Obwohl die Industrie 4.0 ein großes Potenzial für die deutsche Industrie verspricht, haben sich, laut einer Online-Studie des Internationalen Controller Vereins, erst 45 % der Unternehmen mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigt. Lediglich 5,5 % entwickeln derzeit eine Strategie zu Industrie 4.0. Das Controlling in deutschen Industrieunternehmen ist demnach auf den Wandel nicht vorbereitet. Vor diesem Hintergrund werden in der vorliegenden Arbeit die Herausforderungen des Controllings durch den Trend zur Industrie 4.0 analysiert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Betrachtung von intelligenten Fabriken (Smart Factories) deutscher Industrieunternehmen.
Zusammenfassend ergibt sich die zentrale Frage dieser Arbeit: Welche Herausforderungen entstehen durch die Industrie 4.0 für das Controlling von Produktionsunternehmen und welchen Einfluss hat dieser Transformationsprozess auf das Kompetenzprofil des Controllers?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Controlling
2.1 Definition und Abgrenzung
2.2 Controlling-Prozesse nach der IGC
2.2.1 Strategische Planung
2.2.2 Operative Planung und Budgetierung
2.2.3 Forecast
2.2.4 Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung
2.2.5 Management Reporting
2.2.6 Projekt- und Investitionscontrolling
2.2.7 Risikomanagement
3 Industrie 4.0
3.1 Historische Einordnung
3.2 Industrielle Evolution oder Revolution
3.3 Definition und Abgrenzung
3.4 Technologiefelder
3.4.1 Embedded Systems
3.4.2 Smart Objects, Products und Services
3.4.3 Cyber-physische-Systeme
3.4.4 Internet der Dinge, Daten und Dienste
3.4.5 Big Data
3.4.6 Cloud-Computing
3.4.7 Weitere Technologien
3.5 Digitalisierung der Produktion
3.6 Smart Factory
4 Anforderungen an die Controlling-Prozesse
4.1 Strategische Planung
4.2 Operative Planung und Budgetierung
4.3 Forecast
4.4 Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung
4.5 Management Reporting
4.6 Projekt- und Investitionscontrolling
4.7 Risikomanagement
5 Anforderungen an die Controllerkompetenzen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Herausforderungen, die sich durch den Trend zur Industrie 4.0 für das Controlling in Produktionsunternehmen ergeben, und untersucht, wie dieser Transformationsprozess das Kompetenzprofil von Controllern beeinflusst.
- Analyse der Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Controlling-Prozesse
- Untersuchung der technologischen Grundlagen der Smart Factory
- Identifikation neuer Anforderungen an das Controlling in einem volatilen Marktumfeld
- Bewertung der Veränderung des Controller-Kompetenzprofils
- Ableitung zukünftiger Rollenbilder für Controller als Business-Partner und Change Agents
Auszug aus dem Buch
3.1 Historische Einordnung
Der Industrialisierungsprozess hat bisher drei industrielle Revolutionen durchlaufen (vgl. Obermaier 2017: 3 f.). Als Revolution wird hier der tiefgreifende Wandel von Wirtschaftssystem und Gesellschaftsstruktur verstanden. Die erste industrielle Revolution (1760–1840) ist gekennzeichnet durch die Erfindung der Dampfmaschine und führte zur mechanischen Produktion. (vgl. Schwab 2016: 6 f.) Die durch Wasser- und Dampfkraft angetriebenen Produktionsanlagen legten den Grundstein für den Transformationsprozess von Agrar- zu Industriegesellschaft. Eine Reihe von technologischen Innovationen, wie der mechanische Webstuhl und die Erfindung der Eisenbahn, ermöglichte durch Arbeitsteilung die Massenproduktion von industriellen Gütern. (vgl. Wildmann 2007: 29 f.)
Anfang des 20. Jahrhunderts entstand durch zunehmende Arbeitsteilung die zweite industrielle Revolution. Die Zerlegung der Arbeitsprozesse in kleinstmögliche und betriebswirtschaftlich optimierte Einheiten charakterisiert diese Zeit. Zudem ermöglichte die Erfindung von Verbrennungskraftmaschine und Elektromotor neue Produktionsverfahren. Durch die Elektrifizierung der Produktion und die Fließbandfertigung stieg der industrielle Output maßgeblich und führte volkswirtschaftlich zu einem Wohlstandswachstum. (vgl. Barthelmäs et al. 2017: 39 f.)
