Antike Musik als wesentlicher Bestandteil in der Kindererziehung. Platon und Aristoteles über den Musikunterricht


Facharbeit (Schule), 2019

9 Seiten, Note: 15,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Musik in der griechischen Kindererziehung

3. Philosophische Ansichten über Musik in der Kindererziehung
3.1 Bei Platon
3.2 Bei Aristoteles

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Musik nimmt seit der Antike einen wichtigen Platz in unserem Leben ein. In der Antike findet sie sich bei Festspielen sowie als musikalische Untermalung bei der Erzählung von Heldenepen. Auch wird sie schon früh in der Kindererziehung als Unterrichtsfach eingesetzt.

Welche Bedeutung kommt also der Musik in der antiken Kindererziehung zu?

Um diese Frage klar beantworten zu können, muss untersucht werden, welche Funktion der Musikunterricht hat und wie er sich auf die Entwicklung des Staatswesens auswirkt.

Dafür ist zuerst eine allgemeine Betrachtung der Kindererziehung notwendig, wobei der Schwerpunkt auf der griechischen liegt. Dabei wird die Kindererziehung in den einzelnen Regionen Griechenlands umrissen. Im Folgenden wird die Musik in den Fokus der Erziehung gerückt.

Um ein Bild von einer idealen musischen Kindererziehung zu vermitteln, werden die philosophischen Schriften von Platon und Aristoteles untersucht sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

Zum Schluss werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.

2. Musik in der griechischen Kindererziehung

Staatliche Schulen, wie wir sie heute kennen, gibt es in der Antike nicht. Die Erziehung der Kinder ist allein der Oberschicht vorbehalten, da sie über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Sparta bildet jedoch eine Ausnahme, da dort bereits staatliche Schulen für Jungen und Mädchen existieren. Auf Lesbos bildet sich 600 v.Chr. um Sappho ein junger Kreis von Mädchen, die von ihr in der Musik (μουσική ) und im Sport (γυμναστική) unterrichtet werden.

In Athen hingegen werden im 5. und 4. Jh. v.Chr. nur Jungen in den Disziplinen der ἐγκύκλιος παιδεία unterrichtet, zu denen z.B. Grammatik, Dialektik, Arithmetik und Musik gehören. Auf antiken Vasen werden Szenen aus dem Unterricht dargestellt, wie z.B. das Spielen auf der Leier oder das Vers-Aufsagen[1]. Der Schulunterricht ist vom Auswendiglernen geprägt. Das Zitieren von Homers Epen soll die Knaben an die ehrenvollen Taten ihrer Vorfahren erinnern.[2] Die Mädchen werden zuhause von ihren Müttern in Disziplinen wie Wollverarbeitung und Weben unterwiesen. Für Mädchen aus wohlhabenden Familien ist es wichtig, dass sie später in der Ehe den Haushalt führen können.

Jungen und Mädchen werden in Athen nicht gleichwertig ausgebildet, so ist „die Unterrichtung von Knaben darauf ausgerichtet, sie zu mündigen und verantwortungsvollen Bürgern mit einem geformten Geist und solchen Kardinaltugenden wie z.B. der Selbstbeherrschung zu machen, […] die Bildung von Mädchen [hat] immer praktische Überlegungen zum Inhalt“[3].

Der musikalische Unterricht gehört zur festen Ausbildung der Knaben und nur teil­weise der Mädchen. Der Musikunterricht in Athen beinhaltet die Bereiche Chor-erziehung sowie Literatur- und Instrumentalunterricht. Bei der μουσική steht der Chor im Zentrum des Geschehens. Deutlich zeigt sich, wie intensiv musikalische Bildung als Erziehung zur Einheit von Wort, Gesang und Bewegung im griechischen Staat betrieben wird. Sie ist nicht nur „ästhetisch, sondern vor allem religiös-kultisch verwurzelt“[4].

Die Chorerziehung der Bürgersöhne sieht vor, dass die Knaben an Wettbewerben teilnehmen und bei großen Festen, wie den Dionysien, oder bei Familienfesten auftreten. Finanziert werden die Chöre durch einen vom Staat bestellten Chorsponsor, den χορηγός. Zweck der Chorerziehung ist es, den religiösen, politischen und sozialen Zusammenhalt des Staates zu festigen. Sie dient auch der Vorbereitung der Kinder auf die Teilnahme an dramatischen Chören bei Staatsfesten, Tragödien oder Komödien.[5]

Der Literaturunterricht findet beim γραμματιστής statt. Dazu gehört das Auswendiglernen von Dichtungen von Homer, wie die Illias und die Odyssee. Den Instrumentalunterricht, z.B. auf der Lyra, übernimmt der κιθαριστής. Das Lyra-Spiel gilt als „Merkmal des Schönen und Edlen (καλὸς καὶ ἀγαθός ) […]: Wer nicht Lyra spielen [kann], [gilt] als ungebildet“[6]. Auch der Unterricht im Aulosspiel ist im 5. Jh. populär. Der Instrumentalunterricht dient zudem der Professionalisierung im Hinblick auf die attischen Festspiele. Zwischen den Schulen gibt es auch musikalische Wettkämpfe, wie auf einer Bauchamphore[7] dargestellt. Dabei werden κιθάρα - und αὐλός - Spiele sowie Gesangswettkämpfe veranstaltet. Für den Sieger gibt es ein Preisgeld.

Die Musik als Erziehungsmittel findet sich auch in der griechischen Mythologie. So wird z.B. der Musikunterricht von Herakles bei Linos oder von Achilles beim Zentauren Cheiron[8] dargestellt.

