Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Guerilla-Marketing für Kultureinrichtungen anhand ausgewählter Beispiele aus dem musealen Bereich. Dabei wird den Fragen nachgegangen, was alternative Werbeformen wie Guerilla-Marketing attraktiv macht, warum sie eingesetzt werden und welche Herausforderungen sie für Kultureinrichtungen mit sich bringen.
Guerilla-Marketing wird bereits seit Jahrzehnten als Alternative zum konventionellen Marketing, insbesondere für kleinere Unternehmen mit geringen Werbeetats, angepriesen. Auch Non-Profit-Organisationen und Kultureinrichtungen, zu denen die Museen gehören, müssen mit überschaubaren finanziellen Mitteln Aufmerksamkeit erzeugen, wollen sie für sich werben. Demnach ist Guerilla-Marketing auch für Museen attraktiv, die zum größten Teil staatlich finanziert und deren finanziellen Mittel stark begrenzt sind. Dem Begriff "Guerilla" haftet etwas dynamisch-aggressives an, weil er die militärische Unterlegenheit einer Seite im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner beinhaltet und es einen kreativen Umgang mit dieser Unterlegenheit erfordert, um sich durchzusetzen.
Mit Guerilla-Aktionen wird versucht, neue Zielgruppen zu erschließen, sie sollen Aufmerksamkeit erzeugen und zu Einstellungsänderungen gegenüber einem Produkt, einer Marke oder auch einer Institution führen. Sie dienen der Mundpropaganda und dem Aufbau neuer Kundenbeziehungen. Damit werden die Rezipienten, aber auch alte und neue Medien, zu Multiplikatoren, die die Werbebotschaft verbreiten. Findet konventionelles Marketing in den klassischen Medien, wie Zeitung, Rundfunk und TV statt, so kann sich Guerilla-Marketing auch in diesem Rahmen bewegen, jedoch primär außerhalb dieser Medien und im Lebensraum der Rezipienten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Guerilla-Taktiken mit Überraschungseffekt
3. Guerilla-Marketing in der Praxis
3.1 Technoseum in Mannheim, 2013
3.2 Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, 2012
3.3 Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2011-2012
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Herausforderungen von Guerilla-Marketing für Kultureinrichtungen. Dabei wird analysiert, wie Museen durch unkonventionelle und kosteneffiziente Marketingstrategien trotz begrenzter Budgets Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erzeugen und Zielgruppen effektiv ansprechen können.
- Einsatz alternativer Werbeformen im musealen Kontext
- Überwindung des Aufmerksamkeitsdilemmas durch Überraschungseffekte
- Analyse von Guerilla-Marketing-Strategien anhand konkreter Fallbeispiele
- Diskussion der Eignung provokativer Kampagnen für öffentlich finanzierte Institutionen
- Bedeutung der Professionalisierung durch spezialisierte Werbeagenturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Technoseum in Mannheim, 2013
In einer nächtlichen Aktion vom 14. auf den 15. Oktober 2013 hängten sogenannte „Aktivisten“ in den 92 Goethestraßen in Baden-Württemberg Plakate auf, die den Dichter Johann Wolfgang von Goethe an einem Notebook zeigen und mit der Frage „Hätte Goethe so Faust III geschrieben?“ versehen wurden. Zusätzlich zur Plakataktion wurde die Werbeaktion in den konventionellen Medien mittels Fernseh- und Kinospots unterstützt, die Guerilla-Aktion bildete praktisch den Startschuss für die Werbekampagne, die das Technoseum mit der Initiative „Jugend für Technik“ durchgeführt hatte. Das kommunizierte Ziel der „(...) überregionalen Imagekampagne (...)“, die von der Agentur Schleiner + Partner konzeptioniert wurde, war es auf den Fachkräftemangel in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen aufmerksam zu machen.
Im Tätigkeitsbericht 2012-2013 werden die Zugriffszahlen auf der Webseite des Museums und die Resonanz in den Print- und Fernsehmedien aufgelistet. Hier zeigt sich, dass die Aktion keinen Einfluss auf die Resonanz in den klassischen Medien hatte, im Gegensatz zur Internetresonanz, die vermehrte Zugriffe aufzuweisen hatte.
