Die Verwendung von Hashtags im Rahmen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung


Seminararbeit, 2018
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hashtags
2.1 Definition
2.2 Formale Charakteristika von Hashtags
2.3 Geschichte
2.4 Verwendung von Hashtags
2.5 Funktionen von Hashtags
2.6 Einordnung in die Internetkommunikation

3. Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung
3.1 Geschichte
3.2 Gründe

4. Analyse : Hashtags als Teil der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung
4.1 Hashtags für und gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens
4.2 Die meistbenutzten Hashtags und ihre Funktion(en)

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis
6.1 Printmedien
6.2 Internetquellen

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Laut einem Artikel der katalanischen Zeitung „Diari Més“ vom 11.11.2017 waren zwischen dem 1. September und 18. Oktober 2017, der Zeit des verbotenen Referendums und der anschließenden Resolution des Katalanischen Parlaments (siehe Kap. 3.1), Hashtags zur katalanischen Unabhängigkeitsbewegung plattformübergreifend die beliebtesten Hashtags Kataloniens. Hashtags wie #votarem, #HolaDictadura und #RecuperemElSeny schafften es in diesem Zeitraum an Dauerbrennern wie #instagood, #love und #photooftheday vorbei[1]. Diese Hausarbeit soll die verwendeten Hashtags genauer untersuchen und dabei ihre Funktionen analysieren und herausarbeiten, was sie über den Unabhängigkeitskonflikt und die Verwendung von Hashtags aussagen. Dazu soll zunächst einmal der Begriff des Hashtags geklärt werden und dessen Geschichte, Verwendung und Funktionen kurz dargestellt werden. Anschließend beschäftigen wir uns zudem mit der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Dabei sollen ihre Geschichte und ihre Gründe für die Unabhängigkeitsbestrebungen näher unter die Lupe genommen werden. Zu guter Letzt folgt im Analyseteil die Analyse der meistverwendeten Hashtags des Unabhängigkeitskonfliktes. Dabei sollen Hashtags beider Konfliktparteien, sowohl quantitativ, als auch qualitativ untersucht werden. Dem Analyseteil zu Grunde liegt eine Studie der international agierenden PR-Agentur LEWIS[2], die alle Hashtags zur katalanischen Unabhängigkeitsbewegung des Microbloggingdienstes Twitter zwischen dem 1. September und 18. Oktober 2017 – dem bisherigen Höhepunkt der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung – ausgewertet hat. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf dem Theorieteil, weshalb das Kapitel zum Thema Hashtags knapp die Hälfte der gesamten Arbeit ausmachen wird. Der Rest der Arbeit besteht zu etwa gleichen Teilen aus einem Kapitel zum katalanischen Unabhängigkeitskonflikt und dem Analyseteil, der auf diesem Kapitel aufbaut.

2. Hashtags

2.1 Definition

Bei dem Wort “Hashtag” handelt es sich um eine Wortkomposition aus den englischen Begriffen hash (dt. Doppelkreuz - #) und tag (dt. Markierung)[3]. Der Duden definiert Hashtags als ein “mit einem vorangestellten Rautezeichen markiertes Schlüssel- oder Schlagwort in einem [elektronischen] Text”[4]. Das Oxford Dictionary geht einen Schritt weiter und beschreibt Hashtags als: “A word or phrase preceded by a hash sign (#), used on social media websites and applications, especially Twitter, to identify messages on a specific topic.”[5] Es bezieht also mit ein, dass ein Hashtag nicht notwendigerweise nur aus einem Wort bestehen muss, sondern auch aus einer Phrase bestehen kann. Diese Kategorisierungsfunktion steht auch in der Definition des Merriam Webster Dictionary im Vordergrund. Es beschreibt Hashtags als: „a word or phrase preceded by the symbol # that classifies or categorizes the accompanying text (such as a tweet)[6].

Hashtags enthalten keine Leerzeichen und können sowohl am Anfang und in der Mitte, als auch am Ende einer sprachlichen Äußerung (meist: Tweets oder Posts) vorkommen. Das Hashsymbol (#) am Anfang des Hashtags fungiert zudem als linguistischer Marker, der den besonderen Status des Tags als Metadaten anzeigt.[7] Im Gegensatz zu gewöhnlichen Metadaten operieren Hashtags jedoch nicht im Verborgenen, sondern sind offen sichtbar.

