Die Einordnung Somalias in den Failed State Index anhand von ausgewählten Indikatoren


Ausarbeitung, 2011
8 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen eines Failed States

3. Die sozialen und ökonomischen Indikatoren

4. Die politischen Indikatoren

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Somalia wurde 1960 gegründet und entstand aus den Kolonien Somaliland (britisch) und Somalia (italienisch). 1969 eignete sich der Militärführer Siyad Barre die Macht an. Unter seiner Führung führte Somalia 1977 und 1978 den Ogaden – Krieg gegen Äthiopien, welcher verloren wurde. Nach der Niederlage stieg der Unmut in der Bevölkerung gegen Barre, was durch wirtschaftliche Probleme verschärft wurde. Dieser reagierte darauf mit zunehmender Unterdrückung. Dies gipfelte 1988 in einem Bürgerkrieg, welcher die Absetzung Barres zur Folge hatte.1 „Das Ausmaß der menschlichen Tragödie in Somalia wurde als akute Problematik ausgemacht, die ein Einschreiten der Weltgemeinschaft erforderte.“2 Aus diesem Grund kam es 1992 – 1993 zu den UNOSOM – Missionen, welche allerdings scheiterten.3 Seitdem ist Somalia vielfach gespalten. Clans und Warlords haben über weite Teile des Landes ihre Herrschaft erhoben. Somalia ist in viele kleine Gebiete geteilt die durch regionale Gruppen verwaltet werden.4 Das bedeutet, dass zwar eine zentrale Regierung vorhanden ist, dass diese aber nicht in allen Teilen des Landes ihre Macht umsetzen kann. Die nachfolgenden Seiten sollen dazu dienen, um das politische System Somalias genauer zu analysieren. Hilfsmittel wird hierbei der Failed States Index sein, welcher Staaten in verschiedenen Bereichen hinsichtlich Ihrer Probleme kategorisiert. Die meisten Daten stammen aus dem CIA World Factbook.

2. Definitionen eines Failed States

Staaten, zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus vielen Institutionen mit unterschiedlichen Funktionen bestehen.5 Bei Failed States handelt es sich um „Fassadenstaaten, deren sich eine herrschende Clique bemächtigt hat und - sofern vorhanden- staatliche Kapazitäten und Ressourcen für private Zwecke instrumentalisiert.“6 Ebenso sind Failed States dadurch gekennzeichnet, dass von Cliquen, welche über keine demokratische Legitimität verfügen, die Macht ausgeht.7 Ebenso geht von Failed Statess ein gewisses Gefahrenpotenzial aus. Die Vereinten Nationen machten dabei folgende sechs mögliche Gefahrenpotenziale aus: (1) wirtschaftliche, soziale und ökologische Bedrohungen, (2) zwischenstaatliche Konflikte, (3) innerstaatliche Konflikte, (4) Proliferation nuklearer, radiologischer, biologischer und chemischer Waffen, (5) Terrorismus sowie (6) transnational organisierte Kriminalität.“8 Ein Indikator zur Messung der Stabilität eines Staates ist der Failed States Index. Dieser basiert auf Tausenden von Artikeln und Berichten, welche weltweit ausgewertet wurden. Der Failed States Index arbeitet mit zwölf Indikatoren, welche sich den Kategorien der politischen, sozialen und ökonomischen Indikatoren zuordnen lassen. Zu den sozialen Faktoren zählen beispielsweise die Gewährleistung der Grundversorgung, Flüchtlingsströme oder andauernde Kämpfe. Die ökonomischen Faktoren achten vor allem darauf, ob die Wirtschaft ausgeglichen ist. Die politischen Faktoren setzen sich beispielsweise mit der Umsetzung der Menschenrechte, der Machtverteilung und Legitimation des Staates und einer möglichen Intervention anderer Staaten auseinander. In jeder Kategorie sind im schlechtesten Fall zehn Punkte möglich. Aus diesen Punkten wird ein Ranking erstellt. Somalia führte dieses die letzten drei Jahre an. 2010 wurden 114,3, 2009 sogar 114,7 und 2008 wurden 114,2 Punkte erreicht.9

