Entwicklung von Emotionen im Säuglings- und Kleinkindalter

Welchen Einfluss hat die Familie?


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen über Emotionen

3. Emotionstheorien

4. Entwicklung des Emotionsausdrucks
4.1 Entwicklung primärer Emotionen
4.2 Entwicklung sekundärer Emotionen

5. Entwicklung des Emotionsvokabulars

6. Entwicklung des Emotionsverständnis

7. Einflüsse auf die Emotionsentwicklung
7.1 Mutter-Kind-Interaktion
7.2 Erziehungsstil

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

10.Anhangs

1. Einleitung

Emotionen sind allgegenwärtig. Trauer, Freude, Wut, Angst, Überraschung und andere Emotionen begleiten uns tagtäglich, wir erleben sie, sehen sie bei anderen und sprechen darüber. Sie beeinflussen uns jeden Tag in vielen Situationen, und anders herum beeinflussen Situationen unsere Emotionen. Wahrscheinlich hat sich jeder Mensch schon einmal die Frage gestellt, wie diese Emotionen ausgelöst werden und wie es überhaupt dazu kommt, dass wir diese ausdrücken und anderen damit etwas vermitteln können. Da auch ich mir diese Frage schon häufig gestellt habe, beschäftige ich mich in der vorliegenden Arbeit mit der Entwicklung von Emotionen im Säuglings- und Kleinkindalter.

Da das Thema einen sehr großen Umfang hat, spezialisiere ich mich auf die Frage: „Inwiefern hat die Familie einen Einfluss auf die Emotionsentwicklung des Kindes?“. Hierbei beachte ich hauptsächlich den Einfluss auf die Entwicklung von den Emotionen, dem Emotionsausdruck, dem Emotionsvokabular und das Verständnis für Emotionen. Um die Frage beantworten zu können, stellt sich zunächst die Frage nach einer Definition des Begriffs „Emotionen“, weshalb ich meine Arbeit mit einem Umriss von den Grundlagen über die Emotionen beginne. In dem darauffolgenden Kapitel werde ich die unterschiedlichen theoretischen Überlegungen zur Entstehung von Emotionen auffassen, um einen Überblick über den Forschungsstand in der Psychologie zu geben.

Danach werde ich auf die Entwicklung des Emotionsausdrucks eingehen, wobei ich nochmal explizit auf die primären und sekundären Emotionen verweise. Hier versuche ich die Frage zu klären, wie bereits Säuglinge in der Lage sind mit ihrem Gesichtsausdruck Emotionen zu übermitteln und wie die Entwicklung laut wissenschaftlichen Erkenntnissen abläuft. Darauf folgt die Entwicklung des Emotionsvokabulars und des Emotionsverständnis, welche ich nur kurz auffasse.

Im 6. Kapitel behandle ich ausführlich meine Frage über den Einfluss der Familie auf die Emotionsentwicklung eines Kindes. Ich wollte herausfinden, welche Unterschiede, beispielsweise in der Erziehung, Mutter-Kind-Bindung, Lebenssituation oder weiteres, zu einer veränderten Emotionsentwicklung führen.

Damit ich diese Frage klären konnte, sind die vorherigen Kapitel sehr wichtig, um einen Einblick in die Emotionsentwicklung zu bieten und zu zeigen welche Aspekte überhaupt beeinflusst werden können.

2. Grundlagen über die Emotionen

Bei dem Begriff „Emotionen“ weiß fast jeder worum es sich handelt, aber eine einheitliche Definition aufzustellen gelingt selten. Auch in der weit zurück gehenden Forschung über Emotionen gelang es der Psychologie nicht eine einheitliche Definition zu formulieren. Ein Versuch einer Definition stellte Zimbardo vor:

„Emotion ist ein komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen einschließt, die in Reaktion auf eine Situation auftreten, welche ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat.“ (Zimbardo 1995, S. 442)

Eine weitere Definition ist die Arbeitsdefinition von Meyer, Reisenzein und Schützwohl. Laut ihnen sind Emotionen zeitlich datierbare, konkrete Episoden von Phänomenen mit bestimmten Merkmalen. Zu den Merkmalen zählt, dass Emotionen aktuelle psychische Zustände sind und eine bestimmte Intensität, Dauer und Qualität haben. Außerdem sind sie objektbezogen und weisen einen bestimmten Verhaltens-, Erlebens-, und physiologischen Aspekt auf (Meyer, Reisenzein & Schützwohl, 2001, S. 24).

