn bei bpb. 2004.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Afrika vor der europäischen Kolonisierung
1.1 Genereller Überblick
1.2 Politische Organisationsformen
1.2.1 Zentralisierte Herrschaftsform
1.2.2 Dezentrale Gesellschaftsformen
2 Am Vorabend der europäischen Kolonialzeit
2.1 Der Beginn der Erschließung Afrikas durch die Europäer
2.2 Frankreichs und Englands Weg in den Imperialismus – Voraussetzungen und Ideen im Vergleich
2.2.1 Natürliche Voraussetzungen
2.2.2 Staatsysteme im Vergleich
2.2.3 Liberalismus und Aufklärung als geistige Basis
3 Der Wettlauf um Afrika
3.1 Hauptfaktoren zur Eroberung
3.2 Historischer Verlauf der Aufteilung Afrikas
3.2.1 Der Wettlauf beginnt
3.2.2 Die Aufteilung Afrikas
4 Verwaltung und Organisation der Kolonien
4.1 Genereller Überblick
4.2 „Der Staat bin Ich!“ – Frankreich und die direkte Verwaltung
4.3 „Teile und herrsche!“ – Großbritannien und die indirekte Verwaltung
5 Das Ende der Kolonialzeit
6 Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die kolonialpolitischen Strategien von Frankreich und Großbritannien in Afrika. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der unterschiedlichen Verwaltungssysteme sowie der historischen, ideologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die den europäischen Imperialismus auf dem Kontinent maßgeblich prägten.
- Vergleich der zentralistischen vs. indirekten Herrschaftsformen
- Einfluss von Liberalismus, Aufklärung und ökonomischen Interessen
- Dynamiken und Akteure des sogenannten „Wettlaufs um Afrika“
- Folgen der Kolonialverwaltung für die soziale Struktur afrikanischer Gesellschaften
- Prozess der Dekolonisierung und die langfristigen Auswirkungen auf die Unabhängigkeit
Auszug aus dem Buch
4.2 „Der Staat bin Ich!“ – Frankreich und die direkte Verwaltung
Frankreich brauchte 35 Jahre, um in seinem afrikanischen Empire – das mit 12 km² und fast 68 Mio. Einwohnern flächenmäßig größte vor dem Britischen an zweiter Stelle, bestehend aus den Teilen Französisch-Westafrika und Äquatorialafrika, ein geschlossenes und gut organisiertes System zu errichten, welches von einem ausgewählten Kader Kolonialbeamter, die dem Kolonial- und Überseeministerium unterstanden, verwaltet wurde. Große Handelsgesellschaften überzogen das Land mit einem Netzwerk aus zahlreichen Stationen, von denen aus der Handel ausschließlich mit dem Mutterland betrieben wurde (Régime Excluxif s.o.).
Zu den auffälligen Kennzeichen des französischen Kolonialismus zählt jedoch nicht so sehr die Exklusivität der ökonomischen Beziehung zwischen Metropole und Kolonien [...] als vielmehr die Einbindung in ein legitimatorisches Gesamtkonzept, das Frankreichs [...] Expansion in den Dienst einer „mission civilisatrice“ stellte. Diese weit in die Geschichte Frankreichs, bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückweisende, durch die Französische Revolution mit neuer Dynamik versehene säkulare Mission, andere Völker auf das Niveau französischer Exzeptionalität zu heben und der französischen Zivilisation universale Geltung zu verschaffen, verweist auf zwei Grundpfeiler französischer Kolonialpolitik: das Konzept der Assimilation, das die Vorstellung einer zunehmenden Integration der unter französischer Herrschaft stehenden Menschen und Territorien in das Mutterland begünstigt, und das Konzept der „direkten Verwaltung“ (administration directe), das die Einbindung der Kolonien in ein von Frankreich zentralistisch gesteuertes, hierarchisch strukturiertes Verwaltungssystem favorisierte.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ideologischen Voraussetzungen des europäischen Kolonialismus und den Gegensatz zwischen den europäischen Mächten und den indigenen Kulturen.
1 Afrika vor der europäischen Kolonisierung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die geographische Vielfalt sowie die politischen und kulturellen Strukturen Afrikas vor dem europäischen Eingreifen.
2 Am Vorabend der europäischen Kolonialzeit: Hier werden die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in Afrika sowie die spezifischen Voraussetzungen Englands und Frankreichs für den Imperialismus verglichen.
3 Der Wettlauf um Afrika: Das Kapitel analysiert die Faktoren der Eroberung und den historischen Prozess der territorialen Aufteilung des Kontinents durch die europäischen Mächte.
4 Verwaltung und Organisation der Kolonien: Hier werden die unterschiedlichen Ansätze der direkten französischen Verwaltung und der indirekten britischen Herrschaft im Detail gegenübergestellt.
5 Das Ende der Kolonialzeit: Das Kapitel untersucht den Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf den Dekolonisierungsprozess und die nachfolgende Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten.
6 Schluss: Der Schlussteil fasst die langfristigen negativen Folgen der Kolonialzeit zusammen und dient als Basis für weiterführende Analysen in einer nachfolgenden Magisterarbeit.
Schlüsselwörter
Kolonialismus, Imperialismus, Afrika, Frankreich, Großbritannien, direkte Verwaltung, indirekte Verwaltung, Assimilation, indirect rule, Handelsgesellschaften, Dekolonisierung, Mission civilisatrice, Eurozentrismus, Sozialdarwinismus, Unabhängigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Prozess und die Folgen der europäischen Kolonialherrschaft in Afrika, mit einem spezifischen Fokus auf den Vergleich der Ansätze Großbritanniens und Frankreichs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verwaltungssysteme, die Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung sowie die wirtschaftlichen und ideologischen Motive des Imperialismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem französischen Assimilationsmodell und der britischen indirekten Herrschaft (indirect rule) systematisch herauszuarbeiten und historisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden historischen Analyse, die sich auf Literaturrecherchen, historische Dokumente und postkoloniale Theorieansätze stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Voraussetzungen vor der Kolonialzeit, den eigentlichen „Wettlauf um Afrika“ sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Verwaltungspraktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Imperialismus, Assimilation, indirect rule, Dekolonisierung und die kulturelle sowie politische Transformation Afrikas.
Welche Rolle spielten die Handelsgesellschaften bei der Kolonialisierung?
Handelsgesellschaften fungierten oft als erste Akteure, die im Auftrag oder unter dem Schutz ihrer Heimatstaaten Handelsrouten sicherten und die politische Kontrolle durch Verträge vorbereiteten.
Wie unterscheidet sich die französische Assimilationspolitik von der britischen indirect rule?
Frankreich strebte theoretisch die kulturelle und rechtliche Integration der Kolonien in das Mutterland an, während Großbritannien versuchte, bestehende indigene Machtstrukturen für eine effiziente Verwaltung mit möglichst geringem eigenem Personalaufwand zu nutzen.
- Quote paper
- Magister Artium Ariane Ackermann (Author), 2004, Wettlauf um das Paradies - ein Vergleich der englischen und französischen Kolonialzeit in Afrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51180