Spanische Wahlplakate zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Wie gelingt es den Parteien, Distanz zu überbrücken?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

43 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

2. DAS WAHLPLAKAT ALS TEXT

3. MÜNDLICHKEIT IN WAHLPLAKATEN
3.1. Theoretisches
3.2. Analyse
3.2.1 Kommunikationsbedingungen
3.2.1.1 Grad der Offentlichkeit
3.2.1.2 Grad der Vertrautheit
3.2.1.3 Grad der emotionalen Beteiligung
3.2.1.4 Grad der Situations- und Handlungseinbindung
3.2.1.5 Referenzbezug
3.2.1.6 Physische Nahe der Kommunikationspartner
3.2.1.7 Grad der Kooperation
3.2.1.8 Grad der Dialogizitat
3.2.1.9 Grad der Spontaneitat
3.2.1.10 Grad der Themenfixierung
3.2.1.11 Konzeptionelles Relief
3.2.2 Versprachlichungsstrategien
3.2.2.1 Praferenz von Kontexttypen
3.2.2.2 Planungsaufwand
3.2.2.3 Vorlaufigkeit vs. Endgü ltigkeit
3.2.2.4 Sparsamkeit vs. Kompaktheit
3.2.3 Nahesprachliche Merkmale
3.2.3.1 Textuell-pragmatischer Bereich
3.2.3.2 Syntaktischer Bereich
3.2.3.3 Semantischer Bereich

4. SCHLUSSBETRACHTUNG

5. ANHANG

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einführung

Alle paar Jahre finden in Spanien Parlamentswahlen statt. Um ihre Wahler zu mobilisieren und sie von der eigenen Partei zu überzeugen, nutzen die Parteien unterschiedliche Werbemittel. Eines der wohl am weitesten verbreiteten und offentlichkeitswirksamsten Instrumente ist das Wahlplakat. Es richtet sich an die breite Offentlichkeit und ist für jedermann zuganglich. Untersucht man das Wahlplakat genauer, stellt sich die Frage, wie es die Parteien schaffen, die Wahlerschaft mit Hilfe eines Plakates zu überzeugen. Wie schaffen sie es, Emotionen auszulosen und Werte wie Vertrauenswürdigkeit und Ehrlichkeit zu erwecken?

Die These dieser Arbeit ist, dass die Parteien versuchen, die eigentliche Fremdheit und Distanz beider Kommunikationspartner zu überbrücken und im Gegenzug Vertrauen und Nahe zu ihrer Wahlerschaft zu konstruieren. Diese Vermutung wird überprüft und untersucht, welcher sprachlichen und nichtsprachlichen Mittel sich die Produzenten der Wahlplakate bedienen, um ihre Ziele zu erreichen.

Um diese Fragen zu beantworten, widme ich mich dem Thema der konzeptionellen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, welches sich mit Nahe und Distanz in sprachlichen ÁuRerungen befasst. Der schematischen Analyse von Koch und Oesterreicher (2011: 3ff.) entsprechend, werden die Wahlplakate der Reihe nach auf die Kommunikationsbedingungen, die Versprachlichungsstrategien und zuletzt auf die universalen nahesprachlichen Merkmale des Spanischen untersucht.

Der Korpus setzt sich aus Wahlplakaten der Parlamentswahlen Spaniens aus den Jahren 1977 bis 2019 zusammen.

2. Das Wahlplakat als Text

Für eine linguistische Textanalyse wird zunachst kurz erortert, was ein Wahlplakat überhaupt zu einem Text macht:

„Ein Text ist jeder geauBerte sprachliche Bestandteil eines Kommunikationsaktes in einem kommunikativen Handlungsspiel, der thematisch orientiert ist und eine erkennbare kommunikative Funktion erfüllt, d.h. ein erkennbares Illokutionspotential realisiert." (Schmidt 1973: 150)

Ein Text ist also eine sprachliche ÁuBerung innerhalb einer Kommunikationsaktes, die einen bestimmten Zweck verfolgt. Unter einer kommunikativen Funktion, oder kurz Textfunktion, versteht man die bezweckte Wirkung eines Textes in einer Kommunikationssituation. Ein Text kann zum Beispiel eine informative, unterhaltende oder appellative Funktion haben. Demnach ist es das Ziel des Produzenten, den Rezipienten zu informieren, zu unterhalten oder anzuweisen. Es konnen auch mehrere Funktionen parallel vertreten sein; in dem Fall bestimmt die dominierende Kommunikationsfunktion die Textfunktion. (vgl. Brinker 2005: 88f.)

