Merkmale und Probleme des Ertragswertverfahrens


Hausarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abkürzungsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Bewertungsanlässe
2.1.1 Dominierte Bewertungsanlässe
2.1.2 Nicht dominierte Bewertungsanlässe
2.3 Beschreibung des Ertragswertverfahrens
2.3.1 Das Ertragswertverfahren bei Immobilien und Grundstücken
2.4 Ermittlung von Ertragsüberschüssen
2.5 Kapitalisierungszinsfuß
2.5.1 Basiszinssatz
2.5.2 Risikozuschlag
2.5.2.1 Bernoulli-Theorie
2.5.2.2 CAPM-Theorie
2.5.3 Ertragsteuerbelastung
2.5.4 Wachstumsabschlag
2.5.5 Der Ertragswert

3 Anwendung
3.2 Berechnung unter Berücksichtigung des CAPM

4 Würdigung des Ertragswertverfahrens
4.1 Vorteile des Ertragswertverfahrens
4.2 Nachteile des Ertragswertverfahrens

5 Fazit
5.2 Zusammenfassung
5.3 Zukunftsprognose

III Literaturverzeichnis

I Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Darstellung der Komponente des Kapitalisierungszinssatzes (Reinfeld, Ehrenburg)

Tabelle 1 Ermittlungsschema der Nettoeinzahlungen (Kappenberg, 2012) S.34

Tabelle 2 Beispiel für eine einwertige Zahlungsreihe (Maltry, 2017, S. 158)

Tabelle 3 Volatilität, Korrelation und Betafaktoren von Dax-Werten (Ballwieser, Aktuelle Aspekte der Unternehmensbewertung, 1995)

Formel 1 Abzinsung Zahlungsreihe (Kuhner, Maltry 2017) S. 159

Formel 2 Abzinsung der ewigen Rente (Kuhner, Maltry 2017) S. 159

Formel 3 Ertragswert unendliche Lebensdauer (Stefan Behringer 2019) S. 119

Formel 4 Risikonutzenfunktion (Kuhner, Maltry 2017) S. 163

Formel 5 Sicherheitsäquivalent (Kuhner, Maltry 2017) S. 164

Formel 6 Risikoneutralität (Kuhner, Maltry 2017) S. 164

Formel 7 Risikofreude (Kuhner, Maltry 2017) S. 164

Formel 8 Risikoaversion (Kuhner, Maltry 2017) S. 164

Formel 9 Ertragswert (Stefan Behringer 2019) S. 120

Formel 10 Risikozuschlag (Stefan Behringer 2019) S. 120

Formel 11 Sicherheitsäquivalent (Stefan Behringer 2019) S. 121

Formel 12 Kapitalisierungszinsfuß anhand CAPM (Ballwieser, Unternehmensbewertung und Komplexitätsreduktion, 3. A , 1990)

Formel 13 Beta Faktor Berechnung (Ballwieser, Aktuelle Aspekte der Unternehmensbewertung, 1995)

1 Einleitung

Die Wirtschaftswissenschaften befassen sich bereits seit mehreren Jahrzehnten mit dem Thema der Unternehmensbewertung. Es wird stetig daran gearbeitet die bestehenden Verfahren weiter zu entwickeln und zu optimieren, um möglichst genaue Unternehmenswerte darstellen zu können. Theoretiker sowie Praktiker treiben durch immer wieder neu auftretende Diskussionen diese Thematik an.[1] Unternehmensbewertungen werden zu unterschiedlichen Zwecken durchgeführt, um den Wert eines Unternehmens darzustellen. Sie werden unter anderem für die Wertermittlung bei Fusionen von Unternehmen, bei Berechnungen von Ausschüttungsbeträgen (z. B. von Minderheitsaktionären für einen Squeeze-out), beim Abschluss von Abführungsverträgen, Erbschaften oder auch legitimer Unternehmenskäufe durchgeführt.[2]

Da nur geringe Fehleinschätzungen von den zu bewertenden Objekten bereits erhebliche Preisunterschiede verursachen können, ist es von höchster Bedeutung, dass der ermittelte Wert fehlerfrei dargestellt wird. Aus der daraus resultierenden Unverzichtbarkeit von tatsachengetreuen Bewertungen von Unternehmen haben sich zahlreiche Verfahren gebildet.[3]

Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V. (IDW) hat aus diesem Anlass bereits 1983 Rahmenbedingungen für die Bewertungen von Unternehmen definiert. Diese wurden in den „Grundsätzen zur Durchführung von Unternehmensbewertungen“ zusammengefasst. Diese Standards auch IDW S1 genannt dienen als Leitfaden für die Bewertung von Unternehmen. Sie werden stetig weiterentwickelt und an die aktuelle Gesetzgebung angepasst.[4] Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit wird sich mit dem Verfahren des Ertragswertes befassen. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen und die Anwendungsgebiete erläutert. Anschließend wird auf die Vor- und Nachteile dieser Theorie eingegangen. Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es zunächst geeignete

Bewertungsanlässe für eine Unternehmensbewertung aufzuführen und anschließend die spezifischen Probleme und Merkmale des Ertragswertverfahrens aufzuführen und eine Prognose für zukünftige Anwendungsgebiete zu geben.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Bewertungsanlässe

Es gibt viele unterschiedliche Anlässe bei denen eine Unternehmensbewertung gewünscht oder auch verlangt wird. Dabei kategorisiert man zunächst ob ein Eigentumswechsel den Zweck der Unternehmensbewertung bestimmt oder nicht.[5] Für die Anlässe, bei denen ein Eigentumswechsel angedacht ist, wird zwischen dominierten und nicht dominierten Bewertungsanlässen unterschieden.[6]

2.1.1 Dominierte Bewertungsanlässe

Die dominierten Bewertungsanlässe zeichnen sich dadurch aus, dass eine alleinige Partei den Eigentumswechsel unabhängig von dem Ausgang der Bewertung durchsetzen kann. Einer dieser Anlässe kann z. B. eine Enteignung sein, die im Grundgesetz verankert ist. Da dieser einen Extremfall darstellt und eher selten vorkommt, wird der Fokus auf Anlässe gesetzt, die eher in der Praxis und der Wirtschaft zu finden sind. Dazu gehören:

- Das Austreten eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft
- Ein erzwungener Austritt eines Gesellschafters
- Eröffnung eines Insolvenzverfahrens
- Das Ableben eines Gesellschafters

Diese Anlässe benötigen nur die Willenserklärung einer Partei und gehören somit zu den dominierten Bewertungsanlässen.[7]

2.1.2 Nicht dominierte Bewertungsanlässe

Die meist vorkommenden Anlässe gehören zu den nicht dominierten Bewertungsanlässen. Hier zählen die Willenserklärungen und Entscheidungen aller Parteien, die an einem Eigentumswechsel beteiligt sind, eine bedeutende Rolle. Sie stellen den Regelfall in der Wirtschaft dar und befassen sich oftmals mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen. Hierbei dient die Unternehmensbewertung als Verhandlungsgrundlage eines möglichen Kaufs eines Unternehmens. Die Bewertung des Unternehmens kann weiterhin dazu eingesetzt werden, falls sich Käufer und Verkäufer über einen Preis nicht einig sind als Preisfindung zu dienen.[8]

2.3 Beschreibung des Ertragswertverfahrens

Das Ertragswertverfahren zählt zu einem der gängigsten Verfahren, welches von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern verwendet wird. Grund hierfür ist, dass die IDW lange Zeit dieses Verfahren zur Erstellung von neutralen Gutachten vorgeschrieben hat.[9]

Dabei gehört die Ertragswertmethode zu einer der „Verfahren, die auf einer Bewertung des gesamten Unternehmens (Gesamtbewertungsverfahren) bzw. einer Bewertung der Eigentumsrechte (des Eigenkapitals) durch Diskontierung künftiger Überschüsse aufbaut.“[10] Es ist vergleichbar mit dem Nettoverfahren. Die Annahmen beider Verfahren gehen davon aus, dass die möglichen Dividenden zu 100 % ausgeschüttet werden. Lediglich werden unterschiedliche Verfahren zur Berechnung des Risikozuschlags verwendet.[11]

Das Verfahren soll potenziellen Investoren einen quantifizierbaren Nutzen darstellen. Dieser wird durch zukünftig prognostizierte Einnahmen dargestellt. Nicht quantifizierbare Faktoren können hierbei nicht berücksichtigt werden, da man Sie nicht in Werte ausdrücken kann.[12]

2.3.1 Das Ertragswertverfahren bei Immobilien und Grundstücken

Für Immobilien bzw. Grundstücke existiert im Steuerrecht kein einheitlicher Bewertungsmaßstab.[13] Dennoch wird das Ertragswertverfahren häufig dazu herangezogen, wenn nicht die Eigennutzung vorliegt, sondern Renditen aus Mietwohngrundstücken, aus Geschäftsgrundstücken oder Wohnungseigentum miteinfließen. Zwingend erforderlich ist dabei die Bestimmbarkeit der Höhe der Miete („typische Renditeobjekte“)[14] Bei dieser Art von Immobilien steht der Ertrag im Mittelpunkt, den der Eigentümer erzielen kann und nicht der eigentliche Marktwert der Immobilie selbst. Selbstgenutzte Wohngrundstücke oder Immobilien sind üblicherweise vom Ertragswertverfahren ausgeschlossen.

Das Ertragswertverfahren ist bei Immobilien recht komplex und wird meist bei kostenpflichtigen Wertgutachten herangezogen um für den Vermieter oder einem potenziellen Investor einen realitätsnahen, zukünftigen Ertrag abzubilden.[15] Außerdem lässt sich damit die Beschaffenheit der Immobilie abbilden.

Beim Ertragswertverfahren wird vorerst der Wert des Grundstücks vom draufstehenden Gebäude getrennt und beide Posten einzeln berechnet.[16] Der Gedanke dabei ist, dass Grundstücke meist keinen Wertverlust aufzuweisen haben. Gebäude dagegen unterliegen einer Wertminderung in Abhängigkeit der Nutzungsdauer. Diese Wertminderung wird auch als Altersabschlag bezeichnet.[17]

2.4 Ermittlung von Ertragsüberschüssen

Wichtig bei der Ermittlung der Überschüsse ist es, nur die Erträge zu betrachten, die ausschließlich den Betriebszweck erfüllen. Somit werden die Erträge um die betriebsfremden, periodenfremden, sowie außerordentliche Aufwendungen und Erträge bereinigt.[18] Das Ergebnis hieraus sind die Nettozuflüsse oder auch der Flow to Equity. Dieser kann folgendermaßen berechnet werden:[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Ermittlungsschema der Nettoeinzahlungen (Kappenberg, 2012) S.34

Der Wert eines Unternehmens wird anhand der Nettozahlungen die an die Investoren zufließen berechnet.[20] Für die zukünftigen Zuflüsse an die Investoren wird anhand der Vergangenheitswerte eine Prognose aufgestellt. Da die zukünftige Wirtschaftslage nur schwer zu analysieren ist und es zahlreiche Parameter zur Schätzung gibt, sind die zu prognostizierenden Zuflüsse risikoreich und mit Unsicherheit behaftet. Um dieses Risiko mit zu berücksichtigen, wird ein Risikozuschlag mit im Kapitalisierungszinsfuß erfasst. Durch die verschiedenen Möglichkeiten der Schätzung von Berechnungsparametern, hat derjenige der das Unternehmen bewertet einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Hilfreich ist es, hier die Risikozuschlagsmethode als Hilfe heranzuziehen.[21]

2.5 Kapitalisierungszinsfuß

Damit der Ertragswert korrekt berechnet werden kann, werden außer der erwarteten Gewinne auch der Kapitalisierungszinssatz (auch Kapitalisierungszinsfuß genannt) herangezogen. Mit ihm möchte man künftige Unternehmensgewinne auf einen gemeinsamen Bezugszeitpunkt, dem Bewertungsstichtag abzinsen.[22]

