Vergleich von öffentlichen monetären Förderprogrammen für die Gründung eines Sporthotels in Brandenburg


Bachelorarbeit, 2015

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Projekt Wassersporthotel
2.1. Standort
2.2. Hotelkonzept und Finanzierungsbedarf im Detail
2.3. Besonderheiten der Finanzierung

3. Forderung durch die Europaische Union
3.1. Akteure der Forderung durch die Europaische Union
3.2. Allgemeine Forderung durch die Europaischen Struktur- und Investitionsfonds
3.3. Grundungsforderung

4. Forderung durch Institutionen auf Bundesebene
4.1. Akteure der Forderung auf Bundesebene
4.2. Forderprogramme auf Bundesebene

5. Forderung durch Institutionen auf Landesebene
5.1. Akteure der Forderung auf Landesebene
5.2. Forderprogramme auf Landesebene

6. Beurteilung der Forderprogramme

7. Fazit

8. Anhang

9. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Geographische Lage des Grabendorfer Sees

Abbildung 2: Masterplan der IBA Furst-Puckler-Land, Vetschau / Spreewald

Abbildung 3: Baugrundstuck der Freizeitanlage Grabendorfer Strand Altdobern

Abbildung 4: Auszug aus dem Bebauungsplan Freizeitanlage Grabendorfer Strand

Abbildung 5: Lage der drei geplanten Freizeitanlagen am Grabendorfer See

Abbildung 6: Forderwege der EU-Forderprogramme

Abbildung 7: Einteilung in Bonitatsklassen beim risikogerechten Zinssystem

Abbildung 8: Einteilung in Besicherungsklassen beim risikogerechten Zinssystem

Abbildung 9: Ausschnitt aus der Konditionenubersicht fur Endkreditnehmer

Abbildung 10: Konditionenubersicht fur Endkreditnehmer des ERP-Kapital fur Grundung

Abbildung 11: Funktionsweise des ERP-Beteiligungsprogramms

Abbildung 12: Wasserwanderplatze des Landes Brandenburg

Abbildung 13: Auszug aus der Radwegkarte Brandenburg

Abbildung 14: Bebauungsplan Nr. 01/2007 Ferien, Wassersport und schwimmende Hauser

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zulassige Fremdbeherbergung gemaB Bebauungsplan Nr. 01/2007

Tabelle 2: Investitionskosten und BGF pro Zimmer

Tabelle 3: Erstellungskosten einer Hotelimmobilie

Tabelle 4: Finanzierungsbedarf des Sporthotels

Tabelle 5: Anforderungen der Finanzierung des Wassersporthotels

Tabelle 6: Einteilung der Regionen im Rahmen der ESI-Forderungen

Tabelle 7: Mogliche Forderprogramme fur die Grundung eines Sporthotels in Deutschland

Tabelle 8: Forderprogramme fur die Existenzgrundung in Brandenburg

Tabelle 9: Typisierung der Wasserwanderplatze im Land Brandenburg

Tabelle 10: GRW-G & ERP-Kapital fur Grundung

Tabelle 11: ERP-Kapital fur Grundung & Brandenburg-Kredit Grundung

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit vergleicht einen Ausschnitt der aktuellen, staatlichen, monetaren Forderprogramme fur Existenzgrundungen in Deutschland. Dabei werden solche Forderprogramme identifiziert und besonders berucksichtigt, die fur die Finanzierung eines Sporthotels in Brandenburg in Frage kommen. Zunachst wird das Hotelprojekt vorgestellt, im Anschluss werden die einschlagigen Forderprogramme auf EU-Ebene, auf Bundesebene sowie auf Landesebene vorgestellt. Um die jeweiligen Forderprogramme in den Kontext der komplexen Forderlandschaft einordnen zu konnen, werden die an einzelnen Stellen relevanten Forderinstitute kurz vorgestellt. Zuletzt erfolgt eine Beurteilung der Forderprogramme, die sich im Rahmen der Arbeit fur die Grundungsfinanzierung eines Sporthotels in Brandenburg als passend herauskristallisiert haben.

2. Projekt Wassersporthotel

Das Projekt, fur das mogliche staatliche Forderprogramme identifiziert werden sollen, ist die Grundung eines Wassersporthotels in der Lausitzer Seenlandschaft im Suden Brandenburgs.

