Der Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī“ (M VI 39) aus dem Legat R. Tschudis


Forschungsarbeit, 2018

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Ḳınalızāde ʿAlī Çelebis

3. Werke

4. Beschreibung der Basler Handschrift

5. Zur Philologie und Semantik des Titels Aḫlāḳ-ı ʿAlāī

6. Aufbau und Einflüsse im Aḫlāḳ-ı ʿAlāī

7. Seelentheorie

8. Die 4-Säulen-Lehre

9. Gegenwärtige Relevanz in der Türkei

10. Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetlinks

Bilder

1. Einleitung

„…medeniyetimizin en zengin ve benzersiz metinlerini ihtiva eden bu eserlerin korunması, tercüme ya da tıpkıbasım yoluyla işlenmesi ve etkin bir şekilde yeniden inşâ edilmesi, Büyük Türkiye Vizyonumuzun önemli bir parçasıdır.“ 1

„…die Konservierung, Übersetzung oder Bearbeitung mittels Faksimiles und wirksame Rekonstruktion dieser Werke, welche die reichsten und einzigartigsten Texte unserer Zivilisation beinhalten, sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Vision einer grossen Türkei.“

Mit diesen ambitionierten Worten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wird der Leser im Vorwort in die umfangreiche Neuauflage von Ḳınalızāde ʿAlī bin Emrullāh Çelebis Hauptwerk Aḫlāḳ-ı ʿAlāī eingeführt, welche eigens durch das im Jahre 2010 gegründete staatliche Institut für handschriftliche Werke (Türkiye Yazma Eserler Kurumu) veröffentlicht wurde und auf einem Manuskript der Handschriftenbibliothek Bursa (Bursa İnebey Yazma Eser Kütüphanesi) mit der Signatur Hüseyin Çelebi No. 519 basiert. Ein weiterer prachtvoller Codex des Aḫlāḳ-ı ʿAlāī befindet sich in der Handschriftenabteilung der Basler Universitätsbibliothek2, welcher aus dem Legat des Schweizer Orientalisten Rudolf Tschudi stammt und mich zum Verfassen dieser Seminararbeit anregte.

Es sollen zunächst die Biographie und der allgemeine Werdegang des Autors näher beschrieben und in einen historischen Kontext eingebettet werden, wobei Einflüsse durch andere Persönlichkeiten ebenfalls ins Auge gefasst werden sollen. Im Anschluss an den Biographieteil werden unter anderem die konkrete Beschaffenheit, Eigenschaften und Besonderheiten des Basler Codex untersucht und in Form einer ausformulierten Handschriftenbeschreibung wiedergegeben. Dabei soll auch näher auf den Inhalt des Werks eingegangen und der Versuch unternommen werden, dessen Bestandteile in der Gestalt einer umfangreichen Gesamtübersicht darzulegen beziehungsweise semantisch zu kontextualisieren. Darüber hinaus wird die gegenwärtige Bedeutung des Aḫlāḳ-ı ʿAlāī eruiert und seine ideologische Relevanz sowie Instrumentalisierung auf politischer Ebene in der heutigen Türkei untersucht, indem Äusserungen und Texte von wichtigen politischen Akteuren des konservativen Milieus herangezogen werden, die sich mit dem Aḫlāḳ-ı ʿAlāī auseinandergesetzt haben. Zum Abschluss sollen die Ergebnisse aus dem Hauptteil nochmals zusammengetragen und ausgewertet werden, um die zeitgenössische Wahrnehmung des Werkes zu markieren und die staatsphilosophische sowie ideologische Entwicklung in der Neuausrichtung und Selbstwahrnehmung der türkischen Republik angesichts der sukzessiven Verdrängung ihres kemalistischen Erbes und dauerhaft angespannten Beziehungen zum Westen zu beleuchten und dadurch besser zu verstehen.

