Der Gebrauch offener Subjektpronomina von Spanglish-Sprechern

Eine Untersuchung anhand des Otheguy-Corpus


Seminararbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,3

Jakub Duch (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spanisch-englischer Sprachkontakt in den USA
2.1. Einwanderung als Grundlage von Sprachkontaktsituationen: Geschichtliches
2.2. Hispanics in den USA: die Zahlen des US Census

3. Versuch einer Definition
3.1 Soziolinguistische Aspekte des Sprachgebrauchs der Hispanics
3.2 Eigenschaften des Spanglishen

4. Analysebeispiel: Gebrauch der Subjektpronomen im Spanglishen New Yorks
4.1 Vorbemerkungen zum Otheguy-Corpus
4.2 Der Untersuchungsgegenstand
4.3 Die Untersuchungskriterien von Otheguy und Zentella
4.4 Ergebnisse

5. Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Der Blick auf eine Auflistung der Länder, in denen Spanisch gesprochen wird, hält seit einigen Jahrzehnten eine Überraschung bereit: die USA, ein Land das gemeinhin als Staat mit der größten Anzahl an Muttersprachlern des Englischen gilt, beherbergt mehr Spanischsprecher als viele lateinamerikanische Staaten. Die Hispanics sind mittlerweile die größte Minderheit des Landes und aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Da Einwanderung immer auch Sprachkontaktsituationen mit sich bringt, ist auch die Frage, wie die Diaspora sich auf den Sprachgebrauch dieser Bevölkerungsgruppe ausgewirkt hat, immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Phänomene wie Code-Switching und der Gebrauch von Lehnwörtern haben zur Bezeichnung Spanglish geführt, einem Wort, dem man seine Bedeutung im wahrsten Sinne des Wortes bereits ansehen kann.

Diese Hausarbeit verfolgt das Ziel, dieses Sprachkontaktphänomen genauer zu untersuchen. Dies wird zunächst in allgemeiner Form geschehen, bevor eine Untersuchung von zwei US-amerikanischen Linguisten detaillierter beschrieben wird, um ein konkretes Beispiel für aktuelle Forschungsfragen zu geben. Wie im Verlauf der Arbeit erklärt wird, ist die Bezeichnung Spanglish in den USA nicht frei von Polemik. Da diese sich jedoch aus dem speziellen Kontext der sozialen Verhältnisse in den USA ergibt, hat der Autor dieser Arbeit sich dazu entschlossen, den Begriff trotzdem zu verwenden, da der Kontext in einer deutschen Universität ein anderer ist.

2. Spanisch-englischer Sprachkontakt in den USA

2.1. Einwanderung als Grundlage von Sprachkontaktsituationen: Geschichtliches

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent ergaben sich durch den Verlauf der Kolonialisierung desselben einige ungewöhnliche Sprachkontaktsituationen: europäische Sprachen, deren Sprachgebiete auf dem alten Kontinent nicht aneinander grenzten, traten miteinander in Kontakt. Das Ergebnis waren Mischformen wie das kanadische Franglais, das in Argentinien beheimatete Cocoliche, das sich durch den Kontakt des Spanischen mit dem Italienischen ergab, sowie die Spanglish genannte Kontaktsprache, die unter den in den USA lebenden Hispanics verbreitet ist (vgl. Montes-Alcalá, 2009: S.101). Somit weist die Entstehung dieser linguistischen Phänomene einige Unterschiede zu anderen, im Kontext des Kolonialismus auftretenden Sprachkontaktsituationen auf: Beide Sprachen sind ursprünglich von den Kolonialherren nach Amerika gebracht worden, die Sprachen der Kolonisierten spielen keine Rolle. Daraus ergibt sich auch, dass beide Kontaktsprachen indogermanischen Ursprungs sind und damit mehr Ähnlichkeiten zueinander aufweisen als in anderen Kontaktsituationen, beispielsweise dem Kontakt zwischen den europäischen und afrikanischen Sprachen im Zusammenhang des Sklavenhandels.