2.1 Standort

Die Standortwahl bestimmt okonomisches Umfeld, Wettbewerbssituation sowie Attraktivitat und Erreichbarkeit eines Beherbergungsbetriebs und ist damit einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Hotelneugrundung. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Ubereinstimmung des geplanten Projekts mit den wirtschaftspolitischen strategischen Planen der in Frage kommenden Region (vgl. tmb, o.J. a). Ausschlaggebend bei der Standortwahl waren daher nicht nur die geographische Nahe der Lausitzer Seenlandschaft zur Brandenburgischen Technischen Universitat Cottbus-Senftenberg (BTU), deren Beitrag zur Gestaltung des Sees seine Attraktivitat steigert1, sondern auch die politischen Ziele der Region im Hinblick auf deren strategische Tourismusziele.

Die genaue Standortwahl fiel auf den Grabendorfer See, der durch die Flutung des fruheren Tagebau Grabendorf Calau2 entstand. Der See ist Teil der Lausitzer Seenlandschaft, die heute mehr als 20 kunstliche Seen umfasst. Das Lausitzer Seenland liegt zwischen Dresden und Berlin und erstreckt sich uber Brandenburg und Sachsen. Der Grabendorfer See liegt nordlich der Seenkette (siehe Abbildung 1) und verfugt uber eine gute Verkehrsanbindung. (vgl. Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V., o.J.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geographische Lage des Gräbendorfer Sees (Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V., 2014)

In Zukunft sollen zehn Seen der Landschaft durch schiffbare Kanale verbunden werden. So soll die Lausitzer Seenlandschaft zur groBten, kunstlichen Wasserlandschaft Europas werden. Im Rahmen dieses Vorhabens mochte sich die Region zukunftig immer starker als Aktivurlaubsregion positionieren und wirbt schon heute mit einem vielfaltigen Sportangebot wie Jeep Touren, Tauchen, Baden, Kanu- und Motorboottouren, Stand Up Paddling (SUP) oder Radfahren. Der Grabendorfer See zahlt zu den kleineren Seen der Landschaft, bietet aber mit seinen 450 Hektar Wasserflache genugend Platz zum Segeln oder Tauchen. (vgl. Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V., o.J.)

Plangebiet Grabendorfer See

AngestoBen wurde der Strukturwandel der Niederlausitz von einer Internationalen Bauausstellung (IBA), einem deutschen Instrument der Stadteplanung, mithilfe dessen der landschaftliche Wandel einer Region vorangetrieben werden kann. Im Rahmen der Ausstellung werden beispielsweise dem Wandel entsprechende, okologische, wirtschaftliche oder kulturelle Projekte durchgefuhrt. AuBerdem erhofft man sich, durch die Ausstellung Investoren, Stadtplaner, Architekten und Unternehmen auf die bevorstehende stadtebauliche Entwicklung aufmerksam zu machen. (vgl. IBA, 2015)

Die IBA Furst-Puckler-Land war eine Internationale Bauausstellung in den Jahren 2000 bis 2010 die den, durch den Braunkohleabbau notwendig gewordenen, Strukturwandel der Niederlausitz anstoBen sollte. Im Rahmen der Ausstellung wurden 30 Projekte durchgefuhrt, die die Landschaftssanierung der Region vorangetrieben haben. Innerhalb des IBA-Projekts Schwimmende Hauser Grabendorfer See wurde am Grabendorfer See das erste schwimmende Haus der Region gebaut, das seit 2006 als Tauchschule betrieben wird. (vgl. IBA, 2015). Mit dem Ziel, das Lausitzer Seenland zu einem der groBten Touristenmagneten in ganz Deutschland zu machen, legte die IBA 2008 den Masterplan3 fur das Sondergebiet Feriendorf, Wassersport schwimmende Hauser Vetschau vor. Der Plan sah Wohnhauser am und auf dem Wasser, sowie die starkere Nutzung des Sees fur touristische Zwecke am Nordufer des Grabendorfer Sees vor. Entsprechende Workshops, auch in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universitat, Exkursionen und Ausstellungen sollen die Region fur das Ziel begeistern. (vgl. IBA, 2013)

Auf dem in Abbildung 2 zu sehenden Gebaudestrukturplan des Masterplans markieren die zwei groBten Bauflachen (in rot) Moglichkeiten fur die Erstellung eines Beherbergungsbetriebs. Die Stellen liegen im Sondergebiet SO7, das vorwiegend fur Fremdenverkehr und Fremdenbeherbergung genutzt werden soll (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2009 b).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Masterplan der IBA Furst-Puckler-Land, Vetschau / Spreewald (IBA, 2009)

Die Sondergebiete SO7-BF1/BF2/B3, auf denen laut Bebauungsplan der Bau eines Hotels moglich ist, sind auBerdem im Anhang in Abbildung 14 im Kontext der gesamten Planzeichnung des Gebiets dargestellt. Am Grabendorfer See gibt es neben dem Standort Vetschau mittlerweile zwei weitere Standorte, an denen Touristikzentren angesiedelt werden sollen: das Sudwestufer in der Gemeinde Altdoebern sowie das Sudufer im Ortsteil Casel. Alle drei Standorte werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Vetschau

Der Masterplan war die Grundlage des Vorentwurfs des Bebauungsplanes Nr. 01/2007 Ferien, Wassersport und schwimmende Hauser am Grabendorfer See, den die Stadt Vetschau 2009 erstellte, um die weitere Entwicklung der Seenlandschaft zu regeln (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, o.J.). Der Vorentwurf des Bebauungsplans, der die Ziele und Konzepte der Region fur den Ortsteil Laasow am Grabendorfer See darstellte, wurde 2012 in uberarbeiteter Version genehmigt. Planungsziel im Rahmen des aktuellen Bebauungsplans ist die Entwicklung eines Standortes fur Beherbergung, Erholung und Tourismus innerhalb des Lausitzer Seenlands. Um dieses Ziel zu erreichen, plant die Stadt Vetschau die Errichtung von schwimmenden Hausern sowie ein Ferienhausgebiet mit weiteren Beherbergungsanlagen. Daruber hinaus sollen Anlagen fur Wassersport, Sport-, Spiel- und Freizeitangebote errichtet und die Entwicklung eines Tauchsportzentrums vorangetrieben werden. Auch die Bereitstellung der Rahmenbedingungen fur den Tourismusbetrieb, wie die Errichtung von Ver- und Entsorgungsanlagen sowie offentliche Badestellen sind Bestandteil des Bebauungsplans, der sich auf einen Gesamtgeltungsbereich von knapp 174.000 m[2] (17,3 ha) bezieht. Dabei soll stets gewahrleistet werden, dass notige MaBnahmen zu Erhalt, Schutz und Entwicklung von Landschaft und Natur getatigt werden. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Altdoebern

Das Ostufer des Sees ist Vogelschutzgebiet, das Sudwestufer wird von der Gemeinde Altdobern begrenzt. Die Gemeinde plant den Verkauf unbebauter Grundstucke im Bebauungsplangebiet Freizeitanlage Grabendorfer Strand an Investoren, die das Grundstuck einer touristischen Nutzung unterziehen mochten. Bereits 2014 hat die Gemeinde das Plangebiet vollstandig erschlossen und sowohl einen Parkplatz, als auch offentliche Toiletten und einen Bootssteg angelegt. Abbildung 3 zeigt das zum Verkauf stehende Plangebiet am sudlichen Ufer des Grabendorfer Sees. (vgl. Amt Altdobern, 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Baugrundstuck der Freizeitanlage Grabendorfer Strand Altdobern (Amt Altdobern, 2014)

Im vorliegenden Bebauungsplan werden die zu verauBernden Grundstucke als Sondergebiete Camping/Caravan/Sport/Freizeit (SO 1), Gastronomie/ Wassersport/ Freizeit (SO 5) sowie als Wassersport/Freizeit (SO 4) ausgewiesen (siehe Abbildung 4) (vgl. Amt Altdobern, 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Auszug aus dem Bebauungsplan Freizeitanlage Grabendorfer Strand (Amt Altdobern, 2014)

Ein Sondergebiet fur den Bau von Beherbergungsbetrieben existiert zwar nicht. Die geplante Errichtung einer Freizeit- und Tourismusanlage mit offentlichem Badestrand und entsprechender Infrastruktur auf einer Gesamtflache von ca. 47.000 m[2] (4,73 ha), sowie die Forderung des touristischen Angebots von Bootsverleih, Gastronomie, Wellness und Camping steigern jedoch die generelle Attraktivitat des Sees. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Casel