Wahlplakate sind ein politisches Instrument, mit dem versucht wird, die Wahlerschaft zu beeinflussen. Die Parteien appellieren an die Offentlichkeit, bei der Wahl für sie zu stimmen. Durch den Zweck der Meinungs- und Verhaltensbeeinflussung kann man den Wahlplakaten also eine appellative Funktion zusprechen. Die Appellfunktion der Wahlplakate wird auch durch bestimmte sprachliche Strukturen deutlich, wie der Verwendung des Imperativs oder des instruierenden Infinitivs. (vgl. Brinker 2005: 88)

Ein Text muss nicht rein sprachlicher Natur sein; durch die Kombination aus sprachlicher und bildlicher Komponente stellt das Wahlplakat einen "gemischten Text" dar. Es dominieren sowohl linguale, als auch auBerlinguale Elemente. (vgl. Vater 2001: 15) Da die bildliche Komponente hier nicht wegzudenken ist, werden bei der Analyse beide Komponenten berücksichtigt.

3. Mündlichkeit in Wahlplakaten

3.1. Theoretisches

Bei der Unterscheidung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit müssen zunachst zwei Ebenen der Sprache betrachtet werden: das Medium und die Konzeption. Auf medialer Ebene wird zwischen einer 'phonischen' und 'graphischen' Realisierung unterschieden, wobei die phonische Realisierung in Form von Lauten und die graphische Realisierung in Form von Schriftzeichen erfolgt. Auf konzeptioneller Ebene wird zwischen konzeptionell 'gesprochener' und konzeptionell ,geschriebener' Sprache unterschieden. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 3)

Wahrend das Verhaltnis von phonischem zu graphischem Code eine strikte Dichotomie darstellt, stellt das Verhaltnis von gesprochener und geschriebener Sprache ein „Kontinuum von Konzeptionsmoglichkeiten mit zahlreichen Abstufungen" (Koch/Oesterreicher 1986: 17) dar. Ein Text kann also sowohl gesprochene als auch geschriebene Elemente aufweisen und lasst sich anhand derer in besagtes Kontinuum einordnen. Die maximalen Auspragungen des Kontinuums, also die Extrempole des konzeptionell Gesprochenen und Geschriebenen, lassen sich als kommunikative Nahe und kommunikative Distanz beschreiben. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 10)

Wahlplakate sind medial schriftlich. Die konzeptionelle Einordnung in das Nahe- Distanz-Kontinuum bedarf ausgiebiger Analyse, welche das Thema dieser Arbeit darstellt. Der Fokus liegt hier also auf der Konzeption von Wahlplakaten und inwiefern diese der Mündlichkeit oder der Schriftlichkeit zugeordnet werden kann. Die Begriffe 'gesprochene Sprache', 'Nahesprache', 'kommunikative Nahe' und 'Mündlichkeit' werden hier synonym als Bezeichnung für konzeptionelle Mündlichkeit verwendet. Die Begriffe 'geschriebene Sprache', 'Distanzsprache', 'kommunikative Distanz' und 'Schriftlichkeit' formen den Gegenpol hierzu und werden synonym als Bezeichnung für konzeptionelle Schriftlichkeit verwendet.

Um einen Text auf universaler Ebene in das Kontinuum zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit einordnen zu konnen, müssen eine Reihe von sprachlichen und auRersprachlichen Faktoren in Betracht gezogen werden. Als auRersprachliche Faktoren gelten die sogenannten Kommunikationsbedingungen, welche die sprachliche Kommunikation charakterisieren. Als vornehmlich sprachliche Faktoren gelten die Versprachlichungsstrategien. Hinzu kommen die universalen Merkmale der Nahesprache, welche essentiell für eine Analyse auf mündliche Elemente sind.

