Die Kathedrale von Chartres. Wie funktioniert sie als Wallfahrtsstätte?


Forschungsarbeit, 2018

58 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Reliquien und Kultbilder in der Kathedrale von Chartres
3.1 Der Marienkult um die Marienreliquie von Chartres
3.2 Die Legende der Virgo Paritura

4. Die Wiederspieglung Mariens in der Architektur und Glasmalerei
4.1 Der Multimediale Ausdruck der Kathedrale
4.2. Der Westkomplex
4.2.1 Die Muttergottes am Königsportal
4.2.2 Maria in den Glasmalereien der Westfassade
4.3 Der Nordkomplex
3.3.1 Maria und Anna am nördlichen Querhaus
4.3.2 Maria und Anna in der Glasmalereien des nördlichen Querhauses
4.4 Das Südkomplex
4.4.1 Die Madonnen der drei Giebelreliefs der südlichen Portalanlage
4.4.2 Maria in der Glasmalereien des südlichen Querhauses
4.5 Der Chor
4.5.1 Maria in den sieben Apsisfenstern
4.5.2 Die Nôtre-Dame de la Belle-Verrière

5. Der mittelalterliche Pilgerweg durch die Kathedrale

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen im Anhang

Anhang

1. Einleitung

„So wächst aus urgrauen Tagen die Kathedrale empor: Wie sie mit ihrer Krypta tief in der Erde wurzelt, so wurzelt sie in der Zeit; weiterhin überragt sie die Landschaft, die ihr das beste Ihres Wesens zugetragen hat, und mit ihren Türmen stößt sie an den Him­mel. Wenn man es nirgends sonst erführe, hier erfährt man es, dass die Wahrheit und die Schönheit von uns nie begriffen, sondern nur erpilgert werden können."1

Diese ekstatischen Zeilen schrieb einst der Dichter Charles Péguy (1873-1914), der 1912 zur Kathedrale Nôtre-Dame von Charters pilgerte um zu beten, dass sein Sohn vom Ty­phus geheilt werde und dort Erlösung fand.2

Bereits seit Jahrhunderten gilt die dreischiffige Kreuzbasilika, welche nach einem Brand der romanischen Kirche im Jahre 1194 neu errichtet wurde, als wichtigster Marienwall­fahrtsort von Frankreich.3 Hier tritt die Jungfrau nicht nur als Schutzpatronin in Erschei­nung. Der gesamte Bau ist von zahlreichen, sich wiederholenden Darstellungen der Mut­tergottes durchzogen, die auf die übergeordnete Bedeutung der Mutterfigur hinweisen wollen. Dabei wird man in der Kathedrale mit Maria nicht nur durch ihre verehrten Reli­quien und Kultbilder konfrontiert, sondern auch durch die Reliefs an den Außenportalen und in den biblischen Erzählungen der überaus bedeutsamen Glasmalereien. Der Ur­sprung dieses Marien-Kanons in Chartres liegt dabei in einem nicht eindeutig bestätigten Kult um eine Mutterfigur mit Kind, der so genannten Virgo paritura, die schon in vor­christlicher Zeit in Charters verehrt worden sein soll, jedoch die Marienverehrung und die Bedeutung der Kathedrale als Marienwallfahrtsstätte maßgeblich geprägt hat.4

Demnach ist das Ziel dieser Arbeit zu untersuchen, wie die Kathedrale von Chartres als Wallfahrtskirche funktioniert. Hierbei steht die Heilige Jungfrau und deren Heilsbot­schaft, die sie durch ihre multimediale Präsenz im äußeren und inneren der Kathedrale an die Gläubigen richtet, im Mittelpunkt.

In einem ersten Schritt soll demnach untersucht werden, was die Pilger nach Chartres gezogen hat und weswegen Kirchenbau und Wallfahrt in Chartres eine unauflösbare Ein­heit bilden. Hierbei wird zunächst auf die bedeutende Marienreliquie, der Schleier der Heiligen Jungfrau, eingegangen, wobei im gleichen Zug der Ursprungskult der Kathed­rale mit der Skulptur Nôtre-Dame Sous-Terre sowie eine weitere verehrte Madonna, die Nôtre-Dame du Pilier besprochen wird.

Im Anschluss wird untersucht, wie sich das ursprünglich in Chartres verehrte Kultbild der Madonna mit Kind sowie die marianischen Themen im Allgemeinen an den Portal­anlagen am Äußeren und in den Glasmalereien im Inneren der Kathedrale wiederspie­geln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Darstellungen in den Reliefs der West-, Nord- und Südportale und ihre übergeordneten Zusammenhänge mit deren äquivalenten Dar­stellungen in den Glasmalereien im Innenraum.

2. Forschungsstand

In meinen Ausführungen zum meinem Forschungsthema über die Kathedrale von Chart­res als Wallfahrtsstätte, welches mehrere Themenkomplexe umfasste, bildeten neben der umfangreichen allgemeinen Sekundärliteratur, die umfassenden Einzelbände von RO­LAND Halfen zur Marienthematik, dem Königsportal, den Querhäusern und der Glasma­lerei, eine wichtige Grundlage. Ein aktueller Beitrag zu den Querhausportalen lieferte dagegen der Aufsatz von BRUNO BOERNER, Die Chartreser Querhausportale und ihre Betrachter aus dem Jahr 2015.

Was die Glasmalereien betrifft, so konzentrierte ich mich auf die Ergebnisse aus den Werken von Colette und Jean-Paul Deremble, die neben ihrem Artikel Les vitraux médiévaux, un patrimoine exceptionnel aus dem Jahr 2013, aus dem umfassenden Sam­melband Chartres, La Grâce d’une Cathédrale von MICHEL PANSARD, und in ihrer Mo­nographie Les vitraux des Chartres aus dem Jahr 2003, ausführlich auf die einzelnen Glasmalereien und ihre Ikonographie eingehen. Diesbezüglich waren auch die Erläute­rungen von Colette Deremble aus der Reihe des französischen Corpus Vitrearum be­deutend.

