Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit. Die richtige Etablierung


Studienarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe und Abgrenzungen

3. Ressourcendiagnostik

4. Haltung und Ansätze bei der Ressourcenaktivierung

5. Vorgehensweise Ressourcenaktivierung

6. Schwierigkeiten und Nutzen der Ressourcenarbeit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als professionalisierte und institutionalisierte Form des Helfens legitimiert sich die Soziale Arbeit durch ihren Einsatz bei Problemlagen (vgl. Nestmann 1997, S.29; Wüsten und Schmid 2012, S. 306) respektive bei Scheitern an Bewältigungsaufgaben (vgl. Böhnisch 2012, S. 219ff.). Der Blick auf die Stärken und Kraftquellen einer Person liegen daher nicht in der Natur der Profession:

„Pursuing a practice based on the ideas of resilience, rebound, possibility and transformation is difficult, oddly enough, it is not natural to the world of helping and service.“(Saleebey 1996, S. 297).

Die Soziale Arbeit hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit den Klienten und Klientinnen an einem gelingenderen Alltag (vgl. Thiersch, Grunwald et al. 2012, S. 178) zu arbeiten. Der Blick auf die Ressourcen ist dabei unerlässlich, da diese für Veränderungsprozesse notwendig sind (vgl. Wüsten und Schmid 2012, S. 306). In der deutschsprachigen Literatur der klassischen Theoretiker und Theoretikerinnen der Sozialen Arbeit ist der Begriff Ressource nicht zu finden, in der amerikanischen nur eingeschränkt (vgl. Bünder 2002, S. 21; Röh 2012, S. 190). Es handelt sich damit um eine relative junge Bezeichnung. In ihrer Bedeutung und Funktion finden sich jedoch Entsprechungen in der früheren Literatur der Sozialen Arbeit. Der Ressourcengedanke begleitet die Soziale Arbeit damit schon in ihren Anfängen. Mary E. Richmond kann hier ein Beispiel für einen Vergleich zum heutigen Verständnis von Ressourcen geben: Sie merkt an, dass der Begriff resource meist im materiellen Kontext verstanden wird, es jedoch weitere wichtige Unterstützungsmöglichkeiten gebe (vgl. Richmond 1899, S. 140). Rein materielle Hilfsangebote im Sinne von „onebeggar, oneloaf; tenthousandbeggarsthenthousandloafs“ (Richmond 1899, S. 140) seien ein vereinfachtes Verständnis der Armutsproblematik. Die Beziehung, die der freundliche Besucher mit einer Familie über Jahre aufbaue, „maybethebest possible source ofrelief“ (ebd. S. 144). In der deutschen Literatur werden Ressourcen lediglich in ihrer Bedeutung angesprochen, sie sind also zwischen den Zeilen zu finden. Alice Salomon, die von Mitteln spricht, versteht darunter vor allem materielle Hilfen. Jedoch verwende Salomon darüber hinaus Begriffe wie Fähigkeiten oder Kräfte, die mit dem heutigen Verständnis von nichtmateriellen Ressourcen vergleichbar seien (vgl. Bünder 2002, S. 104ff.). Vor allem seit den 1990er Jahren beschäftigt sich die Fachliteratur verstärkt mit dem Ressourcenblickwinkel. In der Psychologie war diese Perspektive zu dieser Zeit bereits verankert. Sie stellt neben der Problemaktualisierung, der Problembewältigung und der motivationalen Klärung ein primäres Wirkprinzip für die Psychotherapie dar (vgl. Grawe 1998; Grawe 2004). 1992 heißt es in der Fachliteratur, dass die Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit den „Status eines ‚geflügelten Wortes‘ gewonnen“ habe (Saleebey 1992, S.3f. zit. nach Herriger 2014, S.66). Meinhold erklärt die Ressourcenarbeit wenige Jahre später sogar zum „Synonym zur Sozialen Arbeit“ (1997, S. 197) und auch fünf Jahre später ist sie nach wie vor „en vogue“ (Bünder 2002, S. 165). Es entstand der Anspruch, die Ressourcenperspektive gleichberechtigt neben die Problemdiagnostik zu stellen (vgl. Bünder 2002, S. 30). Auch in den letzten Jahren gehöre sie zum guten Ton in der Praxis der Sozialen Arbeit (vgl. Herriger 2014, S.92). Die Ressourcenperspektive hat sich damit über viele Jahre hinweg in der Profession der Sozialen Arbeit angesiedelt und etabliert.

