Diese Arbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, inwiefern Villards de Honnecourt
Zeichnung zu der hydraulischen Säge auf dem Blatt 22v aus seinem Portfolio als Bauanleitung gedient hat. Die
Säge scheint einer der komplexesten und zugleich nützlichsten Maschinen ihrer Art gewesen zu sein. Sie gehört im Portfolio von Villard de Honnecourt zu den wahrscheinlich vollständig erhaltenen Zeichnungen.
In der französischen Nationalbibliothek wird das kostbare Portfolio von Villard de Honnecourt seit 1795 unter der Signatur MS Fr 19093 der Öffentlichkeit nicht zugänglich aufbewahrt. Das Portfolio ist eine unvollständige Zusammenstellung von Pergamentblättern, zum Schutz in einem Lederumschlag eingebunden und aus der Zeit des Hochmittelalters, von denen 33 Blätter erhalten geblieben sind, die jeweils Zeichnungen und Inschriften auf der Vorder -und Rückseite aufweisen.
Viele Blätter sind bereits im Mittelalter verloren gegangen, die Vermutung über die Anzahl der ursprünglichen Blätter variiert stark. Das ca. 24 x 18 cm kleine tragbare Objekt wurde von Villard vermutlich zwischen 1220 und 123013 angefertigt und wirft mehr Fragen als Antworten auf, da kaum etwas über den Verfasser, noch über den Zweck des Portfolios bekannt ist. Um meine Fragestellung beantworten zu können, werde ich zu Beginn die relevantesten Fakten über das Portfolio darlegen und den zeitlichen Hintergrund, in der das Portfolio eingeordnet wird, etwas näher erläutern, um zuerst den Zweck der technischen Apparaturen zu beschreiben. Anschließend werde ich die Zeichnung zu der hydraulischen Säge zunächst formal beschreiben und die Frage nach der Herkunft und Relevanz näher thematisieren, um daraufhin abzuleiten, ob oder inwiefern es sich bei der Abbildung um eine Bauanleitung handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Forschungsstand
2. Villard de Honnecourt und sein Portfolio
3. Die hydraulische Säge im Portfolio von Villard de Honnecourt
3.1 Beschreibung der Funktion
3.2 Herkunft der Abbildung und Einsatz der Apparatur
4. Die hydraulische Säge und die technischen Zeichnungen im Gesamtkontext
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Fragestellung, inwiefern die Zeichnung einer hydraulischen Säge auf Blatt 22v im Portfolio von Villard de Honnecourt als handfeste Bauanleitung für das Mittelalter gedient haben könnte. Dabei wird analysiert, ob Villard als Erfinder oder lediglich als Protokollant technischer Beobachtungen agierte und welchen Status diese Skizzen innerhalb des mittelalterlichen Wissenstransfers einnahmen.
- Analyse der historischen Entstehung und Intention des Portfolios von Villard de Honnecourt.
- Formale und funktionale Untersuchung der Zeichnung der hydraulischen Säge.
- Kritische Auseinandersetzung mit Forschungsmeinungen zur Funktion technischer Zeichnungen im Mittelalter.
- Vergleich der hydraulischen Säge mit anderen Apparaturen (z.B. Trébuchet) zur Bewertung des Anleitungscharakters.
Auszug aus dem Buch
3. Die hydraulische Säge im Portfolio von Villard de Honnecourt
Villard hinterlässt in seinem Portfolio eines der frühesten Beispiele von Überlieferungen von Illustrationen dieser Art, die diese technischen Abbildungen in Europa aufzeigen. Es handelt sich hierbei um eine halbautomatische Apparatur, die die menschliche Muskelkraft bei der Arbeit mit Holz ersetzen soll (Abb.1). Im Mittelalter wurde der Nutzen von Wasserenergie immer effektiver eingesetzt, weswegen der Mechanismus der hydraulischen Säge sich ebenfalls darauf stützt. Der Gebrauch von Wassermühlen steht ebenfalls im Dienste der sich daraus entwickelnden mit Wasser angetriebenen Säge. Die hier zu sehende Zeichnung ist auf der Rückseite des Blattes 22r und die 44. Oberfläche im gesamten Portfolio. Sie ist die erste Abbildung auf dem Pergamentblatt 22v und unterscheidet sich leicht von den anderen aufgezeichneten Apparaturen. Sie scheint genauer und spezifischer zu sein als die eher abgekürzten Versionen der anderen Abbildungen auf derselben Seite. Bei den anderen Apparaturen handelt es sich um Abbildungen von einer Armbrust, einem Radantrieb, einer Hebevorrichtung und von einer kleinen Adlerapparatur (Abb.2). Einstichlöcher auf der linken äußeren Kante verweisen auf eine Reparatur, die auf der Vorderseite des Blattes unternommen wurde. Der untere Teil der Pergamentkante ist sehr dunkel, spröde und rissig (Abb.3). Die mit Wasser angetriebene Säge ist ca. 9,9 cm breit und 10,4 cm lang. Villard hat die Zeichnung mit Graphite vorgezeichnet und sie anschließend mit einer dunkleren Sepia-Tinte nachgezogen. Eine Inschrift (Abb.4) befindet sich unterhalb der Zeichnung. Der Autor Carl Barnes hat diese in seiner Publikation von 2009 frei mit den Worten „Wie man eine Säge macht, die von alleine sägt“ übersetzt. Diese Inschrift stammt nicht von Villard, sondern von einem anderen Schreiber.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Forschungsstand: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Zeichnung der hydraulischen Säge im Hinblick auf ihren Charakter als Bauanleitung zu hinterfragen und den Forschungsstand einzuordnen.
2. Villard de Honnecourt und sein Portfolio: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Portfolio, seine Entstehung im Hochmittelalter und die Schwierigkeit, den Verfasser Villard de Honnecourt historisch zu charakterisieren.
3. Die hydraulische Säge im Portfolio von Villard de Honnecourt: Es erfolgt eine detaillierte formale Beschreibung der Zeichnung sowie der Versuch, die mechanische Funktion der Säge zu deuten.
3.1 Beschreibung der Funktion: Hier wird die mechanische Abfolge der Säge analysiert und die Problematik der Interpretation der nicht eindeutigen perspektivischen Zeichnung erörtert.
3.2 Herkunft der Abbildung und Einsatz der Apparatur: Untersuchung der Frage, ob Villard die Säge selbst erfand oder lediglich beobachtete, wobei die Hypothese der Erfindung kritisch hinterfragt wird.
4. Die hydraulische Säge und die technischen Zeichnungen im Gesamtkontext: Dieser Abschnitt beleuchtet das Portfolio im Kontext mittelalterlicher Musterbücher und setzt sich kritisch mit verschiedenen Forschungsmeinungen zur Profession und Intention Villards auseinander.
5. Conclusio: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Zeichnungen eher als Vermittlung von Ideen oder Interessen des Autors denn als konkrete, maßstabsgetreue Bauanleitungen zu verstehen sind.
Schlüsselwörter
Villard de Honnecourt, Portfolio, MS Fr 19093, hydraulische Säge, Mittelalter, technische Zeichnung, Bauanleitung, Baubetrieb, Musterbuch, Ingenieurwesen, Wasserenergie, Kodikologie, Bautechnik, Bilddidaktik, Überlieferung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den technischen Zeichnungen im Portfolio des mittelalterlichen Künstlers Villard de Honnecourt, insbesondere mit der Abbildung einer hydraulischen Säge.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Untersuchung berührt die Kunstgeschichte des Mittelalters, die Geschichte der Technik, mittelalterliche Bauhütten sowie die Frage nach der Funktion und dem Zweck von Skizzenbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob die Zeichnung der hydraulischen Säge als konkrete Bauanleitung für Handwerker diente oder eine andere Funktion im Kontext mittelalterlicher Wissensvermittlung erfüllte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Analyse der Zeichnung, einen Abgleich mit zeitgenössischer Fachliteratur sowie eine kritische Hinterfragung bisheriger Forschungsmeinungen, um durch Ausschlussverfahren zur Forschungsfrage zu gelangen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Portfolio als Ganzes, beschreibt formal die hydraulische Säge und setzt diese in den weiteren Kontext von zeitgenössischen Vorlagensammlungen und technischen Erfindungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Villard de Honnecourt, hydraulische Säge, technisches Portfolio, mittelalterliche Bautechnik und Bauanleitung sind die zentralen Begriffe.
Konnte bewiesen werden, dass die Zeichnung eine funktionierende Bauanleitung ist?
Nein, es konnte nicht belegt werden, dass die Zeichnungen als detaillierte Bauanleitungen dienten; vielmehr fehlen maßgebliche Konstruktionsdaten und die gezeigten Mechanismen funktionieren in der dargestellten Form oft nicht.
Welche Rolle spielt die Inschrift der Zeichnung?
Die Inschrift ist ein Indiz für den belehrenden Charakter des Portfolios, stammt jedoch laut Untersuchungen nicht von Villard selbst, sondern von einem späteren Schreiber.
- Citation du texte
- Maria Pohl (Auteur), 2018, Villard de Honnecourt und sein Skizzenbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512088