Meine Arbeit schreibe ich auf Grundlage der kategorialen Klassifikation von Emotionen, bei der davon ausgegangen wird, dass es Basisemotionen gibt, welche sich im Laufe der Zeit zu komplexeren Emotionen entwickeln. Nach der Erkenntnis von Lothar Schmidt-Atzert gibt es die sogenannten primären Basisemotionen und sekundären Emotionen (Schmidt-Atzert, 1996). Die primären, welche sich ab dem 3.Lebensmonat entwickeln und die sekundären, welche sich Ende des 2. Lebensjahr entwickeln. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, welche Emotionen zu den primären Emotionen gehören. Zu den primären Emotionen gehören laut Lewis Freude, Ärger, Traurigkeit, Überraschung, Angst und Interesse. Zu den sekundären Emotionen gehören Stolz, Scham, Neid, Empathie, Schuld und Verlegenheit (Lewis, 2000). Plutchik stellte ein anderes Emotionsmodell auf (Abbildung 1), in dem er davon ausgeht, dass die 8 primären Emotionen Furcht, Ärger, Freude, Traurigkeit, Akzeptieren, Ekel, Erwartung und Überraschung sind (Plutchik, 1980). Bei seinem Modell befinden sich Emotionen die sich ähneln dicht nebeneinander, während gegensetzliche Emotionen weit voneinander entfernt liegen. Außerdem gibt es in seinem Modell primäre, sekundäre und tertiäre Dyaden, welche in dieser Reihenfolge die primären, sekundären und komplexeren sekundären Emotionen darstellen (Plutchik, 1980).

Es gibt drei Komponenten von Emotionen. Zum einen das subjektive Erleben (das Gefühl), welches bei jedem Menschen sehr individuell ist. Zum anderen die physiologische Komponente, welche alle hormonellen und neuronalen Aspekte umfasst und als drittes die Verhaltenskomponente, bei der es um Mimik und Gestik geht (Meyer & Schützwohl, 1993).

Nun stellt sich die Frage nach den Auslösern und den Funktionen von Emotionen. Emotionen werden durch alltäglichen Situationen ausgelöst, so wie auch durch ungewöhnlichen Situationen und Lebensereignisse. Zum Beispiel in Interaktion mit Menschen, aber auch bei Aktivitäten ohne äußeren Anlass, wie Sport oder durch Nahrung, Erinnerungen, Gedanken oder andere Substanzen (vgl. Schmidt-Atzert, 1996).

Laut Schneider dienen Emotionen dazu, in einer gegebenen Umwelt zu bestimmten Situationen Stellung zu nehmen (Schneider, 1990).

3. Emotionstheorien

Es bestehen mehrere Emotionstheorien, welche alle auf ihre Art zu erklären versuchen, wie Emotionen entstehen, wie sie sich auswirken und wodurch sie überhaupt verursacht werden.

Der Evolutionsbiologische Ansatz betrachtet die Emotionen als ein Ergebnis der Entstehungsgeschichte und stellt sich die Frage, ob Emotionen erblich sind und inwiefern sie einen Wert für das Überleben eines Individuums haben. Für Darwin waren Emotionen bewusste, mentale Zustände, welche durch Einschätzung und Bewertung von Situationen, Objekten und Einstellungen entstehen. Außerdem war er der Meinung, dass der Emotionsausdruck und die Fähigkeit, diesen zu erkennen, vererbt sind (vgl. Ulich, Mayring, 1992). Evolutionstheoretiker Ekman (1984) nimmt an, dass es Basisemotionen gibt, die bei jedem Menschen vorhanden sind, darunter zählen Trauer, Ärger, Furcht, Überraschung, Ekel und Freude („neuro-cultural theory“; Ekman, 1972 ).

Der Behavioristisch-lerntheoretische Ansatz sieht die Entstehung von Emotionen als einen Lernprozess aus instrumenteller und klassischer Konditionierung. Geprägt wurde dieser Ansatz von Watson, er beschreibt Emotionen als chaotische Zustände, die durch Umweltbedingungen ausgelöst werden. Anfangs gibt es nur die drei angeborenen Emotionen Furcht, Liebe und Wut, welche später mit Hilfe von Lernerfahrungen modifiziert werden. Emotionen werden außerdem durch Belohnungen und Bestrafungen geformt (vgl. Ulich, Mayring, 1992).

Die Neuro- und psychophysiologischen Ansätze erforschen, welche körperlichen Vorgänge und organischen Strukturen die Voraussetzungen und Folgen für Emotionen darstellen. William James und Carl Lange stellten die James-Lange-Theorie auf, in der sie behaupteten, dass bestimmte körperliche Veränderungen die Ursache vom emotionalen Erleben sind (James, 1884). Ihrer Theorie zufolge sind wir zum Beispiel aufgeregt, weil wir Herzklopfen haben und haben nicht Herzklopfen, weil wir aufgeregt sind. Die Theorie wurde jedoch von Cannon und Bard 1927 widerlegt.

