Die Fragestellung besteht darin, inwieweit der Klassenrat eine geeignete Methode darstellt, um kommunikative Kompetenz fördern zu können. Das Ziel der Hausarbeit soll es sein, durch die theoretische Aufarbeitung und den Bezug zu den selbst erstellten Beobachtungen eine differenzierte Antwort auf diese Frage zu finden. Dafür wird im weiteren Verlauf zunächst der Begriff kommunikative Kompetenz definiert. Um die Kommunikation im Klassenrat der des Unterrichts gegenüberstellen zu können, wird im Anschluss aufgezeigt, wie die Kommunikation im Unterricht verläuft und herausgearbeitet, inwieweit die Strukturen des regulären Unterrichts geeignet beziehungsweise ungeeignet für den Aufbau kommunikativer Kompetenz sind. Im weiteren Verlauf wird der Schwerpunkt auf die Förderung der kommunikativen Kompetenz durch den Klassenrat gelegt. Dafür erfolgt zunächst eine Definition, um in das Konzept des Klassenrates einzuleiten, während weiterführend die eigenen Beobachtungen der Klassenratssitzungen beschrieben werden. Im Hinblick auf die Beantwortung der Fragestellung werden nachfolgend mögliche Chancen und Grenzen des Klassenrates zur Förderung der kommunikativen Kompetenz theoretisch aufgearbeitet und mit den praktischen Erfahrungen in Beziehung gesetzt. Im abschließenden Resümee werden die zentralen Aussagen der Hausarbeit zusammengefasst und die zu Beginn gestellte Fragestellung beantwortet.
Der Begriff der kommunikativen Kompetenz ist nicht einheitlich definiert, vielmehr finden sich in der Literatur zahlreiche Vorstellungen, Auslegungen und Interpretationsversuche dazu, was unter kommunikativer Kompetenz zu verstehen ist, in welche Teilgebiete sie gegliedert und auf welche Weise sie vermittelt werden kann. Dabei wird die Notwendigkeit von kommunikativer Kompetenz nicht nur im schulischen Kontext hervorgehoben, sondern spielt auch in einer Vielzahl anderer Bereiche, wie der Psychologie, Soziologie, Berufs- und Wirtschaftspädagogik oder Informations- und Kommunikationswissenschaft eine zentrale Rolle. Die Tatsache, dass es sich bei den Komponenten Kommunikation und Kompetenz um Termini handelt, die scheinbar intuitiv erfasst werden können, führt dazu, dass der Begriff kommunikative Kompetenz nahezu inflationär verwendet wird und eine weite Bandbreite an Konzepten entstanden ist, die von dem Begriff aus unterschiedlichsten Perspektiven und mit unterschiedlichsten Zielen Gebrauch machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikative Kompetenz
3. Kommunikation im Unterricht
4. Der Klassenrat zur Förderung der kommunikativen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern in der Grundschule
4.1 Definition Klassenrat
4.2 Konkrete Beobachtungen eines Klassenrates
4.3 Chancen des Klassenrates für die Förderung der kommunikativen Kompetenz
4.3.1 Gleichberechtigte Kooperation
4.3.2 Authentizität der Kommunikationsanlässe
4.3.3 Scaffolding
4.4 Grenzen des Klassenrates für die Förderung der kommunikativen Kompetenz
4.4.1 Komplexität des Gesprächs
4.4.2 Angst vor der Bewertung der Gesprächsteilnehmenden
4.4.3 Fehlende Sprachbewusstheit
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Klassenrats als pädagogische Methode zur Förderung kommunikativer Kompetenzen von Grundschulkindern. Dabei wird analysiert, inwiefern die Struktur und Gesprächskultur des Klassenrats im Vergleich zu herkömmlichen Unterrichtsformen bessere Bedingungen für die Entwicklung mündlicher Fähigkeiten bietet.
- Analyse des Begriffs der kommunikativen Kompetenz
- Untersuchung der institutionellen Rahmenbedingungen der Unterrichtskommunikation
- Theoretische Auseinandersetzung mit den Chancen des Klassenrats (Kooperation, Authentizität, Scaffolding)
- Reflexion der Grenzen des Klassenrats (Komplexität, Bewertungsdruck, Sprachbewusstheit)
- Verknüpfung theoretischer Erkenntnisse mit empirischen Beobachtungen aus dem Praxissemester
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Gleichberechtigte Kooperation
Im Unterricht werden neben dem Frontalunterricht häufig kooperative Lernformen gewählt, um unter anderem die mündlichen Kompetenzen der SuS gezielt weiterentwickeln zu können (vgl. Hochstadt/Krafft/Olsen 2015, 27). Charakteristisch für diese Lernform ist, dass die Lehrkraft in ihrer Rolle als Experte zurücktritt und die Konversationen nur noch als Moderator unterstützt, wodurch den Lernenden mehr Verantwortung zukommt (vgl. ebd., 28).
