Die Rolle der Kunst im Staat? Dieses Thema lässt sich sehr weit fassen, vor allem wenn man bedenkt, dass es zur Zeit Platons (427 –347) noch den Begriff der Künste gab. In diese Kategorie fällt auch die Kunst der „Staatenlenkung“ mit deren idealer Realisierung sich Platon Zeit seines Lebens beschäftigte. Schon in seiner Jugend zeigte er reges politisches Interesse, auch wenn die Zeitumstände eine aktive politische Teilhabe verhinderten, und er in seiner „Politeia“ eine Theorie vom Idealstaat, „jenseits von Raum und Zeit [...] (und als ein) Paradigma, eine Norm und ein Vorbild für Menschliche Handlungen“ niederschrieb. Doch wie sehen die idealen Staatenlenker in Philosophengestalt aus? Welche Bildung (Paideia) benötigen sie? Dazu soll im Folgenden, explizit aus den Büchern VI, und X die platonische Bildungsvorstellung, sowie deren Verhältnis zur Kunst, explizit zur Bildenden Kunst, herausgearbeitet werden. Davor wird jedoch noch auf das berühmte Höhlengleichnis aus Buch VII verwiesen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Der Staat - Politeia
2.1 Das Höhlengleichnis (Beginn Buch VII)
2.2 Bildung der Philosophen (Buch VI)
3.Die Rolle der Kunst
3.1 Mimetische Kunst in der Erziehung (Buch X)
3.2. Die (Kunst-)Gesellschaft um Platon
4.Bewertung des Bildungs-/Kunstverständnisses
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Platons Bildungsverständnis (Paideia) und dessen kritische Haltung gegenüber der Kunst im Kontext seines idealen Staatsentwurfs. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Erziehung als Grundlage für die „Staatenlenkung“ fungiert und in welchem Spannungsverhältnis die mimetische Kunst zur philosophischen Erkenntnis der „Ideen“ steht.
- Platons Theorie vom Idealstaat in der „Politeia“
- Das Höhlengleichnis als Allegorie für den Bildungsprozess
- Die Rolle und Funktion der Philosophen als ideale Staatenlenker
- Kritik an der mimetischen (nachahmenden) Kunst
- Gesellschaftlicher Kontext der attischen Kunstwelt
Auszug aus dem Buch
3.1 Mimetische Kunst in der Erziehung (Buch X)
Wie es bei Büttner heißt: „Ars imitatur naturam“dazu wird das Beispiel eines antiken Malers genannt, der auf eine Menschenmenge zeigend, verlauten lässt, dass er ohne Lehrer/ andere Künstler als Vorbilder zurechtkäme, solange er nur die erfahrbare Natur nachahme.Doch ist dieses Abbilden dann wahre Kunst? Als analoges Beispiel werden von Platon die mimetischen Kunstwerke des Malers, ähnlich einem Spiegelbild der Realität, bezeichnet, die beispielsweise Handwerksarbeiten nachahmen. Wie bereits in einem vorigen Abschnitt erwähnt, muss dem Maler der Nutzen, bzw. die spezifische Eigenschaft des Gegenstandes nicht bewusst sein, doch
„Kinder und unverständige Menschen wird er – ist er nur ein guter Maler -, wenn er einen Tischler malt und von ferne hinzeigt, täuschen in dem Glauben, hier sei in Wirklichkeit ein Tischler da.“
D.h. er könne eine „Allwissenheit“ vortäuschen die er nicht besäße.
