Der Fragebogen SSKJ 3-8 R zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter. Inwieweit kongruieren Bewältigungsstrategien und Stresserleben?


Hausarbeit, 2019

10 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Hintergründe zum SSKJ 3-8 R
2.1. Theoretische Konzepte
2.2. Die Entwicklung des SSKJ 3-8 R
2.3. Beschreibung der Gütekriterien

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ganz allgemein wird Stress als ein „Zustand des Ungleichgewichts“ (Franzkowiak und Franke 2018, S. 965) beschrieben. Ein stresshaft erlebter Reiz, ein so genannter Stressor, fordert einen Organismus zu einer Anpassungsreaktion auf – die Herausforderung kann entweder durch vorhandene Ressourcen bewältigt werden oder sie führt zu einer Überforderung respektive zu Stress (ebd.).

Die heutige Gesellschaft entwickelt ein immer stärkeres Bewusstsein für die Bedeutsamkeit von Stress für das psychische und physische Wohlbefinden. Die Entstehung vieler Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Abhängigkeiten, stehen in engem Zusammenhang mit erhöhtem Stresserleben (ebd. S. 973). Daraus abgeleitet kann festgestellt werden, dass unterschiedliche Krankheiten und Störungen durch das Ansetzen am Stresserleben und Stressbewältigen einer Person präveniert werden können. Lange befasste sich die Stressforschung vor allem mit erwachsenen Menschen, erst in den letzten Jahren werden auch Kinder und Jugendliche in den Fokus der Forschung gestellt (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.6). Eine unverzichtbare Entwicklung, denn durch das frühe Erkennen einer Stressbewältigungsproblematik könnte frühzeitig interveniert werden und somit spätere akute oder chronische Erkrankungen verhütet werden (ebd.). Der Leistungsdruck an den Schulen führt bei jungen Menschen früh zu erhöhtem Stresserleben. Von positivem Stress, dem Eu-Stress, wird gesprochen, wenn dieser als herausfordernd und aktivierend wahrgenommen wird (vgl. Franzkowiak und Franke 2018, S. 965). Im schulischen Kontext wird aus diesem wird jedoch häufig negativer Stress, der so genannte Dis-Stress, der negative Gefühle wie Angst und Hilflosigkeit hervorrufe sowie zu Handlungsverhinderung bzw. Ausweichverhalten führe (ebd.). Früh erfahren die Kinder und Jugendlichen Versagens- und Zukunftsängste und erleben auch trotz hohem Einsatz Misserfolge. Diese Arbeit nimmt aus einer diagnostischen Perspektive das Stresserleben sowie die Bewältigungsmöglichkeiten und das seelische und körperliche Wohlbefinden in den Fokus. Mithilfe des Fragebogens zur Erhebung und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter, dem SSKJ 3-8 R, der Frage nachgegangen, inwieweit Bewältigungsstrategien und Stresserleben kongruieren. Zunächst werden die theoretischen Konzepte des Fragebogens, nämlich die Stressvulnerabilität, die Stressbewältigung und die Stresssymptomatik, näher beschrieben.

Anschließend wird auf die Entwicklung des SSKJ 3-8 R eingegangen und die Gütekriterien näher beleuchtet. In einem Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit festgehalten und Erkenntnisse bezüglich der Frage nach dem Stresserleben und der Stressbewältigung festgehalten.

2. Theoretische Hintergründe zum SSKJ 3-8 R

In diesem theoretischen Teil der Arbeit werden zunächst Hintergründe des SSKJ 3-8 R beschrieben. Der Fragebogen gliedert sich in drei Teile, denen je ein theoretisches Konzept zugrunde liegt: die Stressvulnerabilität, die Stressbewältigung und die Stresssymptomatik. Die Entwicklung des Fragebogens wird daraufhin beschrieben und abschließend erfolgt eine Darlegung der Gütekriterien.

2.1. Theoretische Konzepte

Der theoretische Hintergrund des Fragebogens fußt auf der Stressforschung bei Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf die Stressvulnerabilität, die Stressbewältigung und die seelische und körperliches Stresssymptomatik sowie das Wohlbefinden.