Die Bezeichnung Spanglish wird dem puerto-ricanischen Journalisten Tío zugeschrieben, der sie 1952 geprägt haben soll. Die Wortschöpfung hatte eine abwertende Intention, Tío empfand den Einfluss englischsprachiger Entlehnungen als eine „Bastardisierung der spanischen Sprache“ (vgl. Lipski, 2004: S.1) - dies wird unten im Zusammenhang mit der Frage nach dem sozialen Prestige des Spanglishen erneut aufgegriffen. Sprachkontakt zwischen dem amerikanischen Englisch und dem lateinamerikanischen Spanisch gab es jedoch bereits vorher. Stavans (2000: S.91 ff.) erwähnt in diesem Kontext den mexikanisch-amerikanischen Vertrag von Guadalupe Hidalgo, durch den Kalifornien, Utah, Nevada, sowie Teile anderer Bundesstaaten von Mexiko an die USA abgetreten werden mussten. Dies impliziert, dass das Phänomen Spanglish sich durch den kulturellen Kontakt zwischen den USA und lateinamerikanischen Staaten und ihren Bürgern definiert, frühere Sprachkontaktsituationen, die sich beispielsweise zwischen spanischen und britischen Siedlern bei der Kolonisierung Floridas (welches im Jahr 1819 von den USA der spanischen Krone abgekauft wurde (vgl. Suárez-Orozco und Páez, 2009: S.16-17) ) ergeben haben können, werden also als separates Phänomen aufgefasst. Durch seine Geographie und Geschichte nimmt die seit 1898 mit den USA assoziierte Insel Puerto Rico eine Sonderstellung ein, da dort sowohl Spanisch als auch Englisch Amtssprachen sind. Die Bevölkerung ist jedoch in großer Mehrheit spanischsprachig. Nash (1971: S.230 ff.) beschreibt, dass bereits in den 1960er Jahren die Sprachfrage auf Puerto Rico identitätspolitisch aufgeladen war, eine angenommene Verunstaltung des Spanischen wurde als Angriff auf die regionale Identität aufgefasst.

Spanglish ist jedoch zuallererst ein in den USA anzutreffendes Phänomen. Bevor die Einwanderungsströme lateinamerikanischer Staatsbürger in die USA existierten, schufen die USA durch die Übernahme von Territorien durch das bereits erwähnte Abkommen von Guadalupe Hidalgo (und später durch die Eroberung Puerto Ricos) Situationen, in denen eine große Anzahl mexikanischer bzw. puerto-ricanischer Bürger quasi über Nacht zu Einwohnern der USA wurden, ohne dorthin eingewandert zu sein (vgl. Suárez-Oroco und Páez, 2009: S.16-17). Lateinamerikanische Emigration in die USA wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg zum Massenphänomen. Suárez-Orozco und Páez heben hier die Bedeutung der US- Militäreingriffe (sowie der anderweitigen Unterstützung einer Konfliktpartei) in die mittelamerikanischen Bürgerkriege hervor, die für Flüchtlingsströme nach Norden sorgten (vgl. ebd.: S.17-18). Für die mexikanische Einwanderung benennen dieselben Autoren die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den USA und Mexiko als Hauptursache, die das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA nur teilweise nivellieren konnte (vgl. ebd.: S.18-20).

2.2. Hispanics in den USA: die Zahlen des US Census

Laut den Daten des US-Zensus des Jahres 2010 macht die Gruppe der Hispanics mittlerweile 16 Prozent der in den USA lebenden Bevölkerung aus. Sie ist damit die größte Minderheit der Vereinigten Staaten. Teilt man die Hispanics nach ihren Herkunftsländern (oder den ihrer Vorfahren) auf, ergibt sich, dass Mexikaner 63 Prozent, Puerto-Ricaner 9,2 Prozent und Kubaner 3,5 Prozent der Hispanics ausmachen. Mehr als die Hälfte der Hispano-Amerikaner lebt in den drei Bundesstaaten Kalifornien, Texas und Florida. Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Bevölkerungsgruppe der Hispanics zwischen 2000 und 2010 von ca. 35 Millionen auf ca. 50 Millionen angewachsen ist (vgl. Ennis, Rios-Vargas und Albert, 2011: S.3-5). Dieser ungewöhnlich starke Anstieg hat zu Bemühungen geführt, ihren voraussichtlichen Bevölkerungsanteil zu zukünftigen Zeitpunkten abzuschätzen. Das US Census Bureau tut dies in Form von verschiedenen Schätzungen, denen verschiedene mathematische Modelle zu Grunde liegen, woraus sich drei verschiedene Datenreihen ergeben: Eine mit mittleren Werten, und je ein Szenario für niedrigere und höhere Immigrationsraten. Für das Jahr 2050 wird ein hispanoamerikanischer Bevölkerungsanteil von 27-29 Prozent (je nach Datenreihe) prognostiziert (vgl. US Census Bureau, 2012: ohne Seitenangabe). Dies wird zwangsläufig dazu führen, dass die spanische Sprache weiter an Einfluss gewinnt, außerdem wird sich der Sprachkontakt intensivieren.