3.2. Analyse

Bei der folgenden Korpusanalyse werden zunachst die Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien untersucht. AnschlieRend werden die Wahlplakate explizit auf nahesprachliche Elemente untersucht, um sie zuletzt in das Nahe-Distanz-Schema einordnen zu konnen.

3.2.1 Kommunikationsbedingungen

Im folgenden Abschnitt werden die „auRersprachlichen Bedingungen [...], die die Konzeption sprachlicher Kommunikationsakte steuern" (Koch/Oesterreicher 2011: 10) analysiert. Diese Kommunikationsbedingungen sind: der Grad der Offentlichkeit, der Grad der Vertrautheit der Partner, der Grad der emotionalen Beteiligung, der Grad der Situations- und Handlungseinbindung, der Referenzbezug, die physische Nahe der Kommunikationspartner, der Grad der Kooperation, der Grad der Dialogizitat, der Grad der Spontaneitat und der Grad der Themenfixierung. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 7) Die extremen

Auspragungen der Kommunikationsbedingungen stehen jeweils für maximale kommunikative Nahe oder Distanz.

3.2.1.1 Grad der Offentlichkeit

Der Grad der Offentlichkeit gibt die „Zahl der Rezipienten" (Koch/Oesterreicher 2011: 7) an. Die Extremen der Abstufungen sind hierbei Privatheit und totale Offentlichkeit, wobei Privatheit der kommunikativen Nahe und Offentlichkeit der kommunikativen Distanz zuzuordnen ist. Da es sich bei Wahlplakaten um Massenkommunikationsmittel handelt, die gezielt genutzt werden, um eine groRtmogliche Zahl an Rezipienten zu erreichen, kann diese Kommunikationsform als offentlich eingestuft werden.

3.2.1.2 Grad der Vertrautheit

Der Grad der Vertrautheit der Kommunikationspartner ist schwieriger zu bestimmen. Inwiefern sich Produzenten und Rezipienten vertraut oder fremd sind, hangt von der „gemeinsamen Kommunikationserfahrung, dem gemeinsamen Wissen, dem AusmaR an Institutionalisierung etc." (Koch/Oesterreicher, 2011: 7) ab. Bei dem Produzenten eines Wahlplakates handelt es sich in der Regel um einen Politiker und dessen Partei, die er bei der Wahl vertritt. Bei dem Rezipienten auf der anderen Seite handelt es sich um die gesamte Wahlerschaft, die sowohl aus Bestandswahlern als auch aus Neuwahlern, die es zu überzeugen gilt, besteht. Da sich die genannten Kommunikationspartner in der Regel nicht personlich kennen, konnte man von einer Fremdheit der Partner ausgehen. Allerdings kennt die Wahlerschaft in der Regel die entsprechenden Politiker mit den zugehorigen Parteien. AuRerdem sind ihre politischen Positionen und moralischen Werte allgemein bekannt, das heiRt Produzenten und Rezipienten verfügen in dem Fall um gemeinsames Wissen. Zudem versuchen die Parteien mit ihren Wahlplakaten gezielt, Vertrautheit beim Rezipienten zu erwecken. Dafür werden verschiedene Taktiken genutzt: auf sprachlicher Ebene wird die Verwendung der 2. Person Singular und 1. Person Plural von Verbformen deutlich. Die Verwendung der 2. Person Singular entspricht einem Imperativ oder einer direkten Ansprache des Rezipienten und wirkt dadurch sehr vertraut. Die Verwendung der 1. Person Plural erzeugt ein „wir-Gefühl" zwischen dem Produzenten und Rezipienten und erweckt dadurch ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Auf auRersprachlicher Ebene wird die Portratierung des Politikers oder der Politikerin genutzt, um Vertrautheit zu schaffen. Der direkte Blick in die Kamera, der dem Rezipienten vermittelt, dass er direkt angeblickt werden würde, konstruiert Nahe.