Der Kapitalisierungszinsfuß hat bei der Berechnung des Ertragswertes einen großen Einfluss auf das Ergebnis. Er setzt sich aus einem Basiszinssatz (der mit einer alternativen risikolosen Verzinsung in Form einer Staatsanleihe vergleichbar ist) und einem Risikozuschlag, welcher sich auf eine mögliche Verzinsung an der Börse mit Aktiengeschäften bezieht. Er dient zur Veranschaulichung möglicher Renditen, die eine alternative Kapitalanlage erwirtschaften würde.[23] Je nach Anwendung wäre es möglich, noch eine Ertragsteuer sowie einen Wachstumsabschlag zu berücksichtigen. Der Kapitalisierungszinsfuß setzt sich somit ausfolgenden Komponenten zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Darstellung der Komponente des Kapitalisierungszinssatzes (eigene Darstellung)

2.5.1 Basiszinssatz

Der Basiszinssatz stellt eine alternative risikolose Verzinsung einer Kapitalanlage dar. Da es schwierig ist in einem volatilen Markt eine risikolose Kapitalanlage zu finden, kann beispielsweise der Zinssatz einer Staatsanleihe genutzt werden. Durch die Unabhängigkeit von der Wirtschaftslage und etwaigen Börsenkursen dient Sie zuverlässig als Bewertungsparameter.[24]

Um den Begriff des Basiszinssatzes und die Auswirkung auf den Erwartungswert näher zu beleuchten, wird folgender Ausschüttungsplan für einen Investor unterstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Beispiel für eine einwertige Zahlungsreihe (Maltry, 2017, S. 158)

In der Zahlungsreihe werden 2 unterschiedliche Planungszeiträume aufgeführt. Der 1. Zeitraum stellt variable Ausschüttungen für einen Zeitraum von 5 Jahren dar. Für den 2. Zeitraum wird eine konstante Ausschüttung in ferner Zukunft erfasst. Hierbei wird das Fortbestehen des Unternehmens in Form einer ewigen Rente unterstellt. Folgende Rechnungen müssen durchgeführt werden, um den Basiszinssatz in den Ausschüttungen zu berücksichtigen.

[...]


[1] Vgl. (Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 1)

[2] Vgl. (Schacht/Fackler, 2009, S. 5)

[3] Vgl. (Ballwieser, 2011, S. 1f)

[4] Vgl. (Schultze, 2003, S. 449)

[5] (Behringer, 2012, S. 62)

[6] (Behringer, 2012, S. 63)

[7] (Behringer, 2012, S. 63)

[8] Vgl. (Behringer, 2012, S. 66)

[9] Vgl. (Ernst/Schneider/Thielen, 2012, S. 10)

[10] (Drukarczyk, 2007, S. 103)

[11] Vgl. (Boue/Kehlbeck, 2012, S. 126)

[12] Vgl. (Peemöller/Kunowski, 2012, S. 272)

[13] Vgl. (Lindauer, (2009) , S. 23)

[14] Vgl.(Analyse, 2009, S. 205)

[15] Vgl. (Müller, 2009, S. 272)

[16] Vgl.(Lindauer, (2009) , S. 282)

[17] Vgl.(Lindauer, (2009) , S. 29)

[18] Vgl. (Hommel & Dehmel, 2013, S. 138 & 141)

[19] (Kappenberg, 2012, S. 33)

[20] Vgl. (Kappenberg, 2012, S. 33)

[21] Vgl. (Kappenberg, 2012, S. 34)

[22] Vgl. (Peemöller/Kunowski, 2012, S. 268)

[23] Vgl. (IDW) Tz. 4

[24] (Fackler, 2009, S. 188)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Merkmale und Probleme des Ertragswertverfahrens
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Veranstaltung
Controlling
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V512424
ISBN (eBook)
9783346091055
ISBN (Buch)
9783346091062
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ertragswertverfahren, Unternehmensbewertung, DCF, CAPM, Kapitalwertmethode, Nettoverfahren, Bruttoverfahren
Arbeit zitieren
Manuel Reinfeld (Autor), 2019, Merkmale und Probleme des Ertragswertverfahrens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512424

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Merkmale und Probleme des Ertragswertverfahrens



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden