Textbausteine. Verarmung oder Bereicherung der Kommunikation?

Prüfungslehrprobe zur zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Beruflichen Schulen im Fach Datenverarbeitung


Examensarbeit, 1989

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungen

1. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

2. Bedingungsanalyse
2.1 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler
2.2 Fachwissenschaftliche Vorgaben und Problematik der Stunde

3. Didaktische Strukturierung der Stunde
3.1 Lernziele der Stunde
3.2 Handlungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schülern im Unterricht
3.3 Der Begründungszusammenhang von Ziel-, Inhalts- und Methoden
3.4 Vorüberlegungen zur Auswertung und Ergebnissicherung

4. Geplanter Verlauf der Stunde

5. Anhang: Sitzplan, Arbeitsblätter

6. Medien

7. Literatur

Abbildungen

Abbildung 1: Sitzplan VU

Abbildung 2: Schreibauftrag

Abbildung 3: Arbeitsblatt

Abbildung 4: Textbausteine für MS-Word

1. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Der Grundstufen-Lehrgang Datenverarbeitung ist laut Rahmenlehrplan problemlösungs- und anwenderorientiert zu unterrichten. Dabei sollen Selbsttätigkeit und konstruktives Denken gefördert werden. Das Ziel der Unterrichtsstunde ist zunächst, die Möglichkeiten und Grenzen der Leistungsfähigkeit der Textverarbeitung auszuloten. Der Einsatz von Textbausteinen gehört zu den innovativsten Modulen des Programms. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler die mit dem Einsatz von digitaler Bürotechnik verbundenen gesellschaftlichen Probleme und Gefahren beurteilen lernen.

Als Einstieg in den Lehrgang EDV besorgte ich einen Video-Film, der die Einsatzgebiete der EDV in der Industrie und im Dienstleistungsbereich behandelte sowie verschiedene Aus- und Ein­gabegeräte zeigte. Zu Ende der vorausgegangen Stunde entwickelte sich eine Diskus­sion über Chancen und Risiken des EDV-Einsatzes besonders im Be­reich sozialpflegerischer Dienste.

Ansetzend an den Film folgte eine allgemeine Einführung am Gerät (Hardware, Disketten- Handling und Betriebssystem). Dazu legten die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Programm- und ihre Datendiskette an.

An diese Kenntnisse anknüpfend wurde ein Text erfasst und an die­sem Korrektur- und Formatierungsmöglichkeiten des Textver­arbeitungssystems "MS-WORD"[1] aufgezeigt. Nach diesem Schritt wurde zunächst das weitere Vorgehen beraten.

Gewünscht wurde, sich eingehender mit weiteren Funktionen des Textverarbeitungssystems "MS-WORD", wie "Suchen", "Wechseln", Verschieben einzelner Text­stellen, Bereichs-, Absatz- und Zeichenformatierungen auseinanderzusetzen.

In der vergangenen Stunde wurden fortgeschrittene Befehlsmöglichkeiten des Textverarbeitungssystems "MS-WORD"1 erarbeitet. Nach der heutigen Stunde soll mit der Serienbrief-Funktion von MS-WORD ein weite­rer Kernbereich des Textverarbeitungssystems behandelt werden. Da die Einzelstunde nur im thematischen Gesamtzusammenhang zu verstehen ist, ergibt sich, dass auch die Lernbedingungen der Klasse breiter - und nicht nur für die Entscheidung der Stunde - darzu­stellen sind.

Meine Kenntnisse in Word entstammen der privaten und beruflichen Nutzung der Office-Anwendungen (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsgrafik, Datenbanksystemen). Zudem habe ich neben dem Referendariat an der Goethe-Universität Betriebsinformatik studiert, um meine Einstellungschancen in den Schuldienst zu verbessern. Derzeit eigne ich mir für meinen Unterricht weitere Funktionen an, die ich bisher selbst nie oder selten genutzt habe.

