1. Einleitung
Bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts beherrschten neoklassische Denkweisen die Ökonomie. Dabei wurde die rechtliche und institutionelle Umwelt vollkommen außer Acht gelassen. Lediglich RONALD H. COASE beschäftigte sich in seinen Aufsätzen mit diesen Rahmenbedingungen. In den USA wurde dann Mitte der sechziger Jahre die Abhängigkeit der Ergebnisse ökonomischen Handelns vom gesetzten Recht, sowie den institutionellen Voraussetzungen aufgegriffen und unter dem Oberbegriff "Neuer Institutionalismus" weiterentwickelt.
Im folgenden Kapitel wird zunächst genauer auf die Entwicklung dieses Neuen Institutionalismus eingegangen. Die daraus entstandenen Ansätze werden dabei kurz vorgestellt. Die Grundlagen der Property Rights-Theorie, die eines dieser Teilgebiete darstellt, werden in Kapitel 3 ausführlich behandelt.
Wie sich diese Theorie auf bestehende wirtschaftliche und politische Probleme anwenden lässt wird in Kapitel 4 gezeigt. Besonderen Wert werden hierbei auf das Problem der öffentlichen Güter sowie der Unternehmungstheorie gelegt. Eine kritische Zusammenfassung der Theorie schließt die Arbeit ab.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neuer Institutionalismus
2.1 Entwicklung des Neuen Institutionalismus
2.2 Zweige des Neuen Institutionalismus
2.3 Neuer Institutionalismus und Property Rights-Theorie
3. Zentrale Elemente der Property Rights-Theorie
3.1 Property Rights
3.2 Individuelle Nutzenmaximierung
3.3 Transaktionskosten
4. Anwendungsbereiche der Property Rights-Theorie
4.1 Externe Effekte und öffentliche Güter
4.2 Unternehmungstheorie
4.3 Ökonomische Analyse des Rechts
4.4 Wirtschaftsgeschichte
5. Kritische Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Property Rights-Theorie als bedeutenden Teilbereich des Neuen Institutionalismus. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen dieses Ansatzes, seine methodische Erweiterung der neoklassischen Ökonomie sowie seine Anwendbarkeit auf reale wirtschaftliche Problemstellungen kritisch zu analysieren.
- Entwicklung und Kernkonzepte des Neuen Institutionalismus
- Zentrale Elemente wie Verfügungsrechte, Nutzenmaximierung und Transaktionskosten
- Analyse externer Effekte und öffentlicher Güter
- Theoretische Fundierung der Unternehmung
- Ökonomische Analyse von Recht und Wirtschaftsgeschichte
Auszug aus dem Buch
3.1 Property Rights
Die Übersetzung des Begriffes „Property Rights“ lässt einige Freiheitsgrade zu. Es wird deutlich, dass eine wörtliche Übersetzung (Eigentumsrechte) die dem englischen Begriff verbundene Bedeutung nicht korrekt wiedergibt. Einige Autoren verzichten daher darauf und arbeiten mit dem originären Begriff „Property Rights“. Als häufigste Übersetzung des Terminus hat sich jedoch der Begriff „Verfügungsrechte“ durchgesetzt, der auch in den folgenden Kapiteln benutzt wird (vgl. Fuchs. 1994, S.14 und Richter/Furubotn, 1996, S. 79).
Ausgangspunkt bildet die Überlegung, dass das Eigentum an einem Gut alleine nicht von ökonomischem Wert ist, sondern erst die einzelnen hiermit verbundenen Rechte bestimmte Handlungen durchzuführen (vgl. Picot, 1981 S.156-157). Beispielsweise wird der effektive (Nutz)-Wert einer Waffe durch das Tötungsverbot sehr stark eingeschränkt. An die Stelle der Tauschobjekte der bisherigen Marktheorie (Eigentum oder kein Eigentum an einem physisch definierten Gut) treten die einzelnen Nutzungsmöglichkeiten (Property Rights). Sie werden in 4 Gruppen unterteilt:
1. Rechte, die die Art der Nutzung eines Gutes betreffen (Usus)
2. Rechte zur formalen und materiellen Veränderung eines Gutes (Abusus)
3. Rechte zur Aneignung von Gewinnen und Verlusten, die durch die Nutzung eines Gutes entstehen (Usus Fructus)
4. Rechte zur Veräußerung des Gutes an dritte zu frei vereinbarten Konditionen (Fuchs, 1994, S.17)
Es handelt sich hierbei um die Rechte von Individuen bei der Nutzung von Ressourcen, wobei die Interaktionen zwischen den Individuen mitberücksichtigt werden. Da individuelles Handeln meist auch andere betrifft, werden durch die Property Rights auch die Beziehungen zwischen den Wirtschaftssubjekten geregelt (Fuchs, 1994, S.17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über den Übergang von der Neoklassik zum Neuen Institutionalismus und erläutert den Aufbau der Seminararbeit.