Neben den Ferienanlagen in Vetschau und Altdobern ist eine dritte Ferienanlage am Grabendorfer See geplant. Diese befindet sich am sudlichen Ufer des Sees, das durch den Ortsteil Casel der Stadt Drebkau begrenzt wird. Fur den Standort Casel existiert ebenfalls ein Bebauungsplan, der Beherbergung, Freizeit und Tourismus auf 237.000 m[2] (23,74 ha) vorsieht. Auch hier sollen Campingplatz, Freizeitanlagen, Wassersportzentrum, Steganlage, Badestrand und evtl. eine Feriensiedlung entstehen. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Der Schwerpunkt der touristischen Nutzung am Grabendorfer See wird allerdings im Bereich Laasow liegen. Dies entspricht den seit 1994 entwickelten Konzepten der Stadte und begrundet sich unter anderem auch in der Lage bzw. Nahe der Standorte Casel und Altdobern zu den Schutzgebieten am See. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Abbildung 5 zeigt die Lage der drei geplanten Freizeitanlagen. Im Vordergrund links Casel, in der Mitte Altdobern und im Hintergrund rechts Vetschau. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Lage der drei geplanten Freizeitanlagen am Grabendorfer See (Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Fur die Grundung eines Wassersporthotels ist der Grabendorfer See in Brandenburg ein einzigartiger Standort, denn der Neuaufbau eines Zentrums fur Wassersport und Tourismus an dem See ist nicht nur von allen drei angrenzenden Stadten gewunscht und gefordert, sondern durch die konzentrierten Sporteinrichtungen wie der Tauschule oder dem dort anliegenden Angel- und Segelsportverein begunstigt. Ein weiterer Vorteil des Standortes Grabendorfer Sees, im Vergleich zu anderen moglichen deutschen Standorten, ist der relativ gunstige Grundstuckspreis der Gegend und die gleichzeitig zentrale Lage im Hinblick auf die Metropol-Regionen Berlin und Dresden. Ein Risiko des Vorhabens ist die Unsicherheit uber die Entwicklung der Region und die damit einhergehende tatsachliche Anzahl an Touristen. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

2.2 Hotelkonzept und Finanzierungsbedarf im Detail

Der Grabendorfer See ist mit keinem der Bergbaufolgeseen vernetzt und im Gegensatz zu den ubrigen Seen der Lausitzer Seenlandschaft ein sehr ruhiger, wenig frequentierter See. Das Befahren des Sees mit motorbetriebenen Fahrzeugen ist verboten. Der See gilt als Standort fur zuruckhaltende, naturnahe Nutzung fernab des „Party-Tourismus“. Der Schwerpunkt des Standorts liegt auf der ruhigen Wassernutzung, wie Tauchen oder SUP und soll den Gasten Sportangebote und gleichzeitig Ruhe und Erholung bieten. Dennoch besteht fur die Gaste die Moglichkeit, Ausfluge an die umliegenden Seen zu machen und dort Jet Ski, Motorboot oder Wasserski zu fahren. (vgl. IBA, o.J.)

Tabelle 1 listet die entsprechenden Moglichkeiten fur den Beherbergungsbetrieb am Nordufer des Sees im Rahmen des Bebauungsplans Nr. 01/2007 Ferien, Wassersport und schwimmende Hauser der Stadt Vetschau auf. (vgl. Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Tabelle 1: Zulassige Fremdbeherbergung gemafi Bebauungsplan Nr. 01/2007 (in Anlehnung an Stadtverwaltung Vetschau, 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die maximale Anzahl an zulassigen Hotelzimmern am Nordufer betragt 40. Um eine grobe untere Schwelle fur die Hohe des Investitionsvorhabens zu erhalten und anhand des so ermittelten Finanzierungsbedarfs die Auswahl und den Vergleich von Forderprogrammen durchzufuhren, wird fur das betrachtete Sporthotel eine Zimmeranzahl von zehn und eine Hotelklassifizierung von drei Sternen angenommen.

„In der Praxis werden die Erstellungskosten fur ein Hotel ublicherweise uber die Investitionskosten pro Zimmer verglichen, die in der Regel eng mit der in Frage stehenden Kategorie - aufgrund der damit verbundenen hoheren Ausfuhrungsqualitat - verbunden sind.“ (Bienert, 2005)

Fur die durchschnittlichen Investitionskosten und Bruttogeschaftsflachen pro Zimmer der jeweiligen Sterne-Kategorien liefert Tabelle 2 Richtwerte, die jedoch stark von der Lage und der Ausstattung des Hotels abhangen. Die dargestellten Investitionskosten schlieBen Grundstuck, Baunebenkosten, Kuche, Restaurantflachen und Finanzierung der BaumaBnahmen mit ein (vgl. Bienert, 2005). Wird zusatzlich gemaB Frehse (2007, S. 45) fur die Baukosten ein Anteil von 65 % an den Gesamtkosten pro Zimmer angenommen (siehe auch Tabelle 3), so erhalt man im 3-Sterne-Bereich bei Gesamtinvestitionskosten von 80.000 Euro pro Zimmer mindestens Baukosten von 52.000 Euro pro Zimmer.

Tabelle 2: Investitionskosten und BGF pro Zimmer (in Anlehnung an Bienert, 2005)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch eine Plausibilisierung uber einen anderen Weg fuhrt zu ahnlichen Ergebnissen. Die durchschnittlichen Baukosten zum Zeitpunkt der Genehmigung in den Jahren 1962 bis 2013 fur die Errichtung neuer Nichtwohngebaude im Bereich Hotels und Gaststatten in den neuen Bundeslandern werden vom Statistischen Bundesamt mit 1.313 Euro pro m[2] angegeben (vgl. Statistisches Bundesamt, 2014). Wird fur ein 3-Sterne-Hotel, entsprechend den Daten aus Tabelle 2, eine Bruttogeschaftsflache von 40 m[2] angesetzt, so erhalt man fur das Sporthotel unter Annahme obigen Quadratmeterpreises von 1.313 Euro die durchschnittlichen Baukosten von 52.520 Euro pro Zimmer.

In Tabelle 3 sind zuletzt die Kosten nach Frehse (2007, S. 45) pro Zimmer fur ein Hotel im 3- Sterne-Bereich in verschiedene Kostenkategorien aufgeteilt. Fur ein 3-Sterne-Hotel verursachen Bauwerk und Baunebenkosten demnach 61 bis 74 % der gesamten Investitionskosten, die sich auf 110.000 bis 140.000 Euro belaufen. Die Baukosten belaufen sich also auf 67.100 bis 103.600 Euro pro Zimmer, also einen etwas hoheren Wert als nach den beiden anderen Quellen. Fur die Ausstattung werden 12 bis 14 % veranschlagt, also 13.200 bis 19.600 Euro pro Zimmer. Fur die Grundstuckskosten wird mit 8 bis 10 %, also zwischen 8.800 und 14.000 Euro pro Zimmer gerechnet. (vgl. Frehse, 2007)

Tabelle 3: Erstellungskosten einer Hotelimmobilie (in Anlehnung an Frehse, 2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um einen Mindestinvestitionsbetrag zu identifizieren, werden optimistisch geschatzt fur die Baukosten des Sporthotels 50.000 Euro pro Zimmer angenommen. Fur die Ausstattung und die Grundstuckskosten werden jeweils 10.000 Euro pro Zimmer veranschlagt. Zusatzlich wird unterstellt, dass fur laufende Aufwendungen des Hotelbetriebs initial 50.000 Euro Betriebsmittel finanziert werden mussen. In Tabelle 4 ist der angenommene Finanzierungsbedarf des Sporthotels zusammengefasst.

Tabelle 4: Finanzierungsbedarf des Sporthotels (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine einfache Uberschlagsrechnung der Branche besagt, dass der am Markt durchsetzbare Zimmerpreis pro Nacht bei einer Auslastung von 60 % ungefahr 1/1000 der damit verbundenen Investitionskosten entsprechen soll. (vgl. Bienert, 2005). Bei Gesamtinvestitionskosten von 75.000 Euro pro Zimmer entsprechen das 75 Euro pro Nacht. Um zu entscheiden, ob dieser Wert dauerhaft durch die Nachfrage realisiert werden kann und auch um genauere Zahlen zu erhalten, ist ein Finanzplan im Rahmen eines Businessplans sowie eine Standort- und Marktanalyse unerlasslich, auf die in dieser Arbeit aber nicht weiter eingegangen werden soll. Aufgrund von Nebenbedingungen der Forderprogramme ist obige Analyse des Finanzierungsbedarfs von seiner Gesamthohe und der Kostenkategorie allerdings ein integraler Bestandteil fur die Auswahl und den Vergleich der Forderprogramme.

