In dieser Forschungsarbeit ist das zentrale Thema das Bewusstsein angehender LehrerInnen bzgl. geschlechtertheoretischer Fragestellungen.
In der Bundesrepublik Deutschland ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau gesetzlich vorgeschrieben: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ (Grundgesetz Art. 3. Abs. 2). Diese Referenz verkörpert wirkungsreich, dass Schulen die Leitmaxime der Gleichstellung von Mann und Frau als Erziehungszielsetzung des schulischen Betriebs durchzusetzen haben. Bildungsziele, Erziehungsideale bzw. Entwicklungsaufgaben einer Schule beschreiben einen Soll-Zustand, eine Norm eines Persönlichkeitscharakters, welcher durch pädagogisches Handeln verwirklicht werden soll.
Dieses pädagogische Handeln wird von LehrerInnen durchgeführt. Damit die Maxime der Egalität erfüllt werden kann, ist es notwendig, dass sich LehrerInnen ihrer Verantwortung hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit im Unterricht und im Schulalltag sowie der Problematik der Heteronormativität vor Augen führen. Erzieher verfügen nicht intuitiv über die Fähigkeit, geschlechtergerecht zu handeln bzw. sie wissen nicht naturwüchsig, wie sie die Reproduktion von Geschlechterstereotypen verhindern können, da sie selbst oft in gesellschaftlich heteronormen Strukturen eingebettet sind und unbewusst stereotypische Vorstellungen bedienen. So bemerkt Braun, dass die Umsetzung genderfreundlicher Praktiken daran scheitert, dass Geschlechterverhältnisse und geschlechtlich bedingtes Handeln wenig reflektiert und im Denken von LehrerInnen häufig ausgeblendet werden. Ebenso wird bemängelt, wie begrenzt das nötige Wissen über Geschlechtlichkeit bzw. divergierende Problemlagen hinsichtlich Gender ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problem- und Fragestellung
3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Männlichkeitsforschung
3.2 Männlichkeit als soziale Kategorie
3.2.1 Sozialkonstruktivistischer Ansatz der Forschungsarbeit
3.2.2 Der Gender-Diskurs und die Herstellung von Geschlecht und Männlichkeit (Doing Gender und Doing Masculinity)
3.2.3 Männliche Sozialisation
3.3 Die männerdominierte Gesellschaft: Das Patriarchat und hegemoniale Männlichkeit
3.3.1 Historisch-gesellschaftliche Ausgangslage des Patriarchats
3.3.2 Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit
3.4 Doing Gender und Schule
4. Die Studie der Master-Lehramtsstudierenden an der Bergischen Universität
4.1 Lehramtsstudierende als Forschungsgegenstand und Zusammensetzung der befragten Gruppe an der Bergischen Universität
4.2 Forschungsmethode
4.3 Auswahlbegründung des Fallbeispiels „horrible hairdress“
4.4 Materialerhebung
4.5 Kritik an der Forschungsmethode und der Materialerhebung
4.6 Analysemethode
4.7 Ergebnisse der Analyse
5. Diskussion der Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bewusstsein angehender Lehrkräfte hinsichtlich Männlichkeitskonstruktionen und stereotyper Denkschemata im schulischen Kontext. Durch die Analyse schriftlicher Reflexionen von Lehramtsstudierenden zu einem spezifischen Fallbeispiel wird erforscht, inwieweit diese in der Lage sind, genderrelevante Situationen professionell zu reflektieren und ihr pädagogisches Handeln im Sinne der Chancengleichheit zu gestalten.
- Sozialkonstruktivistische Perspektiven auf Geschlecht
- Hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Strukturen
- Reflexionskompetenz von Lehramtsstudierenden
- Pädagogische Professionalität im Schulalltag
- Analyse von Interaktionsmustern im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Der Gender-Diskurs und die Herstellung von Geschlecht und Männlichkeit (Doing Gender und Doing Masculinity)
Der Gender-Diskurs geht davon aus, dass Geschlechtlichkeit einmal als „sex“ und einmal als „gender“ dem Menschen inhärent ist. Gender bezeichnet dabei eine sozial konstruierte Geschlechtsidentität, eine soziale Dimension, welche kulturspezifische Erwartungen, Werte und Ordnungen erfüllt und im Gegensatz zum natürlich determinierten biologischen Geschlecht (sex) variable Rollen einnehmen und sich in einem kontinuierlichen Fluss der Veränderung bewegen kann (Meissner 2008: 3). Gender lässt sich nicht kausal aus dem biologischen Geschlecht ableiten und ist kultur- sowie sozialisationsabhängig. Gerade an der Vorstellung, dass Geschlecht nicht nur etwas Augenscheinliches, sondern eine soziale Konstruktion (gender) und eine natürliche Festlegung (sex) ist, entzündet sich der Gender-Diskurs am stärksten.