2. Bedingungsanalyse

2.1 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler

Die VU1 ist eine Berufsschulklasse von derzeit 13 Schülerinnen und vier Schülern 17 Auszubildenden, die den Abschluss als Verlagskaufleute anstreben. Das „U“ steht für Unterstufe, d.h. die Schülerinnen und Schüler haben im August 1988 mit ihrer Berufsausbildung begonnen. Der Unterricht findet im Klassenverband statt. Die Schüler haben nur in Ausnahmefällen in der 7. Stunde noch Unterricht.

Die der Klasse VU1 werden ohne Ausnahme in Kleinbetrieben als Verlagskaufleuten ausgebildet und sind zwischen 18 und 22 Jahre alt. Die Schüler*innen haben i.d.R. Abitur, zwei die mittlere Reife. Die meisten wollen nach Abschluss der Aus­bildung studieren, sind Studienabbrecher oder studieren neben ihrer Beruflichen Ausbildung. In der Klasse liegt ein ausgesprochen hohes Motivations- und Leistungsniveau vor.

Die beruflichen Erwartungen, Vorstellungen und Perspektiven der Schülerinnen und Schüler waren mir aus dem zuvor unterrichteten Lehrgang "Mensch und Betrieb" weitgehend bekannt (u.a. wurde in o.g. Lehrgang eine Collage gefertigt). So hatten einige bereits ein oder zwei Semester lang stu­diert, um sich schließlich doch wegen schlechter Berufsaussichten für eine kaufmännische Ausbildung zu entscheiden, die sie für eine "solide" berufliche Basis halten. Begründet wurde dies auch damit, Branchenkenntnisse zu gewinnen oder sogar Kontakte mit zukünfti­gen Arbeitgebern zu knüpfen. Einige verfügen über Studienerfah­rungen im europäischen Ausland (Betina, Claudia). Wesentlich für die Gesamtkonzeption der Unterrichtsreihe ist, dass viele bereits nach einigen Wochen Ausbildungszeit Enttäuschung über ihre Ausbildung artikulierten und so bald wie möglich damit abschließen wollten, um zu studieren. Berufliche Flexibilität kann man heute gerade durch EDV-Kenntnisse nachweisen. Die Ausbildung wird von anderen als Einstieg in eine Verlagskarriere betrachtet. Petra äußerte stolz, sie schreibe bereits kleine Artikel. Alexander studiert neben seiner Ausbildung beim Blitz-Tipp Filmkunst am Städel-Museum. Er gewann wohl bereits mehrere Filmpreise im Kinder- und Jugendfilm. Er ist sehr motiviert und zielstrebig. We­niger zielstrebig verhält er sich gegenüber den offenbar ungünsti­gen Ausbildungsbedingungen bei der Firma Blitz-Tipp (Urlaub, Ausbildungsvergütung, Überstundenverpflichtung etc.). Diese zwiespäl­tige Haltung versuche ich durch die heutige Diskussion für den Lernprozess nutzbar zu machen.

Alle Schüler*innen haben einen PC zu Hause und auch im Betrieb gehört ein PC zur Standardausstattung. Auf diese Erfahrungen im Umgang mit Word lässt sich zurückgreifen. Um EDV-Erfahrungen und Vorerfahrungen zu eruieren, forderte ich die Schülerinnen und Schüler zu Anfang des neuen Halbjahres auf, ihre Wünsche und Interessen im Hinblick auf die zukünftige Unterrichtsgestaltung im Lehrgang Datenverarbeitung schriftlich mit Hilfe eines Fragebogens zu konkretisierten. Es wurde mündlich erläutert, wer auf welche Weise bereits beruflich mit Com­putern zu tun hat. Die Auszubildenden beim Blitz-Tipp erfassen Texte mit WORDSTAR, einem anderen Textverarbeitungssystem. Diese äußerten ihren Unmut über die betrieblich unzureichende Einarbei­tung und drückten ihre Hoffnung aus, dass die Schule diese Defizite lösen würde. Das Tempo mit dem die Schüler*innen Aufgaben am Rechner lösen ist sehr unterschiedlich.