Hashtags werden meist in sozialen Medien genutzt, um die Suche nach verschiedenen Themengebieten zu vereinfachen. Neben dieser Kategorisierungsfunktion besitzt es jedoch auch einige weitere Funktionen, die in Kapitel 6 näher behandelt werden.

Heutzutage haben Hashtags eine große Bandbreite an Verwendungen. Sie finden Verwendung in Microbloggingdiensten (z.B. Twitter, Instagram, Pinterest), sozialen Netzwerken (z.B. Facebook, LinkedIn, Google+) und Videodiensten (z.B. YouTube, Vimeo), aber auch in Werbekampagnen und politischen Bewegungen. Ihre Funktionen und Verwendung haben sich innerhalb der letzten Jahre enorm ausgeweitet (siehe Kap.4+5).

2.2 Formale Charakteristika von Hashtags

Hashtags werden durch das Hash-Symbol „#“ eingeleitet und können Einzelwörter (z.B. #Referat), Abkürzungen (z.B. #BRE) oder sogar ganze Phrasen (z.B. #bestesReferatever) umfassen. Groß- und Kleinschreibung spielt bei Hashtags eine untergeordnete Rolle[8]. Zwar kann man sowohl große, als auch kleine Buchstaben in Hashtags verwenden, allerdings erkennt der Computer diese nicht, sodass das Hashtag #Schule auf den gleichen Hyperlink verweist wie das Hashtag #schule.

Außerdem werden in Hashtags keine Leerzeichen verwendet, sodass die Disambiguierung über Getrennt- bzw. Zusammenschreibung entfällt. Verwendet man dennoch ein Leerzeichen, so ist das Hashtag automatisch beendet (z.B. #schöner Tag vs. #schönerTag). Oft werden die einzelnen Wörter dadurch kenntlich gemacht, dass am Anfang jedes neuen Wortes ein Großbuchstabe benutzt wird (z.B. #EinNeuesWort), allerdings gibt es dazu keinerlei Vorgaben. Man bezeichnet diese Form der Notation auch als Camel Case-Notation.[9]

Hashtags können an mehreren Positionen innerhalb eines Posts vorkommen. Die zwei häufigsten Formen sind mitten im Satz (z.B. Mein #Leben ist so schön!) oder am Ende eines Posts (z.B. Ein toller Tag! #Leben). Hashtags können aber auch Anfang eines Posts (z.B. #Fußballspiel heute) stehen und sogar der einzige Inhalt eines Posts sein (z.B. #nowordsneeded). Zudem müssen nebeneinander stehende Hashtags nicht zwangsläufig einen gemeinsamen Inhalt haben.

2.3 Geschichte

Die Geschichte des Hashtags geht auf die Programmiersprache C zurück, die auch heute noch in der objektorientierten Programmierung Anwendung findet. C wurde im Jahr 1978 konzipiert. Die Rolle der Hashtags liegt dabei darin, spezielle Schlüsselwörter (Keywords) zu markieren, die der Computer – in diesem Fall der C-Präprozessor – zuerst verarbeiten soll[10]. Diese Funktion des Markierens von Keywords erfüllen Hashtags bis heute.

Zehn Jahre später führte das Hashsymbol (#) diese Funktion auch erstmals in einem Chatprogramm aus. Das Chatsystem „Internet Relay Chat“ (IRC) nutzte erstmals Hashtags um Chats nach Themen und Kanälen zu ordnen[11]. Bis zur massenhaften, breiten Nutzung von Hashtags, wie wir sie heute kennen, dauerte es allerdings noch weitere 20 Jahre, denn die Nutzerzahlen des IRC lagen selbst um die Spitzenzeiten bei gerade einmal einer Million Menschen[12]. Zum Vergleich: im zweiten Quartal des Jahres 2018 lag die Nutzerzahl des Kurznachrichtendienstes Twitter bei knapp 326 Millionen Menschen[13].