In Bezug auf die Stressforschung beschreiben die Autoren zwei Entwicklungen. Zum einen habe sich die Stressforschung lange auf Erwachsene konzentriert, inzwischen gebe es mehr und mehr Studien, die Kinder und Jugendliche ins Auge fassen (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.6). Zum anderen sei der Schwerpunkt, wie auch bei Erwachsenen, zunächst auf kritische Lebensereignisse und die Bewältigung dieser gelegt worden, nun gehe es mehr um die Bewältigung und die Auswirkungen von chronischem Stress (ebd.). Dieser wird definiert als „länger andauerndes Ungleichgewicht zwischen den wahrgenommenen Anforderungen und den wahrgenommenen Ressourcen, die zur Bewältigung zur Verfügung stehen.“ (Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.6). Der SSKJ 3-8 R soll die Stressvulnerabilität, Bewältigungsstrategien sowie psychische und physische Symptome eines Kindes oder eines Jugendlichen erfassen. Durch die frühe Beobachtung dieser Aspekte können Belastungen und Bewältigungsdefizite erhoben werden, um gegebenenfalls frühzeitig zu intervenieren. Hier sehen die Autoren besonders günstige Chancen der Intervention, da „viele Handlungsroutinen in den frühen Lebensabschnitten noch wenig stabilisiert sind, sodass noch ein recht großer Spielraum für Veränderungen besteht“ (Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.6). Die Zielgruppe wurde bewusst auf die dritte bis achte Klasse festgelegt, da dieser Lebensabschnitt einerseits oftmals erste größere Stresserfahrungen durch den Übergang von Grundschule zur weiterführenden Schule beinhaltet, andererseits aber auch viele Veränderungen zulässt ( vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.6). Der Fragebogen fußt auf drei Konstrukten: (a) Stressvulnerabilität, (b) Stressbewältigungsstrategien und (c) Stresssymptomatik/Wohlbefinden. Im ersten Fragebogenteil soll die (a) Stressvulnerabilität erfasst werden. Bereits Kinder und Jugendliche erleben familiären, schulischen und sozialen Stress (ebd. S.7). Vor allem „alltägliche Spannungen und Probleme“ (Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.7) steigern das Stresserleben. Diese fänden häufig nur wenig Beachtung, weshalb der Fragebogen hier ansetzt (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.7). Hierfür werden im Fragebogen potenzielle Stresssituationen beschrieben, die von den Befragten nach dem Ausmaß der Belastung bewertet werden sollen. Dadurch soll „das transsituationale Ausmaß der Stressvulnerabilität im Alltag [..] indiziert werden.“ (Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.7). Im zweiten Teil stehen die (b) Bewältigungsstrategien im Fokus der Befragung. Als Bewältigung oder auch Coping werden

„alle kognitiven und verhaltensmäßigen Anstrengungen bezeichnet, mit dem als Stressor bewerteten Reiz umzugehen und die von ihm ausgehende Bedrohung bzw. den antizipierenden Schaden zu minimieren.“ (Franzkowiak und Franke 2018, S. 969).

Die Autoren stellen fest, dass junge Menschen ein Erfahrungsdefizit im Umgang mit Stressoren haben, sie erleben viele Stresssituationen in dieser Form zum ersten Mal, was zu einer höheren Überforderung führen könne sowie zum Angewöhnen destruktiver Strategien (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, 7f.). Sie weisen außerdem darauf hin, dass Bewältigungsformen erwiesenermaßen nicht generell als überlegen oder unterlegen zu kennzeichnen seien, sondern dass sie ihren Nutzen erst aus der Situation erhalten, in der sie eingesetzt würden (ebd. S.8). Es gehe also darum, die richtigen Strategien flexibel in den richtigen Situationen anzuwenden (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S. 8). Über den situationsangemessenen, flexiblen Einsatz hinaus helfe ein breites Repertoire an Copingstrategien (vgl. Franzkowiak und Franke 2018, S. 970). Für den Fragebogen wurden für die Stressbewältigungsskala fünf Subskalen erstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellungen mit Informationen aus Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S. 9.

