Sprachentwicklung bei Kindern. Wie erlernen Kinder mit Down-Syndrom das Sprechen?


Hausarbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Auswirkung des Down-Syndroms auf das Sprachlernen bei Kindern
2.1 Wie lernen Kinder ohne das Down-Syndrom das Sprechen?
2.2 Wie lernen Kinder mit dem Down-Syndrom das Sprechen?
2.3. Vergleich

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklungstabelle Kinder mit und ohne Down-Syndrom,

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Kinder mit Down-Syndrom werden immer noch unterschätzt. Oft werden sie als dumm angesehen, obwohl sie in jeglicher Hinsicht nur eine besondere Förderung bedürfen.

Hannelore Grimm (2012) gibt bekannt, dass Kinder mit einer geistigen Behinderung, wie z.B. dem Down-Syndrom, auch eine Sprachstörung aufweisen können. Aufgrund dieser Tatsache beschäftige ich mich in meiner Ausarbeitung intensiv mit diesem Thema.

Zu Beginn meiner Arbeit erläutere ich die normale Sprachentwicklung bei Kindern ohne Down-Syndrom, im zweiten Schritt, das Sprachlernen bei Kindern mit Down-Syndrom. Ich beschreibe dabei zuerst den Gendefekt etwas näher und zeige danach auf, wie sich die bestimmten Beeinträchtigungen, bedingt durch dieses „Handicap“, jeweils in unterschiedlicher Ausprägung auf die Sprachentwicklung auswirken können.

Mein Ziel ist es, die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten in der Entwicklung zwischen Kindern mit und ohne dem Down-Syndrom aufzuweisen, wobei ich mich allein auf die Sprachentwicklung konzentriere, nicht z.B. auf die motorische oder die soziale Entwicklung. Denn die größte Schwierigkeit bei Kindern mit dem Down-Syndrom ist die Sprache. Dies gibt B. Giel (2015) in ihrem Buch der Sprachförderung bei Kindern mit dem Down-Syndrom an. Diese Lektüre ist als erste Basis meiner Arbeit für die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom zu sehen.

In meiner Arbeit ist für die normale Sprachentwicklung größtenteils das Buch von E. Richter „So lernen Kinder sprechen, die normale und die gestörte Sprachentwicklung“ (1984) als Grundlage zu betrachten. Richter war Sprachtherapeut und viele heutige noch sehr bekannte und genutzte Sprachtherapiebücher bauen auf seine Arbeit aus den frühen Jahren auf.

Richter (1984) gibt in seinem Buch bekannt, dass die Sprache das wichtigste Kommunikationsmittel der Menschen ist. Nur durch die Benutzung der Sprache können zwischenmenschliche Beziehungen aufgebaut, aufrechterhalten und gefördert werden. Es können Gefühle, Wünsche o.ä. ausgedrückt werden und die Sprache dient als Medium der Botschaften gegenüber anderen.

Dementsprechend ist die Sprache als ein komplexes Thema zu betrachten und kann durch den komplexen Lernerwerb einen großen Störfaktor bei der Entwicklung der kognitiven Ebene, z.B. bei Kindern mit Down-Syndrom, aufweisen.

2 Auswirkung des Down-Syndroms auf das Sprachlernen bei Kindern

2.1 Wie lernen Kinder ohne das Down-Syndrom das Sprechen?

Zu Beginn ist ein nach Wolfgang und Jürgen Butzkamm (2008) beschriebenes Experiment aufzuführen. Bei diesem Experiment lasen die Mütter in den letzten sechseinhalb Wochen vor der Geburt zwei Mal täglich ihren Babys im Mutterleib ein Kindergedicht vor. Nach der Geburt wollten die Kinder immer öfter dieses früh kennengelernte Gedicht, im Gegensatz zu allen anderen, vorgelesen haben. Es zeigt nach Aussage der beiden Autoren, dass sich Babys schon früh mit der Umwelt außerhalb des Mutterleibes auseinandersetzen können. Dementsprechend gehen W. und J. Butzkamm (2008) davon aus, dass der Klang der Stimme, in diesem Fall der Mutter, sehr früh wahrgenommen und abgespeichert wird. Kinder können angesichts der Autoren nicht nur nach der Geburt die verschiedenen Texte, die vorgelesen wurden, sondern auch die Stimme ihrer Mutter im Gegensatz zu denen anderer Menschen, unterscheiden. Somit lässt sich nach Annahme von W. und J. Butzkamm (2008) festhalten, dass der Säugling schon früh die Sprache der Mutter im Gedächtnis abgespeichert hat und diese wiedererkennen kann.

Das Gedächtnis wird bereits vor der Geburt gebildet und ist für jede zu erlernender Fähigkeit des Kindes als Grundlage zu sehen (W. & J. Butzkamm, 2008). Alles, was wir lernen bedarf eines bereits aufgenommen und verarbeiteten Musters, sodass das neu erlernte diesem zugeordnet werden kann. Dabei muss jedes neue Muster einzeln verarbeitet und im Lernprozess verankert werden (Schirp, 2012). Es lässt sich sagen, dass das Gehirn früh darauf programmiert ist, Muster in den Sprachen zu erkennen und daraus Regeln zu bilden (Tracy, 2008).

Somit ist davon auszugehen, dass sehr früh eine Anlage für die Sprache gebildet wird, sie ist nicht angeboren, sondern jedes Kind muss diese mühselig erlernen (Richter, 1984).

Im weiteren Verlauf seines Buches geht Richter (1984) davon aus, dass die Umwelt eines der wichtigsten Faktoren des Sprachlernens ist. Nur wenn ein Kind in direkten Beziehungen zu Menschen sowie der Umwelt steht und diese Faktoren wahrnehmen kann, ist eine Grundlage für den weiteren Aufbau des Sprechens gegeben (Richter, 1984). Des Weiteren nennt Richter (1984) einige Faktoren, die beim Erlernen der Sprache wichtig sind. Zum Ersten ist dies der Gehörsinn. Wie bereits anfangs beschrieben, entwickelt sich dieser früh im Mutterleib (Experiment s.o.). Er ist laut Richter (1984) für die Nachahmung der Stimme wichtig. Als zweites wird aufgezeigt, dass jedes Kind eine angeborene Lust am Sprechen besitzt, welche nach Richter (1984) eine beachtliche Auswirkung auf die Sprachentwicklung hat.

Genauso wichtig für Richter (1984) ist, dass jedes Kind ein sogenanntes sprachliches Vorbild hat. Nur mit ständigen Anreizen von außen wird die Lust auf das Sprechen aufrecht gehalten. Nicht nur die Lust zum Sprechen ist angeboren, sondern auch der Nachahmungstrieb. Folglich speichert nach Richter (1984) das Kind vieles von den sprachlichen Vorbildern, wie z.B. den Akzent. Als letzten Punkt sind nach Richter (1984) die Umwelteinflüsse zu erwähnen. Damit beschreibt er die Familienverhältnisse, in denen das Kind aufwächst, z.B. ein harmonisches Umfeld ohne Schimpfworte.

Für die normale Sprachreifung nennt Richter (1984) nachfolgend drei verschiedene Altersphasen, in denen das Kind die Sprachentwicklung durchläuft. Er schildert zu Beginn, dass dies nur Orientierungszeiträume sind, da jedes Kind individuell entwickelt ist. Er führt zuerst das Säuglingsalter auf (erstes Lebensjahr). Hierbei wird wiederrum in vier Etappen unterschieden. Im ersten Vierteljahr, der sogenannten Schreiperiode ist, wie das Wort schon zeigt, das Schreien das wichtigste Merkmal. Dabei ist es nicht nur das Schreien, mit dem der Säugling ein bestimmtes Verlangen mitteilen möchte, sondern auch die Tatsache, dass es Lust darauf hat. Hierbei ist wieder die angeborene Lust des Sprechens oder sich Mitteilens aufzuführen (s. S.4). In der nächsten Periode, der ersten Lallperiode, beginnt das Neugeborene mit kleinen Bewegungen und Lauten der Stimme zu arbeiten, es lallt allmählich in willkürlicher Reihenfolge ohne Zusammenhang vor sich hin. Dies ist nach Richter (1984) der erste wichtigste Schritt eines jeden Kindes für die Stimmbewegung und die Spracherlernung. Die nachfolgende zweite Lallperiode läuft schon etwas geordneter ab, denn der Säugling kann Laute und Silben von den Eltern o.ä. nachahmen. Das Gehör wird jetzt deutlicher ausgebildet. Es stellt nun das Fundament für das Sprachverständis dar, da das Kind auf bereits bekannte Worte hört und reagieren kann, z.B. seinen Namen. Das dritte Vierteljahr, die von Richter (1984) beschriebene Periode des Wortverständnisses, zeichnet sich durch die Nachahmung und die Wiederholung der gesprochenen Worte der Eltern aus. Zunächst sind dies nur Laute, weiter folglich aber auch schon ganze Wörter, z.B. Mama oder Papa. Die Sehkraft spielt hierbei eine wichtige Rolle, da die Bewegungsabläufe des Mundes der Eltern nachgeahmt oder auch ein gezeigter Gegenstand, mit gleicher Aussprache des Wortes zugeordnet werden kann.

Ab dem zweiten und dritten Lebensjahr, dem Kleinkindalter, erfolgen nach Richter (1984) die ersten richtigen Worte des Kindes. Dieses Kleinkindalter unterteilt der Autor auch wieder in drei Episoden. In der ersten Phase (1 - 1,5 Jahre) ist der Einwortsatz ausschlaggebend, dies bedeutet laut Richter (1984), dass das Kind einen ganzen Kontext, also einen Satz, in nur einem Wort zusammenfassen und sich damit verständigen kann. Dieses verarbeitete Wort lässt sich dann wieder in anderen Zusammenhängen wiederfinden, es wird als Oberbegriff genommen. Am Ende dieser Phase kann das Kind seine eigenen Gedanken mit Worten ausdrücken.

In der nächsten Phase, die ca. ab 1,5 - 2 Jahren erfolgt, sind nach Richter (1984) die Zwei- und Dreiwortsätze prägend. Es folgt zu dem ersten abgespeicherten Wort ein oder zwei weitere Worte, mit welchen das Kleinkind einen Kontext näher beschreiben kann. Nun treten auch die ersten Fragen in den Vordergrund, wobei das Kind hierbei den jeweiligen Gegenstand o.ä. erklärt haben möchte. Die letzte Episode erfolgt ab dem dritten Lebensjahr. Die schnellste entwickelte Phase steht nun bevor, daher nennt Richter (1984) diese die stürmische Sprachentwicklung. Das Kleinkind kann sich mit Mehrwortsätzen ausdrücken, wobei weder Satzstellung noch Satzbau korrekt ist, es ist eher als eine Art Zusammenwurf der Worte zu betrachten. Es beginnt zudem die Zeit des Stammelns, eine unkorrekte Ausdrucksweise der Laute.

Das letzte nach Richter (1984) aufgeführte Entwicklungsalter erfolgt als jüngeres Vorschulkind, ab dem vierten und fünften Lebensjahr. Im vierten Lebensjahr steht eine spezielle Fragestellung im Mittelpunkt, die Warum-Frage. Das Kind beschäftigt sich immer mehr mit der Umwelt, wodurch unklare Dinge entstehen, die das Kind kennen möchte. Hierbei entwickeln sich die Zusammenhänge im Gedächtnis des Kindes gemäß Richter (1984) stark. Zudem entfalten sich nicht nur die Kontexte des Gesprochenen, sondern es kommt auch mehr Struktur in die Worte des Kindes, z.B. werden die Laute deutlicher und korrekter ausgedrückt. Mit fünf Jahren lernt das Kind grammatikalisch richtig zu sprechen. Dementsprechend hält Richter (1984) am Ende fest, dass das Kind, jetzt fast in der Grundschulreife angekommen, seine Gedanken o.ä. korrekt ausdrücken kann und die grundlegenden Grammatikregeln, wie z.B. den Satzbau, beherrscht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hauptaltersgruppe, die prägnant für die frühe Sprachentwicklung ist, zwischen ein und fünf Jahren ist. Sprache wird nach Richter (1984) stark von den Umwelteinflüssen und den zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. Nur durch die Entwicklung der Sprache kann auch ein zusammenhängender Gedanke im Gehirn des Kindes abgespeichert werden, es entsteht das Gedächtnis (Richter, 1984). Somit stehen das Denken und die Sprache im gegenseitigen Verhältnis zueinander, die Sprachentwicklung ist abhängig von der geistigen Entwicklung und andersherum (W. & J. Butzkamm, 2008). Auch erwähnten W. und J. Butzkamm (2008), dass die körperliche Entwicklung, in Bezug auf die Anatomie des Stimmtrakts, vorauszusetzen ist. Nur wenn der Stimmtrakt geschaffen ist, kann ein Kind die ersten Laute hervorbringen.

2.2 Wie lernen Kinder mit dem Down-Syndrom das Sprechen?

Zunächst lässt sich der Begriff des Down-Syndroms, auch Trisomie 21 genannt, erklären. Es handelt sich um einen Gendefekt, bei denen die Betroffenen 47 statt normalen 46 Chromosomen in ihrem Erbgut haben (Zimpel, 2016). Der Name entstand nach Aussage des Autors durch die wissenschaftliche Erkenntnis, dass das 21. Chromosom drei Mal vorhanden ist, wodurch auch insgesamt 47 Chromosomen vorhanden sind. Dies ist laut Zimpel (2016) auf das frühe Jahr 1959 zurückzuführen, in welchem der Kinderarzt Jérôme Lejeune, eine Studie veröffentlichte, die die ersten Erkenntnisse der Kinder mit DS brachte. Durch das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms haben die Betroffenen deutliche Abweichungen der normalen genetischen Entwicklung (Wilken, 2008). Das 21. Chromosom, welches eines der kleinsten Zellen ist und die Erbinformation trägt, ist nach Aussage der Autorin u.a. durch ein Zellenzym überproduziert. Dadurch entstehen viele Veränderungen und Einschränkungen der vorgeburtlichen sowie der nachgeburtlichen Entwicklung bei den Betroffenen (Wilken, 2008). Es gibt verschiedene Arten des Gendefektes und dementsprechend unterschiedliche Ausprägungen, auf die aber nicht weiter eingegangen werden muss, da die fehlende Sprachentwicklung in dem Fall des DS-Kindes fast immer gleich voranschreitet (Wilken, 2008).

Nach Zimpel (2016) haben die Kinder mit dem DS nicht nur ein leichteres Gehirn, im Gegensatz zu Kindern ohne DS, sondern auch ein kleineres Frontal-, Temporal- und Kleinhirn. Der Autor führt in diesem Zusammenhang auf, dass Kinder mit DS leider oft unterschätzt werden, dies ist damit zu begründen, dass Kinder mit DS nur einen IQ von 35-70 haben (Grimm, 2012). Welche genauen Einschränkungen so eine Art des Gendefektes mit sich bringen kann und welche Auswirkungen das auf die Sprachentwicklung des Kindes hat, darauf wird im Folgenden näher eingegangen.

Kinder mit einem geistigen Rückstand haben auch meist eine eingeschränkte Entwicklung im Sprechen vorzuweisen (Richter, 1984). Wenn ein Kind am Ende des zweiten Lebensjahres noch wenig Worte sprechen kann, wird offiziell von einer Sprachverzögerung oder Sprachstörung gesprochen (Richter, 1984).

Die meist zuerst auffallende Beeinträchtigung der Kinder mit dem DS ist der Gehörsinn (Giel, 2015). Es kann schon sehr früh (kurz nach der Geburt) bei Kindern mit DS zu Mittelohrentzündungen kommen, dabei sammelt sich Sekret hinter dem Trommelfell, im Ohr. Da Kinder mit DS eine sehr geringe Schmerzgrenze haben, zeigen sie die Probleme meist nur sehr spät. Bleibt dieses Sekret eine längere Zeit im Ohr, hört das Kind alle Töne oder Laute eingedämpft, wie durch Watte. Es besteht dann die Gefahr der Hörstörung, auch Schallleitungsstörung genannt, da die Schallreize nur noch vereinzeln an den Hörnerv, welcher die Reize an das Gehirn zur Verarbeitung weitergibt, angelangen können (Giel, 2015).

Im weiteren Verlauf erklärt Giel (2015) zwei Defizite, die bei Kindern mit dem Down-Syndrom auftreten und u.a. die Sprachentwicklung beeinträchtigen können. Eine Ausspracheeinschränkung sorgt dafür, dass Kinder mit DS nur sehr unklar oder undeutlich Laute sprechen können, wie z.B. das „ato“, „Auto“ bedeuten soll (Giel, 2015, S.17). Als zweiten Punkt nennt Giel (2015) die sogenannte Wortschatzentwicklung, die bei Kindern mit DS gehemmt ist. Meist sprechen Kinder mit DS ihre ersten 50 Worte zwischen 3,5 – 6 Jahren, also spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung (s.o. S.5 f.). Hierbei geht Giel (2015) auch wieder auf die individuelle Entwicklung eines jeden Kindes ein, denn dies sind nur Durchschnittswerte. Auch ein Kind ohne das DS kann eine eingeschränkte Sprachentwicklung aufweisen oder aber ein Kind mit einer Behinderung, wie z.B. dem Down-Syndrom, ein geschwätziges Kind werden, aber andere Entwicklungshemmungen zeigen (Richter, 1984). Insgesamt ist zu sagen, dass die sprachlichen Fähigkeiten eines Menschen mit DS nicht die Altersgrenze von ca. vier bis fünf Jahren überschreiten (Grimm, 2012).