2. Biographie Ḳınalızāde ʿAlī Çelebis

Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi Efendi, der mit vollem Namen Ḳınalızâde Mollā ʿAlāʾ ad-Dīn ʿAlī bin Emrullāh Çelebi hiess, wurde um 916 n. H. / 1510 n. Chr. in die angesehene Richterfamilie der Ḳınalızādes geboren, die im Zentrum der Provinz Ḥamīd (heute: Isparta) ansässig war.3 Die Familie erhielt den Namen aufgrund seines Grossvaters ʿAbd ul-Ḳādir Ḥamīdī, der seinen Bart stets mit Henna färbte und deshalb Ḳınalı oder el-Ḥinnāī (arab.: الحنّائى) genannt wurde.4 Sein Vater Emrullāh Efendi wurde durch seine dichterische Tätigkeit unter dem Pseudonym Mīrī bekannt und diente als Ḳāḍī (dt. ‚Richter‘) in den Provinzen Damaskus und Aleppo. Er hatte drei Söhne mit den Namen ʿAlī Çelebi, ʿAbd ur-Raḥīm Çelebi und Müslim Çelebi, die er alle wie sich selbst zum Ḳāḍī ausbilden liess, wobei ʿAlī Çelebi der jüngste unter ihnen war und sich als einziger unter ihnen nebst Richteramt und Dichtung im Laufe der Zeit auch auf dem Gebiet der Ethik hervortat.

Ḳınalızāde ʿAlī übernahm das Wissenserbe seines Vaters und dessen Umfelds, der wie fast alle Intellektuellen seiner Zeit aus dem Bereich der Theologie kam. Er ging im Anschluss an die Grundausbildung bei seinem Vater in der Heimatstadt um 1530 nach Konstantinopel, um Lektionen von namhaften Gelehrten wie seinem Verwandten Ḳāżīʿasker (dt.: ‚Heeresrichter‘) Ḳadrī Efendi, Maʿlūl Emīr Efendi (gest. 1556) an der Maḥmūd Paşa Medresesi, Muḥaşşī Sinān ud-Dīn Yūsuf bin Ḥusām bin İlyās Efendi (gest. 1578) an der Dāvūd Paşa Medresesi und Merḥabā Efendi (gest. 1544) an der Atik ʿAlī Paşa Medresesi zu erhalten.5 In kürzester Zeit brachte es Ḳınalızāde ʿAlī zum Muʿīd (dt.: ‚Assistent‘) des Dozenten Ḳara Ṣāliḥ Efendi an der von Sultan Meḥmed II. im Jahre 1470 gegründeten Ṣaḥn-ı S̱emān Medresesi, die sowohl die klassischen Theologiefächer Tefsīr (dt.: ‚Koranauslegung‘), Ḥadīs̱ (dt.: ‚Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten Muḥammad‘), Kelām (dt.: ‚Rhetorik‘) und Fıḳh (dt.: ‚islamische Jurisprudenz‘) als auch naturwissenschaftlich orientierte Fächer wie Medizin, Physik, Chemie, Mathematik und Astronomie abdeckte. Die Ṣaḥn-ı S̱emān (dt.: ‚acht Höfe‘) war die höchste Lehranstalt des Osmanischen Reiches und ist erheblich von der Uluġbeg-Madrasa in Samarkand inspiriert worden, da der von Sultan Meḥmed II. mit der Erstellung des Curriculums beauftragte Astronom, Mathematiker und Rhetoriker ʿAlāʾ ad-Dīn ʿAlī bin Muḥammed Kuşçu Efendi (1403-1474) seine akademische Bildung und berufliche Laufbahn zu einem Grossteil an jener berühmten Universität Zentralasiens realisiert hatte.