2.3 Besonderheiten der Finanzierung

Die Finanzierung eines Beherbergungsbetriebs weist einige Besonderheiten auf, die bei der Planung des Vorhabens berucksichtigt werden mussen. Fur die Finanzierung bedeutet eine Hotelgrundung nicht nur einen hohen Kapitalbedarf, sondern auch eine hohe Anlagenintensitat. Der Kapitalumschlag4 ist bei einem Beherbergungsbetrieb vergleichsmaBig gering. Die Unternehmung ist standortbezogen und demnach auch stark von den Standortbedingungen abhangig. Nach der Finanzkrise ab 2007 fand durch die Abkehr vom Substanzwert hin zur Orientierung am Ertragswert auBerdem ein Paradigmenwechsel bei der Kreditvergabe statt. (vgl. tmb, o.J. b)

Fur die Art der Finanzierung bedeuten der hohe Finanzierungsbetrag sowie der geringe Kapitalumschlag die Notwendigkeit einer vergleichsweise langen Laufzeit. Fur den Fall, dass das Hotel die erwartete Profitabilitat ubertrifft, ist aber gleichzeitig ein umfassendes Sondertilgungsrecht von Vorteil. Der Bau der Immobilie verlangert die Anlaufzeit der Gewinnerzielung, sodass keine sofortige Tilgung moglich ist. Zudem besteht die Gefahr, bei Bauverzogerungen die Sommersaison zu verpassen und unerwartet erst im folgenden Jahr Einkunfte zu erzielen. Bei der Finanzierungsentscheidung sollte daher eine tilgungsfreie Anlaufzeit bei der Aufnahme von Fremdkapital gefordert werden. Idealerweise berucksichtigen die Kapitalgeber die Immobilie bzw. das Grundstuck als Sicherheit und ermoglichen so einen niedrigeren Zins.

Da die Finanzierung des Grundstucks und der Immobilie vor der Finanzierung der Betriebsmittel stattfindet und der Abrufzeitraum vieler Kredite auf einige Monate beschrankt ist, kann, je nach Hohe der Bereitstellungsgebuhren, eine Aufnahme je einzelner Kredite fur Grunderwerb, (Bau-)Investitionen und Betriebsmittel notwendig werden. Dies konnte sich in der Aufnahme eines langlaufenden Investitionskredits fur die Immobilie, mit der dieser auch besichert wird und die fur einen gunstigen Zins sorgt, sowie der Aufnahme eines mittelfristigen Kredits fur Betriebsmittel und Hoteleinrichtung ausdrucken. Die mittelfristigen Kredite mussten, wenn notig, anderweitig, beispielsweise durch eine Burgschaft, besichert werden. Tabelle 5 fasst die Anforderungen der Finanzierung fur das Wassersporthotel am Grabendorfer See zusammen. Die Daten dienen lediglich als Annahmen und Orientierung fur die folgende Betrachtung moglicher Forderprogramme.

Tabelle 5: Anforderungen der Finanzierung des Wassersporthotels (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den folgenden drei Kapiteln wird eine Auswahl an moglichen Forderprogrammen auf internationaler, nationaler und Landesebene vorgestellt und diese dann in Kapitel 0 auf die gestellten Anforderungen beurteilt.

3. Forderung durch die Europaische Union

3.1 Akteure der Forderung durch die Europaische Union

Die Europaische Union (EU) vergroBert standig ihre Kompetenzen und bezieht im Rahmen des Subsidiaritatsprinzips die regionalen Gebietskorperschaften immer starker in die Ausfuhrung der Gesetzesregelungen mit ein. In Deutschland sind dies meist inlandische Bundes- und Landesinstitutionen, die im Auftrag der Europaischen Union auf nationaler Ebene tatig werden. Um die Forderprogramme auf Landesebene einordnen zu konnen, ist es daher wichtig, den Ursprung vieler Forderungen auf EU-Ebene zu verstehen. (Steinbach, 2013). Die EU fordert keine Projekte, die lediglich regionale oder nationale Bedeutung haben, sondern nur solche Vorhaben, die vorteilhaft fur die Europaische Union als Ganzes sind. Fur die Forderprogramme der EU existieren keine einheitlichen Antragsverfahren, da ein GroBteil der Mittel uber nationale und lokale Vermittler wie Landesforderinstitute oder Burgschaftsbanken weitergereicht werden. In einigen Fallen lauft die Forderung auch direkt uber die Europaische Kommission bzw. Teile davon. (vgl. BMWi, o.J. a)

Zwei wichtige Forderinstitute auf Ebene der Europaischen Union sind die Europaische Investitionsbank (EIB) und der Europaische Investitionsfonds (EIF). Die Europaische Investitionsbank wurde 1958 gegrundet, hat ihren Sitz in Luxemburg und ist im Besitz der EU-Mitgliedsstaaten, die das entsprechende Eigenkapital (EK) zur Verfugung stellen. Jeder Mitgliedstaat, sowie die Europaische Kommission ist mit einem Direktor im Verwaltungsrat der EIB vertreten. Der Verwaltungsrat fasst zusammen mit dem Rat der Gouverneure, bestehend aus den Finanzministern der Mitgliedsstaaten, und dem Direktorium die Beschlusse der Bank. Als Finanzierungsbank der Europaischen Union vergibt die EIB Finanzmittel fur die Finanzierung von Projekten, mit denen die Ziele der EU verwirklicht werden. Bestandteil dieser Ziele sind die Unterstutzung von MaBnahmen gegen den Klimawandel, die Forderung der EU-Politik auBerhalb der Mitgliedsstaaten sowie die Forderung von Wachstum und Beschaftigung. Die EIB arbeitet zwar mit anderen Institutionen der EU, wie beispielsweise der Europaischen Kommission, dem Europaischen Rat und dem Europaischen Parlament zusammen, ist aber eine unabhangige Einrichtung, die ihr Fremdkapital nicht etwa aus dem EU-Haushalt sondern primar von privaten Investoren uber Anleihen auf den Kapitalmarkten bezieht. Zu 90 % vergibt die EIB ihre Mittel als Darlehen, unterstutzt aber auch beratend oder im Rahmen von Mischfinanzierungen. 90 % der Darlehensvergabe erfolgt innerhalb der Europaischen Union. Die Finanzierung erfolgt bei Darlehensbetragen uber 25 Millionen Euro direkt uber die EIB, wahrend sie bei kleineren Darlehen uber Kreditlinien lauft, die den nationalen und regionalen Finanzinstitutionen von der EIB zur Verfugung gestellt und dann an die Kreditgeber weitergereicht werden. (vgl. EU, o.J. a). Die EIB arbeitet, bis auf die fehlende Gewinnerzielungsabsicht, nach den gleichen Prinzipien wie die privaten Banken. Im Juni 2000 wurde sie mit dem Europaischen Investitionsfonds zur EIB-Gruppe zusammengeschlossen. (vgl. Europaisches Parlament, o.J.)

Der Europaische Investitionsfonds wurde 1994 gegrundet und ist zum groBten Teil in Besitz der EIB. Weitere Anteilseigner sind die Europaische Kommission sowie Finanzinstitute aus ganz Europa. Die Aktivitaten des EIF beschranken sich auf die EU-Mitgliedsstaaten, Lichtenstein, Norwegen sowie die Kandidatenlander. Ziel des EIF ist die Unterstutzung von vor allem neugegrundeten und innovativen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch die Bereitstellung von Risikokapital, Burgschaften und Mikrofinanzierungen. Die Antrage auf Forderung erfolgen uber EIF-Intermediare in den jeweiligen Mitgliedsstaaten. (vgl. EU, o.J. a)