An die Reflexion des Fragebogens knüpfte sich in der letzten Stunde des alten Halbjahres eine Diskussion über den Stellenwert von Schule an. Ein Ergebnis dieser Diskussion war, dass Lehrkräfte ins­gesamt stärker auf Kommunikationsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen sollten und auf diese Weise die Sozialkompetenz der Schüler*innen positiv verändern können. Als Hintergrund für meine Argumentation über die Anteile von fachlichen und kommunikativen Elementen diente meine Kenntnis neuerer Jugendstudien, die ich einbringen konnte. Die Förderung der Schülerkommunikation halte ich gerade im EDV-Unterricht für möglich, obgleich für Gruppenarbeit technische und räumliche Grenzen gegeben sind. Nötig halte ich dies nicht zu­letzt deshalb, um mündlich schwächere Schülerinnen und Schüler stärker zu motivie­ren (Christiane, Berit, Stefan).

Ein besonderes Problem im Hinblick auf die Lernbedingungen stellt die Tatsache dar, dass einige Schülerinnen und Schüler noch keinen besonderen Hang zur EDV haben. Dies zeigte die Umfrage und ist aus Schüleräußerungen zu schließen, wonach EDV "ungefähr so etwas wie Mathe" sei, wofür manche "eh keinen Draht" hätten. Judith, Jennifer, Claudia und andere äußerten explizit ihre grundsätzliche Skepsis gegenüber dem technischen Wandel: er brächte gerade für abhängig Beschäftigte oft genug ausschließlich negative Folgen. Ich versuche in dem Lernprozess klarzumachen, dass es mir nicht um eine zweifelhafte Herstellung von Technikakzeptanz geht. Die verhärteten Positionen versuche ich durch Gegenerfahrungen aufzubrechen. Meine Position zur Frage der sozialen Auswirkung neuer Techniken ist die, dass es gerade darauf ankommt, kompetent mitzuwirken bei der Gestaltung des Prozesses der Technikimplementation. Ohne diese Mitwirkung treten verstärkt negative quantitative und qualitative Folgen auf (Arbeitslosigkeit, Arbeitsentgelt, Arbeitsbedingungen etc). Die Einsicht in die Notwendigkeit zu wecken, dass die neuen Techni­ken sozial und kollektiv durch die abhängig Beschäftigten zu ge­stalten sind, ist meine Absicht

Mit der Konzeption der Unterrichtsreihe intendierte ich eine erneute Diskussion über gesellschaftliche Auswirkungen. Die im Lehrgang gemachten Erfahrungen dienten hierfür als Voraussetzung. Grup­pendynamisch bedeutsam ist, dass es in der Klasse zwei „Lager“ zu geben scheint. Diese Lager werden personalisiert durch Judith ei­nerseits und Alexander andererseits. Entscheidend für die Meinungsführerschaft war bislang, welcher ingroup Nicola beipflichtete. Sie hat eine sehr starke soziale Stellung in der Gruppe und ist Klassensprecherin.2

2.2 Fachwissenschaftliche Vorgaben und Problematik der Stunde

Fachwissenschaften sind nicht bruchlos auf Schule "abbildbar". Gleichwohl gibt es eine Reihe von Bezügen zu wissenschaftlichen Disziplinen. So in der Informatik. Das Textverarbeitungsprogramm "MS-Word" - einem Programmiersystem der 4. Generation3 - avancierte in den letzten Jahren zum Industriestandard. Die preisgünstigen IBM-kompatiblen Rechner aus Südostasien hatten hieran auf der Hardware-Seite einen gewichtigen Anteil. Aufgrund des günstigen Preis-/Leistungsverhältnisses nahm die Diffusionsgeschwindigkeit der Rechner erheblich zu.