Dies waren hervorragende Voraussetzungen für die wissenschaftliche Entwicklung Ḳınalızāde ʿAlī Efendis, der nach dem Abschluss der Medrese zum Mulāzim (dt. ‚Praktikant‘) des Gelehrten Çivizāde Muḥyī id-Dīn Meḥmed Efendi (1476-1547) an der deutlich theologischer ausgerichteten ʿİlmiye wurde, was gewissermassen eine Vorbereitung zur Position des Müderris (dt.: ‚Dozent’) darstellte. Çivizādes Einfluss auf die Gedankenwelt Ḳınalızāde ʿAlī Efendis war gewaltig, was sich später auch in seinen Werken widerspiegeln sollte. Allerdings dauerte es enorm lang, bis ihm die Befähigung zum Müderris erteilt wurde, da sich sein Mentor Çivizāde mit dem einflussreichen Theologen Muḥammad Ebū us-Suʿūd el-ʿİmādī, der unter Sultan Süleymān I. im Jahre 1545 zum Grossmufti und Scheichülislam ernannt wurde, aufgrund von theologischen Meinungsverschiedenheiten überworfen hatte. Grund für die Auseinandersetzung war Çivizādes streng orthodoxe Ansicht, dass die Lehren des Sufismus als Häresie sowie seine beiden wichtigsten Vertreter Muḥyī id-Dīn Ibn ʿArabī und Celāl ad-Dīn Muḥammad ar-Rūmī, der von den osmanischen Derwischen ehrerbietig Mevlānā (dt.: ‚unser Meister’) genannt wurde, als Zındīḳ (dt.: ‚Ketzer‘) zu verurteilen seien.6 Als er auch noch als erster osmanischer Grossmufti Fetāvā (dt.: ‚islamische Rechtsgutachten‘) gegen das Sufitum veröffentlichte, brachte ihm dies die Missgunst des Sultans und vor allem der Tekāyā (dt.: ‚Derwischklöster’) ein, die eng mit dem Janitscharenkorps verquickt waren und aufgrund ihres sozialen Faktors ein hohes Ansehen in der osmanischen Gesellschaft genossen. All diese Umstände führten konsequenterweise dazu, dass er im Jahre 1541 seine Ämter als Grossmufti und Scheichülislam verlor, was ihn dazu veranlasste, die Pilgerfahrt nach Mekka zu vollziehen. Nach seiner Rückkehr war er nochmals als Müderris tätig und wurde 1545 sogar noch zum Ḳāżīʿasker von Rumelien ernannt, was die Karriere seines Zöglings Ḳınalızāde ʿAlī Efendi begünstigte.