Im Folgenden soll eine theoretische Auseinandersetzung mit allen relevanten Aspekten der Ressourcenorientierung vollzogen werden. Zunächst sollen Begrifflichkeiten definiert und voneinander abgegrenzt werden. Um die Bandbreite von Ressourcen darzustellen, sollen diese daraufhin gruppiert und insbesondere nach der Taxonomie Herrigers (2014) aufgeführt werden. Anschließend werden diagnostische Herangehensweisen dargelegt. Die professionelle Haltung und wichtige Ansätze werden besprochen. Daraufhin erfolgt eine Beschreibung der Vorgehensweise bei der Ressourcenaktivierung. Abschließend soll die Ressourcenorientierung hinsichtlich ihres Nutzens und möglicher Schwierigkeiten diskutiert werden.

2. Begriffe und Abgrenzungen

Der Begriff Ressource ist sehr vieldeutig und unbestimmt (vgl. Nestmann 1997, S. 23f.; Willutzki 2003, S. 91; Schubert und Knecht 2012, S. 15, Herriger 2014, S. 94), dennoch soll der Versuch unternommen werden, sich diesem anzunähern. Nestmann hält fest, dass alles, was von einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation wertgeschätzt oder als hilfreich erlebt werde, als eine Ressource betrachtet werden könne (vgl. Nestmann 1997, S. 23). Eine Kraftquelle wird also erst zu einer solchen, wenn sie zu einem bestimmten Zweck genutzt wird und zeigt „ihre Wirksamkeit erst im Hinblick auf je zur Lösung anstehende konkrete Aufgaben und Problemsituationen“ (Herriger 2014, S. 94). Eine Kraftquelle ist somit kontext- und situationsabhängig. Grawe und Grawe-Gerbers (1999, S. 66f.) schließen sich dem breiten Blick auf das Ressourcenverständnis an und definieren Ressourcen wie folgt:

„Als Ressource können jeder Aspekt des seelischen Geschehens und darüber hinaus der gesamten Lebenssituation eines Patienten aufgefaßt werden, also z.B. motivationale Bereitschaften, Ziele, Wünsche, Interessen, Überzeugungen, Werthaltungen, Geschmack, Einstellungen, Wissen, Bildung, Fähigkeiten, Gewohnheiten, Interaktionsstile, physische Merkmale wie Aussehen, Kraft, Ausdauer, finanzielle Möglichkeiten sowie seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Gesamtheit all dessen stellt, aus der Ressourcenperspektive betrachtet, den Möglichkeitsraum des Patienten dar, in dem er sich gegenwärtig bewegen kann oder, anders ausgedrückt, sein positives Potential, das ihm zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse zur Verfügung steht.“ (Grawe und Grawe-Gerbers (1999, S. 66f.).

Ressourcen können somit eine Vielzahl von Stärken und positiven Aspekten einer Person umfassen. Die eben erwähnten Bedürfnisse leiten zu Grawes Konsistenzprinzip (Grawe 1998; Grawe 2004) über.Die psychischen Grundbedürfnisse umfassen das Bindungsbedürfnis, das Bedürfnis nach Kontrolle und Orientierung, das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz und das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung. Nach dem Konsistenzprinzip wird angenommen, dass psychische Störungen entstehen, wenn Ressourcen fehlen, um die psychischen Grundbedürfnisse zu stillen (vgl. Grawe und Grawe-Gerber 1999, S. 67). Damit wird ihnen eine immense Bedeutung zugesprochen. Für die Soziale Arbeit kann daraus abgeleitet werden, dass die Ressourcenarbeit im Kontakt mit Menschen mit psychischen Störungen unverzichtbar ist. Ressourcenorientierung meint im Grunde eine Veränderung des Blickwinkels:

„The strengthsperspectivedemands a different wayoflooking at individuals, families, and communities. All must be seen in the light of their capacities, talents, competencies, possibilities, visions, values, and hopes, however dashed and disorted these may have become through circumstance, oppression, and trauma.“(Saleebey 1996, S. 297).