3. Philosophische Ansichten über Musik in der Kindererziehung

3.1 Bei Platon

Nach Platon besteht die beste Erziehung aus der Verbindung von Gymnastik für den Körper und Musik für den Geist. Nur durch die Kombination beider Disziplinen kann die Seele besonnen und tapfer werden. Platon fordert zudem die gleichwertige Erziehung der Mädchen, damit sie wie die Jungen von trefflichster Natur sind. Dies bringt einen großen Zugewinn und Nutzen für den Staat.[9] „Daher ist also […] die Erziehung durch die Musik so überaus wichtig, weil Rhythmus und Harmonie am tiefsten in das Innere der Seele eindringen, sie am stärksten ergreifen und ihr eine edle Haltung vermitteln und sie anständig machen, wenn man richtig erzogen wird; wo aber nicht, ist das Gegenteil der Fall. Und weil wiederum derjenige, der in der Musik richtig erzogen ist, das Fehlerhafte und Unschöne in der Kunst wie in der Natur am schärfsten wahrnimmt, […] wird er es wohl in seine Seele aufnehmen […] und selbst gut und edel werden; das Schimpfliche aber wird er […] in früher Jugend verabscheuen […]. Freilich, […] auch ich [Platon] bin der Meinung, dass […] die ganze Erziehung auf der Musik beruht“[10]. So beschreibt Platon in seinem Werk Πολιτεία die Wirkung der Musik auf die Jugend. Seine Intention ist es, der Jugend ein Empfinden für das Schöne und das Verabscheuungswürdige zu geben. Er definiert Musik und ihr Wesen sehr streng. Die Musik soll zur Nachahmung, der μίμησις , dienen. Lob- und Preislieder, die Helden besingen, sollen auswendig gelernt werden, damit „der Junge sie eifrig nachahme und danach strebe, ebenso zu werden“[11]. Der κιθαριστής setzt den Schülern vertonte Heldenepen vor, damit „sie zahmer seien und, wenn sie taktvoller und harmonischer werden, tauglich wären zum Reden und Handeln. Denn das ganze Leben des Menschen bedarf des Taktes und der Harmonie“[12].

Platon unterscheidet zwei Arten der μίμησις. Die „gute“ Nachahmung trägt zur Tugendhaftigkeit, Tapferkeit und moralischen Festigung bei, wohingegen die „schlechte“ Nachahmung sittlich fragwürdig und nur auf hedonistische Ziele ausgelegt ist.[13] Musik als Genussmittel lehnt Platon also strikt ab. Auch legt er genau fest, welche Tonarten[14] moralisch festigen: Dorisch und Phrygisch unterstützen die musikalische Kindererziehung zur Tapferkeit, wohingegen Lydisch und Ionisch zur Verweichlichung führen. Die lydische Tonart wird z.B. für Klagelieder verwendet. Die Forderung, die gewünschten Tonarten mögen tapfere und besonnene Charaktere hervorbringen, legt auch die Auswahl der Instrumente fest. Es werden αὐλοι und andere flötenähnliche Instrumente abgelehnt, so dass nur noch die λύρα und die κιθάρα, die Instrumente Apollons, für den Musikunterricht übrig bleiben.[15] Diese Instrumente sind tugendhaft, da sie neben dem Spielen einen Vortrag von Sprache ermöglichen, die die „positive Entwicklung der Persönlichkeit unterstützen“[16]. So entsteht eine Einheit von Musik, Gesang und Sprache.

Die Bedeutung der Musik für die Kindererziehung und für das Gemeinwesen spielt eine zentrale Rolle für die innere Stabilität eines idealen Staates. Sie dient der Idee des Guten und Schönen. Platons „Anstöße und seine Antwortversuche sind ein Meilenstein auf dem Wege zu einer vernunftkritischen Reflexion der Musik und ihrer Rolle für Bildung und Erziehung“[17].

[...]


[1] Siehe M1.

[2] Vgl. Backe-Dahmen, Die Welt der Kinder in der Antike (2008), S. 59-60.

[3] Backe-Dahmen, Die Welt der Kinder in der Antike (2008), S. 67.

[4] Ehrenforth, Geschichte der musikalischen Bildung (2010), S. 50.

[5] Vgl. Höftmann, Muße und Musikerziehung nach Aristoteles (2014), S. 45.

[6] Ebd., S. 45.

[7] Siehe M2.

[8] Siehe M3.

[9] Vgl. Richter, Ausgewählte Texte Platons zur Musik (2005), S. 7-8.

[10] Platon, Der Staat (2019), S. 123.

[11] Backe-Dahmen, Die Welt der Kinder in der Antike (2008), S. 60.

[12] Ebd., S. 60.

[13] Vgl. Krihl, Vom Ethos der Musik in Platons Musiklehre (2012), S. 3.

[14] Siehe M4.

[15] Vgl. Pascalau, Platon und die Mousiké (2012), S. 117-118.

[16] Krihl, Vom Ethos der Musik in Platons Musiklehre (2012), S. 3.

[17] Ehrenforth, Geschichte der musikalischen Bildung (2010), S.70.

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Details

Titel
Antike Musik als wesentlicher Bestandteil in der Kindererziehung. Platon und Aristoteles über den Musikunterricht
Note
15,0
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V513069
ISBN (eBook)
9783346092946
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griechisch, Musik, Musikerziehung, Platon, Aristoteles
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Antike Musik als wesentlicher Bestandteil in der Kindererziehung. Platon und Aristoteles über den Musikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513069

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