Ḳınalızāde ʿAlī wurde zum Müderris berufen im Jahre 953 n. H. / 1546 n. Chr. an der Ḥamza Bey Medresesi in Bursa und 955 n. H. / 1548 n. Chr. an der Velī ud-Dīn Oğlu Aḥmed Paşa Medresesi in der gleichen Stadt. Während seiner Lehrtätigkeit in Bursa verstarb sein Mentor Çivilizāde im Herbst 1547 in Konstantinopel, worauf Ḳınalızāde ʿAlī Efendi von nun an auf sich allein gestellt war.7 Es folgten Lehraufträge im Jahre 957 n. H. / 1550 n. Chr. an der Rüstem Paşa Medresesi in Kütahya, ein Jahr später an der gleichnamigen Medrese in Konstantinopel sowie 960 n. H. / 1553 n. Chr. an der von der Ehefrau des Sultans Süleymān I. gestifteten und damals noch frisch erbauten Ḫaṣṣekī Ḫurrem Sultan Medresesi.8 Im Jahre 963 n. H. / 1556 n. Chr. wurde er an die besagte Ṣaḥn-ı S̱emān und drei Jahre später an die ebenfalls neu gegründete Süleymāniye Medresesi berufen, die sich binnen kürzester Zeit zum Aushängeschild des osmanischen Bildungswesens entwickeln sollte. Nach dieser relativ ausgedehnten Phase der Lehrtätigkeit wurde Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi Efendi im Jahre 970 n. H. / 1562 n. Chr. endlich das lang ersehnte Amt des Ḳāḍī von Şām (heute: Damaskus) verliehen, wo er mehr Zeit für vertiefte Studien sowie seine schriftstellerischen Tätigkeiten zur Verfügung hatte und unter anderem im Jahre 1564 sein Opus magnum Aḫlāḳ-ı ʿAlāī abschloss, das er Sultan Süleymāns Beylerbeyi (dt.: ‚Oberfürst‘) und vezīr (dt.: ‚Minister‘) ʿAlī Paşa widmete.9 Nach Damaskus folgten als Ḳāḍī weitere Stationen in Kairo im Frühjar 974 n. H. / 1566 n. Chr., Aleppo im Herbst 974 n. H. / 1566 n. Chr., Bursa, Edirne 976 n. H. / 1569 n. Chr. und zuletzt Konstantinopel im Jahre 978 n. H. / 1570 n. Chr..10 Bereits ein Jahr später wurde er anstelle von ʿAbd ul-Ḳādir Şeyḫī Efendi zum Ḳāżīʿasker von Anatolien ernannt, da dieser mittlerweile als Ḳāżīʿasker nach Rumelien versetzt worden war. Allerdings erlag Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi Efendi nur 7 Monate nach seiner Ernennung am 5. Ramażān 979 / 21. Januar 1572 der Gicht in einem Winterquartier bei Edirne, wo er sich sehr wahrscheinlich gerade unter dem Befehl Sultan Selīms II. bei der Vorbereitung eines unmittelbar bevorstehenden Feldzuges befand.11 Er wurde in Edirne neben dem Vezīr Çeşmesi (‚Brunnen des Wesirs’) auf dem İstanbul yolu (‚Istanbulweg‘) mit diesen persischen Zeilen auf seinem Grabstein beigesetzt:

„ferīd-i dehr vahīd-i zamān ʿAlī Çelebi

ki bād cān-i azīzeş be-ḫuld-i cāvidān

be-şehr-i Edrine der pençum-i meh-i ramażān

eş-şehīr be-Hınnālīzāde“12

ungefähre Übersetzung:

„Einzigartig auf der Erde, Einziger der Zeit ist ʿAlī Çelebi

so hat der Wind seine heilige Seele in das ewige Paradies fortgetragen

in der Stadt Edirne, am 5. des Monats Ramadan

berühmt als Ḳınalızāde“

Es wird von vielen seiner Zeitgenossen überliefert, dass Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi Efendi in unterschiedlichsten Themen und Bereichen über ein enormes Wissensrepertoire verfügte, weshalb man ihn nicht selten um Auskunft und Darlegung seiner eigenen Ansichten bat. So war er sehr versiert in diversen Fachgebieten wie der Dichtung, Rhetorik, Mathematik, Philosophie, Jurisprudenz und Koranexegese, was für einen Angehörigen der damaligen ʿUlemā’ (dt.: ‚Theologen‘) eher ungewöhnlich war. Selbst der osmanische Universalgelehrte Kātib Çelebi (1609-1657), der als relativ sachlicher und zugleich scharfer Kritiker gilt, findet im zweiten Kapitel des eindrucksvollen Traktats mīzān ul-ḥaḳḳ fī iḫtiyār ul-eḥaḳḳ (dt.: ‚Die Waage der Wahrheit bei der Wahl des Berechtigteren’) nur lobende Worte für Ḳınalızāde ʿAlī Efendi und seinen Aḫlāḳ-ı ʿAlāī:

Original 13:

فاضل محقق علامهٔ روم قنالی زاده علی افندی مرحوم اخلاق علائی نام کتاب عظيمنك بو سياقی تحرير و غنا بحثنی تفصيل اوزره بيان و تقرير ايلمشدر. طالب حق اولانلر او کتابی حرزجان ايدوب اذکار يرينه اوقومغی التزام ايلمك‌ کرك تاکه دين و دنيا مهمنی بيلوب موجبی ايله عامل اوله. زيرا حکمت ايله شريعت بيننی جمع ايلمش و کتاب مبارکدر

