Ausgehend von der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschungslage werden in der vorliegenden Masterarbeit divergierende Erfolgsfaktoren von Crowdinvesting-Kampagnen zunächst identifiziert bzw. aus unterschiedlichen Studien und Forschungsbereichen abgeleitet und anschließend mit Hilfe eines binär-logistischen Regressionsmodells empirisch untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, durch die Prüfung aufgestellter gerichteter Hypothesen, Aussagen dahingehend treffen zu können, ob und mit welcher Wirkungsrichtung die identifizierten bzw. abgeleiteten Determinanten signifikant auf die Wahrscheinlichkeit zur Erfüllung der Platzierungsquote (Platzierungsquote = 100%) wirken, d.h. Projektinitiatoren
eine verbesserte Möglichkeit für eine erhöhte Platzierungschance bieten, oder nicht.
Für junge Unternehmen mit innovativen Ideen ist es von elementarer Bedeutung, an benötigtes Kapital für die Realisierung ihrer Projekte zu gelangen. Ein Problem, mit dem Initiatoren zu Beginn eines Projektvorhabens regelmäßig konfrontiert sind, ist die Außenfinanzierung. Traditionelle Finanzierungen, wie Bankkredite, sind aufgrund der Ermangelung von Sicherheiten und ausreichend Cashflow häufig nicht möglich. In Anbetracht dieser Schwierigkeit haben sich Unternehmer in der jüngeren Vergangenheit vermehrt alternativen Finanzierungen zugewendet. Eine Finanzierungsvariante, die in der öffentlichen Wahrnehmung dabei in den Vordergrund getreten ist, ist das Crowdfunding.
Mithilfe zahlreicher Mikroinvestoren trug Crowdfunding dazu bei, dass eine Vielzahl von Projekten und Ideen finanziert und realisiert werden konnten. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Kontext die Ausprägungsform des Crowdinvestings, die den Kapitalgebern, im Vergleich zu den weiteren Crowdfunding Ausprägungen, eine eigenkapitalähnliche Beteiligung
ermöglicht. Investoren haben hierbei die Gelegenheit an der zukünftiger finanziellen Entwicklung der Unternehmen zu partizipieren. Während in der Vergangenheit solche Investitionen aufgrund gesetzlicher Hürden ausschließlich professionellen Anlegern, die u.a. als Business Angels auftraten, vorenthalten waren, erlaubt diese Anlageform aufgrund der geringen Geldmittelbereitstellung auch privaten Investoren sich an jungen, nicht börsennotierten Unternehmen zu beteiligen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen von Crowdinvesting
2.1 Begriffsbestimmung
2.1.1 Crowdsourcing
2.1.2 Crowdfunding
2.1.3 Crowdinvesting
2.2 Funktionsweise von Crowdinvesting
2.3 Akteure im Crowdinvesting
2.3.1 Kapitalsuchende
2.3.2 Investoren
2.3.3 Plattformen
2.4 Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen beim Crowdinvesting in Deutschland
2.5 Beteiligungsverhältnisse beim Crowdinvesting
2.5.1 Stille Beteiligungen
2.5.2 Genussrechte
2.5.3 Partiarische Nachrangdarlehen
2.6 Crowdinvesting Markt in Deutschland
2.6.1 Entwicklung des Marktvolumens
2.6.2 Wettbewerbssituation
3 Stand der bisherigen empirischen Forschung
3.1 Studien Crowdinvesting
3.2 Studien Crowdfunding
4 Grundlagen der empirischen Studie
4.1 Modellvariablen
4.1.1 Definition der Modellvariablen
4.1.2 Wirkungsrichtung der Modellvariablen
4.2 Hypothesenbildung
4.3 Modellformulierung
4.4 Datenbasis und Stichprobe
5 Ergebnisse der empirischen Studie
5.1 Deskriptive Statistik
5.2 Ergebnisse des logistischen Regressionsmodells
5.2.1 Wald-Statistik
5.2.2 Likelihood-Quotienten-Test
5.3 Interpretation der Modellparameter
5.4 Beurteilung der Modellgüte
5.4.1 Devianz und globaler Likelihood-Quotienten-Test
5.4.2 Akaikes Informationskriterium (AIC) und Bayes Informationskriterium (BIC)
5.4.3 Pseudo-R-Quadrat-Statistiken
5.4.4 Konfusionsmatrix und Gütekriterien
5.4.5 ROC-Kurve und AUC-Wert
5.4.6 Liftwerte und Liftkurve
6 Schlussbetrachtung und Ausblick auf weiterführende Themen
6.1 Schlussbetrachtung
6.2 Ausblick auf weiterführende Themen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Master-Thesis untersucht die Erfolgsfaktoren von Crowdinvesting-Kampagnen in Deutschland. Ziel der Untersuchung ist es, mittels einer binär-logistischen Regression zu prüfen, ob identifizierte Determinanten signifikant die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, dass ein kapitalsuchendes Unternehmen sein angestrebtes Funding-Ziel zu 100 Prozent erreicht.
- Identifikation relevanter Erfolgsfaktoren für Crowdinvesting-Kampagnen.
