Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Basler Codex "Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī" (M VI 39). Ein Prachtexemplar des "Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī" befindet sich in der Handschriftenabteilung der Basler Universitätsbibliothek, welches aus dem Legat des Schweizer Orientalisten Rudolf Tschudi stammt. Es werden zunächst die Biografie und der allgemeine Werdegang des Autors näher beschrieben und in einen historischen Kontext eingebettet, wobei Einflüsse durch andere Persönlichkeiten ebenfalls ins Auge gefasst werden sollen. Im Anschluss werden unter anderem die konkrete Beschaffenheit, Eigenschaften und Besonderheiten des Basler Codex untersucht und in Form einer ausformulierten Handschriftenbeschreibung wiedergegeben.
Dabei soll auch näher auf den Inhalt des Werks eingegangen und der Versuch unternommen werden, dessen Bestandteile in der Gestalt einer umfangreichen Gesamtübersicht darzulegen beziehungsweise semantisch zu kontextualisieren. Darüber hinaus wird die gegenwärtige Bedeutung des "Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī" eruiert und seine ideologische Relevanz sowie Instrumentalisierung auf politischer Ebene in der heutigen Türkei untersucht, indem Äusserungen politischer Akteure des konservativen Milieus herangezogen werden, die sich mit dem "Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī" auseinandergesetzt haben.
Zum Abschluss sollen die Ergebnisse aus dem Hauptteil nochmals zusammengetragen und ausgewertet werden, um die zeitgenössische Wahrnehmung des Werkes zu markieren und die staatsphilosophische sowie ideologische Entwicklung in der Neuausrichtung und Selbstwahrnehmung der türkischen Republik angesichts der sukzessiven Verdrängung ihres kemalistischen Erbes und dauerhaft angespannten Beziehungen zum Westen zu beleuchten und dadurch besser nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie Ḳınalızāde ʿAlī Çelebis
3. Werke
4. Beschreibung der Basler Handschrift
5. Zur Philologie und Semantik des Titels Aḫlāḳ-ı ʿAlāī
6. Aufbau und Einflüsse im Aḫlāḳ-ı ʿAlāī
7. Seelentheorie
8. Die 4-Säulen-Lehre
9. Gegenwärtige Relevanz in der Türkei
10. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāī“ (M VI 39) aus dem Legat von Rudolf Tschudi, analysiert dessen biographischen und werkgeschichtlichen Kontext sowie seine heutige ideologische Instrumentalisierung im konservativen politischen Milieu der modernen Türkei.
- Philologische und semantische Analyse des Titels Aḫlāḳ-ı ʿAlāī
- Detaillierte kodikologische Beschreibung der Basler Handschrift
- Untersuchung der Seelentheorie und der 4-Säulen-Lehre nach Ḳınalızāde
- Erörterung der Rezeption des Werkes im Kontext des Neoosmanismus unter Erdoğan und Davutoğlu
Auszug aus dem Buch
4. Beschreibung der Basler Handschrift
Während des Seminars 100 Jahre Islamwissenschaft in Basel. Vorbereitung einer Ausstellung in der UB Basel 2019 im Frühjahrsemester 2018, welches unter der Leitung von Prof. Dr. Renate Würsch stattfand, wurde ich in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Basel auf den prachtvollen osmanischen-türkischen Codex Aḫlāḳ-ı ʿAlāī mit der Signatur M VI 39 aufmerksam, von dem heute laut Recherchen des türkischen Literaturwissenschaftlers Dr. Enfel Doğan von der Universität Istanbul schätzungsweise nur noch 109 in der Türkei und 32 Exemplare im Ausland erhalten geblieben sind. Das Werk wurde zudem im Jahre 1833 auf Anweisung des albanischstämmigen Gouverneurs von Ägypten Meḥmed ʿAlī Paşa hin in der Druckerei von Būlāḳ, eines Stadtteils von Kairo, vielfach nachgedruckt. Die Handschrift stammt wie ein Grossteil der Kollektion orientalischer Handschriften in der Basler Universitätsbibliothek aus dem Legat des Historikers und Turkologen Rudolf Tschudi, der über Jahre hinweg neben den osmanisch-türkischen noch eine Vielzahl von arabischen und persischen Handschriften für seine Sammlung zusammengetragen hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Werk Aḫlāḳ-ı ʿAlāī, die Bedeutung des Basler Codex sowie die Zielsetzung der Seminararbeit.