3. Versuch einer Definition

3.1 Soziolinguistische Aspekte des Sprachgebrauchs der Hispanics

Bisher wurde auf die Bevölkerungsgruppe der hispanoamerikanischen Einwanderer im Kontext der demographischen Entwicklung der USA eingegangen. Um soziolinguistische Analysen zu betreiben ist es jedoch auch notwendig, auf die sprachlichen Gewohnheiten und Verhaltensweisen dieser Immigranten einzugehen, da die Weitergabe der Herkunftssprache von Generation zu Generation keineswegs selbstverständlich ist. Lipski (2004) fasst den bisherigen Forschungsstand zum Thema zusammen. Die Mehrheit der Forscher geht für den Westen und Süden der USA von einer Aufgabe des Spanischen zu Gunsten des Englischen aus, so dass es innerhalb von ein bis zwei Generationen oftmals zum kompletten Verlust des Spanischen kommt. Dies gilt insbesondere für Personen mit hohem sozialen Status und Bildungserfolg. Einer der zuverlässigsten Indikatoren für die Aufgabe des Spanischen ist jedoch die Sprachkompetenz im Englischen: der kompetente Sprecher tendiert dazu, nunmehr ausschließlich Englisch zu verwenden. In New York lässt sich jedoch stellenweise ein gegenläufiger Trend beobachten, da dort insbesondere junge und besser gebildete Hispanics am Spanischen festhalten (vgl. Lipski, 2004: S.3-4). Derselbe Autor führt aus, dass das soziale Prestige des Spanglishen sehr niedrig ist und es als „falsches“ Gegenstück zu korrektem Englisch auf der einen und korrektem Spanisch auf der anderen Seite empfunden wird. Diese Verurteilungen des Spanglishen und die irreführende Kategorisierung als eigene Sprache, sowie die Einstellung, dass es sich bei diesem Phänomen um etwas bedrohliches oder zerstörerisches handelt, basieren jedoch auf der Unkenntnis linguistischer Erkenntnisse (vgl. ebd.: S.6-8). Lipskis Ausführungen stimmen mit der Argumentation von Zentella überein, die darauf hinweist, dass bestimmte hispano-amerikanische Bevölkerungsgruppen (beispielsweise Dominikaner) ihre eigene Regionalform des Spanischen stellenweise als „schlechtes Spanisch“ oder „falsches Spanisch“ einordnen (vgl. Zentella, 2002: S.325-326). Sie weist darauf hin, dass korrektes Code-Switching zwischen zwei Sprachen deren grammatikalischen Regeln befolgt und somit ein Beispiel für korrekt erfolgte Sprachentwicklung ist – also das genaue Gegenteil der landläufigen Meinung (vgl. ebd.: S.329). Interessanterweise kommentieren Valdés et al. (2003: S.22-23), dass auch das Lehrpersonal für Spanisch an US-Universitäten das soziale und sprachliche Prestige der in den USA aufgewachsenen Latinos als niedrig einschätzt. Sie stehen in der Hierarchie der Sprachkompetenz sogar unterhalb von Nicht-Muttersprachlern. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass insbesondere im Südwesten der USA hispanische Einwanderergruppen das Englische dem Spanischen tendenziell vorziehen, und dass die Praxis, Spanglish zu sprechen, im Prestige noch niedriger angesiedelt ist. Spanglish wird mit sprachlicher Inkompetenz und mangelnder Bildung in Verbindung gebracht, woraus zu schließen ist, dass Personen, die sich dieser Fakten bewusst sind, versuchen werden, Code-Switching zwischen Englisch und Spanisch zu vermeiden. Eine Ausnahme besteht laut Zentella (2002: S.325 ff.) in Gegenden, in denen große Teile der Bevölkerung aus kürzlich eingewanderten spanischen Muttersprachlern bestehen; Sayer (2008: S.99) stellt ein Beibehalten des Spanglishen auch bei stabilen, lange bestehenden Einwanderercommunities fest, die zahlreich genug sind, um dem linguistischen Anpassungsdruck zu widerstehen.

