„Über die Adelserziehung im hohen Mittelalter ist nur wenig bekannt“.
Das Wenige nun, das uns aus der Literatur über höfische Ausbildung bekannt ist, soll im Rahmen der Arbeit kurz zusammengefasst werden und drei zentrale Quellen, die zu diesen Erkenntnissen führten, vorgestellt und verglichen werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Erziehung und Bildung Alexanders des Großen in den drei mittelhochdeutschen Alexanderromanen von Lamprecht, Rudolf von Ems und Ulrich von Etzenbach. Obwohl den drei zu behandelnden Autoren sehr wohl die antiken Quellen als Vorlage dienten, änderten sie bestimmte Inhalte auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedlichen zeitgenössischen Motiven. Zu jenen Inhalten zählen auch die Bereiche Erziehung und (Aus-)Bildung Alexanders zum künftigen Herrscher, welche in seine Kindheits- und Jugendgeschichte verstrickt sind. Diese Unterschiede im Ausbildungsabschnitt zu untersuchen und dadurch Schlussfolgerungen auf deren Motive ziehen zu können, soll Ziel der vorliegenden Arbeit sein. Dazu sollen die drei Werke auf strukturelle und inhaltliche Gemeinsamkeiten und Abweichungen hin untersucht, analysiert und das Ergebnis interpretiert werden.
Um eigene Thesen und daraus resultierende Ergebnisse zu stützen und um ein breites Feld von Forschungsmeinungen zu repräsentieren, wird unterschiedliche Sekundärliteratur verwendet: Zunächst Überblickswerke von Trude Ehlert, Markus Stock, Thomas Klein, Herwig Buntz und das Verfasserlexikon zur Orientierung und für allgemeine Informationen; und im weiteren Literatur welche speziell die Kindheits- und Jugendgeschichte bzw. die Ausbildung, die Erziehung und das Herrscherideal zum Teil explizit für Alexander berücksichtigt von Elisabeth Lienert, Anja Russ, Hans Szklenar, Kugler Hartmut und Christoph Mackert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Darstellung der Erziehungsgeschichte Alexanders in der Leitversion, Lamprechts „Straßburger Alexander“
2.2. Darstellung der Bildungsgeschichte bei Rudolf von Ems und Vergleich mit der Leitversion
2.3. Darstellung der Bildungsgeschichte bei Ulrich von Etzenbach und Vergleich mit der Leitversion und Rudolfs Alexander
3. Zusammenfassung
4. Literatur
1. Primärliteratur
2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Erziehungs- und Bildungsgeschichte von Alexander dem Großen in drei mittelhochdeutschen Alexanderromanen (Lamprecht, Rudolf von Ems und Ulrich von Etzenbach). Ziel ist es, strukturelle und inhaltliche Gemeinsamkeiten sowie Abweichungen im Ausbildungsabschnitt der Helden zu analysieren, um daraus Rückschlüsse auf die jeweiligen mittelalterlichen Motive und das sich wandelnde Herrscherideal zu ziehen.
- Vergleich der pädagogischen Konzepte in der mittelhochdeutschen Alexanderdichtung.
- Analyse der Gewichtung von intellektueller Bildung (sapientia) versus ritterlicher Praxis (fortitudo).
- Untersuchung der Funktion der Buzival-Episode für die Legitimation der Thronfolge.
- Betrachtung der Bedeutung von Aristoteles als Lehrmeister in den verschiedenen Fassungen.
- Aufzeigen der zunehmenden "Höfisierung" und der Funktion der Werke als Fürstenspiegel.
Auszug aus dem Buch
2.1. Darstellung der Erziehungsgeschichte Alexanders in der Leitversion, Lamprechts „Straßburger Alexander“
Der Straßburger Alexander, der hier als Leitversion dienen soll, ist zugleich der kürzeste der drei Alexanderromane und somit überrascht es nicht, daß seine Erziehungsgeschichte hier im Bezug zu den anderen beiden mit 264 Versen am kürzesten vertreten ist. Während im vorhergehenden Initialienabschnitt noch die Beschreibung Alexanders Aussehen ab dem Kleinkindalter (descriptio personae) stattfindet, setzt mit Vers 181 die Erziehungsgeschichte Alexanders ein. Strukturell kann diese in drei Abschnitte gegliedert werden: Zunächst in einen einleitenden Teil von Vers 181 bis 200, in dem der Erzähler zu den Rezipienten spricht („Nû hôret, wî er sih fure nam:“ V181 /“ ich sage û wêrlîche:“ V190) und Alexanders Fähigkeiten, Lehrer und Lerngebiete schon im Vornherein zusammenfassend darstellt. Danach folgt ein Erzählteil von Vers 201 bis Vers 251, in dem Alexanders einzelne Lehrer („die meistere“), ihre Fächer und ihre Lehrtätigkeit bei Alexander dargestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht den Forschungsbedarf hinsichtlich der Adelserziehung im Mittelalter und definiert die Zielsetzung des Vergleichs der drei Alexanderromane.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Erziehungs- und Bildungsgeschichten bei Lamprecht, Rudolf von Ems und Ulrich von Etzenbach und stellt deren jeweilige Schwerpunkte und Unterschiede heraus.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Tendenz der zunehmenden Höfisierung und Politisierung der Alexanderdichtung von Lamprecht über Rudolf zu Ulrich.
4. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Primärquellen und die einschlägige wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, mittelhochdeutsche Alexanderromane, Lamprecht, Rudolf von Ems, Ulrich von Etzenbach, Adelserziehung, Höfisierung, Fürstenspiegel, sapientia et fortitudo, Buzival, Aristoteles, Herrscherideal, mittelalterliche Literatur, Ritterlehre, Schwertleite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Umgang mit Alexanders Erziehung und Ausbildung in drei wichtigen mittelhochdeutschen Romanen des Mittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte der ritterlichen und höfischen Ausbildung, die Bedeutung der Sieben Freien Künste sowie die Funktion des Helden als Spiegelbild für zeitgenössische Herrscher.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch einen strukturellen und inhaltlichen Vergleich der drei Werke aufzuzeigen, wie sich das Bild des Herrschers und die pädagogischen Ideale im Laufe der Zeit wandelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei sie die Texte auf Gemeinsamkeiten und Abweichungen hin prüft und diese im historischen Kontext interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analysen der drei Autoren, wobei Aspekte wie die Lehrerrollen, die Buzival-Episode und der jeweilige Einsatz des Wissens für die Herrschaftslegitimation im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alexander-Dichtung, Fürstenspiegel, Höfisierung, sapientia et fortitudo und die verschiedenen Lehrmeisterfiguren.
Welche Rolle spielt die Buzival-Episode in den verschiedenen Fassungen?
Die Episode dient bei Lamprecht und Rudolf zur Bewährung des Helden und zur Legitimation der Thronfolge, während sie bei Ulrich funktional verkürzt und stärker als illustratives Element für die Furchtlosigkeit Alexanders eingesetzt wird.
Warum unterscheidet sich die Darstellung bei Ulrich von Etzenbach so stark?
Ulrichs Werk zeigt eine stärkere Mediaevalisierung und dient explizit als Spiegelbild für die böhmischen Herrscher seiner Zeit, wodurch traditionelle antike Elemente zugunsten einer praxisorientierten Hof- und Ritterlehre in den Hintergrund treten.
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- Thomas Oliver Schindler (Author), 2004, Erziehung und Bildung Alexanders des Großen im Vergleich der drei mittelhochdeutschen Alexanderromane von Lambrechts, Rodolf von Ems und Ulrich von Etzenbachs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51289