Bei der Ressourcenarbeit gilt es zu beachten, dass Kraftquellen unterschiedlich nutzbar und präsent sein können. Gegenwärtig abrufbare und verwendete Ressourcen werden in der Literatur „unmittelbar dargebotene Ressourcen“ (Flückinger, Wüsten 2015, S. 21) oder auch „aktuell verfügbare Ressourcen“ (Deppe-Schmitz und Deubner-Böhme 2016, S. 28) genannt. Auch wenn eine Ressource aktuell verfügbar wäre, ist sich eine Person dieser nicht automatisch bewusst, daher gibt es auch „ungenutzte Ressourcen“ (ebd.). Kraftquellen, die einmal vorhanden waren, nun aber nicht mehr aktiv genutzt werden, können als „brachliegende Ressourcen“ (Flückinger und Wüsten 2015, S. 21) oder „verschüttete Ressourcen“ (Deppe-Schmitz und Deubner-Böhme 2016, S. 29) bezeichnet werden. Darüber hinaus können auch neue Hilfsmittel entdeckt und nutzbar gemacht werden (vgl. Flückinger und Wüsten 2015, S. 34). Der Vagheit des Ressourcenbegriffs entsprechend finden sich unter anderem bei Flückinger und Wüsten weitere Unterscheidungen wie „verbrauchbare Ressourcen“, „trainierbare Ressourcen“, „problemunabhängige Ressourcen“ oder „problemrelevante Ressourcen“ (Flückinger und Wüsten 2015, S. 29ff.), die an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden sollen.

Um das Bild von Ressourcen zu schärfen, soll nun auf eine taxonomische Differenzierung eingegangen werden.Eine Taxonomie ist notwendig, um konkrete Ressourcen benennen zu können (vgl. Herriger 2014, S. 95). Eine Möglichkeit der Kategorisierung des Ressourcenbegriffs kann in materielle und immaterielle Ressourcen erfolgen (vgl. Bünder 2002, S. 95f.). Nichtmaterielle stellen eine „beinahe unbegrenzte Kategorie“ (Bünder 2002, S. 96) dar. Diese können beispielsweise „Ausstattungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten“ (ebd.) sein. Üblicher ist heute die Unterscheidung in Personen- und Umweltressourcen (vgl. Herriger 2014, S. 95), die weiter untergliedert werden kann. Durch diese Unterteilung und Auffächerung des Ressourcenbegriffs kann ein Eindruck über die Vielfalt möglicher Ressourcenbereiche gewonnen werden, die dafürspricht, dass jede Personen aktiv Ressourcen nutzt und weitere Potentiale aktivieren kann.

3. Ressourcendiagnostik

Ressourcen spielen eine bedeutende Rolle bei der Problembearbeitung (vgl. Flückinger und Wüsten 2015, S. 14). Daher stellt die Ressourcendiagnostik die Basis der an den Stärken orientierten Arbeit mit Klienten und Klientinnen dar. Auch hier gilt es zu betonen, dass eine ressourcenorientierte Diagnostik den Blick auf Defizite nicht ausschließt (vgl. Buttner 2018b, S. 148). In Bezug auf geeignete Instrumente zur ressourcenorientierten Diagnostik kritisiert Herriger (2014, S. 93) jedoch:

„Fokussiert man aber den Blick ein wenig und schaut hinter die Kulissen der öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung, so fällt auf, daß in nur wenigen sozialen Einrichtungen und Diensten der Sozialen Arbeit ein spezifisches Instrumentarium der Ressourcendiagnostik konkret verfügbar ist. Der diagnostische Blick gilt vor allem der Defizitanalyse.“

Die Soziale Arbeit verfügt also über kein allgemein anerkanntes ressourcendiagnostisches Instrument, was in der Praxis häufig zu intuitiver Diagnosestellung führt (vgl. Glemser und Gahleitner 2012, S. 288f.). Im therapeutischen Rahmen gibt es jedoch eine Vielzahl an ressourcendiagnostischen Instrumenten, die auch in der Sozialen Arbeit einfließen können. Hier sollen lediglich einige Beispiele beschrieben werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit. Die richtige Etablierung
Hochschule
Hochschule München
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V512995
ISBN (eBook)
9783346095831
ISBN (Buch)
9783346095848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ressourcenorientierung, sozialen, arbeit, etablierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit. Die richtige Etablierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512995

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit. Die richtige Etablierung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden