In dem Werk „Der Leib“ behandelt der Philosoph Hermann Schmitz, der Begründer der neuen Phänomenologie, in dem 3. Kapitel die leibliche Dynamik zwischen Engung und Weitung. Schmitz bringt die von ihm in den bisherigen Kapiteln angesprochene Engung und Weitung in den Zusammenhang mit Spannung und Schwellung und der protopathisch/epikritischen Dimension. Dabei werden die leiblichen Richtungen und das damit verbundene motorische Körperschema genauer betrachtet. Dieser Essay beschäftigt sich mit der Frage, wie Hermann Schmitz das System der leiblichen Dynamik im Zusammenhang mit der Ausdehnung des Leibes vorstellt und sich dieses Phänomen auf unser heutiges Leben übertragen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die leibliche Dynamik nach Hermann Schmitz
2.1 Engung und Weitung
2.2 Spannung und Schwellung
2.3 Leibliche Richtungen und das motorische Körperschema
2.4 Die protopathisch-epikritische Dimension
3. Diskussion und Übertragbarkeit auf das heutige Leben
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Der Essay untersucht Hermann Schmitz’ System der leiblichen Dynamik mit Fokus auf den Zusammenhang von Engung, Weitung, Spannung und Schwellung sowie deren Auswirkungen auf die leibliche Ausdehnung und das motorische Körperschema, um deren Relevanz für das zeitgenössische Leben kritisch zu hinterfragen.
- Phänomenologische Analyse von Engung und Weitung als fundamentale leibliche Regungen.
- Die Rolle des vitalen Antriebs bei der Steuerung der leiblichen Dynamik.
- Unterscheidung zwischen protopathischem und epikritischem Spüren.
- Das motorische Körperschema im Vergleich zum perzeptiven Körperschema.
- Anwendung des Schmitz’schen Modells auf moderne psychologische und physiologische Alltagserfahrungen.
Auszug aus dem Buch
Die leibliche Dynamik
Alle leiblichen Regungen würden, nach Schmitz, die Enge und die Weite umfassen, welche unbewusst durchlebt und dabei eine Spur des Bewusstseins hinterlassen würden. In diesem entgegengesetzt gerichteten Zusammenwirken bezeichne ich die Engung als Spannung, die Weitung als Schwellung und ihren Verband […] als vitalen Antrieb. Der dynamische Vorgang, der vitale Antrieb, erhielte seine Vitalität durch die Fähigkeit, Enge und Weite zu erfassen. Der vitale Antrieb könne im Zusammenhang mit dem Reiz und dem Antrieb auch zum Zug, zu einer Richtung werden und sorge für wechselnde Gewichtsverteilungen zwischen Enge und Weite. Schwellung sei hier nicht nach dem Alltagsgebrauch, sondern als leibliche Regung des Dehnens und Streckens, als vitales Erlebnis des Raumeroberns und als Durchsetzung der leiblichen Weitung definiert, sodass durch vergrößerte Schwellung die Engung überwogen wäre. Andererseits könne auch durch Spannung die Engung dominieren, sodass die Weitung überwogen wäre. Spannungen und Schwellungen könnten rhythmisch (zum Beispiel wenn man Angst hat), im fluktuierenden Wechsel (beim schnellen Atmen) oder kompakt im annähernden Gleichgewicht (in der Beklommenheit) agieren. Durch Spannung und Schwellung kann ein Über- und Untergewicht von Enge und Weite, das Ineinandergreifen oder das Privativum dieser entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die phänomenologische Fragestellung ein und skizziert das Ziel der Arbeit, Hermann Schmitz' System der leiblichen Dynamik theoretisch zu beleuchten und auf die Gegenwart zu beziehen.
2. Die leibliche Dynamik nach Hermann Schmitz: Dieser Abschnitt erläutert die zentralen Begriffe der Enge, Weite, Spannung und Schwellung sowie die funktionale Rolle des motorischen Körperschemas und der protopathisch-epikritischen Dimension.
3. Diskussion und Übertragbarkeit auf das heutige Leben: Hier wird die Anwendbarkeit der Schmitz'schen Theorie auf aktuelle psychologische Phänomene und Alltagserfahrungen kritisch geprüft.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Komplexität sowie das therapeutische Potenzial des Modells für das heutige Verständnis des Leibes.
Schlüsselwörter
Hermann Schmitz, neue Phänomenologie, leibliche Dynamik, Engung, Weitung, Spannung, Schwellung, vitaler Antrieb, motorisches Körperschema, protopathisch, epikritisch, Leibesinseln, Leib, Philosophie, leibliche Regung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem phänomenologischen Werk von Hermann Schmitz, insbesondere mit seinem System der leiblichen Dynamik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Wechselspiel von Engung und Weitung, die Funktion von Spannung und Schwellung sowie die Bedeutung des motorischen Körperschemas für das leibliche Erleben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Schmitz' System der leiblichen Dynamik verständlich darzustellen und zu untersuchen, inwiefern dieses theoretische Modell auf Alltagssituationen des modernen Menschen anwendbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-phänomenologische Analyse, die auf einer Textinterpretation des Werkes „Der Leib“ von Hermann Schmitz basiert.
Was wird im Hauptteil des Essays behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe Enge und Weite, der vitale Antrieb, die Unterscheidung zwischen protopathischem und epikritischem Spüren sowie die Rolle der leiblichen Spannung detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind vor allem: leibliche Dynamik, Spannung, Schwellung, motorisches Körperschema und neue Phänomenologie.
Wie unterscheidet sich das motorische Körperschema vom perzeptiven Körperschema?
Laut Schmitz betrifft das perzeptive Körperschema primär das Sehen und Tasten der äußeren Gestalt, während das motorische Körperschema den gesamten Leib und das leibliche Spüren einer Person umfasst.
In welchem Verhältnis stehen protopathisches und epikritisches Spüren?
Das protopathische Spüren ist eher dumpf und zerfließend, während das epikritische Spüren scharf und präzise ist; beide können unabhängig existieren, aber auch mit den leiblichen Regungen von Enge und Weite verbunden sein.
- Citation du texte
- Lara Bösking (Auteur), 2018, Interpretation von Hermann Schmitz. Die Dynamik des Leibes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512401