Im Jahr 2007 schlug der Rechtsanwalt und Internetaktivist Chris Messina ein ähnliches System wie das des IRC auf Twitter vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Tweet Chris Messina

In seinem Tweet regte er nicht nur die Verwendung von Hashtags an, sondern verwendete auch gleichzeitig das erste Hashtag auf Twitter. Zunächst einmal wurde dieser Vorschlag jedoch nicht von Twitter selbst, sondern nur von anderen Twitternutzern übernommen. Nach der vielfachen Verwendung des Symbols durch weitere Nutzer reagierte Twitter 2009 selbst und begann zu allen Hashtags einen eigenen Hyperlink zu erstellen[14].

In den Jahren darauf zogen auch andere Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Tumblr nach[15], und die Verwendung und Funktionen von Hashtags nahmen stetig zu. Heute breitet sich die Verwendung von Hashtags auch in andere mediatisierte Kontexte aus (z.B. Fernsehen, Werbung, Logos).

2.4 Verwendung von Hashtags

Wie bereits in Kapitel 3 und Kapitel 4 erwähnt, nimmt die Verwendung von Hashtags stetig zu. Heute werden sie vor allem in Microbloggingdiensten wie Twitter, Instagram und Pinterest und sozialen Netzwerken wie Facebook und LinkedIn verwendet. Doch mit der zunehmenden Interkonnektivität verschiedener Internetmedien, wie z.B. Instagram mit Facebook oder YouTube mit Google+, werden Hashtags auch für andere Internetmedien interessant. So sind Hashtags in den letzten Jahren auch in Videonetzwerken wie YouTube und Vimeo immer häufiger zu sehen.

Das machen sich auch Firmen und politische Bewegungen zu Nutze und nutzen Hashtags in großflächigen Werbekampagnen, die sich über alle zuvor genannten Formen von Internetdiensten erstrecken können[16].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiel Adidas

Ein Beispiel dafür ist die Kampagne #teamadidas des Sportartikelherstellers Adidas. Diese Kampagne existiert sowohl in sozialen Netzwerken (Facebook, Google+), Microbloggingdiensten (Twitter, Instagram, Pinterest) und dem Videonetzwerk YouTube, aber zudem auch an zahlreichen „eher unüblichen Orten“ für Hashtags. Adidas verwendet das Hashtag #teamadidas nämlich zudem auch auf Werbeplakaten (siehe Abb.3), in TV-Spots, auf der Webseite des Unternehmens und sogar als Bandenwerbung bei Fußballspielen.

Über solche Kampagnen weitet sich der Verwendungsraum von Hashtags rapide aus und verlässt dabei sogar den Raum des Internets. Wie in unserem Beispiel ist es heutzutage keine Seltenheit mehr, Hashtags auf Webseiten von Organisationen und Veranstaltungen, auf Nachrichtenseiten und auf Werbeplakaten zu sehen.