2. Biographie Ḳınalızāde ʿAlī Çelebis: Detaillierte Darstellung des Lebenswegs, der Ausbildung und der beruflichen Stationen des Autors innerhalb des osmanischen Gelehrtenstandes.
3. Werke: Überblick über das literarische Schaffen von Ḳınalızāde in verschiedenen Sprachen und Disziplinen, insbesondere im Bereich der Rechtswissenschaft.
4. Beschreibung der Basler Handschrift: Ausführliche kodikologische Untersuchung des M VI 39 Codex, inklusive physischer Merkmale und Herkunft.
5. Zur Philologie und Semantik des Titels Aḫlāḳ-ı ʿAlāī: Sprachwissenschaftliche Analyse des Buchtitels und Deutung der Namensherkunft.
6. Aufbau und Einflüsse im Aḫlāḳ-ı ʿAlāī: Beschreibung der Struktur des Werkes und der philosophischen Einflüsse von Vorläufern wie eṭ-Ṭūsī.
7. Seelentheorie: Erläuterung der psychologischen Grundlagen und der Unterteilung der Seele nach Ḳınalızādes Verständnis.
8. Die 4-Säulen-Lehre: Analyse der gesellschaftspolitischen Strukturtheorie, die den Staat analog zum menschlichen Körper darstellt.
9. Gegenwärtige Relevanz in der Türkei: Darstellung der politischen Nutzung des Werkes durch aktuelle türkische Regierungskreise im neoosmanischen Diskurs.
10. Ausblick: Einschätzung der zukünftigen Bedeutung des osmanischen Erbes für die türkische Identitätsbildung.
Schlüsselwörter
Ḳınalızāde ʿAlī Çelebi, Aḫlāḳ-ı ʿAlāī, Basler Codex, Osmanische Literatur, Ethik, Seelentheorie, 4-Säulen-Lehre, Neoosmanismus, Recep Tayyip Erdoğan, Ahmet Davutoğlu, Rudolf Tschudi, Handschriftenkunde, Osmanisches Reich, Politische Ideologie, Identitätsstiftendes Erbe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Kontextualisierung des Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāī“ sowie seiner heutigen Bedeutung im politischen Diskurs der Türkei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Kodikologie, die osmanische Philosophiegeschichte, die klassische Ethiktradition sowie die moderne politische Instrumentalisierung historischer Texte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Basler Codex zu beschreiben und zu zeigen, wie das darin enthaltene Erbe heute instrumentalisiert wird, um eine neoosmanische politische Identität zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-philologische Analyse, die durch eine Untersuchung aktueller politischer Diskurse und Quellen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Biographie des Autors, die Beschreibung der Handschrift, die theoretischen philosophischen Konzepte des Werkes und die heutige Rezeption in der Türkei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Klassische Begriffe wie „Aḫlāḳ-ı ʿAlāī“ und „Seelentheorie“ stehen neben modernen politischen Konzepten wie dem „Neoosmanismus“.
Warum wird der Titel des Werkes als semantisch komplex beschrieben?
Weil das Adjektiv „ʿAlāī“ mehrdeutig ist und sowohl auf den Eigennamen des Autors oder eines Gönners als auch auf den Begriff der „Erhabenheit“ hindeuten kann.
Wie unterscheidet sich die Gesellschaftstheorie von Ḳınalızāde von modernen Vorstellungen?
Er verfolgt eine starr hierarchische, als natürlich empfundene Ordnung, die soziale Mobilität zwischen den gesellschaftlichen „Säulen“ strikt ablehnt.
Welche Rolle spielt Machiavelli in der heutigen türkischen Rezeption des Werkes?
Er dient als „Antithese“: Während der Westen (Machiavelli) als auf Macht und Einschüchterung basierend dargestellt wird, wird Ḳınalızāde als auf „Liebe“ und Tugend gründende Alternative präsentiert.
- Citation du texte
- Ugur Koc (Auteur), 2018, Der Basler Codex „Aḫlāḳ-ı ʿAlāʾī“ (M VI 39) aus dem Legat R. Tschudis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512605