Transkription:

„fāżıl muḥaḳḳiḳ allāme-i rūm ḳınālı zāde ʿalī efendi merḥūm aḫlāḳ-ı ʿalāī nām kitāb-ı ʿaẓīminiñ bu siyāḳı taḥrīr ve ġınā baḥs̱ini tafṣīl üzre beyān ve taḳrīr eylemişdür. ṭālib-i haḳḳ olanlar o kitābı ḥırz-u cān idüb eẕkār yerine oḳumaġı iltizām eylemek gerek tāki dīn ve dünyā mühimmini bilüb mūcibi ile ʿāmil ola. zīrā ḥikmet ile şerīʿat beynini cemʿ eylemiş ve kitāb-ı mübārekdür.“

Übersetzung:

„Der tugendhafte und hinterfragende Universalgelehrte Anatoliens Ḳınalızāde ʿAlī Efendi, selig ist er. Das gewaltige Buch namens ‚alaitische Ethik‘ hat jenen Kontext wiedergegeben und die Angelegenheit des Singens erläuternd erklärt und konstatiert. Jene, die nach der Wahrheit streben, sollen das Buch wie ihr Leben bewahren und gebetsmühlenartig lesen, bis sie das Elementare der Religion sowie der Welt wissen und dementsprechend handeln. Denn dieses Buch verbindet die Weisheit mit der Scharia und ist gesegnet.“

3. Werke

Ḳınalızāde ʿAlī Efendi schrieb seine literarischen Werke wie alle osmanischen Intellektuellen seiner Zeit auf Türkisch, Arabisch und Persisch, wobei in diesem Abschnitt nur die wesentlichen dargestellt werden sollen. Als türkische Werke sind neben dem Ethikbuch Aḫlāḳ-ı ʿAlāī die Prosasammlung münşe’āt-ı ḳınalızāde, der Diwan mu’ammeyāt und die Chronik tārīḫ-i ḳınalızāde zu nennen.14 Die arabischen Werke Ḳınalızādes sind hingegen aufgrund seines theologischen Hintergrunds deutlich zahlreicher, wobei solche zum Thema fıḳh die Mehrheit bilden. Dabei ragt insbesondere seine juristische Abhandlung mit dem Titel el-evṣāf fī aḥkām ul-evḳāf (dt.: ‚Aspekte in den Urteilen bezüglich Stiftungen‘) hervor, in der es um die Rechtmässigkeit sowie Arten von Tauschgeschäften zwischen Stiftungen und das allgemeine Mietrecht geht.15 Das Werk risāle fī’l-vaḳf stellt eine Vertiefung des el-evṣāf fī aḥkām ul-evḳāf dar und geht vor allem auf den juristischen Status von Stiftungen ein. Darüber hinaus schrieb Ḳınalızāde ʿAlī Efendi diverse Werkserläuterungen wie beispielsweise ḥāşiye ʿalā envār et-tanzīl zum schafiʿitischen tafsīr -Werk envār et-tanzīl ve esrār et-taʾvīl (dt.: Die Lichtstrahlen der Herabsendung und die Geheimnisse der Exegese’) des persischen Rechtsgelehrten ʿAbdullah Ibn ʿUmar Abū’l-Ḫair Nāṣir ad-Dīn el-Beyḍāvī aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, den ḥāşiye ʿale’d-dürer zum dürer ul-ḥukkām fī şerḥ-i ġurer el-aḥkām (dt.: ‚Perlen der Richter in der Auslegung der Rechtsurteile‘) des osmanisch-türkischen Gelehrten Mollā Ḫüsrev und ḥāşiye ʿale’l-keşşāf zum bis heute noch in der islamischen Welt hochangesehenen Korankommentar el-keşşāf ʿan ḥaḳāʾiḳ i’t-tanzīl (dt.: ‚Erläuterung der Wahrheiten der Herabsendung‘) des muʿtazilitischen Theologen Ebū’l-Ḳāsim Maḥmūd Ibn ʿUmar ez-Zemaḫşerī.16 In seinem Werk muḫtaṣar fī ẕikri ṭabaḳāt ul-ḥanefiyye bewertet Ḳınalızāde ʿAlī Efendi die fuḳahā’ (dt.: ‚Rechtsgelehrte‘) nach den drei Kategorien eines Müctehid (dt.: ‚Rechtsfinder’) bezüglich Dīn (dt.: ‚Religion‘), Meẕheb (dt.: ‚Rechtsschule‘) und Mes’ele (dt.: ‚Problematik‘).17