3. Reliquien und Kultbilder in der Kathedrale von Chartres

3.1 Der Marienkult um die Marienreliquie von Chartres

Die Geschichte von Chartres ist eng mit der Figur der Jungfrau Maria verbunden.5 Seit den Anfängen der Kathedrale zu Beginn des 12. Jahrhunderts und teilweise noch bis in unsere Gegenwart hinein umhüllt ein undurchsichtiger Schleier von Legenden die Mari­enwallfahrt von Chartres.6 Der Ruf Chartres‘ als Marienheiligtum wurde dabei im We­sentlichen von einer Reliquie geprägt. Hierbei handelt es sich um das Hemd der Heiligen Jungfrau, la Sainte chemise oder die Sancta camisia, welches sie bei der Verkündigung oder der Geburt Christi getragen haben soll.7 Diese Reliquie wurde der Kathedrale im Jahr 876 von Karl dem Kahlen, dem Enkel Karls des GROßEN, gestiftet.8 Um die Ge­schichte der Reliquie ranken sich zahlreiche Legenden:9 Am Sterbebett übergab die Jung­frau das Kleidungsstück über Johannes an zwei Nachbarinnen, von denen er an zwei Edelleute gelangte. Diese konnten den Aufenthaltsort nicht verheimlichen, da sich um den Aufbewahrungsort zahlreiche Wunderheilungen ereigneten. Dies hatte zur Folge, dass Kaiser Leo des oströmischen Reiches im 5. Jahrhundert für die Reliquie eine Kirche in Konstantinopel errichten ließ. Schließlich soll der Kaiser Constantin V die Reliquie zwischen 780 und 802 Karl dem Großen geschenkt haben, da er Constantin im Krieg gegen die Sarazenen beigestanden hatte. Karl der GROßE bewahrte das Hemd Mariens im Domschatz des Aachener Doms auf und schenkte ihn anschließend seinem Enkel Karl dem Kahlen, von wo aus das kostbare Stück nach Chartres gelangte. Nach MÜL­LER könnte der Anlass für die Schenkung der Reliquie auch die Weihe der 858 unter Bischof Gislebertus wiedererrichteten Kathedrale von gewesen sein, die zuvor von den Wikingern zerstört worden war.10 Dagegen wird nach GABRIELA SIGNORI in der Literatur weitgehend verschwiegen, dass Karl der Kahle die Hemdreliquie 876 von Karl dem GROßEN nicht geschenkt, sondern die Reliquie dem kaiserlichen Aachen unerlaubt ent­wendet hatte.11 Das diese besondere Marienreliquie gerade der Chartreser Kathedrale ge­stiftet wurde, lässt sich nach HALFEN nicht ausschließlich durch persönliche Beziehungen zwischen dem damaligen Bischof von Chartres und dem König begründen, vielmehr un­terstellt er, dass der Ort schon vor der Stiftung eine herausragende Bedeutung als Mari­enheiligtum hatte.12

In Chartres sollen sich zahlreiche Wunder zugetragen haben, die mit dem Kleidungsstück Mariens zusammenhängen.13 Die bedeutendste Legende wird mit der Geschichte der Nor­manneneinfälle in Zusammenhang gebracht, welche jedoch in den verschiedenen Schrif­ten unterschiedlich ausgelegt wurde.14 Vor 1043 wird erstmalig zu Beginn des 11. Jahr­hunderts von Dudo von Saint-Quentin von der Marienreliquie berichtet.15 Eine mögli­che Version der Wundererzählung ist folgende: Im Jahre 911 soll sich ein letzter Überfall der normannischen Heiden auf die Stadt Chartres zugetragen haben. Demnach kam es durch den normannischen Anführer ROLLO am 20. Juli zum Angriff. Zu Beginn der Schlacht soll der Chartreser Bischof Gantelmus die Reliquie wie eine Fahne auf den Mauern der Stadt vor dem Schlachtgeschehen ausbreitet haben, worauf die Angreifer wie erstarrt vom Kampfe abließen. Diesen Zustand sollen die Bürger von Chartres genutzt haben und zum Gegenangriff übergegangen sein.16 Der Sieg der Hemdreliquie verbreitete sich über die literarischen Marienmirakelsammlungen normannischer Herkunft und er­langte durch die Legenda aurea des Dominikaners JAKOBUS VON VORAGINE schließlich gesamteuropäische Bedeutung, was das Ansehen der damaligen Kirche als Marienheilig­tum im Wesentlichen prägte.17

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde für diese Reliquie ein Schrein durch den Gold­schmied Teudon angefertigt, in dem sie bis zum 13. März 1712 aufbewahrt wurde (Abb. 1).18 In diesem Jahr wurde der Reliquienschrein von BISCHOF MONSTIERS DE MÉRINVILLE unter Beisein von Zeugen geöffnet, da man um den Erhaltungszustand des Schleiers be­sorgt war. Hierbei stellte sich heraus, dass es sich bei dem Kleidungsstück nicht um das wie Jahrhunderte zuvor angenommene Hemd der Heiligen Jungfrau, sondern um einen 5,35 Meter langen unverzierten Schleier aus Seide handelte.19

