Thema dieser Facharbeit ist die Darstellung des Wahnsinns in der Literatur des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt anhand der beiden Werke „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann und „Der Untergang des Hauses Usher“ von dem US-amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe. „Der Sandmann“ ist der erste Teil der „Nachtstücke“, welcher im Jahr 1816 in Berlin erschien. „Der Untergang des Hauses Usher“ erschien erstmals 1839 in Burton’s Gentleman’s Magazine in Philadelphia und wurde 1901 ins Deutsche übersetzt. Beide Werke lassen sich demnach der literarischen Epoche der Spätromantik zuweisen.
Der Wahnsinn ist ein interessanter Aspekt der menschlichen Psyche, der so nicht häufig in der Literatur dieser Zeit beleuchtet wird, daher habe ich ihn zum Thema meiner Facharbeit gemacht. Er thematisiert die Reaktion der Gesellschaft auf Personen, die durch ihr krankheitsbedingtes Verhalten nicht der Norm entsprechen und gibt Ausblicke auf mögliche Therapieversuche, sowie die Anfänge der medizinischen Behandlung.
Ziel der Facharbeit ist es die Figuren der beiden Werke, im Bezug auf den realen Umgang der Gesellschaft mit Wahnsinnigen zur Zeit des 19. Jahrhunderts, zu analysieren. Dabei wird belegt, dass der Umgang mit den fiktionalen Figuren genauso erfolgt, wie er im wahren Leben zu beobachten war. Weiterhin werden in der Analyse allgemeine Eigenschaften der Epoche der Romantik deutlich, wie z.B. die Abwendung der Hauptfiguren von der Realität und die Zuwendung zum Bereich des Irrationalen und Fantastischen, sowie zu Wunsch- und Traumwelten.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Inhaltsangaben
3.1. „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann
3.2. „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe
4. Erste Definitionen des „Wahnsinns“ und Behandlungsmethoden um das Jahr 1800
5. Symptomatik der Hauptfiguren und Umgang der Außenstehenden mit dem Wahnsinn
5.1. Nathanael und Clara
5.2. Roderick Usher und der namenlose Ich-Erzähler
6. Gestaltung der Atmosphäre und Erzähltechnik in
6.1. „Der Sandmann“
6.2. „Der Untergang des Hauses Usher“
7. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Darstellung des Wahnsinns in der spätromantischen Literatur anhand von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“, um aufzuzeigen, wie fiktionale Krankheitsbilder den realen gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Erkrankten im 19. Jahrhundert spiegeln.
- Analyse der Symptomatik und traumatischen Genese des Wahnsinns bei den Protagonisten
- Untersuchung des gesellschaftlichen Umgangs mit psychisch Kranken im 19. Jahrhundert
- Vergleich der Erzähltechniken und atmosphärischen Gestaltung in beiden Werken
- Reflektion über die Rolle von Rationalität und Traumwelten in der Spätromantik
- Kritische Auseinandersetzung mit historischen Behandlungsmethoden
Auszug aus dem Buch
5.1. Nathanael und Clara
Nathanael ist ein Student, der in G. bei Professor Spalanzani Physik studiert. Er wächst zusammen mit Clara und Lothar auf, da deren Vater ebenfalls verstorben ist und die beiden deshalb von Nathanaels Mutter aufgenommen wurden. Der Grund für Nathanaels Erkrankung liegt in seiner Kindheit. Jedesmal, wenn Coppelius erscheint, um Experimente mit Nathanaels Vater durchzuführen, erzählt die Mutter Nathanael vom Sandmann. Da Nathanael dies mit einer echten Empfindung verknüpft, nämlich das Hören von Coppelius Schritten, glaubt er, dass der Sandmann wirklich existiert und fürchtet sich vor ihm. Die Mutter klärt ihn darüber auf, dass der Sandmann nicht existiert, sondern lediglich ein Symbol für das baldige Zubettgehen darstellt, was Nathanael ihr jedoch nicht glaubt. Bestärkt wird sein Glaube an den Sandmann von dem Märchen der Kinderfrau. Diese erzählt, dass der Sandmann nachts kommt und den Kindern „Händevoll Sand in die Augen [wirft], dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen“.