Die eben erwähnte Flexibilität im Einsatz von Bewältigungsstrategien soll betrachtet werden können, indem in diesem Teil des Fragebogens zwei unterschiedliche Belastungssituationen beschrieben werden: die Hausaufgabensituation (Leistungsbereich) und die Konfliktsituation mit Freunden (sozialer Bereich). Daraufhin werden die gleichen Items mit Strategien angeboten, um zu betrachten, ob unterschiedliche Strategien in den beiden Situationen zum Tragen kommen. Im dritten Teil geht es um die (c) Stresssymptomatik und das Wohlbefinden. Kinder und Jugendliche zeigen sowohl psychische als auch physische Symptome als Stressreaktion (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S. 10). Die Autoren betonen, dass die Symptome zusätzliche Stressoren darstellen, die das Stresserleben wiederum erhöhen. Der Fragebogen soll daher nicht nur psychische wie in den vorangegangenen Versionen erfassen, sondern auch physische Symptome. Darüber hinaus soll auch das Wohlbefinden Beachtung finden, um positive Empfindungen nicht auszuschließen.

2.2. Die Entwicklung des SSKJ 3-8 R

Der SSKJ 3-8 R ist die dritte Fassung eines Fragebogens, der erstmals im Jahr 1996 publiziert worden ist. Die erste Version war der Fragebogen zur Erhebung von Stresserleben und Stressbewältigung im Kindesalter (SSK) von Lohaus, Fleer, Freytag und Klein-Heßling (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S. 5). 2006 entwickelten Lohaus, Eschenbeck, Kohlmann und Klein-Heßling den SSKJ 3-8. Für diesen wurde ein Itempool erstellt, der Items aus dem SSK-Fragebogen beinhaltete sowie Items zu Bewältigungsstrategien und zu psychischer Stresssymptomatik (ebd. S. 12). Durch die Bestimmung der Trennwerte, Schwierigkeitsindizes und der Faktorladungen wurde eine Auswahl von Items getroffen. Zudem wurde das Alter der zu Befragenden weitergefasst, von ursprünglich der dritten bis sechsten Klasse, zur dritte bis achten Klasse, weiter gefasst (ebd.). Zwölf Jahre später, im Jahr 2018, überarbeiteten Lohaus, Eschenbeck, Kohlmann und Klein-Heßling den Fragebogen und publizierten den SSKJ 3-8 R (ebd. S. 5). Für diese Version wurden jedoch keine größeren Veränderungen, sondern vielmehr kleinere Korrekturen und Ergänzungen vorgenommen (ebd.). Ein weiteres Item wurde bei der Stressvulnerabilität hinzugefügt, bei der Stresssymptomatik eine Skala mit vier Items ergänzt, sodass auch Wohlbefinden erfasst wird und zwei weitere Skalen wurden umbenannt (ebd.). Für diese überarbeitete Fassung wurden daraufhin neue Erhebungen zur Bestimmung der Gütekriterien Reliabilität und Validität sowie zur Normierung des Fragebogens gemacht (ebd.). In Bezug auf die kriterienbezogene Validität wurden teilweise Instrumente eingesetzt, die es bei der ersten Erhebung noch nicht gegeben hatte und die Faktorenstruktur wurde im Rahmen der faktoriellen Validität anhand explorativer und konfirmatorischer Analysen geprüft (ebd.). Nach dieser eingehenden Überprüfung wurde der SSKJ 3-8 R 2018 veröffentlicht.

2.3. Beschreibung der Gütekriterien

Eine hohe Durchführungsobjektivität wird durch schriftliche Instruktionen angestrebt (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.14). Bei jüngeren Schülern und Schülerinnen, deren Lesekompetenz möglicherweise noch nicht ausgereift ist, sollen diese vorgelesen werden und diese sollen aufgefordert werden, bei Lese- oder Verständnisschwierigkeiten nachzufragen (ebd.). Die Auswertungsobjektivität „ist durch das Aufsummieren der Skalenbeantwortungen (teilweise unter Benutzung von Schablonen) gewährleistet.“ (Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S.14). Durch Interpretationshinweise im Testmanual soll die Interpretationsobjektivität sichergestellt werden (vgl. Lohaus, Eschenbeck et al. 2018, S. 14).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Fragebogen SSKJ 3-8 R zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter. Inwieweit kongruieren Bewältigungsstrategien und Stresserleben?
Hochschule
Hochschule München
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V512984
ISBN (eBook)
9783346101341
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fragebogen, bewältigungsstrategien, inwieweit, jugendalter, kindes-, stressbewältigung, stress, erhebung, sskj, stresserleben
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Der Fragebogen SSKJ 3-8 R zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter. Inwieweit kongruieren Bewältigungsstrategien und Stresserleben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512984

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