Budde (2006a) beschreibt in Anlehnung an Hirschauer (1994) drei wesentliche axiomatische Grundannahmen, welche der Gesellschaft die angebliche Klassifizierung von Geschlecht erleichtern soll bzw. die Herstellung von Geschlecht durch gesellschaftliche Interaktion in Frage stellen:
1. Die Annahme der Konstanz: Jemand, der heute als Mann in Erscheinung tritt, wird uns morgen nicht als Frau begegnen, „wir gehen also von einer lebenslangen Gültigkeit der Geschlechtszugehörigkeit aus“ (Budde 2006a: 48).
2. Die Annahme einer Naturhaftigkeit: Geschlecht wird an biologischen Merkmalen festgemacht. Besonders die äußeren Geschlechtsmerkmale sind signifikant für die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht.
3. Die Annahme der Dichotomität: Geschlecht wird bipolar dargestellt, als entweder männlich oder weiblich, aber nichts dazwischen oder jenseits davon.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz von Geschlechterdiskursen und unterstreicht die Verantwortung der Schule bei der Vermittlung von Werten und Rollenbildern.
2. Problem- und Fragestellung: Das Kapitel thematisiert den gesetzlichen Auftrag der Gleichstellung im Schulwesen und leitet die Forschungsfrage nach dem Bewusstsein angehender Lehrkräfte für Männlichkeitskonstruktionen ab.
3. Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Konzepte wie die Männlichkeitsforschung, der Sozialkonstruktivismus, das Modell der hegemonialen Männlichkeit sowie der Begriff „Doing Gender“ im schulischen Umfeld theoretisch fundiert.
4. Die Studie der Master-Lehramtsstudierenden an der Bergischen Universität: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen, die Auswahl des Fallbeispiels „horrible hairdress“ sowie die Durchführung und kritische Reflexion der Datenerhebung und -analyse.
5. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden in den theoretischen Kontext eingeordnet, wobei Defizite im geschlechterbewussten Handeln der befragten Studierenden kritisch diskutiert werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Verankerung von Genderkompetenz in der universitären Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Männlichkeitsforschung, Doing Gender, hegemoniale Männlichkeit, Lehramtsstudierende, schulische Interaktion, Sozialkonstruktivismus, Geschlechtergerechtigkeit, pädagogische Professionalität, Fallbeispielanalyse, Rollenbilder, Geschlechtsidentität, Gender-Diskurs, Reflexionskompetenz, Schule, Männliche Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bewusstsein von angehenden Lehrkräften gegenüber Männlichkeitskonstruktionen und Geschlechterrollen im schulischen Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Männlichkeitsforschung, das Konzept des „Doing Gender“, hegemoniale Männlichkeit sowie die pädagogische Verantwortung von Lehrkräften im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, mittels einer Befragung zu eruieren, inwieweit Lehramtsstudierende in der Lage sind, geschlechtsbezogene Interaktionen im Unterricht kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine standardisierte schriftliche Befragung (online und schriftlich) von Master-Lehramtsstudierenden durchgeführt, die nach dem Ansatz der Grounded Theory ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Männlichkeitskonzepten und eine empirische Analyse von Reflexionen der Studierenden zu einem konkreten Fallbeispiel („horrible hairdress“).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Männlichkeitsforschung, Doing Gender, hegemoniale Männlichkeit, pädagogische Professionalität und Geschlechtergerechtigkeit.
Welches konkrete Fallbeispiel analysieren die Studierenden?
Das Fallbeispiel trägt den Titel „horrible hairdress“ und beschreibt eine Unterrichtssituation, in der eine Lehrkraft einen männlichen und einen weiblichen Schüler hinsichtlich ihrer Frisur ironisch kommentiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Lehrerausbildung?
Der Autor schlussfolgert, dass die bisherige Ausbildung angehender Lehrkräfte im Bereich Genderkompetenz unzureichend ist und dringend weitergehende Schulungen erfordert, um bewusste oder unbewusste Geschlechterstereotype abzubauen.
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- Cristian Claus (Autor), 2018, Männlichkeit(en) - zwischen Vorstellungen und Konstruktionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512012