3.2 Allgemeine Forderung durch die Europaischen Struktur- und Investitionsfonds

Die Europaischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI) sollen den Abbau der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit zwischen den einzelnen Regionen der Europaischen Union fordern und stellen nach der Agrarhilfe fur die europaische Landwirtschaft den zweitgroBten Haushaltsposten der EU dar (vgl. BMWi, o.J. b). Wer innerhalb der aktuellen Forderperiode (2014 - 2020) bevorzugt eine Forderung aus den ESI erhalt, lasst sich aus der Europa 2020- Strategie ableiten. Die auf zehn Jahre angelegte Wachstums- und Beschaftigungsstrategie der Europaischen Union aus dem Jahr 2010 hat die funf Kernziele Beschaftigung, Forschung und Entwicklung, Klimawandel und nachhaltige Energiewirtschaft, Bildung und die Bekampfung von Armut und sozialer Ausgrenzung zum Gegenstand. (vgl. EC, 2014)

Die Inhalte und Ziele der ESI sind in vier Verordnungen festgehalten, die nach Art. 288 Abs. 2 AEUV fur jeden Mitgliedsstaat der EU verbindlich sind. Die genaue Umsetzung der verschiedenen Programme des ESI bleibt jedoch den Landern selbst uberlassen (vgl. Steinbach, 2013). Die Mittel des ESI werden in Form von Zuschussen gewahrt. Die ESI setzen sich aus den folgenden funf Einzelfonds zusammen (vgl. BMWi, o.J. c):

1. Europaischer Fonds fur regionale Entwicklung (EFRE)

Der EFRE fordert Unternehmen, offentliche Einrichtungen, Kommunen, oder Verbande in den Bereichen Infrastruktur, Regionalforderung und Unternehmensfinanzierung. Forderschwerpunkte sind unter anderen die Starkung der Wettbewerbsfahigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen, Forschung und Entwicklung sowie Innovation. Die Forderprogramme werden von den Bundeslandern mit der EU-Kommission abgestimmt und dann regional eigenverantwortlich verwaltet. (vgl. BMWi, o.J. d)

2. Europaischer Sozialfonds (ESF)

Ziel des ESF ist die Verbesserung von Beschaftigungs- und Bildungschancen in der EU. Mittel aus dem ESF konnen nur von Bildungstragern fur die Bereiche Arbeit, Aus- und Weiterbildung beantragt werden. Diese bewerben sich entweder auf einen Projektaufruf oder stellen einen Antrag in einem Forderprogramm. Privatpersonen profitieren von der ESF- Forderung, indem sie an Projekten teilnehmen, die von dem ESF gefordert werden. Privatpersonen konnen direkt also keinen Forderantrag stellen. (vgl. BMWi, o.J. e). Art und Hohe der Forderung hangen von den Regionen ab, die im Rahmen der EU-Forderprogramme entsprechend Tabelle 6 in die drei Klassen weniger entwickelte Region, Ubergangsregion und hoher entwickelte Region eingeteilt werden. Das Bundesland Brandenburg gehort zu den Ubergangsregionen. (vgl. beck, 2015)

Tabelle 6: Einteilung der Regionen im Rahmen der ESI-Forderungen (in Anlehnung an BMWi, o.J. f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Das Institut für Schwimmende Bauten der BTU organisiert beispielsweise Tagungen im Bereich schwimmende Architektur, die darauf abzielen die Nutzung der Potenziale des Lausitzer Seenlandes zu erweitern (vgl. BTU, 2014).

2 Die Flutung des Tagebaus Gräbendorf begann 1996 und endete 2007 (vgl. LMBV, 1998).

3 Unter dem Masterplan versteht man im Rahmen der Stadtplanung ein kooperativ entwickeltes Handlungskonzept für die Erreichung einer bestimmten Raumentwicklung ohne verbindliche Wirkung (vgl. Vallée, 2012, S. 81).

4 Der Kapitalumschlag ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die die Umsatzerlöse ins Verhältnis zum durchschnittlich gebundenen Kapital setzt (vgl. Preißler, 2008).

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Vergleich von öffentlichen monetären Förderprogrammen für die Gründung eines Sporthotels in Brandenburg
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
9
Katalognummer
V512428
ISBN (eBook)
9783346095749
ISBN (Buch)
9783346095756
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, förderprogrammen, gründung, sporthotels, brandenburg
Arbeit zitieren
Sibylle Weiss (Autor), 2015, Vergleich von öffentlichen monetären Förderprogrammen für die Gründung eines Sporthotels in Brandenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512428

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vergleich von öffentlichen monetären Förderprogrammen für die Gründung eines Sporthotels in Brandenburg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden