Zwei Konzepte der inklusiven Schule. Weiterentwicklung des Schul- und Bildungssystems im Umgang mit Heterogenität


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Menschenrechte als zentrales Instrument zur Verwirklichung von Chancengleichheit im Bildungssystem

3. Begriffsdefinition
3.1 Inklusion
3.2 Heterogenität

4. Zum Zustand des deutschen Bildungssystems

5. Visionäre Konzepte zur Entwicklung der Inklusionspädagogik
5.1 Die Inklusive Schule - Eine Schule für alle Kinder
5.2 Lebenslagenorientierte Profilbildungen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht, dass „[J]eder Mensch [..] das Recht auf Bildung“ 1 hat. Ein Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde von den Vereinten Nationen am 13. Dezember 2006 beschlossen und trat am 3. Mai 2008 in Kraft. Der Zentrale Leitgedanke bei der Umsetzung der Konvention ist das Prinzip der Inklusiven Pädagogik. Diese beschreibt erziehungswissenschaftliche Ansätze, d ie einen erfolgreichen Umgang mit der Vielfalt von Kindern und J ugendlichen im schulischen Kontext anstreben. So können z. B. Behinderungen, Armut oder Migrationshintergründe Gefahr en von Ausgrenzungen darstellen, so dass das A usschöpfen ihres vollen Lernpotenzials nicht gewä hrleistet werden kann.

Vor dem Hintergrund unseres mehrgliedrigen und hochselektierenden Schulsystems in Deutschland 2 ist es naheliegend, dass der Umgang mit Heterogenität gegenwärtig eines der z entralen Herausforderungen des deutschen Bildungssystems ist. Dabei ist Heterogenität im schulischen Kontext kein neues Phänomen. Schon im Jahr 1806 stellte der Pädagoge Johann Friedrich Herbart fest, dass „[d]ie Verschiedenheit der Köpfe[..] das größte Hindernis aller Schulbildungen“ 3 darstellt. Das deutsche Schulsystem steht aktuel l vor der großen Aufgabe, allen Kindern und Jugendliche n das gleiche Recht auf Bildung und die gleichen Zugangschancen z u Schulen zu gewährleisten.4 Die Inklusionspädagogik h at sich das Ziel zu Eigen gemacht , die Teilhabe aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung , von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen zu ermöglichen. 5

Katzenbach und Schroeder haben zwei Konzepte dargelegt, wie das Schul- und Bildungss ystem im Umgang mit Heterogenität weiterentwickelt werden kann. In dieser Hausarbe it werden die beiden Konzepte gegenübergestellt und es wird der Frage nachgegangen, ob diese Konzepte unabhängig voneinander funktionieren oder ob sie sich gegenseitig ergänzen. Der erste Teil der Arbeit beschreibt das Recht auf Bildung, welches im Kontext der inklusiven Pädagogik einen besonderen Stellenwert einnimmt und die Basis aller pädagogischen und konzeptionellen Bemühungen in der Inklusionspädagogik darstellt. Das Recht auf Bildung wird konkretisiert im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, welches im weiteren Verlauf der Arbeit dargelegt wird. Daran schließt sich eine Definition der relevanten Begrifflichkeiten Inklusion und Heterogenität an. In einem nächsten Schritt wird der Zustand des deutschen Bildungss ystems betrachtet. Der Hauptteil der Arbeit stellt die Konzepte die Inklusive Schule – eine Schule für alle Kinder und die lebenslagenorientierten Profilbildungen – Milieusensible Bildungslandschaften dar. Im abschließenden Fazit werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und die eingangsgestellte Frage beantwortet.

2. Menschenrechte als zentrales Instrument zur Verwirklichung von Chancengleichheit im Bildungssystem

Eleanor Roosevelt, Menschenrechtsaktivistin, Diplomatin und Vorsitzende der damals eingesetzten UN-Menschenrechtskommis sion der Vereinten Nationen sowie die Ehefrau des US -Präsidenten Franklin D. Roosevelt war es zu verdanken, dass die Allgemeine Menschenrechtserklärung (AEMR) aufgrund ihres diplomatischen Geschicks und ihres Durchsetzungsvermögens in Kraft getreten ist 6. Im Artikel 26 ist das Menschenrecht auf B ildung wie folgt beschrieben:

„1. Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach - und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß [!] allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen. “7
„2. Die Bildung muß [!] auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß [!] zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrun g des Friedens förderlich sein. “8
„3. Die Eltern hab en ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern z uteil werden [!] soll.“9

Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen 10 konstatiert, „dass alle Menschenrechte und Grundfreiheiten allgemein gültig und unteilbar sind, einander bedingen und miteinander verknüpft sind und dass Menschen mit Behinderungen der volle Genuss dieser Rechte und Freiheiten ohne Diskriminierung garantiert werden muss .“11 Es stellt ein universelles Rechtsinstrument dar , welches die bestehenden Menschenrechte in Bezug au f die Le benssituationen von Menschen mit Behinderungen konkretisiert und erkennbar machen . Ziel des Übereinkommens ist es, den gleichberechtigten Genuss der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten.

3. Begriffsdefinition

3.1 Inklusion

Der Zentrale Leitgedanke bei der Umsetzung der Behindertenrechtsk onvention ist das Prinzip der Inklusion. Der Be griff Inklusion stammt aus dem Lateinischen, wobei inclusio Einschluss und Enthaltensein bedeutet.12 Oftmals wird die Behindertenbew egung in den 70 er Jahren in den USA mit der Entstehung des Begriffs in Verbindung gebracht. Weiterhin ist die Salamanca - Erklärung und der Aktionsrahmen zur P ädagogik für besondere Bedürfnisse aus dem Jahr 1994 zu erwähnen.13

Prof. Munoz Villalobos, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, der die Idee der Inklusion nicht nur alleine mit dem Fokus auf Menschen mit Behinderungen setzt , beschreibt Inklusion wie folgt:

„ Inklusive Pädagogik geht davon aus, dass jedes Kind einzigartige Eigenschaften, Interessen, Fähigkeiten und Lernbedürfnisse aufweist, und dass Lernende mit besonderem Lernunterstützungsbedarf Zugang zum allgemeinen Bildung ss ystem haben und dort mit Hilfe einer auf das einzelne Kind bezogenen Pädagogik erfasst werden müssen. Unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Lernenden strebt Inklusive Pädagogik die Bekämpfung diskriminierender Haltungen, die Schaffung wertschätz ender Gemeinschaften, die Verwirklichung einer Pädagogik für alle ebenso wie die Verbesserung der Qualität und Effektivität der Pädagogik für den Mainstream der Lernenden an“ .14

3.2 Heterogenität

Zur Zeit ist zu dem Begriff der Heterogenität im schulischen Kontext keine einheitliche Definition in der d eutschen Wissenschaftsliteratur zu finden. Auch Ve Wittig stellt in ihrer Disser tation fest, das s die Begriffserklärung unklar sei.15 Im Fremdwörterlexikon wird Heterogenität mit den Begriffen „Verschiedenartigkeit, Ungleichartigkeit, verschiedenartige Zusammensetz ung und Inhomogenität“ 16 beschrieben. Im erziehungswissenschaftlichen Kontext wird der Begriff Heterogenität im Zusammenhang mit der Beschreibung einer Grupp e gesehen und nicht mit der eines einzelnen Schülers . Die Zuschreibung des Attributes heterogen kann dabei nicht als Tatsache betrachtet werden, sondern ist als Konstrukt zu verstehen , das durch einen von außen erfolgenden Beobachtungsprozess einer Gruppe zugeschrieben wird. So variiert eine Klasse hinsichtlich ihrer Heterogenität bzw. Homogenität je nachdem welches Merkmal der Gruppe in den Blick genommen wird. 17