Im weiteren Verlauf wird besonders noch auf die Perspektivenmalerei als „Verwirrung der Seele“ verwiesen und dementgegen die Messkunst steht, die das Erscheinen unterschiedlicher Größe eines Gegenstandes bei der Nah-Fern-Betrachtung ausmerzen kann. Außerdem erhebt Platon die Kritik v.a. an der Tragödie: „Die die unwissende Menge zum Maßstab der Dichtung wählt, statt die Masse erzieherisch zu lenken, also ihrem Einfluss erliegt“, wie es bei H. Harth heißt. Weiter wird erläutert, dass Unwissenheit des Dichters eine Gefahr berge und den Erziehungsanspruch generell in Frage stelle. Somit wird im zehnten Buch der Politeia gezeigt, was Dichtung nicht ist aber, was sie sein müsste, was für Platon konkret heißt:
„Alle Dichtung, die Lust und Schmerz um ihrer selbst willen zum Maßstab erhebt und damit die Ordnung der Seele gefährdet, sei aus dem Staat auszuschließen. Degen sollen andere Formen der Dichtung, Götterhymnen und Lieder zum Preis der Guten ihre Wirkung voll entfalten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Platon das Verhältnis von Kunst, Bildung und dem idealen Staat definierte.
2. Der Staat - Politeia: In diesem Kapitel wird anhand des Höhlengleichnisses und der Philosophenbildung der Weg zur „Idee des Guten“ als zentrales Bildungsziel erläutert.
2.1 Das Höhlengleichnis (Beginn Buch VII): Dieses Kapitel analysiert das Höhlengleichnis als Allegorie für den philosophischen Konversionsprozess und die Bedeutung der Bildung (Paideia).
2.2 Bildung der Philosophen (Buch VI): Hier wird die Rolle des Philosophen im Kontrast zum Maler und die Notwendigkeit einer wahrhaftigen, an Ideen orientierten Erziehung diskutiert.
3.Die Rolle der Kunst: Dieses Kapitel thematisiert Platons kritische Haltung gegenüber der Kunst, insbesondere der Malerei und Tragödie.
3.1 Mimetische Kunst in der Erziehung (Buch X): Untersuchung der „Mimesis“ als bloße Nachahmung, die den Menschen täuschen kann und daher in der Erziehung strengen Regeln unterliegt.
3.2. Die (Kunst-)Gesellschaft um Platon: Einblick in den historischen und gesellschaftlichen Kontext der attischen Gesellschaft und die zeitgenössische Entwicklung von Perspektive und Kunst.
4.Bewertung des Bildungs-/Kunstverständnisses: Abschließende Reflexion über Platons Bedeutung für das Verständnis von Schönheit, Charakterbildung und ethischer Relevanz der Kunst.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Paideia, Bildung, Idealstaat, Mimesis, Kunstkritik, Philosophie, Ideenlehre, Höhlengleichnis, Erziehung, Ästhetik, Ethik, Staatstheorie, Attische Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Platons Auffassung von „Paideia“ (Bildung) und analysiert seine kritische Perspektive auf die Rolle der bildenden Kunst innerhalb seines Entwurfs eines Idealstaates.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die platonische Bildungstheorie, die Kritik an der mimetischen Kunst sowie die Rolle der Philosophen als Herrscher im Staat.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Platons Bildungsverständnis und seine Einstellung zum Verhältnis von Kunst und Idealstaat insbesondere aus den Büchern VI und X der „Politeia“ zu interpretieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Platons Originaltext („Politeia“) und ergänzender Sekundärliteratur zur antiken Philosophie und Ästhetik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Platons Staatsideal, die Analyse des Höhlengleichnisses, die Bildung der Philosophen und die kritische Betrachtung der Mimesis in der Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Ideenlehre“, „Mimesis“, „Paideia“, „Idealstaat“ und „Philosophische Bildung“ charakterisiert.
Wie unterscheidet Platon laut dem Text zwischen einem guten Steuermann und einem Maler?
Platon nutzt das Bild des Steuermanns, um die fachliche Notwendigkeit und Wahrhaftigkeit eines Herrschers zu betonen, während er den Maler als jemanden darstellt, der lediglich Abbilder erzeugt, ohne zwingend das Wesen der Dinge zu verstehen.
Warum lehnt Platon laut der Arbeit die perspektivische Malerei seiner Zeit ab?
Er betrachtet sie als „Verwirrung der Seele“, da sie den Betrachter täuscht und nur den oberflächlichen, sinnlich wahrnehmbaren Schein reproduziert, anstatt zur Wahrheit oder zum „Guten“ zu führen.
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- Annika Haas (Author), 2015, Platons Begriff der "Paideia" und die Rolle der Kunst im Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511867