2. Neuer Institutionalismus: Dieses Kapitel beschreibt die historische Entwicklung des Ansatzes und ordnet die verschiedenen theoretischen Zweige, insbesondere im Kontext der Property Rights-Theorie, ein.
3. Zentrale Elemente der Property Rights-Theorie: Hier werden die theoretischen Grundpfeiler wie Verfügungsrechte, die individuelle Nutzenmaximierung (REMM-Modell) und das Konzept der Transaktionskosten detailliert erläutert.
4. Anwendungsbereiche der Property Rights-Theorie: Das Kapitel verdeutlicht die praktische Relevanz der Theorie in Bereichen wie Umweltökonomie, Unternehmungstheorie, Rechtsanalyse und wirtschaftshistorischer Forschung.
5. Kritische Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Stärken und die teilweise kontrovers diskutierten Schwachpunkte des Property Rights-Ansatzes.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Ausarbeitung verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Neuer Institutionalismus, Property Rights, Verfügungsrechte, Transaktionskosten, Nutzenmaximierung, Neoklassik, Externe Effekte, Öffentliche Güter, Unternehmungstheorie, Ökonomische Analyse des Rechts, Institutionenökonomik, Methodologischer Individualismus, Opportunismus, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Property Rights-Theorie als einen wesentlichen Bestandteil des Neuen Institutionalismus, um wirtschaftliche Phänomene jenseits der engen neoklassischen Annahmen zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition von Verfügungsrechten, die Analyse opportunistischen Verhaltens, Transaktionskosten sowie die Anwendung dieser Konzepte auf Unternehmungen und staatliche Regulierungsfragen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Darstellung der Grundlagen der Property Rights-Theorie und die Aufzeigung ihres Nutzens für die Analyse komplexer wirtschaftlicher Entscheidungsprozesse.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den methodologischen Individualismus, der soziale Phänomene durch das Handeln einzelner Individuen erklärt, ergänzt durch eine vertragstheoretische Perspektive.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Kernkonzepte und deren Anwendung in verschiedenen ökonomischen Teilgebieten, darunter die Theorie der Unternehmung und die Wirtschaftsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Institutionenökonomik, Verfügungsrechte (Property Rights), Transaktionskosten, Nutzenmaximierung und die Erweiterung der neoklassischen Theorie.
Was besagt die Theorie bezüglich öffentlicher Güter?
Die Theorie erklärt den ineffizienten Umgang mit öffentlichen Gütern durch das Fehlen exklusiver Verfügungsrechte, was zu unzureichenden Anreizen für eine effiziente Nutzung und Internalisierung externer Effekte führt.
Warum spielt die Unternehmung eine zentrale Rolle in der Theorie?
Die Unternehmung wird als effizientes Bündel von Verträgen interpretiert, das dazu dient, Transaktionskosten bei der Koordination von Teamproduktion und Leistungsbeiträgen zu minimieren.
Wie wird das Menschenbild in der Property Rights-Theorie beschrieben?
Die Theorie ersetzt den idealisierten homo oeconomicus durch das Modell des „Resourceful Evaluative Maximizing Man“ (REMM), der einfallsreich ist, relativ bewertet und opportunistisch handeln kann.
- Citation du texte
- Martin Presser (Auteur), 2001, Neuer Institutionalismus: Die Property Rights-Theory, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5128