2.5 Funktionen von Hashtags

Hashtags sind „linguistisch multifunktionell“ (Zappavigna, 2015), d.h. sie können eine Vielzahl grammatikalischer, semantischer und interpersonaler Funktionen erfüllen.[17] Doch das war nicht immer so. Ursprünglich waren sie als reines Element der Textorganisation gedacht und erfüllten die traditionellen Funktionen von Metadaten. Mit der in Kapitel 4 beschriebenen Ausbreitung des Hashtags innerhalb der letzten zehn Jahre weiteten sich seine Funktionen enorm aus. Zunächst wurden Hashtags hauptsächlich als sogenannte „topic marker“ verwendet, was bis heute auch ihre meistbeachtete Funktion ist. Als topic marker bezeichnet man ein Partikel (in unserem Fall das Hashsymbol „#“), das dazu verwendet wird, das Thema eines Satzes zu benennen[18]. Dieses Konzept, das vor allem aus ostasiatischen Sprachen wie Japanisch und Koreanisch bekannt ist, wird mit Hilfe von Hashtags auch in der Internetsprache verwendet[19]. Hashtags markieren also das Thema einer sprachlichen Äußerung im Netz. Zu dieser Funktion kam mit der Zeit auch die Funktion des „conversational tagging“ (Huang, Hornton, & Efthimiadis, 2010) hinzu. Der Begriff meint die soziale Vernetzung über Hashtags. Hashtags werden dabei benutzt, um eine Gemeinschaft zu anderen Beiträgen mit demselben Hashtag aufzubauen. Diese Funktion ist gerade bei politischen Hashtags sehr prominent. Auf Diskursebene kann man dieses Phänomen auch als Intertextualität und Hashtags somit als Intertextualitätsmarker beschreiben. Durch ihre Intertextualität können Hashtags, den Beiträgen, in denen sie verwendet werden, eine weitere „zweite“ Bedeutung geben, die sowohl strukturell, als auch interpersonell sein kann. Zu guter Letzt dienen Hashtags auch zur Strukturierung des Diskurses, indem sie Metadaten klar markieren und in Abhängigkeit von der Position des Hashtags im Post dessen Struktur unterstützen. Die australische Linguistin Andrea Zappavigna (2015) unterteilt die zuvor genannten Funktionen in ihrem Modell zum Thema: „Hashtaging as a social practice“ in drei Gruppen: eine experientielle Funktion, eine interpersonelle Funktion und eine textuelle Funktion. Diese linguistischen Funktionen von Hashtags schließen sich nicht gegenseitig aus und treten daher häufig in Kombination auf. Beispielsweise kann ein Hashtag sowohl eine experientielle als auch eine interpersonelle Funktion oder sogar alle drei Funktionen ausüben. Die erste, und gleichzeitig am meisten beachtete Funktion von Hashtags ist die experientielle Funktion. Damit ist eine klassifikatorische Funktion von Hashtags gemeint, bei der Hashtags als Keywords (topic marker) dienen. Posts werden durch Hashtags als Teil einer bestimmten Erfahrung klassifiziert und sind dadurch einfacher und sogar in Echtzeit zu finden. Das ermöglicht dem User bei bestimmten Events oder Themen in Echtzeit an Diskursen teilnehmen zu können – ein Prozess den Zappavigna als „aggregating function“ bezeichnet[20]. Die zweite Funktion ist die sogenannte interpersonelle Funktion. Dabei geht es darum, Bezug zu anderen, gleichgesinnten Posts zu nehmen. Wie bereits erwähnt, dienen Hashtags also als Intertextualitätsmarker, indem sie einen Bezug zu anderen Äußerungen erstellen, die das gleiche Hashtag verwenden. Die Haltung ist dabei oft evaluativ, weshalb sie häufig humoristisch sind und/oder Wortspiele beinhalten. So können Hashtags einer Äußerung durch ihre Intertextualität eine weitere „zweite“ Bedeutung geben. Dabei kommen sogenannte Ingroup/Outgroup-Effekte zum Tragen, sodass die „zweite Bedeutung“ nur für eine bestimmte Gruppe von Usern ersichtlich sein kann. Häufig wird dies dazu genutzt, um Leute gezielt zu vernetzen. Beispielsweise werden Hashtags des Öfteren gezielt eingesetzt, um regelmäßige Events oder News zu markieren und zu verbreiten. Die dritte und letzte Funktion nach Zappavigna ist die sogenannte textuelle Funktion. Dabei geht es um die Textorganisation auf typografischer Ebene. Das Hashsymbol (#) dient dabei zur Markierung des Tags als Metadaten. Sie ist die seltenste Funktion von Hashtags, wirkt jedoch häufig als Koordinierung der anderen beiden Funktionen, um einen Diskurs zu schaffen, der den Status eines kommunikativen Events einnimmt[21].

2.6 Einordnung in die Internetkommunikation

Im Bereich der Internetkommunikation gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Textsorten, die sich in ihrer Formalität und ihrem Aufbau teils stark voneinander unterscheiden. So gelten beispielsweise für wissenschaftliche Fachtexte und Rechts- und Verwaltungstexte andere Konventionen, als für die Sprache, die in Chats und Blogs verwendet wird. Zudem sind nicht alle Bereiche der Internetkommunikation schriftlich fixiert (z.B. Videotelefonie), sodass es sich anbietet, in Anlehnung an Koch/ Oesterreicher (2008:204)[22], von Diskursen zu sprechen. In diesen Diskursen erfüllen Hashtags gleich mehrere Funktionen (siehe Kap. 6).