Durch den Brand des Fulbertusbaus vom 10. auf den 11. Juni 1194 erlangte die Reliquie eine noch größere Bedeutung:20 Zunächst wurde angenommen, dass der Schleier dem Brand zum Opfer gefallen sei, was bei den Bürgern von Chartres als ein weitaus größeres Unglück aufgenommen wurde, als die Zerstörung der Kathedrale. Der Reliquienschein wurde jedoch vom Brand verschont, da ihn einige Priester durch den Zugang im Chor in die Lubinuskrypta brachten, die vom Unglück verschont wurde.21 Die Rettung des Schlei­ers wurde als göttliches Zeichen interpretiert angesehen, für das die Heilige Jungfrau ver­antwortlich gemacht wurde. Chartres war bereits vor dem Brand von 1194 ein bedeuten­der Wallfahrtsort gewesen, jedoch breitete sich durch die Rettung der Reliquie der Ruhm noch weiter aus.22

Zahlreiche Marienwunder die sich, unter anderem im Zusammenhang mit dem Schleier, ereignet haben sind im Buch der Mirakel von Nôtre-Dame festgehalten, welches in Chart­res aufbewahrt wurde.23 Darin sind zehn verschiedene Wundertypen auflistet, die sich in Chartres zugetragen haben sollen. Bei den niedergeschriebenen Ereignissen handelt es sich um Unfälle, Gefangenenbefreiungen, Biblische Wunder, Lichtwunder, Strafwunder, Wunderheilungen und bedeutende Einzelwunder wie etwa das Hemdwunder, den Mari­enbräutigam, das Gontradewunder und den Sieg über die Normannen.24

Die Reliquie wird heute noch in der ersten Kranzkapelle des Chorumgangs aufbewahrt. Durch eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahre 1927 stellte sich heraus, dass die fast fünfeinhalb Meter lange Stoffbahn aus der Zeit um Christi Geburt stammen muss.25

3.2 Die Legende der Virgo Paritura

Die Tradition Chartres als Marienheiligtum reicht jedoch noch weiter zurück. Demnach gilt Chartres bereits seit den Anfängen des Christentums als heiliger Ort.26 Auf dem Hü­gel, auf dem sich die heutige Kathedrale befindet, soll sich ursprünglich ein druidisch- megalithisches Heiligtum befunden haben. Diese sollen uralte heidnische Gottheiten ver­ehrt haben, wobei deren Legenden und Bräuche noch im späten Mittelalter praktiziert wurden.

Die am meisten verbreitete Legende ist die von einer Skulptur die den Namen die Virgo paritura, Jungfrau, die gebären wird, getragen haben soll.27 Ein Adliger aus der Umge­bung von Chartres soll das 80 cm große Kultbild, welches eine Jungfrau mit Kind im Typus des sedes spaientiae, dem Thron der Weisheit, zeigt, noch vor Christi Geburt ge­stiftet haben.28

Die Kultgeschichte von Chartres und der Virgo Paritura ist unter anderem durch das 1906 entstandenen Werk Parthénie ou Histoire de la très auguste et très dévote Eglise de Chartres von SÉBASTIEN Rouillard, einem Juristen und Kirchenhistoriker aus Meluner überliefert.29 Der Fokus dieses Werks liegt insbesondere auf dem vorchristlichen Zeit­raum. Das in der Literatur oft zitierte Frontispiz des Buches, welches Chartres als Ort einer vorchristlichen Marienverehrung wiedergibt, wurde eigens von Rouillard entwor­fen um die Legende zu visualisieren (Abb. 2). Auf der Darstellung ist ein mit Eichen bewachsener Hügel zu sehen, der nach vorne hin wie eine Grotte geöffnet ist. In dieser Grotte befindet sich eine nimbierte Madonnenfigur mit dem Kind, welches aufrecht, aber mit leicht gebeugten Knien auf dem linken Oberschenkel der Mutter Platz nimmt. Dar­über ist der Schriftzug: Virgini Partitvrae abgebildet. unterhalb der Madonnenskulptur sieht man einen steinernen Altar, den L‘avteldesDrvides. Links neben dem Altar befindet sich ein gemauerter Brunnen, der mit Le Pvitz des Sainctz Fortz, der Brunnen der starken Heiligen, bezeichnet wird.30 Im unteren Drittel des Bildes sind mehrere kniende Männer in kultischen Gewändern dargestellt, die durch ihre Handgesten die Verehrung der Jung­frau deutlich machen. Bei den Männern handelt es sich möglicherweise um Druiden, wo­rauf die Inschrift des Altars hindeutet. Die Legende von dem Druidenheiligtum wurde nicht ausschließlich von Rouillard verbreitet. Es existieren noch ältere Texte, die die Virgo Paritura erwähnen. Die älteste Schrift ist die JOSEPHINA von JOHANNES Gerson, einem Pariser Gelehrten, welche nach 1417 entstanden ist.31 Darüber hinaus wurde bereits im 13. Jahrhundert die vorchristliche Verehrung Mariens schon in der Legenda aurea behandelt, weswegen der Druidenkult um die Virgo Paritura in Chartres keine Seltenheit darstellte.32 Nach der Legende soll das Kultbild der Virgo Paritura in die damals auf dem Hügel entstandene Kirche integriert worden sein, genau dort, wo sich die Krypta der heu­tigen Kathedrale befindet.33

Bei der Madonnenskulptur, die heute in der Krypta verehrt wird, handelt es sich um eine Holzskulptur, welche der Virgo Paritura nachempfunden sein soll. Die Figur trägt den Namen Nôtre-Dame Sous-Terre und wurde 1976 in der gleichnamigen Kapelle im Osten der Krypta aufgestellt.34 Die bekrönte Madonnenfigur, dargestellt als Sedes sapientiae, als Thron der Weisheit, sitzt in archaischer Strenge auf einem Thron, wobei sie das Kind auf dem Schoß hält, dessen rechte Hand zum Segensgestus erhoben ist (Abb. 3).35 Die Darstellung lehnt dabei eindeutig an den Stil der byzantinischen Ikone Nikopoia an.36