Der Kognitionspsychologische Ansatz stellte die Attributierung in den Vordergrund. Es wird davon ausgegangen, dass durch diese kognitiven Zuschreibungsprozesse die zuvor unspezifischen Erregungsprozesse emotional differenziert werden (Maier, Ambühl-Caesar, Schandry, 1994). Die berühmte Zwei-Faktoren-Theorie von Schachter und Singer besagt, dass der Mensch erst körperliche Symptome bemerkt und dann versucht, eine Ursache dafür zu finden. Auf dieser Grundlage sind Gefühle eine Funktion von physiologischer Erregung mit einer kontextabhängigen Kognition. Die gleiche Erregung kann zu unterschiedlichen Emotionen hinsichtlich ihrer Qualität führen (vgl. Ulich, Mayring, 1992,S.40).

4. Entwicklung des Emotionsausdrucks

Das eine Person Emotionen ausdrückt, stellen wir anhand von mehreren Merkmalen fest. Zum einen durch Mimik und Gestik, zum anderen durch die Körperhaltung mit Bezug auf den Kommunikationspartner. Der Ausdruck erfolgt ebenso über die Lautäußerung, Blickbewegung und durch Merkmale in gesprochenen oder geschriebenen Äußerungen (vgl. Meyer, Reisenzein & Schützwohl, 2001; Schmidt-Atzert, 1996). Der Emotionsausdruck ist die Gesamtheit der bei Emotionen auftretenden beobachtbaren körperlichen Veränderungen. Der Ausdruck von Emotionen und die Fähigkeit zum Erkennen der Bedeutung des Ausdrucks bei anderen sieht Darwin als ererbt an (vgl. Ulich, Mayring, 1992).

Die Entwicklung des Emotionsausdrucks beginnt mit den primären Emotionen und entwickelt sich bis zum zweiten Lebensjahr so weit, dass auch sekundäre Emotionen ausgedrückt werden können (vgl. Petermann, Wiedebusch, 2016).

In der Zeit vom Säuglings- bis zum Vorschulalter macht sich bemerkbar, dass der Emotionsausdruck mehr Intensität erlangt (Holodynski, 1998). Es entwickelt sich ein individuelles emotionales Ausdrucksverhalten. Denham entdeckte, dass sich das Ausdrucksverhalten von Mutter und Kind immer ähnlicher wird (Denham, 1998).

4.1 Entwicklung primärer Emotionen

Emotionen entwickeln sich im Laufe unseres Lebens immer weiter und werden differenzierter, dennoch befasste sich die Forschung hauptsächlich mit der Emotionsentwicklung in der Kindheit. Emotionen und der Emotionsausdruck entwickeln sich in den ersten sechs Lebensjahren (vgl. Petermann, Wiedebusch, 2016, S.33). Lewis entdeckte, dass Säuglinge ein „bipolares emotionales Erleben“ haben, welches sich zunächst nur zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit unterscheidet (Lewis, 2000). Babys lächeln bereits von Geburt an ohne Bedeutung, da dass Lächeln durch Reize ausgelöst wird. Später wird dieses Lächeln zu einem sozialen Lächeln. Mit der Zeit wird dieses Erleben immer differenzierter und es entwickeln sich ab dem 3. Lebensmonat die primären Emotionen (Lewis, 2000). Zwischen dem dritten bis zwölften Lebensjahr treten Emotionen auf, welche sich unterscheiden lassen (Lewis, 1998, 2000; Friedmeier 1999b). Denham wies auf, dass diese Emotionen bereits von typischen Bewegungsmustern in der Mimik und vokalen Mustern begleitet werden (Denham, 1998). Mit Beginn des Krabbelalters nehmen die Basisemotionen zu, da die Säuglinge nun in der Lage sind, ihre Umwelt zu erkunden und mit neuen Situationen konfrontiert werden (Saarni et al.,2000).

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Details

Titel
Entwicklung von Emotionen im Säuglings- und Kleinkindalter
Untertitel
Welchen Einfluss hat die Familie?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V513162
ISBN (eBook)
9783346104809
ISBN (Buch)
9783346104816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, emotionen, säuglings-, kleinkindalter, welchen, einfluss, familie
Arbeit zitieren
Johanna Giere (Autor), 2019, Entwicklung von Emotionen im Säuglings- und Kleinkindalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513162

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