Die Automatisierung der Industrie durch Elektronik und IT (Informationstechnologie) führte ab 1970 zur dritten industriellen Revolution (vgl. Frick 2017). Wesentliche technologische Treiber waren Innovationen wie Halbleiter, Großrechner, Personal Computer (PC) und das Internet, wodurch sich die synonyme Bezeichnung „digitale Revolution“ etablierte (vgl. Schwab 2016: 7). Die zunehmende Automatisierung ist gekennzeichnet durch die Übernahme der menschlichen Hand- und Denkarbeit durch Maschinen (vgl. Kagermann et al. 2013: 18). Die Integration von PCs in die Arbeitswelt und die intelligente Steuerung und Überwachung der Produktion durch Unternehmenssoftware und Kleinstcomputer (Embedded Systems) veränderte die Produktion maßgeblich. Dieser Wandel der industriellen Produktion hält bis heute an. (vgl. Bundesregierung 2012: 52)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung der Industrie in Deutschland, stellt die Herausforderungen durch die Industrie 4.0 dar und definiert die zentralen Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Controlling: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Controllings, definiert dessen Aufgabenbereiche und stellt das Controlling-Prozessmodell der International Group of Controlling (IGC) als strukturellen Rahmen vor.
3 Industrie 4.0: Hier werden die Grundlagen der vierten industriellen Revolution, relevante Technologiefelder sowie die Konzepte der Digitalisierung der Produktion und der Smart Factory detailliert beschrieben.
4 Anforderungen an die Controlling-Prozesse: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Herausforderungen für die sieben Controlling-Hauptprozesse, die sich aus der Digitalisierung und Flexibilisierung in der Smart Factory ergeben.
5 Anforderungen an die Controllerkompetenzen: Hier werden basierend auf den identifizierten Herausforderungen veränderte Qualifikationsanforderungen an Controller abgeleitet und neue Kompetenzfelder erörtert.
6 Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel bewertet die Ergebnisse der Analyse und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Controllings in Produktionsunternehmen.
Schlüsselwörter
Controlling, Industrie 4.0, Smart Factory, Controlling-Prozesse, Digitalisierung, Controllerkompetenzen, Big Data, Predictive Analytics, Cyber-physische-Systeme, Wertschöpfungskette, Flexibilität, Veränderungsmanagement, Risikomanagement, Strategische Planung, IT-Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0) auf das Controlling in Produktionsunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Controlling-Prozesse, technologische Treiber wie Smart Factory und Cyber-physische-Systeme sowie die daraus resultierenden neuen Anforderungen an Controller.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Herausforderungen durch die Industrie 4.0 für das Controlling entstehen und welchen Einfluss dieser Transformationsprozess auf das Kompetenzprofil des Controllers hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse und der Anwendung existierender Controlling-Modelle (insb. IGC-Prozessmodell) auf den Kontext der Smart Factory.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Controlling-Prozesse (Planung, Budgetierung, Reporting, etc.) als auch die notwendigen Controllerkompetenzen in Hinblick auf die Anforderungen der Industrie 4.0 analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Controlling, Industrie 4.0, Smart Factory, Digitalisierung, Big Data, Flexibilität und Controllerkompetenzen.
Wie verändert die Digitalisierung die Budgetierung?
Durch die Volatilität und kurze Zyklen der Smart Factory wird die klassische, starre Budgetierung zunehmend kritisch gesehen; stattdessen gewinnen dynamische Planungsansätze und kurzfristigere Forecasts an Bedeutung.
Warum ist die Rolle des Controllers als „Change Agent“ so wichtig?
Da der Controller nicht mehr nur Zahlen liefert, sondern als Sparringspartner des Managements fungiert, wird er zum Initiator und Treiber von Veränderungsprozessen im Zuge der digitalen Transformation.
Welche Rolle spielt Big Data für das Controlling?
Big Data dient als Informationsquelle für eine präzisere, echtzeitbasierte Steuerung und ermöglicht durch den Einsatz von Predictive Analytics eine bessere Antizipation von Marktbedarfen und Risiken.
- Quote paper
- Andreas Kliem (Author), 2018, Industrie 4.0. Anforderungen an das Controlling im Rahmen der Smart Factory, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512623