Es geht mir also darum, dass die Technik nicht so wertneutral dargestellt wird. Die gesellschaftlichen Auswirklungen der neuen Bürotechniken werden intensiv diskutiert. Andererseits sind neue Techniken im Bürobereich kein solcher Moloch ist, wie von Skeptikern vorgebracht wird. Im Prozess der Einführung neuer Techniken sehe ich durchaus Chancen der Gestaltbarkeit, wobei sich Pädagogen mit ihrer Kritik stärker einbringen sollten. Für Schüler*innen bedeutsam sind die Einflussmöglichkeiten in Hinsicht der Arbeitsorganisation, worauf ich hinsichtlich des heutigen Stundenzieles ein Schwergewicht legen werde. Implizit geht es somit darum, wissenschaftliche Bezüge zur Industriesoziologie herzustellen, um zu problematisieren, dass der einzelne Anwender eben nicht nur hilflos der Technik ausgesetzt ist. In den letzten Jahren häufen sich die Befunde dafür, dass sich Unternehmensphilosophien dergestalt geändert haben, dass neue Techniken nicht gegen, sondern nur mit den abhängig Beschäftigten im­plementiert werden können. Ein Grund dafür ist, dass Reibungsverluste sonst zu groß wären. In diesem Zusammenhang spricht man von "neuen Produktionskonzepten".4 Wenn diese Befunde zutreffen, dann werden "extrafunktionale Qualifikationen" bedeutsam.5 Es kann für den EDV-Unterricht nur förderlich sein, wenn Inhalte und Formen sozialen und politischen Lernens Eingang finden. Leider wird dieser Wandel, der freilich nicht automatisch und durchgängig vorhanden ist, in der Schulöffentlichkeit erst zögernd wahrgenommen.

Schwerpunktmäßig wurde Textverarbeitung als Unterrichtsthema vereinbart, wobei das inhaltliche und methodische Vorgehen im Lehrgang EDV jeweils neu ab zustimmt war. Zu ergänzen ist erstens, dass mir das Interesse für Textverarbeitung durchaus plausibel ist. Ich konnte bereits mehr­fach beobachten, dass ältere Schüler*innen die Arbeit mit Texten gegenüber anderen Methoden sehr stark präferieren. Alternativ an der Schule verfügbare Anwendersoftware sind dBASE, Multiplan, CHART und BASIC. Zu ergänzen ist zweitens, dass sich an Textverar­beitung exemplarisch die Vor- und die Nachteile verdeutlichen las­sen, die mit dem EDV-Einsatz verbunden sind (quantitative und qualitative Folgen, sensomotorische, psychische und motivationale Beanspruchungen). Textbausteine halte ich für einen Kernbereich der Möglichkeiten der Text Verarbeitung und greife ihn daher bewusst heraus. Zu ergänzen ist drittens, dass der EDV-Einsatz die Ar­beitsbedingungen und sozialen Beziehungen verändert, worauf ich bei der Festlegung der Lernziele besonders achtete.

Von daher war die Unterrichtsreihe so angelegt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht übermäßig mit technischen Details über­frachtet, sondern zum Nachdenken über die gesellschaftliche Dimen­sion der elektronischen Datenverarbeitung in der Arbeitswelt angeregt werden sollten (z.B. was die Auswahl der zu bearbeitenden Texte angeht).

3. Didaktische Strukturierung der Stunde

3.1 Lernziele der Stunde

Die Schülerinnen und Schüler sollen mit dem Textverarbeitungssystem "MS-WORD" Textbausteine erstellen und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile beurteilen. Hierbei sind fachliche, allgemeine und erziehungsbezogene Zieldimensionen integriert.

Die Schülerinnen und Schüler sollen:

- anhand eines Einladungsschreibens den instrumentellen Umgang mit dem Rechner üben und das Software-Tool WORD anwenden (Schreibauftrag konzipieren und aus Textbausteinen zusammenstel­len);
- aufgrund der gemachten Erfahrung erkennen und interpre­tieren, dass Textverarbeitung/Textbausteine nicht per se, d.h. technisch bedingt, kommunikationsverarmend, sondern sowohl in arbeitsorganisatorischer als auch in sprachlicher Hinsicht kommunikationsbereichernd sein können;6
- situationsbezogen Vor- und Nachteile der Textverarbeitung/Textbausteine beurteilen und dabei ihre Interessen als abhän­gig Beschäftigten reflektieren.