Trotz eigentlicher Fremdheit der Kommunikationspartner wird also gezielt Vertrautheit geschaffen, weshalb man das Wahlplakat als Kommunikationsform zwischen den beiden Polen „groRer Vertrautheit und volliger Fremdheit" (Koch/Oestrreicher 2011: 7f.) einordnen konnte.

3.2.1.3 Grad der emotionalen Beteiligung

Der Grad der emotionalen Beteiligung gibt an, ob und in welchem MaR Emotionen in einer Kommunikationssituation involviert sind. Diese Emotionen konnen sich entweder auf den Kommunikationspartner und/oder auf den Kommunikationsgegenstand richten. Sind die Emotionen auf den Kommunikationspartner gerichtet, spricht man von 'Affektivitat'. Sind sie auf den Kommunikationsgegenstand gerichtet, spricht man von 'Expressivitat'. (vgl. Koch/Oesterreicher, 2011: 7)

Bei einem Wahlplakat ist die Affektivitat eher gering, da sich die Kommunikationspartner nicht direkt gegenüberstehen. Durch auRersprachliche Mittel kann in geringem MaRe Affektivitat erzeugt werden, beispielsweise indem der portratierte Politiker direkt in die Kamera blickt und damit eine Face-to-Face- Kommunikation imitiert. (siehe 3.2.3.1)

Die „auf Gegenstande und Sachverhalte gerichtete Expressivitat" (Koch/Oesterreicher 2011: 121) kann durch die Behandlung von „bestimmte(n) emotional besetzten Themenzentren" wie Gefühlen, Planungen oder Lebensgrundlagen hervorgerufen werden. Diese Themenzentren sind in fast allen hier analysierten Wahlplakaten vertreten. Eine genauere Analyse folgt in 3.2.3.3 bei der Betrachtung expressiv-affektiver Ausdrucksverfahren als universale nahesprachliche Merkmale des Spanischen.

An dieser Stelle lasst sich sagen, dass durch die Haufigkeit der expressiven Merkmale eine hohe emotionale Beteiligung vorliegt.

3.2.1.4 Grad der Situations- und Handlungseinbindung

Der Grad der Situations- und Handlungseinbindung gibt an, ob und in welchem MaRe ein Kommunikationsakt in eine Situation oder Handlung eingebunden ist. Im Falle des Wahlplakates kann man von einer Situations- und Handlungsentbindung sprechen, was dem Distanzpol entspricht. (vgl. Koch/Oesterreicherr 2011: 7f.)

3.2.1.5 Referenzbezug

Für das Verfahren der Referentialisierung ist entscheidend, „wie nahe die bezeichneten Gegenstande und Personen der Sprecher-origo (ego-hic-nunc) sind" (Koch/Oesterreicher 2011: 7). Je naher sich die Kommunikationspartner sind, desto hoher ist der Referenzbezug. Durch die Situations- und Handlungsentbindung ist bei den Wahlplakaten kein Referenzbezug moglich.

3.2.1.6 Physische Nahe der Kommunikationspartner

Bei der Produktion und Rezeption eines Wahlplakates herrscht eine raumzeitliche Trennung. Die Kommunikationspartner sind sowohl raumlich als auch zeitlich voneinander getrennt, womit physische Distanz vorliegt.

3.2.1.7 Grad der Kooperation

Der Grad der Kooperation gibt an, in welchem MaRe der Rezipient bei der Produktion der Kommunikation beteiligt ist. In der gesprochenen Sprache kooperieren Produzent und Rezipient durchgangig miteinander; „der Rezipient zeigt begleitende sprachliche und nichtsprachliche Reaktionen und kann jederzeit eingreifen, rückfragen" (Koch/ Oesterreicher 1986: 20). Dieses Prinzip der 'Rückkopplung' ist in der medial geschriebenen Sprache nicht gegeben. Produktion und Rezeption sind hierbei „voneinander ,abgekoppelt'"

(Koch/Oesterreicher 1986: 20); eine Kooperation der beiden Kommunikationspartner ist somit nicht moglich. Dies trifft auch auf die untersuchte Kommunikationsform des Wahlplakates zu.