3. Die sozialen und ökonomischen Indikatoren

Somalia hat 9,9 Mio. Einwohner. Der Altersdurchschnitt liegt bei 50,4 Jahren. Dies bezeugt eindeutig, dass Somalia ein Entwicklungsland ist, da dieser Wert in den westlichen Industrienationen 30 Jahre über dem des somalischen liegt. Auch andere Indikatoren bescheinigen, dies. So hat Somalia mit einer Säuglingssterblichkeit von ca. 10%, die fünfthöchste Säuglingssterberate weltweit. Dem gegenüber steht eine Geburtenrate von 6,35 Kindern je Frau. Bei Industriestaaten ist diese Ziffer wesentlich niedriger, da Familien allein schon durch das Sozial- und Rentensystem abgesichert sind. In Somalia ist das nicht der Fall, sodass eine hohe Anzahl von Kindern als eine sinnvolle Altersvorsorge angesehen wird. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 37,8 %.10 Diese Indikatoren zeugen eindeutig davon, dass Somalia im sozialen Bereich ein Entwicklungsland ist. Diese werden durch die Faktoren des Failed States Index bekräftigt. Seit 1988 wurden 1,1 Mio. Menschen vertrieben.11 Das sind aus heutiger Sicht ca. 10% der Gesamtbevölkerung. Aufgrund dessen hat Somalia bei den ersten vier Kategorien durchschnittlich 9,4 Punkte erhalten, was eindeutig auf einen Failed State hindeutet. Im wirtschaftlichen Bereich erhielt Somalia 8,0 und 9,6 Punkte, welche den Status eines Failed States nochmals bescheinigen.12 In Somalia ist vor allem die Vieh- und Landwirtschaft ausgeprägt. Das heißt der größte Teil der Wirtschaft ist im primären Sektor angesiedelt. 71% der Gesamtbevölkerung arbeiten im primären Sektor, während der sekundäre und tertiäre Sektor nur 29 % ausmachen. Deshalb ergibt sich auch ein Bild, was sehr typisch für Entwicklungsländer ist. 65 % des Bruttoinlandsprodukts stammen aus der Landwirtschaft. Aus diesem Grund gibt es auch ein pro Kopf – Einkommen von gerade mal 600$, welches extrem niedrig ist. Die Wirtschaft ist somit agrarisch geprägt und der tertiäre Sektor ist nur in einem Mindestmaß vorhanden. Facharbeiter gibt es ebenfalls kaum. Aus diesem Grund kann man von starken Gefällen in der Wirtschaft sprechen, da einerseits der primäre Sektor gut, aber der sekundäre und tertiäre Sektor kaum ausgeprägt sind.13