Eben diese Vorgehensweise wird noch verstärkt im Klassenrat genutzt, da dort alle Beteiligten (anders als im regulären Unterricht) schwerpunktmäßig auf der Beziehungsebene agieren, auf welcher Lehrende und Lernende gleichgestellt und gleichberechtigt sind und die gleichen Regeln zu befolgen haben (vgl. Blum/Blum 2012, 8). Eine solche Aufhebung der hierarchischen Unterschiede hat zur Folge, dass die SuS die Möglichkeit erhalten, in einer angstfreien Atmosphäre miteinander zu kommunizieren, sich gegenseitig zuzuhören und ohne Bewertung von der Lehrkraft Beiträge in das Gespräch einzubringen können (vgl. Blum/Blum 2012, 12). Dadurch werden auch die Strukturen der Unterrichtskommunikation unterbrochen: Im Gegensatz zu den lehrerzentrierten Unterrichtsformen, in welchen den Lehrkräften ein deutlich höherer Redeanteil zukommt als den Lernenden (vgl. Kap. 3), erhalten im schülerzentrierten Klassenrat die SuS den Gesprächsraum, um längere und selbststrukturierte Redebeiträge zu produzieren. Somit kann eine gleichberechtigte Kooperation, wie sie im Klassenrat vorherrschend ist, „aus gesprächsdidaktischer Perspektive als eine sinnvolle Möglichkeit angesehen werden, die mündlichen Fähigkeiten von Schülern in fach- und bildungssprachlichen Kontexten weiterzuentwickeln“ (Hochstadt/Krafft/Olsen 2015, 29).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz kommunikativer Kompetenz ein und formuliert die Fragestellung zur Eignung des Klassenrats als Methode in der Grundschule.
2. Kommunikative Kompetenz: Dieses Kapitel definiert den Begriff der kommunikativen Kompetenz und beleuchtet dessen verschiedene theoretische Ansätze und Teilkompetenzen.
3. Kommunikation im Unterricht: Hier werden die institutionellen Strukturen von Unterrichtskommunikation und die Rolle der Lehrkraft als zentraler Faktor für den Sprecherwechsel analysiert.
4. Der Klassenrat zur Förderung der kommunikativen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern in der Grundschule: Dieses Hauptkapitel untersucht das Konzept des Klassenrats, untermauert durch eigene Beobachtungen sowie eine detaillierte theoretische Diskussion der Chancen und Grenzen.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet den Klassenrat als förderliche, aber anspruchsvolle Methode zur Kompetenzentwicklung.
Schlüsselwörter
Klassenrat, kommunikative Kompetenz, Grundschule, Gesprächsdidaktik, Unterrichtskommunikation, Kooperation, Scaffolding, Gesprächsführung, Partizipation, soziale Kompetenz, schülerzentrierter Unterricht, Gesprächsanlässe, Gesprächskultur, Reflexion, Praxissemester.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial der Methode "Klassenrat" zur Förderung der kommunikativen Fähigkeiten von Grundschulkindern unter Berücksichtigung institutioneller Bedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Bestimmung kommunikativer Kompetenz, die Analyse der typischen Unterrichtskommunikation und die praktische Evaluation des Klassenrats.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit der Klassenrat eine geeignete Methode darstellt, um die kommunikative Kompetenz von Schülerinnen und Schülern gezielt zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Aufarbeitung nutzt die Arbeit teilnehmende Beobachtungen von Klassenratssitzungen während eines Praxissemesters als empirische Grundlage.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Chancen wie die gleichberechtigte Kooperation und das Scaffolding den Grenzen wie der Komplexität des Gesprächs und Bewertungsängsten gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Klassenrat, kommunikative Kompetenz, Gesprächsdidaktik und Partizipation definieren.
Warum wird der Klassenrat oft als "Ernstfalldidaktik" bezeichnet?
Der Begriff bezieht sich darauf, dass Kinder im Klassenrat über reale, klassen- oder schulorganisatorische Probleme sprechen, die sie unmittelbar betreffen, statt rein simulierte Lerninhalte zu bearbeiten.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft im Klassenrat?
Obwohl die Lehrkraft den Rahmen vorgibt, sollte sie im Idealfall als gleichberechtigte Teilnehmerin agieren und sich in ihrer Rolle als Experte zurücknehmen, um den Schülerinnen und Schülern mehr Raum für eigenständige Kommunikation zu geben.
- Citation du texte
- Jessica Deifel (Auteur), 2017, Der Klassenrat. Chancen und Grenzen für die Förderung der kommunikativen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512634