Diese Arbeit thematisiert die Frage, inwieweit die EU mit der Agenda 2020 eine nachhaltige Entwicklung fördern kann. Zudem soll aufgezeigt werden, an welchen Stellen weitere Maßnahmen nötig erscheinen, um den Ansprüchen der ehrgeizigen Zielsetzungen gerecht werden zu können. Um dies zu erreichen, ist es erforderlich, einen Überblick über die theoretischen Zusammenhänge der Thematik der Nachhaltigkeit zu erlangen. Hierbei stehen neben verschiedenen normativen Aspekten auch methodische Fragestellungen im Zentrum der Betrachtung. Es werden die Möglichkeiten nachhaltigen Wachstums analysiert. Den Ausgangspunkt für diese Betrachtung bilden dabei zum einen die Wachstumstheorien und zum anderen der Innovationsbegriff, welcher letztlich auch zur Erklärung des Phänomens des langfristigen Wirtschaftswachstums beiträgt.
Die Europäische Union hat sich mit der Europa 2020-Strategie das anspruchsvolle Ziel eines nachhaltigen, intelligenten und integrativen Wachstums gesetzt. Diese Zielsetzung erscheint dabei ebenso ambitioniert wie notwendig. Wie jüngst der Weltklimarat darlegte, ist in Folge des Klimawandels mit erheblichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen zu rechnen. Und auch in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit und die sozialen Belange in den einzelnen EUStaaten erscheint Handlungsbedarf zu bestehen. Allerdings stellt sich angesichts der vielfältigen Verwendung des Begriffs Nachhaltigkeit die Frage, welche Zielsetzungen daraus im Einzelnen abgeleitet werden können und welche Maßnahmen geeignet sind, diese Ziele zu erreichen. In Anbetracht der mäßigen Erfolge der Lissabon-Strategie, deren Zielsetzungen ähnlich anspruchsvoll waren, stellt sich zudem auch die Frage, ob die EU überhaupt über die ausreichenden Kompetenzen verfügt, um zu einer solchen Entwicklung in einem erheblichen Maße beizutragen.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG
2. EUROPA 2020 UND KONSISTENZ DER ZIELSETZUNG DER LISSABON-STRATEGIE
2.1. Erfolge und Misserfolge der Lissabon-Strategie
2.2. Kernziele und Leitinitiativen von Europa 2020 und Bezüge zur Lissabon Strategie
2.3. Europäisches Semester und Abgrenzung zur Methode der offenen Koordinierung
3. THEORETISCHE ANSÄTZE DER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG
3.1. Definitionen von Nachhaltigkeit
3.2. Normative Grundlagen und Programmatik der Nachhaltigkeit
3.2.1. Dimensionen und Zielebenen
3.2.2. Marktversagen
3.2.3 Integrative Ansätze
3.3. Wachstumsmodelle im Kontext nachhaltiger Entwicklung
3.3.1. Natur(-kapital) und neoklassiche Wachstumstheorien
3.3.3. Endogenes Wachstum und Chancen nachhaltiger Entwicklung
3.3.3. Umweltinnovation und nachhaltige Innovation
3.3.4. Qualitatives Wachstum
3.3.5 Internalisierung externer Effekte
3.3.6. Implikationen für die Wachstumsintensität bzw. Entkoppelung
3.3.6.1. Dichotomie starker und schwacher Nachhaltigkeit
3.3.6.2. Dialektischer Ansatz der zweistufigen Nachhaltigkeit
3.4. Operationalisierung nachhaltiger Entwicklung und Bruttoinlandsprodukt
3.4.1. Anforderungen und Funktionen von Indikatoren
3.4.2. Typologie von Indikatoren
3.4.3. Tradierte Indikatoren des Nachhaltigkeitsdiskurses
3.4.3.1. Indikatorensystem
3.4.3.2. Integrative Indizes
4. UMSETZUNG UND AUSWIRKUNG DER RAHMENSTRATEGIE EUROPA 2020
4.1. Innovation als notwendige Bedingung nachhaltigen Wachstums
4.1.1. Regulierungsbedingtheit nachhaltiger Innovationen
4.1.2. Innovationspolitik der EU
4.1.3. Chancen nachhaltiger Entwicklungskorridore
4.2. Umweltpolitisches Instrumentarium und Internalisierung externer Effekte
4.2.1. Erfordernisse und Grenzen regulativer Instrumente
4.2.1.1. Folgenabschätzungen bei Produkt und Prozessnormen
4.2.1.2. Haftungsrecht und (Schatten-)Subventionen
4.2.2. Potentiale ökonomischer Instrumente
4.2.2.1. Emissionszertifikate
4.2.2.2. Umweltsteuern
4.3. Beschäftigungspolitik und Aspekte sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit
4.3.1. Flexicurity im Lichte der Krise
4.3.2. Wirkungen sozialer Absicherung und des Kündigungsschutzes
4.3.3. Informeller Ansatz und komplementäre Elemente der Flexibilität
4.4. Fortschrittsbeurteilung und Ländervergleiche
4.4.1. Soziale und ökonomische Entwicklung
4.4.2. Ökologische Aspekte
4.5. Politikempfehlungen
5. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Europäische Union durch die Agenda "Europa 2020" eine nachhaltige Entwicklung fördern kann und identifiziert notwendige Maßnahmen, um den gesetzten Zielen eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums gerecht zu werden.