In ihrer ursprünglichen Form fungieren Hashtags als Metadaten, „deren traditionelle Funktion zunächst einmal darin besteht, Metainformationen vom eigentlichen Inhalt zu trennen“ (Zappavigna 2015:30)[23]. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Metadaten operieren Hashtags jedoch nicht im Verborgenen, sondern sind offen sichtbar. Sie sind vor allem im Bereich der sozialen Netzwerke und Blogs anzutreffen, doch ihre Anwendungsbereiche wachsen stetig (siehe Kap. 5), da die Internetkommunikation ein sich wandelndes Feld ist und gerade im letzten Jahrzehnt eine große Veränderung durchgemacht hat.

3. Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung

3.1 Geschichte

Katalonien und der Rest Spaniens – insbesondere Kastillien, dessen Sprache und Kultur sich im Großteil Spaniens durchgesetzt haben – blicken auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurück.

Entstehung und Aufstieg

Die Grafschaft Katalonien entstand im 12. Jahrhundert durch die Ehe des Grafen Ramón Berenguer IV. und Petronila von Aragón[24]. Es folgte eine Periode des wirtschaftlichen Aufschwungs. Durch ihre starke Handelsflotte konnten die Katalanen ihr Territorium ausdehnen und konnten so den Mauren die Balearen und das Königreich Mallorca abnehmen – zwei Territorien in denen bis heute eine Abwandlung des Katalanischen gesprochen wird[25]. Katalonien entwickelte sich bis ins 15. Jahrhundert zusammen mit dem Königreich Kastillien zur dominierenden Macht auf der iberischen Halbinsel. Mit der Hochzeit von König Ferdinand von Aragón-Katalonien mit Isabella von Kastillien schlossen sich die beiden rivalisierenden Mächte im Jahre 1469 zusammen und regierten von nun an das gesamte christliche Spanien. Trotz dieses Zusammenschlusses wurde die Rivalität jedoch immer größer. Eigene Werte und Nationalsymbole entstanden[26]. Doch Kastillien setzte sich mehr und mehr durch. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) wurde Katalonien von den verbündeten Staaten Kastilien und Frankreich vernichtend geschlagen und anschließend von Kastillien annektiert. Alle katalanischen Rechte, sowie die katalanische Sprache wurden verboten. Ab 1778 entspannte sich die Lage jedoch wieder und Katalonien erlebte eine Blütezeit. Innerhalb eines Jahrhunderts wurde es zum wohlhabendsten Gebiet der iberischen Halbinsel und gewann seine wirtschaftliche Bedeutung zurück[27]. Der katalanische Nationalismus wurde immer stärker, und auch das Katalanische gewann wieder an Bedeutung. So fand 1906 in Barcelona der erste Kongress der katalanischen Sprache statt, der das Ziel hatte, die katalanische Sprache zu standardisieren. Seinen Höhepunkt erlebte Kataloniens Blütezeit mit der Rückerlangung seiner Autonomie nach dem Sturz der Monarchie im Jahr 1932. Diese sollte jedoch nur kurz halten.

Verbot unter Franco

Am 18. Juli 1936 putschten rechte Militärs, unter ihnen der General Francisco Franco und lösten damit den spanischen Bürgerkrieg aus. Katalonien kämpfte auf der Seite der Republikaner und wurde vernichtend geschlagen. 1939 begann die Diktatur Francos und mit ihr das Verbot jeglicher Form des Regionalismus. Katalonien verlor seine Autonomie und die katalanische Sprache und Kultur wurden verboten. Jedoch hielten die Katalanen ihre Kultur im Geheimen am Leben. Manche übten sogar offenen Protest – jedoch mit mäßigem Erfolg und teils tödlichen Folgen. Erst mit dem Tod Francos 1975 sollte sich die Lage Kataloniens wieder verbessern.