Man könnte vermuten, dass die Virgo Paritura im Laufe der Jahrhunderte durch mehrere Skulpturen ersetzt wurde. Die Quellen reichen jedoch nur bis zur vorletzten Skulptur der heutigen Nôtre-Dame Sous-Terre zurück.37 Diese Figur dürfte allerdings nicht vor dem 11. Jahrhundert entstanden sein, was nach MÜLLER einen vorchristlichen Hintergrund ausschließen würde.38 Über das Alter jener Skulptur kann nur spekuliert werden, da diese bei der Französischen Revolution verbrannt wurde.39 Erst 58 Jahre später, im Jahr 1857 wurde jenes Kultbild durch eine Nachbildung ersetzt, die dem Original jedoch nur in gro­ben Zügen entsprochen haben soll.40 Die heute aufgestellte Skulptur soll im Gegensatz zum Modell aus dem 19. Jahrhunderts nach Zeichnungen der Virgo Paritura aus dem 17. Jahrhundert angefertigt worden sein (Abb. 8 und Abb. 9).41 Aus diesem Grund soll sie dem Kultobjekt um 1100 in seinen Grundzügen entsprechen.42 Abschließend muss auf Sauerländer verwiesen werden, der darauf hinweist, dass sich die Legende jedoch nicht über das 14. Jahrhundert hinaus zurückverfolgen lässt, weswegen die angebliche Her­kunft jenes ursprünglichen Kultbildes als höchstzweifelhaft anzusehen ist.43

Eine weitere Marienskulptur, die nach wie vor in der Kathedrale von Chartres verehrt wird, ist die Nôtre-Dame du Pilier, die Jungfrau auf der Säule (Abb. 4). Die Skulptur wird in der Literatur jedoch nur spärlich erwähnt. Lediglich DELAPORTE befasst sich in seinem Buch Les trois Nôtre-Dame de la Cathédrale de Chartres ausführlicher mit der Skultur. Die Holzfigur, welche Maria mit Jesuskind in thronender Position zeigt, befindet sich direkt am Eingang des nördlichen Chorumgangs.44 Es ist überliefert, dass die Skulptur bereits im 13. Jahrhundert verehrt wurde.45 Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Skulptur innerhalb der Kathedrale mehrmals umgestellt. Ursprünglich soll sich die Figur auf einem Altar befunden haben, der durch einen Lettner verschlossen war.

Im 16. Jahrhundert wurde die Figur durch eine weniger wertvollere Statue ersetzt. Hierbei handelte es sich um eine polychrome Holzstatue, welche um 1507 geschaffen wurde. Diese wurde vom Kanoniker Wastin des Feugerets gespendet und im Kirchenschiff auf einer Steinsäule platziert. Demnach wurde es für die Pilger zur Gewohnheit, die Jung­frau auf der Säule, die sogenannte Vierge du Pilier zu verehren.46 Nachdem der Lettner 1763 zerstört wurde, versetzte man die Jungfrau samt der Säule an den Nord-Westpfeiler des Querschiffes. 1806 wurde die mittlerweile unter dem Namen Nôtre-Dame du Pilier verehrte Figur schließlich dort aufgestellt, wo sie sich aktuell noch befindet. 1831 wurde der Dekor der Kapelle, in der sich die Jungfrau befindet durch Holzwerk ersetzt. Seit 1855, nach der Definition der unbefleckten Empfängnis ist sie bekrönt und mit Kleidern umhüllt dargestellt. Da es sich bei der Skulptur um eine spätmittelalterliche Nachbildung handelt kann diese jedoch nur bedingt mit der heutigen Holzfigur der Nôtre-Dame Sous- Terre verglichen werden. Lediglich in der thronenden Haltung Mariens und ihrer Bekrö­nung sowie dem Segensgestus und dem Halten der Weltkugel des Christuskindes, die ihn als Salvator mundi, den Erlöser der Menschheit auszeichnen, lassen sich Gemeinsamkei­ten feststellen. Anders als die, in autoritärer Strenge dargestellte Nôtre-Dame Sous-Terre sitzt das Kind nicht frontal auf dem Schoß Mariens, sondern auf ihrem linken Oberschen­kel, wobei die Jungfrau den Lilienstab in der rechten Hand hält. Die plastische Gestaltung der Nôtre-Dame du Pilier verleiht der Figur zusätzlich eine gewisse Lebendigkeit.47

4. Die Wiederspieglung Mariens in der Architektur und Glasmalerei

4.1 Der Multimediale Ausdruck der Kathedrale

Kirchenbau und Wallfahrt sind in Chartres untrennbar miteinander verbunden.48 Dies zeigt sich in der multimedialen Ausgestaltung der Kathedrale, die sich nicht nur auf ihre Kultbilder und Reliquien, sondern auch auf die innere und äußere Architektur sowie die Erzählungen in den Glasmalereien und Portalskulpturen an der Fassade, bezieht.