Die Zielgruppe, die mit der Aktion angesprochen werden sollten, waren Jugendliche, und so liegt es nahe, dass ein Werbeformat gewählt wurde, das unkonventionell, kreativ und anders in Erscheinung treten musste, als einfache Plakate, die oft nicht wahrgenommen werden. Um mit den bereits erwähnten Erwartungshaltungen hinsichtlich konventioneller Werbemaßnahmen zu brechen, musste die Aktion entsprechend inszeniert werden. Dafür wurden die Teilnehmenden an der Aktion praktisch als Guerilla-Kämpfer inszeniert: Die Begriffe „nächtliche Aktion“, „Aktivist“ und auch das plakative Verwenden des Begriffs „Guerilla-Aktion“ unterstreichen den Charakter des Unkonventionellen, sie sollen provozierend und innovativ wirken. Die eingesetzten Mittel dienen zur Beschäftigung mit der Werbebotschaft und natürlich auch mit der Institution, die hinter der Aktion steht. Diese Art von Werbemaßnahme dient dem Imagegewinn und verweist selbstreferentiell auf die auftraggebende Institution und natürlich auch auf die Werbeagentur. Es ist jedoch fraglich, ob diese Aktion einen längerfristigen Effekt auf die Rezipienten hat und tatsächlich eine Einstellungsänderung in der Zielgruppe erzeugt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Guerilla-Marketing für Kultureinrichtungen ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Attraktivität und den Herausforderungen dieser unkonventionellen Werbeformen.
2. Guerilla-Taktiken mit Überraschungseffekt: Dieses Kapitel erläutert, wie durch das Durchbrechen von Erwartungshaltungen der sogenannte Überraschungseffekt erzeugt wird, um dem Aufmerksamkeitsdilemma konventioneller Medien entgegenzuwirken.
3. Guerilla-Marketing in der Praxis: Anhand von drei Fallstudien (Technoseum, Senckenberg Naturmuseum, Schirn Kunsthalle) wird die praktische Umsetzung von Guerilla-Marketing-Strategien und deren Wirkung analysiert.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Einsatzmöglichkeiten von Guerilla-Marketing für Museen und weist auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abstimmung der Aktionen auf das Image der Institution hin.
Schlüsselwörter
Guerilla-Marketing, Museen, Kulturmanagement, Überraschungseffekt, Ambient-Marketing, Sensation-Marketing, Aufmerksamkeitsdilemma, Imagegewinn, Institutionenmarketing, Zielgruppenansprache, Provokation, Werbekommunikation, Fachkräftemangel, öffentliche Förderung, Guerilla-Kommunkation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz von alternativen, unkonventionellen Marketingstrategien, bekannt als Guerilla-Marketing, im Umfeld von Museen und Kultureinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Abnahme der Werbewirkung klassischer Medien, die Funktionsweise von Überraschungseffekten sowie die Chancen und Risiken bei der Nutzung provokativer Werbemaßnahmen durch Non-Profit-Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, warum Guerilla-Marketing für Museen attraktiv sein kann und welche Herausforderungen die Umsetzung dieser Maßnahmen für Kultureinrichtungen mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Untersuchung von drei ausgewählten Praxisbeispielen, um die theoretischen Kriterien für Guerilla-Strategien zu verifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Guerilla-Marketings und des Überraschungseffekts diskutiert, gefolgt von einer detaillierten Vorstellung und kritischen Betrachtung der Fallbeispiele aus dem Technoseum Mannheim, dem Senckenberg Naturmuseum und der Schirn Kunsthalle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Guerilla-Marketing, Kulturmanagement, Überraschungseffekt, Ambient-Marketing und Institutionenmarketing definieren.
Wie unterscheidet sich die Aktion der Schirn Kunsthalle von den anderen Beispielen?
Im Gegensatz zu den anderen Beispielen setzte die Schirn Kunsthalle gezielt auf Provokation durch eine illegale Sprühaktion, was bewusst negative Reaktionen und öffentliche Kritik in Kauf nahm.
Welche Rolle spielt die Professionalisierung im Guerilla-Marketing für Museen?
Die Arbeit stellt fest, dass Guerilla-Marketing zunehmend professionalisiert wird und Museen hierfür auf die Expertise von spezialisierten Werbeagenturen zurückgreifen, um sowohl die kreative Umsetzung als auch die Wirkung zu optimieren.
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- Anonym (Autor), 2018, Guerilla-Marketing für Museen. Zwischen Provokation und Innovation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512709