4. Beschreibung der Basler Handschrift

Während des Seminars 100 Jahre Islamwissenschaft in Basel. Vorbereitung einer Ausstellung in der UB Basel 2019 im Frühjahrsemester 2018, welches unter der Leitung von Prof. Dr. Renate Würsch stattfand, wurde ich in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Basel auf den prachtvollen osmanischen-türkischen Codex Aḫlāḳ-ı ʿAlāī mit der Signatur M VI 39 aufmerksam, von dem heute laut Recherchen des türkischen Literaturwissenschaftlers Dr. Enfel Doğan von der Universität Istanbul schätzungsweise nur noch 109 in der Türkei und 32 Exemplare im Ausland erhalten geblieben sind.18 Das Werk wurde zudem im Jahre 1833 auf Anweisung des albanisch-stämmigen Gouverneurs von Ägypten Meḥmed ʿAlī Paşa hin in der Druckerei von Būlāḳ, eines Stadtteils von Kairo, vielfach nachgedruckt. Die Handschrift stammt wie ein Grossteil der Kollektion orientalischer Handschriften in der Basler Universitätsbibliothek aus dem Legat des Historikers und Turkologen Rudolf Tschudi, der über Jahre hinweg neben den osmanisch-türkischen noch eine Vielzahl von arabischen und persischen Handschriften für seine Sammlung zusammengetragen hatte.

[...]


1 Kınalızâde 2014, S. 4.

2 Signatur: M VI 39

3 Vgl. Aksoy 2002, S. 416.

4 Vgl. Flügel 1867, S. 304.

5 Vgl. Kınalızâde 2014, S. 15.

6 Vgl. Uzunçarşılı 1995, S. 453.

7 Vgl. Aksoy 2002, S. 417.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Flemming 1968, S. 292.

10 Vgl. Aksoy 2002, S. 417.

11 Vgl. Oktay 2005, S. 49.

12 Kınalızâde 2014, S. 19-20.

13 Kâtip Çelebi 1656, Blatt 8r-9v.

14 Vgl. Kınalızâde 2014, S. 26.

15 Vgl. Aksoy 2002, S. 417.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Kınalızâde 2014, S. 27.

18 Vgl. Doğan 2009, S. 30.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī“ (M VI 39) aus dem Legat R. Tschudis
Hochschule
Universität Basel  (Nahoststudien)
Veranstaltung
100 Jahre Islamwissenschaft in Basel. Vorbereitung einer Ausstellung in der UB Basel 2019
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V512605
ISBN (eBook)
9783346105769
ISBN (Buch)
9783346105776
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi, Kinzalizade, Ahlâk, Ethik, Abhandlung, Moral, Osmanisch, Osmanisches Reich, Sultan Süleyman I., Süleyman der Prächtige, Ibn Miskawayh, Naṣīr ad-Dīn aṭ-Ṭūsī, Celāl ed-Dīn Muḥammed-i Devvānī, Ḥüseyn ibn ʿAlī-i Vāʿiẓ-i Kāşifī, Politik, Gesellschaftstheorie, Soziologie, Codex, Handschrift, Orient, Türkisch, Türkei, Erdoğan, AKP, Neo-Osmanismus
Arbeit zitieren
Ugur Koc (Autor:in), 2018, Der Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī“ (M VI 39) aus dem Legat R. Tschudis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512605

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