Die Schülerinnen und Schüler sollen:

- lernen, von einer Aufgabenstellung ausgehend eigengesteuerte Problemlösungen zu erarbeiten und zielgerichtet zu erreichen;
- erkennen, wie wichtig es ist, immer wieder erfahrungsbezogen zu urteilen und dabei soziale Interaktion und sinnstiftende Verständigung zu üben.

3.2 Handlungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schülern im Unterricht

Die Arbeitsaufträge sollen von den Schülerinnen und Schülern im EDV-fachlichen Teil eigenständig in Gruppenarbeit und am Computer erledigt werden. Aufgrund technischer und räumlicher Vorgaben - die meisten Schülerinnen und Schüler sitzen an einem Computerarbeitsplatz - ist eine räumliche Distanz zum Nachbarn unvermeidlich. Um den intendierten Kommunikationsgedanken umzusetzen, soll am Beispiel eines Einladungsschreibens in Gruppenarbeit besprochen werden, wie es inhaltlich aussieht und arbeitstechnisch zu koor­dinieren ist. Dazu sollen sich die Schülerinnen und Schüler um einen EDV-Arbeitsplatz herum gruppieren. Die Aufgabe ist, möglichst viele Arbeitsschritte zu "vereinfachen", denn "es müssen ja so viele Einladungen geschrieben werden". Die Erledigung des "Schreibauftrages" soll dann arbeitsteilig erfolgen, wobei a) die Arbeits­schritte in WORD auf dem Arbeitsblatt zu notieren sind, b) zu klä­ren ist, wer aus der Gruppe welche Personen anzuschreiben hat und c) eine Mustereinladung ausgedruckt werden soll.

Schließlich - und hier liegt der schwierigste Teil der Stunde - sol­len die Schülerinnen und Schüler sagen, wie sie beim Erhalt einer solchen Einladung empfinden würden. Darauf aufbauend sollen sie begründete Meinungen zu Rationalisierungseffekten und zu sprachli­chen und kommunikativen Aspekten von Textverarbeitung resp. Textbausteinen äußern.

3.3 Der Begründungszusammenhang von Ziel-, Inhalts- und Methoden

Zur Einschätzung der Methodenkompetenz der Klasse habe ich mich bereits geäußert. Gerade im bürotechnischen Unterricht Datenverarbeitung ist es sinnvoll, eine alltägliche Problemstellung als Ausgangspunkt für den Unterricht zu neh­men. Anwendungsbezogene Teile des EDV-Unterrichts beschäftigen sich nicht nur mit technischen Fragen des Software-Handlings. Bei­spiele aus anderen Fächern dienen hier Veranschaulichungszwecken (bei Multiplan etwa das Diskont- oder das summarische Zinsrechnen). Naheliegend ist, dieses fächerübergreifende Procedere auf soziales und politisches Lernen zu übertragen. Wie werden kommunikative Prozesse gefördert? Wie sollten wir mit persönlichen Daten umgehen? Sie werden gefördert durch

- die Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler in den Planungsprozess,
- die Liste der Adressen der Schüler*innen, als Voraussetzung, auch über die Unterrichtsstunde hinaus zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen,
- die angelegte Verständigung über Inhalt und Form des Einladungsschreibens,
- die eigenständige Klärung der Arbeitsschritte in WORD,
- die Koordination des arbeitsgleichen und des arbeitsteiligen Vorgehens bei der Erstellung des Schreibens,
- das Schüler*innengespräch,
- den Impuls, eine Klassenfete zu organisieren, womit generell ein weiteres kommunikatives Moment angelegt ist,
- durch Reflexion des Unterrichtsgeschehens.

