Das Konzept der Beispielstunde "Künstliches Glück und die Erlebnismaschine" soll Inhalte zu dem Thema "künstliches Glück" in einer 9. Klasse am Gymnasium in dem Fach Werte und Normen vermitteln und die Schüler/innen dazu auffordern, sich kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen. Die Unterrichtsstunde umfasst 90 Minuten. Als erstes wird ein Video über künstliches Glück geschaut, dann wird ein Textauszug über eine Erlebnismaschine gelesen und der Text anschließend im Plenum besprochen. Das Thema steht im Zusammenhang zu Platons Höhlengleichnis, welches in einer weiteren Stunde behandelt werden kann, es könnte aber auch an die Thematik der künstlichen Intelligenz anknüpfen. Als Orientierung des Konzepts dient das Bonbonmodell des Lernprozesses von Rolf Sistermann.
Inhaltsverzeichnis
Hinführung
Problemstellung
Selbstgesteuerte, intuitive Problemlösung
Angeleitete, kontrollierte Problemlösung
Festigung/Sicherung
Transfer/Stellungnahme
Reflexion
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die didaktische Konzeption eines Unterrichtsbausteins für eine 9. Klasse am Gymnasium, der die philosophische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Glück“ anhand der Gegenüberstellung von biologisch-funktionalen Glücksvorstellungen und Robert Nozicks Gedankenexperiment der „Erlebnismaschine“ anregt. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie durch die kognitive Dissonanz zwischen einer oberflächlichen Glücksdefinition und der tiefergehenden philosophischen Reflexion eine kritische und diskursive Kompetenz bei Schülern gefördert werden kann.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Definition von Glück
- Biologische versus philosophische Glücksbegriffe
- Einsatz von Gedankenexperimenten im Philosophieunterricht
- Förderung der diskursiven und hermeneutischen Kompetenz
- Verknüpfung von Unterrichtsmedien (Video und Textarbeit)
Auszug aus dem Buch
Selbstgesteuerte, intuitive Problemlösung
Die Lehrkraft bittet das Plenum zunächst den vorbereiteten Text „Robert Nozicks Erlebnismaschine“, welcher aus einem Schülerbuch stammt, zu lesen. Der Text wird in Einzelarbeit gelesen, anschließend tauscht man sich in Gruppenarbeit über den Text aus.
Der Gegenstand des Textes ist das Gedankenexperiment einer Erlebnismaschine, die einem, angeschlossen an den eigenen Körper und während man in einem Becken schwimmt, jeden gewünschten Tagtraum erleben lässt. Alle zukünftigen Erlebnisse seien dadurch für die nächsten Jahre planbar. Niemand müsse sich um die Person kümmern, die im Becken angeschlossen ist, auch andere Menschen könnten sich an die Erlebnismaschine anschließen. Der Text ist in seiner Einfachheit leicht verständlich und didaktisch für die anschließende Diskussion geeignet. Ob die Zusammenfassung des Textes eine Fairness gegenüber dem Original aufweisen kann, möchte ich hier nicht bewerten.
Zusammenfassung der Kapitel
Hinführung: Der Einstieg erfolgt über ein Video, das Glück biologisch-funktional als elektro-biochemischen Prozess darstellt, um einen lebensweltbezogenen Zugang zu schaffen.
Problemstellung: Die Lehrkraft initiiert eine erste Diskussion darüber, ob Glück künstlich herstellbar ist, um die Grenzen der rein biologischen Glücksdefinition aufzuzeigen.
Selbstgesteuerte, intuitive Problemlösung: Die Schüler setzen sich in Einzel- und Gruppenarbeit kritisch mit Robert Nozicks Gedankenexperiment der „Erlebnismaschine“ auseinander.
Angeleitete, kontrollierte Problemlösung: Durch gezielte Leitfragen in Gruppenarbeit wird das Verständnis für die Problematik der Künstlichkeit von Glück vertieft und eine argumentative Auseinandersetzung gefördert.
Festigung/Sicherung: Die Ergebnisse werden im Plenum präsentiert und analytisch besprochen, wobei die Lehrkraft vorerst moderierend zurückhaltend agiert.
Transfer/Stellungnahme: Das Thema wird in einen größeren Kontext eingebettet, indem eine Brücke zu Platons Höhlengleichnis geschlagen wird, um die definitorische Abhängigkeit des Glücksbegriffs zu verdeutlichen.
Reflexion: Die bewusste Gegenüberstellung von Video-Input und Textarbeit erzeugt eine kognitive Dissonanz, die als didaktisches Werkzeug zur Förderung hermeneutischer Kompetenzen genutzt wird.
Schlüsselwörter
Künstliches Glück, Erlebnismaschine, Philosophie, Didaktik, Robert Nozick, Glücksdefinition, Biologie, Unterrichtsbaustein, Höhlengleichnis, Diskurs, Hermeneutik, Kognitive Dissonanz, Wert und Normen, Gedankenexperiment, Kompetenzförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit entwickelt einen didaktischen Unterrichtsbaustein für das Fach Werte und Normen, der die Schüler dazu anregen soll, den Begriff „Glück“ kritisch zu hinterfragen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentrale Themen sind die biologische Sicht auf Glück, die philosophische Reflexion durch Gedankenexperimente und die kritische Analyse von Medieneinflüssen.
Was ist das primäre Ziel des Unterrichtsbausteins?
Ziel ist es nicht, eine endgültige Definition von Glück zu finden, sondern zu erkennen, dass Glück ein komplexer Begriff ist, dessen Verständnis von den gewählten Kriterien abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Es wird das „Bonbonmodell“ des Lernprozesses von Rolf Sistermann als didaktische Orientierung für die Strukturierung der Unterrichtsstunde genutzt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Vergleich zwischen der biologischen Glücksdefinition aus einem YouTube-Video und dem Gedankenexperiment der Erlebnismaschine von Robert Nozick.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie kognitive Dissonanz, hermeneutische Kompetenz, dialektischer Diskurs und fachdidaktische Methodik.
Warum wird im Unterricht bewusst eine Dissonanz erzeugt?
Die Diskrepanz zwischen der funktionalen biologischen Erklärung und der philosophischen Erlebnismaschine soll eine „Beunruhigung“ erzeugen, die als didaktisches Prinzip für eine vertiefte kritische Auseinandersetzung dient.
Welche Rolle spielt Platons Höhlengleichnis in diesem Entwurf?
Das Höhlengleichnis dient als ergänzender Vergleichsrahmen, um die Problematik der Erlebnismaschine und die Frage nach der Realität von Glück intensiver zu diskutieren.
- Arbeit zitieren
- Lara Bösking (Autor:in), 2019, Künstliches Glück und die Erlebnismaschine als Beispielstunde im Fach Werte und Normen (9. Klasse Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512404