Dieses Märchen löst in ihm eine Art Trauma aus, was er bis ins Erwachsenenalter nicht richtig verarbeiten kann. Zudem ist der angebliche Sandmann auch der Grund, warum die Mutter oft sehr traurig ist und Nathanael abends von seinem Vater getrennt wird, den er ohnehin schon wenig sieht. Die Geschichte weckt in ihm aber auch eine gewisse Neugier, deshalb versteckt er sich in dem Zimmer, in dem Coppelius und der Vater experimentieren. Aber schon vor diesem Zeitpunkt weist Nathanael Verhaltensauffälligkeiten auf, denn er zeichnet den Sandmann „in den seltsamsten, abscheulichsten Gestalten überall auf Tische, Schränke und Wände mit Kreide, Kohle“.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Einführung in das Thema der Darstellung des Wahnsinns in der spätromantischen Literatur und Darlegung der Zielsetzung der Facharbeit.
3. Inhaltsangaben: Zusammenfassung der Handlungsverläufe der Werke „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann und „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe.
4. Erste Definitionen des „Wahnsinns“ und Behandlungsmethoden um das Jahr 1800: Historischer Überblick über die zeitgenössische Sicht auf Geisteskrankheiten und die damals angewandten, oft inhumanen Therapiemethoden.
5. Symptomatik der Hauptfiguren und Umgang der Außenstehenden mit dem Wahnsinn: Detaillierte Analyse der psychischen Labilität der Protagonisten Nathanael und Roderick Usher sowie der Interaktion mit ihrem sozialen Umfeld.
6. Gestaltung der Atmosphäre und Erzähltechnik in: Untersuchung der narrativen Strukturen, wie Erzählperspektiven und Atmosphäre, die den Wahnsinn in den Werken stilistisch greifbar machen.
7. Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse: Synthese der Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf und die literarische Bedeutung der Werke als Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Kranken.
Schlüsselwörter
Wahnsinn, Literatur des 19. Jahrhunderts, Spätromantik, E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Der Sandmann, Der Untergang des Hauses Usher, Psychische Erkrankung, Trauma, Medizin, Gesellschaftskritik, Erzähltechnik, Atmosphäre, Rationalität, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung von Wahnsinn in zwei Werken der Spätromantik und setzt diese in Bezug zu historischen Konzepten von Geisteskrankheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychische Symptomatik fiktionaler Charaktere, der Umgang der Gesellschaft mit diesen Figuren sowie die Analyse von Erzähltechniken und Atmosphäre.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu belegen, dass der Umgang mit den Romanfiguren das reale gesellschaftliche Handeln gegenüber Wahnsinnigen im 19. Jahrhundert widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch historische medizinische Definitionen und Definitionen der damaligen Zeit ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Wahnsinns um 1800, der Charakterisierung der Hauptfiguren, ihrer Symptomatik und der Untersuchung der Atmosphäre sowie Erzählstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wahnsinn, Spätromantik, Identität, Trauma, Rationalität und die Werke von Hoffmann und Poe.
Wie beeinflusst die Kindheit von Nathanael seinen späteren Wahn?
Nathanael erleidet ein frühkindliches Trauma durch die Figur des Coppelius, welches er nie aufarbeitet, was später als Auslöser für seinen Rückzug in eine eigene Wahnwelt dient.
Warum ist die Rationalität der anderen Figuren im Kontext der Arbeit problematisch?
Die Arbeit argumentiert, dass das nüchterne, rationale Verhalten der Außenstehenden dazu führt, dass die Betroffenen nicht ernst genommen werden und der Wahnsinn dadurch sogar verstärkt wird.
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- Désirée Heringlehner (Author), 2019, Die Darstellung des Wahnsinns in ausgewählter Literatur des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512970