- Analyse der Bedeutung von Plattformwahl, Unternehmensbranche, Beteiligungsart und Unternehmensbewertung für den Finanzierungserfolg.
- Einsatz eines binär-logistischen Regressionsmodells zur quantitativen Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
- Bewertung der Modellgüte und statistische Validierung der Ergebnisse.
- Ableitung praktischer Erkenntnisse für Projektinitiatoren und Plattformen im deutschen Markt.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
In der Anfangszeit, seit seiner Verbreitung im Jahr 2009, war Crowdinvesting vor allem durch rechtliche Einschränkungen und Pflichten geprägt. Als Folge konzentrierten sich die meisten der durchgeführten Untersuchungen auf die erforderlichen oder potentiellen rechtlichen Anpassungen und deren Auswirkungen. Zwar sind die juristischen Einschränkungen und Pflichten durch die jeweiligen Regierungen in der Zwischenzeit größtenteils aufgehoben bzw. an die Finanzierungsalternative angepasst worden, trotzdem zeigen sich auch heutzutage noch viele Themengebiete, wie z.B. die allgemeine Rolle des Crowdinvesting innerhalb der Finanzierungslandschaft, als weitgehend unerforscht. Sofern außerhalb der rechtlichen Aspekte empirische Studien stattgefunden haben, befassten sich diese vorrangig mit der Investorensicht und prüften, welche Determinanten Einfluss auf die Investitionsentscheidung von Kapitalgebern haben, oder welche charakteristischen Merkmale Investoren von Crowdinvesting Initiativen aufweisen. Untersuchungen, die sich auf die Unternehmenssicht beziehen, oder sich auf die Einflussfaktoren, die Auswirkungen auf den Platzierungserfolg von Crowdinvesting Kampagnen haben, konzentrieren, finden sich in der wissenschaftlichen Literatur dagegen bis heute nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Crowdinvestings ein, erläutert die Problemstellung im Kontext der bisherigen Forschungslage und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen von Crowdinvesting: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe, beschreibt die Funktionsweise, Akteure und rechtlichen Rahmenbedingungen und gibt einen Überblick über den Markt in Deutschland.
3 Stand der bisherigen empirischen Forschung: Hier werden bestehende Studien zum Crowdinvesting und Crowdfunding analysiert, um den Forschungsstand aufzuzeigen und Variablen für die eigene Untersuchung abzuleiten.
4 Grundlagen der empirischen Studie: In diesem Teil werden die Modellvariablen definiert, Hypothesen gebildet, das logistische Regressionsmodell formuliert und die Datengrundlage sowie Stichprobe erläutert.
5 Ergebnisse der empirischen Studie: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Daten, führt die Regression durch und bewertet die Güte des Modells anhand statistischer Testverfahren.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick auf weiterführende Themen: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Ergebnisse sowie einem Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Crowdinvesting, Crowdfunding, Platzierungsquote, Unternehmensfinanzierung, binär-logistische Regression, Erfolgsfaktoren, Unternehmensbewertung, Soziale Netzwerke, Finanzierungsalternativen, Mezzanine-Kapital, Startups, Kapitalmarkt, Regressionsanalyse, Investitionsentscheidung, Marktfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Erfolgsfaktoren von Crowdinvesting-Kampagnen in Deutschland und untersucht, welche Determinanten den Platzierungserfolg (Erreichen des Funding-Ziels) von Unternehmen beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Grundlagen des Crowdinvestings ab, betrachtet den rechtlichen Rahmen in Deutschland, den aktuellen Stand der empirischen Forschung und führt eine eigene quantitative Untersuchung durch.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob Faktoren wie die Unternehmensbewertung, soziale Netzwerke, die Wahl der Plattform oder die Branche einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit haben, dass ein Projekt sein Finanzierungsziel erreicht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein binär-logistisches Regressionsmodell verwendet, um die statistische Signifikanz der Einflussfaktoren auf die als binär modellierte Zielgröße (Platzierungsquote erreicht/nicht erreicht) zu prüfen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung und die empirische Studie. Er untersucht detailliert Modellvariablen wie Unternehmenswert, Social-Media-Aktivität (Facebook-Postings) und Plattformeffekte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen gehören Crowdinvesting, Platzierungsquote, logistische Regression, Unternehmensfinanzierung und Erfolgsfaktoren.
Welchen Einfluss hat die Wahl der Plattform auf den Erfolg?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Plattformwahl einen signifikanten Effekt hat. Insbesondere bei der Plattform Seedmatch konnte eine deutlich erhöhte Chance auf Zielerreichung im Vergleich zu anderen Anbietern nachgewiesen werden.
Warum spielt die Unternehmensbewertung eine Rolle für den Erfolg?
Die Unternehmensbewertung wurde als Modellvariable einbezogen, da sie für Anleger als Kenngröße für das Renditepotential dient. Die Studie untersuchte, ob eine hohe Bewertung die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung des Funding-Ziels negativ beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Lars Engelhardt (Autor:in), 2017, Was sind die Determinanten der Platzierungsquote von Crowdinvesting-Kampagnen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511912