Schon im 13. Jahrhundert verlangte der Prediger ÉTIENNE DE BOURBON, dass die kirchli­che Verkündigung, sermo, körperlich, corporeus, sein sollte.49 BOURBON hatte zum Ziel sein Publikum zu fesseln und zu bewegen, indem er gezielt auf dessen Denkungsart und Verhältnisse einging und es durch hochtrabende Geschichten und alltagsnahe Beispiele zu überzeugen versuchte. Demnach nimmt der Kathedralkörper also konkrete Gestalt an, wobei diese sich in den Glasmalereien mittels Blei, Glas und Licht dargestellten bibli­schen Erzählungen herausbildet. Dies bedeutet auch, dass große Fensterzyklen so kon­zentriert sind, dass diese Erzählungen aus Körpern, Erzählungen am Körper darstellen.50 Auch Paul Crossley beschäftigte sich in seinem Aufsatz Ductus and Memorial mit den Zusammenhängen der multimedialen Ausgestaltung einer Kirche.51 Er stellte ebenso fest, dass die Bilder der Portalanlagen, die Bilder, Abwandlungen oder Reliquien, die inner­halb des Gebäudes gezeigt werden, in Beziehung setzen und zwischen ihnen Sequenzen bilden.52

Der Bezugspunkt zwischen Bau- und Kultgeschichte, ist in Chartres die Liturgie.53 Diese verleiht den einzelnen Gliedern des Kirchenbaus einen Bedeutungszusammenhang. In­dem sich in Liturgie und Bau Unsichtbares in Sichtbares manifestiert, werden die Bau­glieder zu Bedeutungsträgern und schaffen einen epiphanischen Raum, der den Blick vom Eingang im Westen durch eine Folge symbolischer Rahmen- und Raumformen, Bo­genstellungen als Himmelsabbreviaturen und kosmologischer Schemata auf das Sanktu­arium hinlenkt, dem Ort der realen Gegenwärtigkeit Gottes.54

4.2. Der Westkomplex

4.2.1 Die Muttergottes am Königsportal

Das Königsportal, auch Portail royal oder Porta regia genannt, befindet sich an der West­seite der Kathedrale (Abb. 5).55 Wie die Krypta wurde das Westportal durch den Brand von 1194 nicht beschädigt, weswegen dieser noch zum romanischen Fulbertusbau ge­hört.56 Demnach stammt das an den Portalen gezeigte Figurenprogramm noch aus der Zeit vor 1194. Die Eingänge der Portalanlage verteilen sich nicht über die gesamte Länge der Westfassade, wie es etwa in der Kathedrale von Saint-Denis der Fall ist, sondern sind mittig angeordnet.57 Seit jeher diente diese dreiteilige Portalanlage als Eingang zur Ka­thedrale.58 In der Liturgie des 13. Jahrhunderts gibt es Hinweise, dass das Königsportal als Ausgang für bestimmte Prozessionen diente, die dreimal im Jahr stattfanden.59 Das zentrale Thema der Portalanlage ist die Apokalypse, welche im mittleren Portal dar­gestellt ist, wobei im linken Seitenportal die Himmelfahrt Christi dargestellt ist.60 Der Fokus liegt jedoch auf dem rechten Seitenportal, dem sogenannten Marien-, Geburts- be­ziehungsweise Inkarnationsportal, welches der Menschwerdung Christi gewidmet ist (Abb. 6).61 Dort wird im Tympanon die erste monumentale Darstellung einer Madonna am Außenbau einer Kathedrale dargestellt.

Die thronende Himmelskönigin Maria hält das Christuskind in aufrechter Pose auf dem Schoß, wobei sie von zwei Engeln flankiert wird, die aus Wolken der innersten Archivolte hervortreten. Frontal aufgerichtet sitzt Maria unter einem Baldachin von dem nur noch die Ansätze des Gewölbes, sowie ein Säulenstumpf zu sehen sind. Ihr Haupt, auf welchem sie eine Krone trägt, ist von einem Nimbus umgeben. In der linken Hand, die heute abge­brochen ist, hielt sie vermutlich ein Zepter. Über dem Haupt Marias erscheint oben im Scheitel der Archivolte die Hand Gottvaters. Nach Sauerländer wird hier das Wort Paulus aus dem ersten Korintherbrief 1,30 des Neuen Testaments verbildlicht: „Christus, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heilung und zur Erlösung.“62

Die eigentliche Sinnhaftigkeit erhält das Tympanon durch die Szenen im Türsturz, wel­che das Tympanon umgeben.63 Dort werden verschiedene marianische Szenen miteinan­der verbunden. Die Bildfolge beginnt von links nach rechts mit der Verkündigung Christi an Maria, darauf folgt die Heimsuchung Elisabeths durch Maria und schließlich die Ge­burt Christi und die Verkündigung an die Hirten. In der Mitte des Bildstreifens ist das Wochenbett Marias dargestellt. Über dem Wochenbett befindet sich eine Art Tisch, wo­rauf der Korb mit dem, heute zerstörten, Neugeborenen steht, welcher sich genau in der Mittelachse des Seitenportals befindet. Der mittlere Fries wird allein durch die Darbrin­gung des Jesuskindes im Tempel bestimmt. Das Kind wird von der Gottesmutter an Simeon überreicht, welcher mit gebeugten Knien ehrfürchtig von links an den Altar her­antritt. Zu sehen sind auch die Begleiter von Maria und Joseph, die mit den Tauben das Kind vom Dienst im Tempel freikaufen.

Nach dem Kunsthistoriker TILMAN Evers kann man das Aufstreben der drei Jesus-Maria­Darstellungen als Sinnbild eines voranschreitenden Prozesses menschlicher Erkenntnis verstehen.64 Nach kirchlicher Überzeugung ereignete sich die höchste Verwirklichung der menschlichen Seele in der Figur der Gottesmutter Maria. Diese bildet zusammen mit Jesus das Zentrum aller drei Szenen, die sich über die beiden Türsturze bis hin zum Tym­panon erstrecken. In der unteren Szene sind Jesus und Maria noch getrennt voneinander abgebildet. Beide scheinen zu schlafen, jedoch hat Maria bei genauerem Hinsehen die Augen geöffnet, wobei sie ihre rechte Hand an ihr Ohr legt, was den Eindruck erweckt als ob sie lauschen würde (Abb. 7). Im mittleren Fries stehen die Jungfrau und das Jesus­kind beide aufrecht. Sie werden auch nicht mehr getrennt voneinander dargestellt, son­dern Maria berührt Jesus mit ihrer rechten Hand. In der zentralen Darstellung im Bogen­feld ist Maria mit Christus schließlich auf dem Thron vereint, was nach Evers das Erwa­chen der göttlichen Weisheit symbolisiert.65 Demnach wird Maria zur Symbolgestalt von Gottes ursprünglicher Weisheit emporgehoben, was im Alten Testament in 8,22, den Sprüchen zur Weisheit und Schöpfung bezeugt ist.66