Zunächst soll problemorientiert gearbeitet und ein Produkt erstellt werden (Computerausdruck).7 Eine Voraussetzung für bewusste Er­fahrung ist die Symbolisierung der Wahrnehmungen, erlebt im Prozess der Herstellung des Produktes und seiner Interpretation. Auf der Folie dieses Verarbeitungsprozesses sollen allgemeine Begriffe über das Rationalisierungsinstrument Textverarbeitung gebildet werden.8

Damit verbinde ich einen Zuwachs an der Kompetenz zielgerichteten Arbeitens. Elemente der Handlungskompetenz (soziale Interaktion und sinnstiftende Verständigung) sollen in der Erarbeitungsphase durch die angelegten Koordinationsprozesse und in der Reflexionsphase durch ein Schüler*innengespräch gefördert werden. Zu diesem Zweck sind Impulse als weite und divergente Denkfragen zu setzen.9 Deshalb sind Ziele offener formuliert als im Arbeitsauftrag (ab­strakter und weiter gefasst), damit eigene Erfahrungen und Phantasien der Schülerinnen und Schüler noch mit einfließen können. Gegebenenfalls entscheide ich mich dafür, Ergänzungen vorzunehmen. Prinzipiell rechne ich damit, dass die Schülerinnen und Schüler die mit der Frage (3) intendierte Rollendistanz leisten.

[...]


1 MS-Word ist ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Microsoft

2 Sie äußerte auf meine Frage, wie sie denn bisher den EDV-Unterricht empfunden habe. Die Antwort gefällt dem EDV-Lehrer: „EDV ist der einzige Unterricht, in dem man mal was selber machen kann.“ Dies ist eine schöner Hinweise auf die Handlungsziele der Schülerinnen und Schüler.

3 MS-WORD gehört zu den sog. "VERY HIGH LEVEL LANGUAGES" (VHLL). Dabei hat der Anwender mit der Programmiersprache nur sehr wenig, oder gar nichts mehr zu tun. Hansen, H.R.(1987): Wirtschaftsinformatik I, Stuttgart 1987, 5. Auflage.

4 Vgl. Kern. H. / Schumann, M. (1984): Das Ende der Arbeitsteilung? Rationalisierung in der industriellen Produktion, München.

Vgl. Schneider, H.; Hoß, D.: Technische Angestellte als Gestalter und Nutzer neuer Technologien - das Beispiel der Vernetzung rechnergestutzter Konstruktion und NC- Programmierung, in: WSI-Mitteilungen 12/1988, S. 714-721

5 vgl. Zur Diskussion über den Begriff Schlüsselqualifikation siehe: Nuissel, E.; Siebert, H; Weinsberg, J. (Hrsg.) (1988): Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung, Münster

6 Vgl. Schneider, Wolf (1988): Computer: Die Elektronische Schlampe, in: ders.: Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde, 3. Auflage, Hamburg, S. 304-315

7 Vgl. Zusammenfassend dazu; Lange, Otto: Problemlösender Unterricht, in; Enzyklopädie Erziehungswissenschaften, Bd. 3, Stuttgart 1986, S. 616-621

8 Vgl. Zusammenfassend dazu: Jank, Werner (1986): Erfahrungsbezogener Unterricht, in: Enzyklopädie Erziehungswissenschaften, Bd. 3, Stuttgart, S. 594-600

9 Sommer, Hartmut: Grundkurs Lehrerfrage. Ein handlungsorientiertes Arbeitsbuch für Lehrer, Weinheim und Basel 1981

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Details

Titel
Textbausteine. Verarmung oder Bereicherung der Kommunikation?
Untertitel
Prüfungslehrprobe zur zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Beruflichen Schulen im Fach Datenverarbeitung
Veranstaltung
Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Beruflichen Schulen
Note
1,0
Autor
Jahr
1989
Seiten
20
Katalognummer
V513063
ISBN (eBook)
9783346115867
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Datenverarbeitung, Bürokommunikation, Textverarbeitung, Bürotechnik, Kommunikation, EDV, Textbausteine, MS-Word, Berufliche Schule
Arbeit zitieren
Klaus-Uwe Gerhardt (Autor), 1989, Textbausteine. Verarmung oder Bereicherung der Kommunikation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513063

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