4. Zum Zustand des deutschen Bildungssystems

Im internationalen Vergleich setzt Deutschland nach wie vor auf ein hochgradig selektives und segregierendes Schulsystem. Dabei übernimmt es nicht nur die Aufgabe von Bildung und Erziehung , sondern auch die Funktion der Selektion. Das führt zu einer fühlbaren Benachteiligung armer und armutsbedrohter Kinder, Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder mit Behinderungen.18 Auch Prof. Munoz Villalobos kam zu dieser Erkenntnis als er im Februar 2006 für 10 Tage Deutschland bereiste, um das deutsche Bildungssystem zu betrachten. In dem darauf folgenden Bericht von 2007 bemängelte er, dass das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland extrem selektiv ist und Formen von Diskriminierungen schüren und bei Kindern Angst und Widerstand auslösen würde. Weiterhin kritisierte er, dass Schulen in einem stark reglementierten Umfeld arbeiten müssen. Äußere Einflüsse u.a. von Behörden seien zu groß und Schulen hätten aus diesem Grund zu wenig eigenen Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung. Im Ganzen ist das deutsche Schulsystem auf Separation ausgelegt anstelle von Einschluss und Teilhabe. Zudem wirft er Deutschlands Bildungssystem vor, defizitorientiert zu handeln anstatt die Potentiale von Kindern und Jugendlichen ersichtlich zu machen. Kinder von Migranten werden vom Schulsystem ausgeschlossen, was Munoz als Verletzung des Rechts auf Bildung beschreibt. Kinder mit Behinderungen würden aufgrund der Aussonderung vermehrt Förderschulen besuchen.19 Eine Reaktion der Bundesregierung ließ nicht lange auf sich warten. Michael Steiner, Deutscher UN-Botschafter in Genf, trug seine Wahrnehmung über das Deutsche Bildungssystem vor. Unter anderem äußerte er sich wie folgt:

[...]


1 Generalversammlung der vereinten Nationen 1948 S. 5

2 Vgl. Vereinte Nationen Generalversammlung 2006 http://www.netzwerk- bildungsfreiheit.de/pdf/Mission_on_Germany_DE.pdf [07.03.2017]

3 Herbart zit. nach Ve Wittig, 2014, S. 14

4 Vgl. Vereinte Nationen Generalversammlung 2006 http://www.netzwerk- bildungsfreiheit.de/pdf/Mission_on_Germany_DE.pdf [07.03.2017]

5 ebenda

6 Vgl. Deutsches Institut für Menschenrechte o.J. http://www.inklusion-als- menschenrecht.de/nationalsozialismus/biografien/anna-eleanor-roosevelt/ [07.03.2017]

7 Vereinte Nationen: Resolution der Generalversammlung 1948, S. 5 http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf (abgerufen am 13.03.2017)

8 ebenda

9 ebenda, S. 6

10 Im Folgenden mit UN-BRK abgekürzt

11 Vgl. Vereinte Nationen Generalversammlung 2006 http://www.netzwerk- bildungsfreiheit.de/pdf/Mission_on_Germany_DE.pdf [05.03.2017]

12 Wahrig-Burfeind 1999, S. 414

13 Vgl. Unesco 1994 http://www.unesco.at/bildung/basisdokumente/salamanca_erklaerung.pdf [17.03.2017]

14 Lindmeier/Lindmeier zit. nach Geschichte. Bewusst. o.J. Sein http://geschichte-bewusst- sein.de/themen/themen-im-uberblick/t_006stichwort-inklusion/t_006inklusion-zur-herkunft-des- begriffs/ [07.03.2017]

15 Vgl. Ve Wittig 2014, S. 14 http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/wittig-marietta-titine-ve-2015-02- 20/PDF/wittig.pdf [21.03.2017]

16 Wahrig-Burfeind 1999, S. 369

17 Vgl. Ve Wittig 2014, S. 14 f. http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/wittig-marietta-titine-ve-2015-02-20/PDF/wittig.pdf [21.03.2017]

18 Vgl. Demmer zit. nach Katzenbach/Schroeder 2007 http://www.inklusiononline.net/index.php/inklusion-online/article/view/176/176 [02.01.2017]

119 Vgl. Vereinte Nationen Generalversammlung 2006 http://www.netzwerkbildungsfreiheit.de/pdf/Mission_on_Germany_DE.pdf [07.03.2017]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zwei Konzepte der inklusiven Schule. Weiterentwicklung des Schul- und Bildungssystems im Umgang mit Heterogenität
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V511854
ISBN (eBook)
9783346085023
ISBN (Buch)
9783346085030
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwei, konzepte, schule, weiterentwicklung, schul-, bildungssystems, umgang, heterogenität
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Zwei Konzepte der inklusiven Schule. Weiterentwicklung des Schul- und Bildungssystems im Umgang mit Heterogenität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511854

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