Gerade durch die Entwicklung des weltlichen Frauenkultes sah man im 12. Jahrhundert in der höfischen Gesellschaft eine leidenschaftliche Intensivierung der Marienfrömmig­keit.67 Diese hatte auch Auswirkungen auf die kirchliche Kunst: Das Bild der Maria ver­änderte sich und nahm zunehmend menschlichere, sinnlichere Züge an. Diese Gestal­tungsmerkmale finden sich jedoch nicht bei der Muttergottes des Chartreser Königspor­tals. Die thronende Gottesgebärerin weist offensichtlich strengere, traditionsgebundenere Züge auf, ähnlich der Nôtre-Dame Sous-Terre. Nach BENITA VON SCHRÖDER stellt die Figur im Tympanon ein genaues Abbild der keltischen Virgo Paritura dar.68 Demnach stellt sich die Frage, inwiefern die Madonna am Westportal Ähnlichkeiten mit der ur­sprünglichen Figur in der Krypta, der Nôtre-Dame Sous-Terre aufweist. Trotz, dass die ursprüngliche Holzfigur in der Krypta verbrannt wurde, ist ihr Aussehen durch zeitge­nössische Beschreibungen, aber auch durch die Darstellungen in den Glasfenstern über­liefert.69

Es ist offensichtlich, dass die Figur am Westportal an den romanischen Stil anlehnt, wobei hierfür vermutlich byzantinische Elfenbeindarstellungen als Vorlage dienten.70 Hierfür spricht die hieratische, frontale Darstellung in der Form des Sedes Sapientiae, welcher aus dem christlichen Byzanz in das karolingische Europa übernommen wurde.71 HALFEN hat die Figur der Jungfrau am Westportal mit den zwei erhaltenen Abbildungen der Nôtre- Dame Sous-Terre aus dem 17. Jahrhundert verglichen (Abb. 8 und Abb. 9).72 Diese zei­gen beide eine Madonna mit geschlossenen Augen, die auf einem Thron sitzen.73 Das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter und hat die rechte Hand zum Segensgestus erhoben. Im Unterschied zur ähnlichen Darstellung am Westportal haben die beiden Madonnen jedoch eine Krone deren Zierwerk zum einen mit Eichenblättern zum anderen mit Ei­chenfrüchten geschmückt, was nach HALFEN nicht für einen christlichen Hintergrund spricht.74 Die Eiche hatte allerdings im kultischen Leben der gallischen Druiden eine her­ausragende Bedeutung.75 Durch den schlechten Erhaltungszustand der Skulptur am West­portal lassen sich jedoch keine weiteren Details, insbesondere an der Krone, feststellen, die mit der Figur der Nôtre-Dame Sous-Terre in Verbindung gebracht werden können.

Daher erscheint eine bewusste Abbildung der kultischen Figur am Westportal als frag­würdig.

Nach Benita von Schröder wird mit der Madonnendarstellung im Tympanon ein Thema betont, welches umfassender ist, als die Darstellung der bloßen Gottesmutter.76 Hierbei stützt sich Schröder auf den Druidenkult um die Virgo Paritura. Nach ihr ist die Virgo Paritura die Grande-Mère der Megalithzeit, eine kosmische Weltenseele, wel­che in Chartres zur Magner Mater und damit als Gottesmutter und Himmelskönigin zu einer Art Übermutter erhoben wird.

Eine weitere Mariendarstellung an der Westfassade der Kathedrale wird jedoch in der Literatur vernachlässigt. Hierbei handelt es sich um eine zentrale Mariendarstellung ober­halb der Westrose die sich in einem kleinen Giebel genau im Zentrum zwischen den zwei Türmen der Kathedrale befindet (Abb. 10 und Abb. 11). Die bekrönte Maria ist dort frei­stehend unter einem Architekturbaldachin dargestellt. Sie trägt ein langes faltenreiches Gewand und hält das Kind auf ihrem linken Arm, wobei sie von zwei Engeln flankiert wird. Durch ihre stehende Darstellung weist die Skulptur im Vergleich zu den thronenden Kultbildern im inneren der Kathedrale sowie zu dem Madonnenrelief im linken Tympa­non des Westportals keine Ähnlichkeit auf. Dennoch deutet die Skulptur durch ihre über­höhte, zentrale Position auf die übergeordnete Bedeutung von Maria in der Kathedrale von Chartres hin.

4.2.2 Maria in den Glasmalereien der Westfassade

Als Pendant zum Äußeren Portal bilden die Fenster der Westfassade die Menschwerdung Jesu Christi, seine Passion und seine Auferstehung ab.77

in den Glasmalereien der Westfassade ist Maria zwar nicht in der dominierenden West­rose, welche mit Christus im Zentrum das Weltgericht abbildet, aber im rechten und mitt­leren Lanzettfenster abgebildet. Das Thema des rechten Fensters handelt vom Baum Je­sse, der den Stammbaum Christi beschreibt (Abb. 12).78

Das Bild des Fensters wurde mit den Texten den Alten Testamentes in Jesaja 11, 1-2 und des Neuen Testaments in Matthäus 1, 1-16 assoziiert, welches eine genaue Genealogie von Christus wiedergibt. Mit der Darstellung soll gezeigt werden, wie Christus mit der Geschichte der Menschheit verwurzelt ist.

[...]