3.2.1.8 Grad der Dialogizitat

Der Grad der Dialogizitat gibt an, ob und wie haufig ein Rollenwechsel zwischen dem Produzenten und dem Rezipienten in einer Kommunikationssituation stattfindet. Der Gegenpol zu einem hohen Grad an Dialogizitat ist die reine Monologizitat. (vgl. Koch/Oesterreicher 1986: 19)

Das Wahlplakat als Kommunikationsform stellt einen reinen Monolog dar; es weist hier also maximale kommunikative Distanz auf.

3.2.1.9 Grad der Spontaneitat

Maximale Spontaneitat ist in einer Kommunikationssituation dann gegeben, wenn die Planung einer ÁuRerung unmittelbar wahrend des ÁuRerungsaktes selber erfolgt. Das bedeutet, dass die ÁuRerung keiner vorherigen Planung bedarf. Dies kann sich durch sprachliche Merkmale wie Korrekturen oder Verzogerungen auRern. Der Gegenpol zur maximalen Spontaneitat ist die maximale

Reflektiertheit. Hierbei ist ein hoher Planungsaufwand erforderlich. (vgl. Koch/Oesterreicher, 2011: 10/1986: 19f.)

Das Wahlplakat erfordert maximale Reflektiertheit, da die Produktion endgültig ist und keinen Raum für Spontaneitat bietet.

3.2.1.10 Grad der Themenfixierung

Das Thema einer Kommunikationssituation kann sich wahrend der Situation frei entwickeln oder fixiert sein. In der gesprochenen Sprache bietet eine Kommunikationssituation oft Raum für eine freie Themenentwicklung, da sowohl Produzent als auch Rezipient auf den Inhalt der Kommunikation Einfluss nehmen konnen. Der hohe Grad an Spontaneitat spielt hier auch eine Rolle. In der geschriebenen Sprache ist das Thema oftmals fixiert und kann sich nicht erst im Laufe der Kommunikationssituation entwickeln.

Wahlplakate sind unverkennbar auf die Wahl und somit das Thema Politik fixiert; es besteht kein Raum für eine Themenentwicklung.

3.2.1.11 Konzeptionelles Relief

Abgeleitet von dem 'Konzeptionellen Relief' von Koch und Oesterreicher (2011: 8), lassen sich die Kommunikationsbedingungen der analysierten Wahlplakate in etwa so graphisch veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.2 Versprachlichungsstrategien

„Aus den kommunikativen Bedingungen der Nahe bzw. der Distanz ergeben sich nun in sprachlichen ÁuRerungen bestimmte Praferenzen für unterschiedliche kommunikative Strategien und Medien:" (Koch/Oesterreicher 1986: 21)

3.2.2.1 Praferenz von Kontexttypen

Sprachliche ÁuRerungen werden oftmals nur durch ihren Kontext verstandlich. Um eine ÁuRerung zu verstehen, muss man also ihren Kontext kennen und verstehen. Hierbei gibt es verschiedene Kontexttypen, wie den situativen Kontext, den Wissenskontext, den sprachlich-kommunikativen Kontext und andere kommunikative Kontexte. Der sprachliche-kommunikative Kontext hat einen digitalen Charakter, „das heiRt, dass hier Kommunikation mit Hilfe klar identifizierbarer, 'diskreter' Einheiten vollzogen wird." ( Koch/Oesterreicher 2011: 11) Die anderen genannten Kontextarten zeichnen sich hingegen durch einen analogen Charakter aus.

Die Versprachlichungsstrategien der Nahe und der Distanz unterscheiden sich in der Praferenz verschiedener Kontextarten. Wahrend beim Nahesprechen alle genannten Kontexttypen, digitale und analoge, vorkommen konnen, ist beim Distanzsprechen eine klare Praferenz für sprachliche Kontexte vorhanden. Bei den analogen Kontexten ist hier mit Einschrankungen zu rechnen. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 11)

Zur Analyse der Wahlplakate auf genannte Kontexttypen:

Der situative Kontext beinhaltet alle Personen, Gegenstande und Sachverhalte, die in einer Kommunikationssituation wahrnehmbar sind. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 11) Durch die physische Distanz der Kommunikationspartner und die Situations- und Handlungsentbindung bei der Produktion und Rezeption von Wahlplakaten, kann es hier keinen situativen Kontext geben.

