Auch heute noch haben Mädchen und Jungen nicht dieselben beruflichen Chancen. In der Gesellschaft tradierte Geschlechterrollen bestimmen oft über ihre individuellen Zukunftschancen. Auch der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Jungen in der Schule hat daran nichts geändert.
Schon in der Grundschule spielt die Geschlechtszugehörigkeit eine wesentliche Rolle, indem sie die Entwicklung von Grundschulkindern beeinflusst. Hanna Burger betont, dass es deshalb umso wichtiger ist, allen Kindern dieselben Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. In ihrer Publikation zeigt sie, wie Lehrerinnen und Lehrer die Grundschule genderbewusster machen.
Dazu beschreibt sie die Grundschule als Lebens- und Lernort und erklärt, warum eine gendersensible Pädagogik in der Grundschule heute so wichtig ist. Außerdem stellt sie Methoden für den professionellen Umgang mit der Gender-Problematik im Unterricht vor. Hanna Burger gibt hilfreiche Ratschläge für mehr Chancengleichheit, freie Entfaltung jenseits von Geschlechternormen sowie die Verbesserung von Lehr-Lern-Prozessen.
Aus dem Inhalt:
- Gender;
- Stereotypisierung;
- Gender Mainstreaming;
- Pädagogik;
- Erziehungswissenschaft
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Grundschule als Lebens- und Lernort
3 Theoretische Einführung
3.1 Begriffsdefinition von Gender
3.2 Status quo der Geschlechterforschung
3.3 Gender-Stereotypisierung
3.4 Doing Gender
3.5 Gender Mainstreaming
3.6 Gendersensibler Unterricht
4 Geschlechterunterschiede in der Grundschule
4.1 Historische Perspektive
4.2 Studienergebnisse
4.3 Erklärungsansätze der Befunde
4.4 Relevanz der Thematik für die Grundschule
5 Umsetzung einer gendersensiblen Pädagogik im Unterricht der Grundschule – eine Übersicht über ausgewählte Handlungsfelder und Aspekte
5.1 Toleranz der Vielfalt
5.1.1 Medienauswahl
5.1.2 Sprachsensibilität
5.1.3 Didaktisch-methodische Vielfalt
5.1.4 Lernsetting und Lernumgebung
5.2 Professionalität der Lehrkräfte im Umgang mit der Gender-Problematik
5.2.1 Offenheit
5.2.2 Selbstreflexion
5.2.3 Differenzfähigkeit
6 Fazit
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Umsetzung einer gendersensiblen Pädagogik in der Grundschule, um Chancengleichheit für alle Kinder unabhängig von tradierten Geschlechterrollen zu fördern. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten und Strategien aufzuzeigen, wie Grundschulen als Entwicklungsaufgabe des 21. Jahrhunderts gestaltet werden können, um eine freie Entfaltung fernab von Geschlechternormen zu ermöglichen.
- Theoretische Fundierung von Genderbegriffen und Geschlechterforschung.
- Analyse von Geschlechterunterschieden in der Grundschule anhand aktueller Studienergebnisse.
- Untersuchung von Handlungsfeldern wie Medienauswahl und Sprachsensibilität.
- Diskussion der Professionalität von Lehrkräften im Umgang mit der Gender-Problematik.
Auszug aus dem Buch
3.6 Gendersensibler Unterricht
Gendersensibel bedeutet im Rahmen dieser Arbeit weniger „sensibel für genderbezogene Bedürfnisse“ (Glockentöger/Adelt, 2017, 18), sondern eher „sensibel gegen unnötig erzeugte genderbezogene Festlegungen“ (ebd.). Demnach kann Gendersensibilität als „Beachtung stereotyper Rollenerwartungen zur Vermeidung von Benachteiligung“ (ebd., 113) beschrieben werden.