4. Die politischen Indikatoren

Politisch betrachtet ist Somalia ein sehr komplexes Gebilde aus Clan – Strukturen. Es gibt sechs Clan – Familien (Hawiye, Darod, Isaq, Dir, Digil und Mirifle bzw. Rahanweyn). Diese Clans besitzen zumeist, aber noch Subclans und Subsubclans, sodass eine einfache Reduzierung auf die sechs Clanfamilien zu oberflächlich wäre. Eine „Identifikation mit größeren sozialen Einheiten setzt eigentlich nur in Krisenzeiten oder bei überregionalen politischen Fragen ein.“14 Dies zeigt, dass die regionalen Clan – Strukturen das Land beherrschen.2004 wurde zwar eine Übergangsregierung gebildet, welche neue Institutionen schaffen und die Verfassung von 1979 überarbeiten sollte. Allerdings ist die Übergangsregierung nicht überall anerkannt, sodass die gesteckten Ziele nur partiell erreicht werden konnten.15 Der erste politische Indikator des Failed States Index setzt sich mit der Kriminalisierung und der Deligitimation der Regierung auseinander. Hier hat Somalia die Höchstnote von 10,0 erhalten. Dies ist vor allem aufgrund der starken Ausprägung der Piraterie kaum verwunderlich. Während im Jahr 2007 noch 300 Geiseln genommen wurden, waren es im Jahr 2010 mehr als 1000. 2010 wurden insgesamt 49 Schiffe gekapert.16 Ebenso wird daran ersichtlich, dass die Übergangsregierung nicht die Mittel besitzt, um die Piraterie zu bekämpfen. „Die fruchtbaren Gebiete Süd – Somalias und die dort lebenden Bauern werden ausgebeutet, Fischereirechte werden an ausländische Firmen verkauft, Giftmüll wird vor der somalischen Küste oder im Land abgeladen, und an Straßenkreuzungen, Flughäfen oder Häfen werden Milizionäre positioniert, die „Steuern“ erheben.“17 Auch anhand dieses Zitates zeigt sich, dass die Regierung nur einen kleinen Teil des Landes regiert, während große Teile des Landes von regionalen Clans, die nach Ihren politischen Interessen handeln, verwaltet werden. Der zweite politische Indikator ist die Verschlechterung der allgemeinen Dienstleistungen. Hierbei hat Somalia eine 9,6 erhalten. Somit wird Somalia auch in diesem Bereich der Status eines Failed States bescheinigt. Der Elektrizitätsverbrauch konnte gewährleistet werden. So wurden 2007, 280 Mio. KWh produziert, während 260,4 Mio. KWh verbraucht wurden. Anders sah dies bei Öl aus. Hier wurden lediglich 108 Barrel pro Tag hergestellt. Allerdings wurden auch 5000 Barrel benötigt. Dies hatte zur Folge, dass täglich 6387 Barrel Öl importiert wurden. 300 Mio. US-$ Exporterlösen standen 798 Mio. US-$ Importkosten gegenüber. In Somalia gibt es ca. 100000 Telefone und 641000 Handys. Die Telefonnetze sind durch den Bürgerkrieg weitestgehend zerstört wurden. Nur in größeren Städten sind sie meist noch funktionsfähig. Somalia verzeichnet zirka 106000 Internetnutzer. Dies sind in etwa 10% der Gesamtbevölkerung. Des Weiteren hat es 59 Flughäfen, wovon allerdings nur sieben asphaltiert sind.18 Der neunte Punkt des Failed State Index ist die Rechtsprechung und die Umsetzung der Menschenrechte. Hier hat Somalia 9,9 Punkte erhalten. Dies zeugt davon, dass die Rechtsprechung in Somalia kaum vorhanden ist. Die Rechtsprechung funktioniert hier nicht einheitlich. Sie wird regional von Clanältesten, teils von islamischen Gerichten, von Geschäftsleuten und lokalen Milizen übernommen.19 Auch in den nächsten beiden Punkten, der Fraktionalisierung und der Machtverteilung, wird Somalia mit jeweils 10,0 Punkten der Status eines failed states bescheinigt. Dies zeigt sich allein schon in der Bildung der Clans. Des weiteren ist die Regierung in der Lage, lediglich Teile Mogadishus zu kontrollieren. Der letzte Punkt des Failed States Index ist die Intervention bzw. das Agieren anderer Länder. Auch in diesem Punkt ist Somalia mit 9,6 Punkten ein failed state. Dies kann man anhand der Ereignisse von 1992 sehen, als die UN und auch die United Task Force in Somalia intervenierten. „Die Mission hatte viele Menschen vor dem Hungertod bewahrt. Politisch war sie jedoch gescheitert. Die internationalen Akteure waren von der Komplexität der Lage in Somalia überfordert.“20 Dies verdeutlicht zwei Dinge. Einerseits ist die Regierung nicht in der Lage für stabile Bedingungen und eine Grundversorgung an Nahrung zu sorgen und andererseits konnten selbst die Vereinten Nationen zumindest die politischen Probleme nicht lösen. International ist die somalische Regierung allerdings anerkannt. Dies lässt sich daran erkennen, dass die Regionen Puntland und Somaliland, welche sich für autonom erklärten, international nicht anerkannt wurden.21 Somit lässt sich festhalten, dass die somalische Regierung außenpolitisch, aber nicht innenpolitisch, anerkannt ist.