3.2 Eigenschaften des Spanglishen

Spanglish ist, wie in diesem Unterkapitel dargestellt wird, kein einheitliches Sprachphänomen, sondern lässt sich in weitere geographisch-linguistische Unterkategorien einteilen. Dennoch gibt es einige den verschiedenen Unterkategorien gemeinsame Eigenschaften, die den Kern des Spanglishen ausmachen. Eine der ersten Arbeiten zum Thema steuerte Nash (1970) bei, die in ihrer Veröffentlichung drei verschiedene Tendenzen der Spanglish-Sprecher untersucht: Dies sind das Ersetzen spanischer Ausdrücke durch das englische Gegenstück (vgl. Nash, 1970: S.225), das mit oder ohne begleitende morphologische Umformungen geschehen kann (vgl. ebd.: S.226), sowie die sogenannten Calques, Ausdrücke, die zwar keine englischen Entlehnungen beinhalten, aber ihre Syntax der des Englischen angepasst haben. Ein Beispiel hierfür wäre der Ausdruck „Él está supuesto por venir“ anstatt „Se supone que (él) venga“, der eine spanische Übertragung der Phrase „He is supposed to come“ ist (ebd.: S.229). Im Gegensatz zu den direkten Entlehnungen ist zum Aufspüren dieser Spracheinflüsse des Englischen eine genaue Kenntnis der spanischen Sprache notwendig. Wie Ardila (2005) zeigt, hat die Forschung zum Thema die von Nash vorgenommene Kategorisierung weitestgehend beibehalten, aber erweitert und verfeinert. Er nimmt beispielsweise eine Unterteilung in oberflächliche und tiefe Phänomene des Spanglishen vor (vgl. Ardila, 2005: S.68 ff.). So gehören für ihn Wortentlehnungen und Code-Switching bzw. –mixing zu den oberflächlichen Erscheinungen. Ardila stellt nicht nur bestimmte Gesetzmäßigkeiten bei den Entlehnungen fest, sondern erwähnt zusätzlich, dass auch altbekannte spanische Wörter die Bedeutung verändern können, wenn sie große morphologische Ähnlichkeit zu englischen Wörtern aufweisen. Dies ist beispielsweise bei den Adverbien eventually („schließlich“, „letztlich“) und eventualmente („möglicherweise“, „eventuell“) der Fall (vgl. ebd.: S.68-69). Code-Switching bezeichnet einen Sprachwechsel zwischen zwei Sätzen, der einen Umschaltcharakter hat, d.h. es wird anschließend zunächst die neue Sprache beibehalten. Beim Code-mixing kommt es hingegen innerhalb eines Satzes zum Wechsel des Codes, d.h. es kann auch innerhalb kurzer Zeit mehrfach hin- und hergewechselt werden. Da die Mehrheit der Spanischsprechendenin den USA zumindest teilweise des Englischen mächtig ist, dies umgekehrt jedoch nicht gilt, kommt es nur bei der Verwendung des Spanischen zum Code-Switching bzw. –mixing (vgl. ebd.: S.70-71).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Gebrauch offener Subjektpronomina von Spanglish-Sprechern
Untertitel
Eine Untersuchung anhand des Otheguy-Corpus
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Romanistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V512022
ISBN (eBook)
9783346087553
ISBN (Buch)
9783346087560
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanglish, Hispanistik, Pronomen, Spanisch
Arbeit zitieren
Jakub Duch (Autor), 2014, Der Gebrauch offener Subjektpronomina von Spanglish-Sprechern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512022

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