1 Kammermeier 1992, S. 8.

2 Siehe Kammermeier 1992, S. 8.

3 Siehe Sauerländer 1996, S. 33; Die Kathedrale von Chartres hatte zahlreiche Vorgängerbauten. In der heutigen Kathedrale, die nach dem Brand von 1194 errichtet wurde, sind noch einige Gebäudeteile des romanischen Vorgängerbaus, welcher unter Bischof Fulbert von Chartres errichtet wurde, enthalten. Siehe Mâle 1983, S. 11 f.; Müller 2003, S. 176.

4 Zur Legende der Virgo Paritura siehe im Folgenden Punkt 3.2.

5 Siehe Deremble 2003, S. 49.

6 Siehe Signori 1995, S. 178.

7 Zur Reliquie der Heiligen Jungfrau siehe auch Balzamo 2012, S. 31-35; Mâle 1983, S. 8-10; Müller 2003, S. 176; Klug 2007, S. 28.

8 Zur Reliquienstiftung siehe Halfen 2007, S. 52-54; Müller 2003, S. 175; Klug 2007, S. 28.

9 Zur Geschichte der Marienreliquie siehe im Folgenden Balzamo 2012, S. 26-31; Klug 2007, S. 28 f.

10 Siehe Müller 2003, S. 176.

11 Siehe Signori 1995, S. 179; eine ähnliche These vertritt auch Müller, siehe Müller 2003, S. 175.

12 Hierauf deutet auch hin, dass der vorherige Aufenthaltsort der Reliquie in Aachen bereits von königli­chem Rang war. Siehe Halfen 2007, S. 53.

13 Siehe Signori 1995, S. 179.

14 Zur Legende des „Normannensieges“ siehe im Folgenden Signori 1995, S. 179.

15 Siehe Signori 1995, S. 179.

16 Diese Legende wird unter anderem im Buch der Mirakel von Chartres, sowie in anderen normannischen, burgundischen und fränkischen Berichten, teils übertrieben und in unterschiedlichen Versionen geschil­dert. Siehe Müller 2003, S. 176 sowie Signori 1995, S. 178-182.

17 Zum Sieg der Hemreliquie siehe Signori 1995, S. 178-182.

18 Siehe Müller 2003, S. 177.

19 Dies ist durch das Protokoll der Inspektion der Reliquie vom 13. März 1712 überliefert, siehe Müller 2003, S. 177.

20 Siehe hierzu im Folgenden Klug 2007, S. 28.

21 Die Krypta, inklusive der Lubinuskrypta, wurde durch den Brand von 1194 nicht zerstört und ist somit noch Teil des romanischen Vorgängerbaus. Siehe Evers 2011, S. 89.

22 Siehe Müller 2003, S. 178.

23 Zum Wunderbuch beziehungsweise dem Buch der Mirakel siehe Balzamo 2012, S. 63-67; Müller 2003, S. 161 sowie Signori 1995, S. 185.

24 Das Wunderbuch folgt einem inhaltlichen Ordnungsprinzip. Den ersten Block II-XI bilden die Wunder, die mit dem Kathedralbau zusammenhängen, mit Ausnahme von VI und VII. Anschließend folgen hö­fisch-aristokratische Wundergeschichten XII-XVI sowie eine Serie volkstümlicher Wunderberichte XVII-XXVI. Der Höhepunkt des Buches bildet die Legende der Hemdreliquie. Siehe Signori 1995, S. 185.

25 Siehe Klug 2007, S. 29.

26 Zum Druidenkult in Chartres siehe im Folgenden Teichmann 1991, S. 57.

27 Zur Virgo Paritura siehe im Folgenden Teichmann 1991, S. 58; Halfen 2007, S. 32.

28 Die Größe der Skulptur ist durch zeitgenössische Berichte überliefert. Siehe Halfen 2007, S. 32.

29 Zum Frontispiz von Rouillard siehe im Folgenden Balzamo 2012, S. 105-108; Halfen 2007, S. 21; Teichmann 1991, S. 58.

30 Der sogenannte Lubinusbrunnen ist Bestandteil der Krypta Nôtre-Dame Sous-Terre. Topographisch wird er mit der Legende der Virgo Paritura und den Legenden der heiligen Modesta, des St. Potentianus und des St. Savinianus in Verbindung gebracht. Siehe Müller 2003, S. 172-175. Da es in dieser Arbeit hauptsächlich der Marienkult behandelt wird an dieser Stelle nicht weiter auf den Brunnen eingegangen.

31 Siehe Halfen 2007, S. 23.

32 Siehe Halfen 2007, S. 25.

33 Siehe Teichmann 1991, S. 58.

34 Zur Nôtre-Dame Sous-Terre siehe im Folgenden Müller 2003, S. 162; Teichmann 1991, S. 58.

35 Siehe Teichmann 1991, S. 58.

36 Siehe Halfen 2007, S. 504.

37 Siehe Müller 2003, S. 162.

38 Siehe Müller 2003, S. 162.

39 Zur Zerstörung der Figur siehe Teichmann 1991, S. 58; Nach Müller wurde das Kultobjekt vom Sockel gestoßen, wobei jenes zerbrach. Seine Bruchstücke wurden anschließend verbrannt. Siehe Müller 2003, S. 162.