Beim Wissenskontext wird zwischen dem individuellen und dem allgemeinen Wissenskontext unterschieden. Der individuelle Wissenskontext umfasst gemeinsames Wissen der Partner, wie beispielsweise gemeinsame Erlebnisse oder Wissen übereinander. Der allgemeine Wissenskontext umfasst Allgemeinwissen, wie beispielsweise kulturelle Tatsachen, moralische Werte oder logische Relationen. (vgl. Koch/Oesterreicher 2011: 11) Da es sich bei Wahlplakaten um ein politisches Instrument handelt, das sich an die Offentlichkeit richtet und die Allgemeinheit ansprechen will, werden in der Regel allgemeine Themen wie Frieden, Arbeit oder politische Sicherheit behandelt. Diese sind also dem allgemeinen Wissenskontext zuzuordnen.

Der sprachlich-kommunikative Kontext, auch 'Ko-Text' genannt, bezieht sich auf im Text vorkommende ÁuRerungen. Diese konnen der entsprechenden ÁuRerung vorangehen oder folgen. Da bei den analysierten Wahlplakaten in der Regel nur ein paar Worte oder ein sehr knapper Wahlslogan vorhanden sind, ist hierbei nur wenig Raum für einen sprachlich-kommunikativen Kontext.

Zu anderen kommunikativen Kontexten zahlen der parasprachlich-kommunikative Kontext und der nichtsprachlich-kommunikative Kontext. Der parasprachlich- kommunikative Kontext umfasst beispielsweise intonatorische Phanomene, Sprechgeschwindigkeit und Lautstarke. Diese nahesprachlichen Faktoren sind bei einem rein graphischen Medium, wie das Wahlplakat eins ist, nicht gegeben.

Der nichtsprachlich-kommunikative Kontext umfasst unterstützende Faktoren wie Gestik, Mimik, Korperhaltung und Proxemik. Bei einer rein textualisierten ÁuRerung konnen auch diese Phanomene nicht gegeben sein. Allerdings wird dieser Kontext in den analysierten Wahlplakaten sehr wohl abgedeckt, namlich durch die dazugehorigen Bildkomponenten. Hier spielen die Gestik, Mimik und Korperhaltung der abgebildeten Personen, meist der parteiführenden Politiker oder Politikerinnen, eine zentrale Rolle.

3.2.2.2 Planungsaufwand

Wie bereits in 3.2.1.9 erwahnt wurde, unterscheiden sich die gesprochene und geschriebene Sprache in dem MaR an benotigtem Planungsaufwand. Wahrend beim Nahesprechen ein geringes MaR an Planung notig ist, erfordert das Distanzsprechen in der Regel viel vorherige Planung.

Das Wahlplakat als Text ist bezüglich dieses Faktors der Distanzsprache zuzuordnen, da ein hoher Planungsaufwand benotigt wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Spanische Wahlplakate zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Wie gelingt es den Parteien, Distanz zu überbrücken?
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Gesprochene und geschriebene Sprache in der Romania: Theoretische Grundlagen und Methoden der Textanalyse
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
43
Katalognummer
V512444
ISBN (eBook)
9783346089830
ISBN (Buch)
9783346089847
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanistik, Sprachwissenschaften, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Konzeptionelle Mündlichkeit, Konzeptionelle Schriftlichkeit, Wahlplakate, Spanisch, Spanien, Textanalyse, Medium, Gesprochene Sprache, Geschriebene Sprache, Kommunikationsbedingungen, Versprachlichungsstrategien, Nähesprache, Distanzsprache, Sprache der Nähe, Sprache der Distanz, Nähesprachliche Merkmale, Distanzsprachliche Merkmale, Konzeptionelles Relief, Konzeption
Arbeit zitieren
Stella Fritz (Autor), 2019, Spanische Wahlplakate zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Wie gelingt es den Parteien, Distanz zu überbrücken?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512444

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