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Kritik und Utopie des Queeranarchismus

Queer- und postanarchistische Subjektkonstitution und Ontologie

Titel: Kritik und Utopie des Queeranarchismus

Seminararbeit , 2019 , 23 Seiten , Note: 1

Autor:in: Josef Muehlbauer (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Viele Akademiker*innen wie Pauline Bader (2011), Ulrich Brand (2009) und Alex Demirović (2013) konstatieren eine multiple Krise. Diese besteht aus einem interdependenten Verhältnis zwischen ökonomischer (kapitalistische Akkumulation), ökologischer (klimatische Selbstzerstörung) und u.a. einer politischen (Demokratie-)Krise.

Vom Aufstieg rechtspopulistischer, fundamentalistischer und rückwärtsgewandter Bewegungen und Parteien bis hin zu einer Diplomatie der Sanktionen und einer weltweiter Militarisierung materialisieren sich diese Krisensymptome, bzw. Herrschaftsverhältnisse auch in konkreten Formen. Als falsche Lösung wird von konservativer Seite u.a. das „malthusian couple“ (Foucault), also stereotypische Familien- und Rollenbilder angeboten. Doch die bestehenden Probleme, Klischees und negativen Tendenzen haben auch positive Seiten. Zum einen helfen sie uns über bestehende Macht- und Herrschafts-, sowie Geschlechterverhältnisse und über Annahmen die für „gegeben wahrgenommen werden“ kritisch nachzudenken. Zum anderen sind Krisenzeiten ein guter Nährboden für Utopien und somit für alternative Gesellschaftsmodelle bzw. antihegemoniale Gegenräume.

Damit sind im Grunde schon zwei, nämlich das Konzept der Kritik und das Konzept der Utopie angesprochen worden, die fundamental sind für postanarchistische und queerfeministische Theorien. Genau diese theoretischen Strömungen, so meine These, bleiben nicht bei einer radikalen Kritik stehen, sondern öffnen Perspektiven für mögliche Alternativen und Gegenräume die jenseits von Geschlechter- und Herrschaftsverhältnisse fungieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsfrage

Fragestellung und methodologische Vorgehensweise

Wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz

2. Begriffsbestimmungen

Queer(-anarchismus)

(Post-)Anarchismus

Utopien

3. Radikale Kritik als Öffnung utopischer Horizonte

Radikale Kritik an staatlicher Subjektkonstitution

Mut zur (Selbst-)Kritik

Radikale Kritik als kognitive Landkarte

4. Utopische Gegenräume: Relationale Subjektkonstitution und Ontologie

Positionalität und Wechselseitigkeit

(Kollektive) Selbstbestimmung statt politische Repräsentation

Utopische Gegenräume I: RQSP und präfigurative Politik

Utopische Gegenräume II: Queeruption, Free Skools, Reziproke Ethik und Antihegemonie

5. Conclusio

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das utopische Potenzial des Queeranarchismus und analysiert, wie dieser durch die Verbindung von postanarchistischen und queerfeministischen Ansätzen bestehende Geschlechter- und Herrschaftsverhältnisse dekonstruieren sowie neue, herrschaftsfreie Handlungsspielräume eröffnen kann.

  • Analyse des Zusammenhangs zwischen Kritik und Utopie im postanarchistischen Denken.
  • Untersuchung der relationalen Subjektkonstitution als Alternative zu essentialistischen Identitätsmodellen.
  • Hinterfragung staatlicher Subjektivierung und deren intersektionaler Verflechtung mit Kapitalismus und Heteronormativität.
  • Darstellung konkreter utopischer Gegenräume wie Queeruption, Free Skools und des Richmond Queer Space Projekts (RQSP).
  • Konzeptualisierung von präfigurativer Politik und reziproker Ethik als Mittel für emanzipatorisches Handeln.

Auszug aus dem Buch

Radikale Kritik als kognitive Landkarte

Da die repräsentative Demokratie (Habermann 2009), der Nationalstaat (Haberler et al. 2012), die kapitalistische Produktionsweise (Voß & Wolter 2013) und die heteronormative Matrix (Butler) dekonstruiert werden, müssen im queeren und im postanarchistischen Denken und Handeln neue antihegemoniale Gegenräume geschaffen werden (Holloway 2002, Nicholas 2009, 2014). Wie schon in Kapitel 2 gezeigt wurde, enthalten queere und postanarchistische Ansätze utopische Elemente, da sie als verfasste Alternativen zum gesellschaftlichen Ist-Zustand zu verstehen sind und somit gegenwärtige Macht- und Herrschaftsverhältnisse transzendieren (vgl. Kap. 2). Doch worin genau liegt der utopische Horizont in der bisher beschriebenen Kritik des Queeranarchismus? All das bis hierher beschriebene dient als Kontrastfolie und als horizontale Linie, die einerseits den realpolitischen Status quo abbildet und andererseits als Abgrenzung (als Negation) von queeren- bzw. postanarchistischen Gesellschaftskonzeptionen zu verstehen ist. Die Kritik kann als „kognitive Landkarte“ unserer gesellschaftlichen Situation angesehen werden. Mit dieser Landkarte lässt sich die Lücke zwischen der individuellen Positionalität einerseits und der systemischen „Totalität“ von Macht- und Herrschaftsverhältnissen andererseits teilweise schließen (vgl. Toscano & Kinkle 2015). Diese Landkarte kann auch als kritische Kartografie dienen, da sie einen Raum des Politischen absteckt, der über Staat(lichkeit) hinausweist und ein komplexes und weit gefächertes Netz politischer Orte bzw. Dimensionen des Politischen aufspannt (Bargetz 2016: 39). Dieses kritische mind mapping ist kein Zustand des Träumens oder des Wunsches, sondern stets ein Teil von dem radikalen Modus der Kritik und einer utopischen queerfeministischen Wissensproduktion. Analog verhält es sich mit der Sprache.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Forschungsfrage: Diese Einleitung führt in die multiple Krise ein und leitet aus der Kritik an bestehenden Herrschaftsverhältnissen die zentrale Forschungsfrage nach dem utopischen Potenzial des Queeranarchismus ab.

2. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen wie Queeranarchismus, Postanarchismus und Utopie, um die Basis für die weitere Analyse zu schaffen.

3. Radikale Kritik als Öffnung utopischer Horizonte: Hier wird die Rolle der radikalen Kritik als Werkzeug untersucht, um hegemoniale Strukturen der Subjektkonstitution zu hinterfragen und als "kognitive Landkarte" für utopisches Denken zu dienen.

4. Utopische Gegenräume: Relationale Subjektkonstitution und Ontologie: Dieses Kapitel befasst sich mit der Umsetzung von Theorie in die Praxis und stellt anhand konkreter Beispiele dar, wie relationale Subjektivität und präfigurative Politik in Gegenräumen gelebt werden.

5. Conclusio: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass das utopische Potenzial des Queeranarchismus untrennbar mit dem radikalen Modus der Kritik verbunden ist.

Schlüsselwörter

Queeranarchismus, Postanarchismus, Utopie, Subjektkonstitution, Radikale Kritik, Präfigurative Politik, Heteronormativität, Relationale Ontologie, Reziproke Ethik, Antihegemonie, Geschlecht, Repräsentation, DIY, Machtverhältnisse, Queerfeminismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem utopischen Potenzial des Queeranarchismus als politischer Theorie und Praxis, welche Geschlechter- und Herrschaftsverhältnisse hinterfragt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themenfelder sind die Verschränkung von postanarchistischen und queerfeministischen Theorien, die Kritik an staatlicher Subjektivierung sowie die Untersuchung von praktischen utopischen Gegenräumen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit verfolgt die zentrale Forschungsfrage: „Worin besteht das utopische Potential des Queeranarchismus?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die methodische Vorgehensweise stützt sich auf die Verbindung von poststrukturalistischen, postanarchistischen und queerfeministischen Ansätzen, um Machtstrukturen zu dekonstruieren und eine relationale Ontologie aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die radikale Kritik an der staatlichen Subjektkonstitution, die Bedeutung des "Werdens" für das Subjekt sowie die praktische Umsetzung utopischer Politik in Räumen wie dem Richmond Queer Space Projekt oder durch das DIY-Prinzip.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Queeranarchismus, radikale Kritik, Subjektkonstitution, relationale Ontologie, präfigurative Politik und antihegemoniale Gegenräume.

Wie unterscheidet sich der Queeranarchismus laut Autor von klassischen anarchistischen Modellen?

Der Autor argumentiert, dass der Queeranarchismus die "klassische" anarchistische Tradition um eine radikale Kritik an essenzialistischen Geschlechterkategorien und der heteronormativen Matrix erweitert.

Warum wird das Prinzip der "politischen Repräsentation" im Queeranarchismus kritisch gesehen?

Die Repräsentation wird abgelehnt, da sie voraussetzt, dass das Subjekt (z.B. "die Frau") fest definiert ist; dies widerspricht dem queer-theoretischen Verständnis von Identität als fluidem und kontingentem Prozess.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kritik und Utopie des Queeranarchismus
Untertitel
Queer- und postanarchistische Subjektkonstitution und Ontologie
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
MA 8: Geschlecht und Politik
Note
1
Autor
Josef Muehlbauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V513213
ISBN (eBook)
9783346105059
ISBN (Buch)
9783346105066
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender Politikwissenschaft Master Queer Feminismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Josef Muehlbauer (Autor:in), 2019, Kritik und Utopie des Queeranarchismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513213
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Leseprobe aus  23  Seiten
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