40 Siehe Müller 2003, S. 162.

41 Zu den Zeichnungen siehe Halfen 2007, S. 34.; Müller 2003, S. 162.

42 Siehe Müller 2003, S. 162.

43 Siehe Sauerländer 1958, S. 5.

44 Siehe Zur Geschichte Nôtre-Dame du Pilier siehe im Folgenden Delaporte 1965, S. 33-59.

45 Siehe Kammermeier S. 8

46 Siehe Delaporte 1965, S. 40.

47 Siehe Delaporte 1965, S. 33 f.

48 Siehe Signori 1995, S. 182.

49 Siehe hierzu im Folgenden Kemp 1987, S. 7 f.

50 Siehe Kemp 1987, S. 8.

51 Siehe hierzu Crossley 2010, S. 214-243.

52 Siehe hierzu Crossley 2010, S. 216.

53 Siehe hierzu im Folgenden Speer 1987, S. 115.

54 Siehe hierzu Meulen/Hohmeyer 1984, S. 31 sowie Speer 1987, S. 107.

55 Die lateinische Bezeichnung „Porta regia“ lässt sich schon in einem Chartreser Chorgebetbuch zwi­schen 1135 und 1150 nachweisen. Die Bezeichnung wurde jedoch im Zusammenhang mit einer Pro­zession innerhalb der Kathedrale verwendet, die vor dem Portal umkehrte. Siehe neben Meu­len/Hohmeyer 1984, S. 228 auch Evers 2011, S. 87.

56 Das Königsportal wurde nach einem Brand im Jahr 1134 zusammen mit den beiden Türmen errichtet. Siehe Kurmann-Schwarz/Kurmann 2001, S. 231; Meulen/Hohmeyer 1984, S. 228.

57 Siehe Christe 2013, S. 249; Kurmann-Schwarz/Kurmann 2001, S. 231.

58 Siehe Meulen/Hohmeyer 1984, S. 228.

59 Siehe Meulen/Hohmeyer 1984, S. 228.

60 Zur Übersicht der Themen des Westportals siehe Ladwein 2010, S. 35-63.

61 Zum rechten Seitenportal siehe im Folgenden Christe 2013, S. 259-252; Ladwein 2010, S. 49-51; Hal­fen 2001, S. 108-115; Lévis-Godechot 1987, S. 30 f.

62 Siehe Sauerländer 1996, S. 34.

63 Siehe hierzu im Folgenden Evers 2011, S. 96; Kurmann-Schwarz/Kurmann 2001, S. 233.

64 Evers lehnt seine Theorie an die Kathedralschule von Chartres an, welche den geistigen Aufbruch des 12. Jahrhunderts durch den Kanzeler Thierry von Chartres wesentlich prägte. Obwohl die Glanzzeit dieser Schule zu Baubeginn der Kathedrale 1194 bereits vorüber war, kann sie dennoch mit der Gestal­tung des aus 1134 stammenden Westportals in Verbindung gebracht werden. Siehe hierzu und im Fol­genden Evers 2011, S. 89-92 und S. 96-98.

65 Tilman Evers bezieht sich bei seiner Theorie auf die drei Sinnstufen, den Sensus litteralis, den Wortsinn des Dargestellten, den Senus moralis, die Bewertung des Dargestellten in ethisch-normativer Hinsicht und den Sensus spiri tualis, welcher den zur geistigen Schau übergeordneten Sinn verdeutlichen soll. Diese waren nach der Lehre der Frühscholastik jeder Schriftauslegung zugrunde gelegt. Siehe Evers 2011, S. 98 f.

66 Zu diesem Abschnitt siehe Evers 2011, S. 98.

67 Siehe neben Evers 2011, S. 96 auch Sauerländer 1996, S. 34.

68 Siehe Schröder 1992, S. 34.

69 Siehe hierzu auch Crossley 2010, S. 219 sowie Evers 2011, S. 95.

70 Siehe Schröder 1992, S. 34 sowie Evers 2011, S. 95.

71 Siehe Evers 2011, S. 95 sowie Halfen 2001, S. 110.

72 Vgl. hierzu auch die Ausführung von Crossley in Crossley 2010, S. 219-221.

73 Bei den Abbildungen handelt es sich zum einen um eine Skizze des Kanonikers Estienne aus dem Jahr 1682, zum anderen um einen Stich von Leroux um 1700. Siehe Halfen 2007, S. 34 f. sowie Balzamo 2012, S. 87 f. und S. 151 f.

74 Siehe hierzu Siehe Halfen 2007, S. 34 f.

75 Siehe Halfen 2007, S. 37.

76 Siehe hierzu im Folgenden Schröder 1992, S. 34.

77 Zum Programm der westlichen Glasfenster siehe Halfen 2007, S. 178 f.; Deremble 2003, S. 20-Ladwein 2010, S. 147; Miller 1996, S. 30 f.; Lévis-Godechot 1987, S. 75.

78 Der Baum Jesse wurde schon von Abt Suger in der Abtei St. Denis abgebildet, wo er ihm einen bevor­zugten Platz im Axialfenster gab. Siehe hierzu und im Folgenden zur Beschreibung des Fensters Deremble 2003, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Die Kathedrale von Chartres. Wie funktioniert sie als Wallfahrtsstätte?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Kultbilder und Wallfahrtskirchen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
58
Katalognummer
V511812
ISBN (eBook)
9783346093004
ISBN (Buch)
9783346093011
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultbilder, Wallfahrtskirchen, Kathedrale von Chartres, Chartres, Mittelalter, Pilgertum, Pilger, Kathedralen, Gotik, Spätmittelalter, Frühmittelalter, Forschungsarbeit, Wallfahrtsstätten, Wallfahrt, Wallfahrtsstätte, Schwarze Madonnen, Marienkult, Maria, Muttergottes, Glasmalerei, Frankreich, Reliquienkult, Reliquie, Architektur, Kirchenarchitektur, Symmetrie, Notre-Dame, Mittelaltermarketing, Marketing, Kirchen, Kirche, Marienkirche, Königsportal, Virgo Paritura
Arbeit zitieren
Victoria Landmann (Autor), 2018, Die Kathedrale von Chartres. Wie funktioniert sie als Wallfahrtsstätte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511812

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