Nachfolgend ist nach Schaner-Wolles (2000) aufzuweisen, dass es bei Kindern mit DS zwischen der Sprachproduktion und dem Sprachverständnis Unterschiede gibt. Das Sprachverständis wächst neben der kognitiven Entwicklung stets weiter, während die Sprachproduktion auf einem Stand stehen bleibt. Oft weisen die Kinder mit DS Defizite in der Syntax (Satzlehre) auf, wobei laut Schaner-Wolles (2000) einige Autoren die Wichtigkeit nicht auf den Satzbau legen, sondern auf die Silbenaussprache. Je älter ein Kind mit DS wird, desto weniger kann es zu der Grammatik dazu lernen (Schaner-Wolles, 2000).

Anschließend geht Schaner-Wolles (2000) auf diese wichtigen Punkte näher ein, die zu einer Beeinträchtigung der Sprachentwicklung bei Kindern mit DS führen können. Die schon bereits erlernte Lallperiode hält bei Kindern mit DS deutlich länger an, meist bis zum Alter von zwei bis drei Jahren. Dabei beruht sich der Autor auf Studien von Smith und Oller (1981) sowie Smith und Stoel-Gammon (1996). Das Lallen kann aber auch, nach einer Analyse von Van Borsel (1988), bis in das Erwachsenenalter hinein gehen. Schaner-Wolles (2000) erwähnt als zugrunde liegende Faktoren der erschwerten Aussprache bei Kindern mit DS die Probleme bei der Kontrolle der Artikulationsmotorik. Hierbei lassen sich anatomischen Defizite bei Kindern mit DS aufführen. Kinder mit DS haben einen kleinen Mund, dagegen aber eine große Zunge, wodurch ein starker Speichelfluss entstehen kann, sowie einen zu hohen Kehlkopf (Grimm, 2012).

Nicht nur die erste Lallperiode hält nach Schaner-Wolles (2000) bei Kindern mit DS länger an, sondern auch das erste Wortverständnis und das erste Sprechen von richtigen Wörtern. Hierbei ist die eingeschränkte Wortschatzentwicklung von Giel (s. S.8) zu erwähnen. Jüngere Kinder mit DS können ihren Wortschatz nach Schaner-Wolles (2000) nicht früh erweitern, sondern wenn überhaupt erst im Jugend- bzw. Erwachsenenalter. Als Begründungsfaktor legt Schaner-Wolles (2000), hier nach Chapman, Miller, Sindberg und Seung, (1996) geleitet, den erschwerten Hörsinn, da neue Worte nicht richtig wahrgenommen werden können (s.o., S. 7). Wie bereits nach Schaner-Wolles (2000) aufgeführt, ist die Grammatik bei Kindern mit DS zurückgeblieben, dabei geht der Autor nochmals deutlich auf die erschwerte Wortbildung ein, denn ohne ein gebildetes Wort und einen darauf entstehenden Satz, kann auch keine richtige Grammatik erlernt werden. Zu den Aufbauten von Wortformen weist Schaner-Wolles (2000) auf, dass dies auch bei älteren Betroffenen des DS vorkommen kann, denn meist können sie keine Zusammenhänge oder Unterschiede zwischen Wörtern bilden. Auf die Grammatik bezogen zeigt Schaner-Wolles (2000) auf, dass die meisten Einschränkungen z.B. beim Bilden der Dativ- und Akkusativformen bei Verben liegen oder das ein Subjekt und ein Verb als selbes Wort verwendet werden. Als letztes führt Schaner-Wolles (2000) auf, dass die Kommunikation bei Kindern mit DS deutlich fortgeschrittener ist, im Gegensatz zum eigenen Wortschatz z.B. (s.o.). Sie können Erlebtes wiedergeben, jeweils auf ihre eigene Art und Weise. Hierbei verdeutlicht Schaner-Wolles (2000) wiederrum, dass auch bei den Nacherzählungen meist kein Zusammenhang entweder zwischen dem Erlebten und dem Erzählten oder den Worten selbst besteht. Zusammenfassend sagt Schaner-Wolles (2000), dass jedes Kind mit DS einmalig entwickelt ist, es gibt keinen Typen, der auf alle Betroffenen gleichermaßen zutrifft, speziell auf die Sprachentwicklung bezogen.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sprachentwicklung bei Kindern. Wie erlernen Kinder mit Down-Syndrom das Sprechen?
Hochschule
Europäische Fachhochschule Brühl
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V513202
ISBN (eBook)
9783346104908
ISBN (Buch)
9783346104915
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachentwicklung, kindern, kinder, down-syndrom, sprechen
Arbeit zitieren
Alicia Behrend (Autor), 2018, Sprachentwicklung bei Kindern. Wie erlernen Kinder mit Down-Syndrom das Sprechen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513202

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