Unabhängigkeitsbewegung nach dem Tod Francos

Am 25. Oktober 1979 stimmten die Katalanen in einem Referendum für die Annahme eines Statuts, das der Region weitreichende Selbstverwaltungsrechte verlieh. Katalonien bekam weitgehende Autonomierechte im Bildungs- und Gesundheitssystem, sowie eine eigene Polizeieinheit[28]. Außerdem wurde Katalanisch zu einer der offiziellen Amtssprachen Spaniens. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte forderten die Katalanen weitere kulturelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Madrid. 2006 räumte das spanische Parlament Katalonien mit einem neuen Autonomiestatut weitere Rechte ein. Unter anderem sollte sich Katalonien von nun an als „Nation“ beschreiben dürfen. Jedoch wurde nach einer Klage der konservativen Partido Popular (PP) das Autonomiestatut 2010 vom spanischen Verfassungsgericht als „rechtswidrig“ beurteilt und somit ungültig[29]. Daraufhin kam es im Juli 2010 zu Massenkundgebungen in Barcelona, die in den folgenden Monaten immer größer und regelmäßiger wurden. Am 11. September 2012 waren es rund 1,5 Millionen Menschen, die in den Straßen Barcelonas demonstrierten. Bei den Regionalparlamentswahlen am 27. September 2015 erlangten die Parteien, die für eine Abspaltung Kataloniens waren erstmals eine Mehrheit. Vier Monate später, am 12. Januar 2016 wurde der Bürgermeister von Girona, Carles Puigdemont zum neuen Ministerpräsidenten Kataloniens gewählt. Als zentrales Wahlversprechen kündigte er für 2017 ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens an[30]. Dieses wurde am 1. Oktober 2017 durchgeführt, wurde allerdings zuvor von der Zentralregierung in Madrid verboten. Dennoch nahmen 42% der Wahlberechtigten teil und knapp 90% von ihnen sprachen sich für eine Unabhängigkeit Kataloniens aus[31]. Daraufhin verabschiedete die katalanische Regionalregierung eine Resolution über die Konstituierung „einer katalanischen Republik als unabhängigen und souveränen Staat". Als Reaktion darauf stimmte der Senat in Madrid dafür, dass die Regierung Rajoys Artikel 155 der spanischen Verfassung anwenden darf, wodurch die katalanische Regionalregierung entmachtet wurde[32]. Die autonome Region Katalonien wurde unter Zwangsverwaltung der Zentralregierung gestellt und Neuwahlen ausgerufen. Regionalpräsident Carles Puigdemont wurden unter anderem Rebellion und Auflehnung gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Nach den Neuwahlen am 21. Dezember 2018, bei denen erneut Unabhängigkeitsbefürworter die Mehrheit erreichten, hat das katalanische Regionalparlament am 14. Mai 2018 Quim Torra zum Regionalpräsidenten gewählt.

[...]


[1] DiariMés (2017)

[2] Feal (2017)

[3] Onlinemarketing-praxis.de (2018)

[4] Duden.de (2018)

[5] Oxford Dictionary (2018)

[6] Merriam-Webster (2018)

[7] Zappavigna (2015: 30)

[8] Famab.de (2018)

[9] Computerhope (2017)

[10] B.W. Kernighan & d. Ritchie (1978)

[11] Copypress (2013)

[12] Pingdom Royal (2017)

[13] Firsching (2018)

[14] Pandell (2018)

[15] Warren (2013)

[16] Globalspecs (2017)

[17] Zappavigna (2015)

[18] Wikipedia (2018)

[19] Ebd.

[20] Zappavigna (2015: S. 28)

[21] Halliday (1994: 37)

[22] Koch / Oesterreicher (2008)

[23] Zappavigna (2015)

[24] Aufmkolk / Heidenfelder (2017)

[25] Ebd.

[26] Landeszentrale Für Politische Bildung Baden-Würtemberg (2018)

[27] Aufmkolk / Heidenfelder (2017)

[28] Landeszentrale Für Politische Bildung Baden-Würtemberg (2018)

[29] Ebd.

[30] ZEIT ONLINE (2016)

[31] Tagesspiegel (2017)

[32] Aufmkolk / Heidenfelder (2017)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Verwendung von Hashtags im Rahmen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung
Hochschule
Universität Trier
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V512900
ISBN (eBook)
9783346103727
ISBN (Buch)
9783346103734
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verwendung, hashtags, rahmen, unabhängigkeitsbewegung
Arbeit zitieren
Luca Diehl (Autor), 2018, Die Verwendung von Hashtags im Rahmen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512900

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