[...]


1 Vgl. Lambach, Daniel, Staatenzerfall im postkolonialen Afrika, Marburg 2002, S.72 f.

2 Vgl. Goede, Nils, Die Intervention der Vereinten Nationen in Somalia. Eine Analyse der Entscheidungsprozesse im Sicherheitsrat für die Resolution 794, Duisburg/ Essen 2009, S.5.

3 Vgl. Lambach, Staatenzerfall, S.72.

4 Vgl. Höhne, Markus, Staatszerfall. Konflikregelung und Staatsaufbau. Zur Diversifizierung der politischen und sozialen Realitäten in Somalia, in: Biel, Melha Rout/ Leiße Olaf (Hrsg.), Politik in Ostafrika. Zwischen Staatszerfall und Konsolidierung, Frankfurt am Main 2007, S.75 – 97 (hier: S.88).

5 Vgl. Schuppert, Gunnar Folke/ Beisheim Marianne, Staatszerfall und Gouvernance, Baden- Baden 2007, S.31.

6 Vgl. ebd., S. 35.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Schneckener, Ulrich, Fragile Staatlichkeit. „States at risk“ zwischen Stabilität und Scheitern, Baden – Baden 2006, S. 11.

9 Vgl. Fundforpeace: The failed states Index 2010, <http://www.fundforpeace.org/web/index.php?option=com_content&task=view&id=452&Itemid=900> am 15.04.2011.

10 Vgl. CIA (Hrsg.), The world factbook, 2011, <https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/so.html> am 15.04.2011.

11 Vgl. CIA (Hrsg.), The world factbook, 2011, <https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/so.html> am 15.04.2011.

12 Vgl. Fundforpeace: The failed states Index 2010, <http://www.fundforpeace.org/web/index.php?option=com_content&task=view&id=452&Itemid=900> am 15.04.2011.

13 Vgl. CIA (Hrsg.), The world factbook, 2011, <https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/so.html> am 15.04.2011.

14 Vgl. Lambach, Staatenzerfall, S.75.

15 Vgl. CIA (Hrsg.), The world factbook, 2011, <https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/so.html> am 15.04.2011.

16 Vgl. Utler, Simone, Ermordete Segler, in: Der Spiegel, 2011, <http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,747348,00.html> am 15.04.2011.

17 Vgl. Höhne, Markus, Staatszerfall. Konflikregelung und Staatsaufbau. Zur Diversifizierung der politischen und sozialen Realitäten in Somalia, in: Biel, Melha Rout/ Leiße Olaf (Hrsg.), Politik in Ostafrika. Zwischen Staatszerfall und Konsolidierung, Frankfurt am Main 2007, S.75 – 97 (hier: S.87).

18 Vgl. CIA (Hrsg.), The world factbook, 2011, <https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/so.html> am 15.04.2011.

19 Vgl. Lambach, Staatenzerfall, S.76.

20 Vgl. Höhne, Markus, Staatszerfall. Konflikregelung und Staatsaufbau. Zur Diversifizierung der politischen und sozialen Realitäten in Somalia, in: Biel, Melha Rout/ Leiße Olaf (Hrsg.), Politik in Ostafrika. Zwischen Staatszerfall und Konsolidierung, Frankfurt am Main 2007, S.75 – 97 (hier: S.88).

21 Vgl. Lambach, Staatenzerfall, S.74.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Einordnung Somalias in den Failed State Index anhand von ausgewählten Indikatoren
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Autor
Jahr
2011
Seiten
8
Katalognummer
V512699
ISBN (eBook)
9783346105295
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einordnung, somalias, failed, state, index, indikatoren
Arbeit zitieren
Christian Schwambach (Autor), 2011, Die Einordnung Somalias in den Failed State Index anhand von ausgewählten Indikatoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512699

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