- Theoretische Grundlagen und Paradigmen der Nachhaltigkeit
- Wachstumsmodelle im Kontext nachhaltiger Entwicklung
- Innovation als Instrument für nachhaltiges Wachstum
- Umweltpolitische Instrumente und deren Internalisierungseffekte
- Beschäftigungspolitische Strategien wie die Flexicurity
Auszug aus dem Buch
3.3.5 Internalisierung externer Effekte
Wie dargelegt, beeinflussen externe Effekte in vielerlei Hinsicht auf individueller oder aggregierter Ebene den Wohlstand. Diese Effekte können dabei sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite auftreten. Anderseits lassen sich positive und negative Effekte, welche auch bisweilen als soziale Kosten bezeichnet werden, unterschieden. Allen gemein ist jedoch, dass sie entstehen, weil nicht alle Auswirkungen ökonomischer Aktivitäten durch Preiszahlungen am Markt kompensiert werden. Besonders im Hinblick auf Schadstoffbelastungen, deren Auswirkungen für die derzeitigen und künftigen Generationen eine erhebliche Bedrohung darstellen, ergibt sich die Notwendigkeit korrigierender Maßnahmen.
Grundsätzlich stehen dabei der Politik eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung. Die ordnungsrechtlichen und ökonomischen Instrumente stehen dabei in einer engen Verbindung zur Theorie externer Effekte.
Diese Theorie, welche im Kern auf Pigou zurückgeführt werden kann, beschreibt dabei die Möglichkeit, die Wirtschaftssubjekte dazu zu veranlassen, die Auswirkungen ihrer ökonomischen Entscheidung auf dritte - nicht an der Transaktionen beteiligte Personenkreise - zu berücksichtigen. Hierzu führte er die Unterscheidung privater und sozialer Kosten bzw. privaten und sozialen Nutzen ein. Unter privaten Kosten wären dabei unter anderem Preiszahlungen für ein Produkt zu verstehen, durch die der Anbieter des Produkts Kompensation für die zur Herstellung des Produkts erbrachten Leistungen erfährt. Pigou beschrieb dabei im Fall von negativen Effekten Situationen, in denen die Preiszahlungen zwar den privaten Kosten des Produzenten entsprechen, allerdings die gesamten Kosten der Produktion nicht kompensiert werden. Beispielsweise kann Luftverschmutzung im Zuge von Produktionsprozessen die Lebensqualität der Bevölkerung verschlechtern, ohne dass diese hierfür eine Entschädigung erhält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMSTELLUNG: Die Arbeit hinterfragt die Wirksamkeit der Europa 2020-Strategie hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung und analysiert notwendige Ergänzungen.
2. EUROPA 2020 UND KONSISTENZ DER ZIELSETZUNG DER LISSABON-STRATEGIE: Es wird die historische Einordnung und Konsistenz der neuen Strategie zur Lissabon-Strategie und die Rolle des europäischen Semesters betrachtet.
3. THEORETISCHE ANSÄTZE DER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG: Dieser Teil analysiert Definitionen, normative Grundlagen, Wachstumsmodelle und Operationalisierungsmethoden der Nachhaltigkeit.
4. UMSETZUNG UND AUSWIRKUNG DER RAHMENSTRATEGIE EUROPA 2020: Hier werden konkrete EU-Maßnahmen in den Bereichen Innovation, Umweltpolitik und Beschäftigungspolitik kritisch untersucht.
5. FAZIT UND AUSBLICK: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und Perspektiven für zukünftige politische Strategien der EU aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Europa 2020, Wirtschaftswachstum, Innovation, Flexicurity, Externe Effekte, Marktversagen, Umweltpolitik, Nachhaltigkeitsindikatoren, BIP, Soziale Dimension, Ökonomische Dimension, Ökologische Dimension, Internalisierung, Beschäftigungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategie "Europa 2020" der EU im Hinblick auf ihr Ziel eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der nachhaltigen Entwicklung, wachstumspolitischen Modellen, innovationspolitischen Instrumenten sowie sozial- und umweltpolitischen Maßnahmen der EU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die EU eine nachhaltige Entwicklung fördern kann und an welchen Stellen zusätzliche politische Maßnahmen erforderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Diskussion normativer Ansätze und der Analyse ökonomischer Wachstumstheorien sowie politischer Instrumente basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Diskussion von Nachhaltigkeitskonzepten (Kapitel 3) und eine praktische Analyse der Umsetzung und Auswirkungen der Europa 2020-Strategie (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Nachhaltigkeit, Europa 2020, Wachstum, Innovation, Flexicurity, externe Effekte und Umweltpolitik.
Wie bewertet der Autor das Instrument der "Flexicurity"?
Der Autor stellt fest, dass der Ansatz der Flexicurity, wie er von der Kommission verfolgt wird, eher angebotsorientiert ist und durch die Reduktion von Sozialleistungen zu Lasten der Arbeitnehmer gehen kann, was in der Literatur teils kritisch diskutiert wird.
Welche Rolle spielt die "Regulierungsbedingtheit" bei Innovationen?
Da viele umweltfreundliche Innovationen aufgrund externer Effekte nicht allein durch Marktkräfte (Market-Pull) getragen werden, sieht der Autor die Notwendigkeit staatlicher Regulierungsmaßnahmen (Regulatory-Push), um nachhaltige Innovationsprozesse zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Mathias Klöckner (Autor:in), 2013, Nachhaltigkeit im Rahmen von Europa 2020. Die EU-Strategie zur Förderung eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512765