Leitziel des gendersensiblen Unterrichts stellt der Verzicht auf Gender als Konstrukt dar, damit den Individuen Entfaltungsmöglichkeiten ohne einschränkende und normierende Vorgaben eröffnet werden können. Im Fokus steht das Erreichen von Geschlechtergerechtigkeit verknüpft mit der Chance einer individuellen Entfaltung fernab von geschlechtsspezifischen Reduzierungen (vgl. Glagow-Schicha, 2005, 228). Eine gendersensible Didaktik „benötigt […] eine Haltung, die tradierte patriarchale Wahrnehmungsmuster, Werthaltungen und Vorgehensweisen in Frage stellt und in Folge vorherrschende Geschlechterrollen verändern will“ (ebd., 230). Dies schließt folglich auch Gender-Stereotypisierungen mit ein, die abgebaut werden müssen, um den Weg zu einem geschlechtersensiblen Unterricht, der für Chancengleichheit steht, zu ebnen (vgl. Stadler-Altmann, 2013, 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht die Notwendigkeit von Gendersensibilität in der Grundschule, um individuelle Zukunfts chancen unabhängig von tradierten Rollenbildern zu ermöglichen.
2 Die Grundschule als Lebens- und Lernort: Dieses Kapitel beschreibt die Grundschule als zentralen Sozialisationsort und thematisiert die Herausforderungen durch das vorherrschende Bild von Lehrpersonen als primär weiblich.
3 Theoretische Einführung: Hier werden zentrale Begriffe wie Gender, Gender-Stereotypisierung, Doing Gender und Gender Mainstreaming erläutert, um ein fundiertes theoretisches Fundament zu schaffen.
4 Geschlechterunterschiede in der Grundschule: Das Kapitel analysiert historische Aspekte sowie aktuelle Studienergebnisse zu Leistungsunterschieden und Sozialverhalten und beleuchtet deren Ursachen.
5 Umsetzung einer gendersensiblen Pädagogik im Unterricht der Grundschule – eine Übersicht über ausgewählte Handlungsfelder und Aspekte: Dieses Hauptkapitel bietet praktische Handlungsanweisungen für Lehrkräfte in Bereichen wie Medienwahl, Sprache, Methodik und Raumgestaltung sowie zur professionellen Selbstreflexion.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine gendersensible Lehre unabdingbar ist und Lehrkräfte durch ihre professionelle Haltung maßgeblich zur Förderung individueller Potenziale beitragen.
7 Ausblick: Der Ausblick betont die Notwendigkeit, Genderkompetenz nachhaltig in der Lehramtsausbildung zu verankern und Eltern stärker in den Prozess einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Gendersensibilität, Grundschule, Chancengleichheit, Geschlechterrollen, Doing Gender, Gender Mainstreaming, Geschlechterforschung, Pädagogik, Lehrkräfte, Selbstreflexion, Diversität, Stereotype, Unterrichtsentwicklung, Sozialisation, Geschlechtergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit einer gendersensiblen Pädagogik an Grundschulen, um Kindern eine entfaltungsorientierte Bildung ohne geschlechtsbezogene Einschränkungen zu bieten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs, der aktuelle Forschungsstand zu Geschlechterunterschieden in der Primarstufe sowie konkrete Strategien zur Umsetzung im Unterricht.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, Methoden und Strategien zu identifizieren, mit denen Lehrkräfte im Grundschulalltag Gender-Stereotype abbauen und Chancengleichheit nachhaltig fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Dokumentenanalyse aktueller wissenschaftlicher Quellen, Studien und der Leitlinien der Kultusministerkonferenz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben der historischen Perspektive und empirischen Studien vor allem Handlungsfelder für Lehrkräfte wie Medienauswahl, Sprachsensibilität, methodische Vielfalt und professionelle Selbstreflexion erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gendersensibilität, Chancengleichheit, Doing Gender, Geschlechterstereotypisierung und Professionalität der Lehrkräfte.
Warum ist das "Doing Gender"-Konzept für die Grundschule so bedeutend?
Es verdeutlicht, dass Geschlechterrollen aktiv im sozialen Alltag hergestellt werden und Kinder durch Interaktionen mit Erwachsenen oder Materialien stark beeinflusst werden, weshalb eine bewusste Gestaltung dieser Prozesse essenziell ist.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion der Lehrkräfte?
Die Selbstreflexion ist entscheidend, da Lehrkräfte ihre oft unbewussten stereotypen Vorstellungen hinterfragen müssen, um nicht ungewollt Rollenbilder durch ihr Handeln oder ihre Sprachwahl zu verfestigen.
- Citation du texte
- Hanna Burger (Auteur), 2020, Gendersensibler Unterricht in der Grundschule. Mehr Chancengleichheit jenseits von Geschlechterrollen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512427