Männer in der Sozialen Arbeit. Identität, Persönlichkeitsbildung und professionelle Haltung


Fachbuch, 2020

71 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary

Abbildungsverzeichnis V

1 Einleitung
2 Konstruktion
2.1 Definition von Konstruktivismus
2.2 Männliche Sozialarbeiter

3 Soziale Arbeit
3.1 Berufsverständnis Soziale Arbeit
3.2 Professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit
3.3 Wirksamkeit in der Sozialen Arbeit

4 Männliche Identität als Sozialarbeiter in der Sozialen Arbeit
4.1 Entwicklung einer männlichen Identität
4.2 Bedeutung für den männlichen Sozialarbeiter in der Sozialen Arbeit

5 Männliche Identität in der Sozialen Arbeit entwickeln
5.1 Angebote zur männlichen Identitätsentwicklung als Sozialarbeiter
5.2 Wie viel Fachlichkeit steckt in den Angeboten zur Entwicklung der männlichen Identität in der Sozialen Arbeit?
5.3 Ist eine Entwicklung möglich und notwendig?

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Executive Summary

Die vorliegende Bachelorarbeit hat sich mit der Auswertung von Literatur sowie mit Praxisbeispielen anhand der Fragestellung Welche Auseinandersetzungen mit der eigenen Persönlichkeit sind fundamental für einen Mann als Sozialarbeiter für sein sozialarbeiterisches Handeln? deskriptiv beschäftigt.

Diese diskursive Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis bildet einen pionierhaften Charakter, da diese Fragestellung in der Bundesrepublik Deutschland bisher nicht theoretisch oder empirisch bearbeitet und untersucht wurde.

Wissenschaftliche Zugänge über Konstruktivismus, Männlichkeit, Soziale Arbeit, Professionelle Haltung, Wirksamkeit und Identität bilden ein repräsentatives Bild über ein hochspannendes sowie komplexes, wissenschaftliches Feld zu der Bachelorthesis Männliche Sozialarbeiter – Konstruktion von Identität und professioneller Haltung ab.

Mitunter konnte als eines von sieben wesentlichen Ergebnissen festgestellt werden, dass ein männlicher Sozialarbeiter in der Sozialen Arbeit als fundamentalstes Merkmal in der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit ein reflektierter, emotional zugänglicher Mann sein sollte. Dies sollte ungeachtet von weiblich oder männlich konturierten Zuschreibungen, der Perspektive seiner Selbst und derer anderer empathisch betrachtet und bewertet werden. Zugleich ist es wichtig, sich selber positionsstark und der menschlichen Umwelt gegenüber prozesshaft begegnen zu können.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sozialwesen. Erwerbstätige und sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2019: S. 99)

Abbildung 2: Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit (Holdenrieder 2017: S. 15)

Abbildung 3: Was Sozialarbeiterinnen täglich so stemmen (ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft 2015)

Abbildung 4: Oberste Prinzipien der Sozialen Arbeit. (Deutscher Berufs-verband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S. 27)

1 Einleitung

In der Bachelorarbeit handelt es sich um Menschen1und deren Auseinandersetzungen mit der Persönlichkeit. Besonders soll die Berufsgruppe der männlichen Sozialarbeiter thematisiert werden. Es zeigte sich bei der Formulierung der Fragestellung, dass ein breites Spektrum abgedeckt werden muss, um durch eine Annäherung der vielfältigen, wissenschaftlichen Bezüge ein repräsentatives Bild durch die BachelorthesisMännliche Sozialarbeiter – Konstruktion von Identität und professioneller Haltungherstellen zu können.

Aufgrund dessen stellte sich zugleich die Herausforderung, aus welcher Perspektive die Thesis betrachtet und verstanden werden soll?

Im Zeitalter von Gender und einer feministischen Entwicklungskultur scheint die explizite Auseinandersetzung mit dem männlichen Geschlecht eher zu verblassen und keinerlei Relevanz zu haben. Möglicherweise wurde bereits über Männer alles gesagt und erforscht, sodass jedem Menschen klar ist, was Mann und Frau ist.

Gefolgt von öffentlichen Debatten darüber, dass es beispielsweise mehr Männer in der Sozialen Arbeit geben soll. Hier wird im Elementarbereich der Aufruf lauter, dass es mehr männliche Erzieher in Kindergärten geben soll.

Des Weiteren scheint ein öffentliches Meinungsbild über die Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind, verzerrt zu sein. Was macht, weitergedacht, den wirklichen Unterschied in der Arbeit aus, obwohl eben alle mit Menschen zusammenarbeiten? Sind nicht Kindergärtner, Erzieher und Sozialarbeiter dasselbe?

An dieser Stelle ist entschieden und mit einem großen Nein zu antworten. Beiläufig zu erwähnen ist, dass die Berufsbezeichnung Kindergärtner seit 1967 überholt ist (vgl. Janssen 2011: S. 13). All diese Debatten, Vorurteile, Meinungen und undifferenzierten Blickwinkel könnten weitere Seiten füllen.

In der vorliegenden Bachelorarbeit geht es hauptsächlich um eine viel zu selbstkritische Profession und deren Aufwertung. Zugleich geht es um ein bejahendes Arbeitsfeld, in dem es sich sehr lohnt, die männlichen Sozialarbeiter in den Vordergrund zu stellen, sich deren Perspektiven anzusehen und eine männliche Kultur von Denken, Fühlen und Handeln kennenzulernen.

Entscheidende Beweggründe, diese Arbeit zu schreiben, waren folgende Gedanken, formuliert in Fragen: Was fehlt dem einen oder anderen Mann, dass er sich nicht völligst selbstbewusst und souverän als Mann sowie als männlicher Sozialarbeiter behaupten kann? Fehlt ihm überhaupt etwas? Oder ist er beispielsweise ideenlos. Besitzen viel mehr männliche Sozialarbeiter gar keine Identifikation mit ihrer Persönlichkeit oder wollten sie sich nicht mit einer Identitätsentwicklung auseinandersetzen?

Schlussendlich bildete sich folgende Fragestellung für die Bachelorarbeit:

Welche Auseinandersetzungen mit der eigenen Persönlichkeit sind fundamental für einen Mann als Sozialarbeiter für sein sozialarbeiterisches Handeln?

Es liegt ein sehr vielschichtiges und komplexes Gefüge von unterschiedlichsten theoretischen Zugängen vor, welches ein umfassendes sowie ansprechendes Bild von männlichen Sozialarbeitern abbilden soll. Die Würdigung und Wertschätzung gegenüber männlichen Sozialarbeitern sind Motivation und Antreiber zugleich, einen bunten Entwurf von Mann-Sein im Kontext als Sozialarbeiter in dessen Arbeitssetting der Sozialen Arbeit beschreiben und ausführen zu können.

Im Kapitel 2 Konstruktion werden Begrifflichkeiten und Perspektiven definiert. Der erste Schritt ist eine Annäherung, zu verstehen und aus unterschiedlichsten Betrachtungskontexten abzuleiten, wer oder was Konstruktivismus ist. Mit diesem Abbild einer geschaffenen Wahrnehmung wird weiter ausgeführt, was, beispielsweise, grundlegend einen Sozialarbeiter ausmacht. Zu welcher Berufsgruppe gehören eben diese und was sind mögliche Arbeitsfelder sowie –aufgaben, gekennzeichnet von charakterlichen Eigenschaften eines Sozialarbeiters? Abschließend wird sich daraufhin mit einem Verständnis von Männlichkeit beschäftigt. Welche Eigenschaften werden einem Mann z.B. zu- oder abgesprochen? Zusammenfassend gibt es ein Grundverständnis von eben dieser und weiteren Wirklichkeiten in Bezug auf männliche Sozialarbeiter und eine erste Stellungnahme.

Weiter aufbauend wird in Kapitel 3 Soziale Arbeit ein Berufsverständnis der Sozialen Arbeit abgebildet. Immer im Diskurs stehend zu Kapitel 2. Des Weiteren werden ausschnitthaft erste, handlungsorientierte sowie praxisnahe Bezüge hergestellt. Diese werden durch ein Bild von professioneller Haltung komplementiert. Unter anderem wird sich mit der Frage befasst, wofür diese gut ist und wem oder was eben diese nützt. So kann sich im nächsten Schritt der Wirksamkeit und den wirkungsvollen Mechanismen eines männlichen Sozialarbeiters weiter angenähert werden. Das Kapitel 3 steht im Dialogischen Prinzip zueinander und greift jeweils die genannten Elemente von Berufsverständnis, Professioneller Haltung und Wirksamkeit auf. Mit diesem Betrachtungsverständnis und den Inhalten aus Kapitel 2 wird immer wieder, sequenzweise, Bezug zur Fragestellung der Bachelorarbeit genommen.

Besonders intensiv wird sich im Kapitel 4 Männliche Identität als Sozialarbeiter in der Sozialen Arbeit mit der Entwicklung und der Bedeutung von einer männlichen Identität für den männlichen Sozialarbeiter in der Sozialen Arbeit auseinandergesetzt. Hier wird erläutert, was unter einer Identität verstanden wird und zugleich, wie eine mögliche männliche Identitätsentwicklung gestaltet und betrachtet werden kann. Die wesentlichen Elemente aus den Kapiteln 2 und 3 fließen fort weg mit ein und es entsteht ein ganzheitlicheres Bild. Des Weiteren wird die Bedeutung für den männlichen Sozialarbeiter mit weiteren Praxisbeispielen untermauert. In diesem Kapitel werden wesentliche Antworten auf die Thesis-FragestellungWelche Auseinandersetzungen mit der eigenen Persönlichkeit sind fundamental für einen Mann als Sozialarbeiter für sein sozialarbeiterisches Handeln?belegt und dargestellt.

Das Kapitel 5 Männliche Identität in der Sozialen Arbeit entwickeln beschäftigt sich mit praxisorientierten Konzepten für z.B. Fortbildungen zur Identitätsbildung. Hier werden Antworten darauf gefunden, ob überhaupt solche Angebote in der Bundesrepublik Deutschland existieren und wie der Theorie-Praxis-Transfer zu den Kapiteln 2, 3 und 4 geschaffen werden kann. Weiterführend gibt es Auswertungen, inwiefern eben diese Ideen von Angeboten fachlich versiert sind und ob sie eben, vollumfänglich, den wissenschaftlichen Erkenntnissen für eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit als männlicher Sozialarbeiter gerecht werden oder nicht. Des Weiteren wird eine kritische sowie positive Annahme bei der Fragestellung, ob eben diese Entwicklung möglich und notwendig sei, ausgeführt.

Im letzten Kapitel 6 Fazit werden zum einen die sieben wesentlichen Ergebnisse der Fragestellung aus der vorliegenden Bachelorarbeit beschrieben und aufgeführt. Auf der anderen Seite werden die möglichen Folgen einer fehlenden Identitätsbildung als männlicher Sozialarbeiter abgebildet, sodass weitere Ausblicke auf die empirische sowie der handlungsorientierte Vorgehensweise empfohlen und dargestellt werden.

2 Konstruktion

Konstruktion ist ein Begriff aus dem technisch-pragmatischen Sektor. Es beschreibt ein Gerüst, eine Bauart, z.B. für eine Maschine und befasst sich mit den Fragen, wie diese beschaffen und aufgebaut sind und mit welchem technischen Verständnis sich eine Maschine reguliert. In der Bachelorarbeit geht es um Menschen und vielmehr um die Wirklichkeit derer. Folgendes Zitat soll verdeutlichen, was unter Wirklichkeit verstanden wird:

„Wirklichkeit – wenn dieser Begriff überhaupt einen Sinn haben kann – ist die Welt, die wirerleben; sobald wir aber über die Wirklichkeit sprechen, ergänzen wir empirische2Erfahrungen durch zahlreiche Deutungen, mit denen wir das erkannte Ganze auslegen, das auf diese Weise immer mehr ist, als die Summe der realen Erfahrungen. Hinter ´der Wirklichkeit´ verbirgt sich einInterpretationskonstrukt.“ (Jensen 1999: S. 27f)

Um dieser Definition zu folgen, bleibt offen, inwiefern die eigens geschaffene Wirklichkeit nach außen zu transportieren ist. Vielmehr stellt sich die Frage, wie es einem Menschen gelingen kann, seiner Außenwelt mitzuteilen, dass sein selbst geschaffenes Konstrukt von Wirklichkeit sichtbar wird? So bleibt zu überprüfen, ob im Weiteren zwischen Wirkung und Wirksamkeit differenziert werden muss.

Bei Wirksamkeit geht es um die tatsächliche Wirkung, also, wie effektiv und effizient beispielsweise das Handeln eines Menschen ist. Hierzu definieren Macsenaere und Esser: „Die Bezeichnung Wirkung zielt auf das Verhältnis eines Impulses zu einem Zustand vor Eintreten des Impulses. (…) Wirkung ist damit als das Resultat eines durch einen ursächlichen Impuls hergestellten bzw. sichtbar gemachten Kausalzusammenhangs anzusehen.“ (Macsenaere & Esser 2015: S. 12)

Häufig wird in diesem Zusammenhang ebenfalls von Nutzen im weiteren Sinne gesprochen. Wem oder was hat die ausgeführte Handlung genutzt? Dem Menschen selber oder einem zweckgebundenen Dritten, wie z.B. anderen Personen, Zielsetzungen?

Es gilt jederzeit abzuwägen und zu differenzieren, mit welcher Intention oder Motivation Wirklichkeit und Wirksamkeit verstanden werden. Ebenso aus welcher Perspektive diese gesehen, beobachtet und bewertet werden.

Für ein erstes Verständnis von Konstruktivismus, abgeleitet von dem Begriff Konstruktion, definiert Kersten Reich sehr treffend drei Elemente als Unterscheidungsperspektiven in der Didaktik, welche auf der Metaebene sinnvoll anwendbar sind. Der Autor spricht von der Konstruktion, durch die der Mensch den höchsten Grad an Selbstbestimmung und Selbstwert durch sein Handeln erlangt. Zu berücksichtigen ist der Blick auf die Beziehungen zu uns und dem Gegenüber sowie die Gefühlsebene, welche einen starken Einfluss auf die eigene Wahrnehmung hat. Mit dieser Betrachtungsweise kommt die Rekonstruktion ins Spiel, welche den elementaren Baustein einfließen lässt, dass sich unsere Wirklichkeit nur verändert, indem wir diese akzeptieren und immer wieder neu entdecken. Dies kann durch eine Form der Selbsttätigkeit gelingen, in der ein Zusammenspiel von Einsicht und aktivem Nachgehen existiert. Abgerundet wird es durch die Dekonstruktion, welche wachsam durch kritisches Hinterfragen und Betrachten der Selbst- sowie Fremdwahrnehmung dazu führt, dass die Parameter als lebendig und wachsend entwickelt werden können (vgl. Kersten Reich 2006: S. 138-141).

Vielmehr geht es um ein tieferes Verstehen einer Wirklichkeit und zugleich um die eigene Wirksamkeit in seinem Betrachtungsverständnisses. Um ein ganzheitlicheres Bild von Konstruktivismus zu erhalten, werden nachfolgend weitere Definitionen und Erläuterungen beschrieben.

2.1 Definition von Konstruktivismus

Den Mittelpunkt von Konstruktivismus bildet das Verhältnis von Wissen und Wirklichkeit ab (vgl. Jensen 1999: S. 26). Insoweit, „… wie sich Wissen über die Wirklichkeit zu eben dieser Wirklichkeit verhält …“ (ebd.) oder ob sich das Wissen durch Beobachtungen generieren lässt (vgl. ebd.).

Es zeichnet sich weiter ab, dass ein zentrales Merkmal von Konstruktivismus eine Form von tiefergehender Reflektion ist, ein bewusstes Auseinandersetzen mit sich als Person in Bezug zu seiner eigenen Wirklichkeit. Hier geht es um das Wissen über Antworten z.B. auf die Fragen: Wie bin ich als Mensch gestrickt? Wann verhalte ich mich wo und wie? Wieso tue ich das, was ich tue? Dem nachzugehen ist als Mensch keine leichte Aufgabenstellung. Um einen wissenschaftlichen Bezug zu Wissen im Kontext von Wirklichkeit herzustellen, beschreibt Jensen:

„Wissen und Wirklichkeit[.] Der [sic!] Verhältnis von Wissen und Wirklichkeit wird vor allem vom >>neuen Konstruktivismus<< reflektiert … . (…) Wie entsteht und worauf bezieht sich das Wissen, das Wissenschaft liefert? (…) Gefragt wirderstensnach dem Aufbau der Wirklichkeit:Was existiert? – eine Frage derOntologie3. Gefragt wirdzweitensnach der Möglichkeit von Erkenntnis:Was können wir wissen? – eine Frage derEpistemologie4. Zu diesen ´klassischen´ philosophischen Fragen kommt im Konstruktivismus unter dem StichwortKognitivismusnoch eine dritte: Wie vollzieht sich derindividuelleAufbau der Erkenntnis in Lebewesen? Das ist die Frage nach der empirischenKognition.“ (Jensen 1999: S. 98f)

Konstruktivismus bildet aus den unterschiedlichsten Perspektiven variable Fragestellungen, um so die Herangehensweise zu verdeutlichen. Vielmehr wird deutlich, dass jeder Blickwinkel individuell und andersartig ist. Zugleich wird der Dialog angekurbelt, um mit jeder einzelnen Betrachtungsweise interaktiv und wechselseitig zu sein.

Um den Horizont in diesem Kapitel zu erweitern, werden nachfolgend einige weitere Ansätze und Sichtweisen von Verständnissen aus deren unterschiedlichen Perspektiven und Bezügen definiert. Wichtig zu wissen ist, dass es sich um ausschnitthafte und um einen Bruchteil weniger konstruktivistischer Darlegungen handelt.

Wird der Begriff aus der Perspektive der Kunst betrachtet, so soll der Betrachter das indirekte Kunstwerk des Künstlers verstehen und deuten können. Es geht nicht um das erstellte Kunstwerk z.B. auf einer Leinwand. Der Künstler möchte durch seine Art und Weise von Kunst etwas darstellen. Genau diese Interpretation vom Betrachter soll ihn dazu bringen, sich mit dem Werk der Kunst, mit der Darstellung des Künstlers, auseinanderzusetzen. So lässt er sich auf die Konstruktion, also auf die Sichtweise des Künstlers, ein und betrachtet eine neue Perspektive aus seiner Wirklichkeit als Betrachter (vgl. Jensen 1999: S. 89).

Um sich dem Punkt des Verstehens anzunähern, basiert der moderne wissenschaftliche Konstruktivismus darauf, dass jede Aussage über die eigene Wirklichkeit zu begründen sei. Jensen führt weiter aus, dass wenn die Begründungen nicht schlüssig oder gar von Widersprüchen besetzt sind, diese nicht als annehmbar gelten (vgl. Jensen 1999: S. 91f).

Es bildet sich ab, dass auf der einen Seite die Erklärung, das Verstehen einer Wirklichkeit, demzufolge als Beispiel einer getätigten Aussage, nicht objektiv und realistisch sei und auf der anderen Seite ein in sich schlüssiges Konstrukt der eigenen Wirklichkeit abbildet. Diese haben folgerichtig ein Wahrheitsgehalt und zugleich eine Daseinsberechtigung. Dementsprechend gilt zu klären, inwiefern diese Perspektive wissenschaftlich vertretbar ist.

An dieser Stelle bildet der methodische Konstruktivismus, Operativismus einen entsprechenden Zugang. Dieser versteht sich als ein System von Bausteinen, die Schicht um Schicht zusammengesetzt sind. Zuerst geht es darum, welche Vorgehensweise oder Instrumentarien der Mensch benötigt, um seine Wirklichkeit repräsentieren zu können. Ist dies geklärt, geht es um die Anwendung. Dies kann sich äußern, indem der Mensch beispielsweise sein Verständnis von Wirklichkeit verbal artikuliert oder nonverbal durch Mimik sowie Gestik mitteilt. Dieser Prozess benötigt Zeit und Raum und gestaltet sich von Schicht zu Schicht weiter. Dies kann durch die erkenntniskritische Reflektion seines Handeln und vorangegangen Überlegungen gelingen. Ist der Mensch sich im Klaren, was und wie, Schritt für Schritt, in ihm selber vorgeht und was er somit nach außen transportiert, so ist er einer Deutung seiner Erkenntnisprozesse sehr nahe (vgl. Jensen 1999: S. 92f).

Dazu sagt der „Formaler Konstruktivismus[:] (…)Wenn Grundannahmen evident nicht sein können, dogmatisch aber nicht sein dürfen, ist die Forderung nach Begründung nicht erfüllbar.“ (Jensen 1999: S. 97)

Um im Beispiel des Erklärens, Verstehens und Umsetzens einer Handlung eines Menschen zu bleiben, bedeutet dieses Verständnis, dass für jede Person sein eigenes Denken und Handeln in sich kongruent ist, losgelöst von seiner Motivation.

Die Schwierigkeit der eigenen Konstruktion ist es, dass diese für einen anderen Menschen nur eine Idee bleibt, ob sie tatsächlich nachvollziehbar ist oder eindeutig zu verstehen ist, da dieser ebenfalls mit seiner Wirklichkeit, mit seiner Konstruktion des Seins5beschäftigt ist. Sprich sich in seiner Welt bewegt und zugleich die Aufgabe hat, die Welt des anderen zu verstehen oder zu deuten. Es bleibt ein vages sich Annähern beider Wirklichkeiten und immer mit dem Risiko behaftet, nicht die Perspektive des anderen in voller Blüte verstanden oder nachvollzogen zu haben.

So beschreibt Jensen sehr zutreffend:

„… [D]er systemische Konstruktivismus [erklärt] nicht die (Wirklichkeit der) Außenwelt …, sondern ausschließlich die Konfiguration von kognitiven Elementen des Beobachters6(die kulturelle Sinnarchitektur). Der Konstruktivismus verwendet ein zirkuläres Beobachtungsschema: die erste Operation erzeugt eine Repräsentation einer beobachteten Realität, die zweite knüpft an diesen Prozeß [sic!] an und beobachtet ein empirisch operierendes Kognitionssystem, das in sich kognitive Repräsentationen seiner Außenwelt erzeugt. Konstruktivistisch ist ´Außenwelt´ also nicht anders als eine intern erzeugte kognitive Repräsentation, der – wie früher bemerkt – nichts entsprechen muß [sic!].“ (Jensen 1999: S. 338)

Es wird sehr deutlich, dass es variable, flexible und unterschiedliche Sichtweisen auf den Konstruktivismus gibt. Sie alle zehren von einer mehrdimensionalen und vielfältigen Betrachtungsweise. Miteinander verzahnt bedingen sie sich und schließen sich nicht aus. Es wirkt so, dass jedes Verständnis voneinander profitiert und an den unterschiedlichsten Punkten übereinkommt. Aufgrund dessen lässt sich feststellen, dass „… Konstruktivismus … eine Theorie der Beobachtung [ist].“ (Jensen 1999: S. 101)

In diesem Kapitel 2.1 wurde deutlich, dass die eigene Wirklichkeit eines Menschen immer mit eigenen, kritischen Reflektionsmechanismen zusammenhängt. Sie beruhen auf dem eigenen Wissen über sich als Menschen, also wie differenziert die eigenen Kenntnisse über dessen Persönlichkeitsanteile sind.

Demnach sind sie in der Regel für die Person selber schlüssig, nachvollziehbar und nach innen sowie nach außen erklärbar. Das hat zur Folge, dass die eigens erhoffte Wirkung, die der Mensch – mehr oder weniger bewusst – erzielen mag, entweder verständlich und nachvollziehbar für seine Umwelt ist oder nicht, da sich beispielsweise dieser Mensch durch eine dritte Person ebenfalls in seiner eigenen Konstruktion befindet. So kann es sein, dass sie sich auf einer Ebene begegnen und verständigen können oder nicht und diese Perspektive genauso gleichwertig und ihre Daseinsberechtigung hat, wie die des Gegenübers. So gilt schlussendlich, dass es neben dem Austarieren ein gemeinsames Konstruktionsverständnis gibt, ein sich Annähern beider Deutungs- und Interpretationsmuster, um ein gelingendes Miteinander zu erzielen.

Dieses Kapitel abschließend hat Weber ein Kernverständnis von Konstruktivismus geschaffen, worauf sich der konstruktivistische Blickwinkel der ThesisMännliche Sozialarbeiter – Konstruktion von Identität und professioneller Haltungbezieht.

Im Kern wird Konstruktivismus in der Systemtheorie7so verstanden (vgl. Weber 2018),

„dass jeder Mensch seine höchst individuelle, subjektive Wirklichkeit vertritt. Aufgrund unserer Beziehungen und der persönlichen Geschichte mit all ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken, bilden sich Strukturen und Muster heraus, aufgrund derer wir urteilen und handeln. Demnach prägt uns eine individuelle Sichtweise, welche sich aus unseren Erfahrungen und deren Bewertungen speist. (…) Des Weiteren stellt die Systemtheorie einen ganzheitlichen Sinnzusammenhang her, worin sich auch das Körper-Seele-Geist-Konzept spiegelt und einbetten lässt. Jedes Thema bzw. jeder Konflikt steht demnach immer in einem größeren Zusammenhang. Nichts existiert alleine nur für sich – alles ist miteinander verbunden und bedingt und beeinflusst sich wechselseitig.“ (ebd.)

2.2 Männliche Sozialarbeiter

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit haben sich in der Kinder- und Jugendarbeit, Sozialarbeit und Beratung die Anzahl von Erwerbstätigen und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten mit einem akademischen Abschluss8in der Bundesrepublik Deutschland von 2008 bis 2018 um 43,83 % erhöht (vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2019: S. 97).

Folgende Abbildung 1 soll dies veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sozialwesen. Erwerbstätige und sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2019: S. 99)

Hervorzuheben ist der Frauenanteil, der bei 74 % liegt (vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2019: S. 97). Das bedeutet, dass sich bei 338.000 Akademikern (siehe Abbildung 1) aus einem Teilbereich des Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit der Männeranteil auf 26 % beläuft. Nicht einmal ein Drittel der Berufsgruppen sind männlich. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass von diesen 26 % ein prozentualer Teil ausgebildete Sozialarbeiter sind (siehe Erläuterung Fußnote [8]).

Ein weiterer Vergleichswert zeigt: „Um ein erweitertes sozialarbeiterisches Verständnis des Arbeitsfeldes ´Gesundheitswesen´9… nachzubilden (…) ergibt [sich] eine Gesamtzahl von gut 56.000 beschäftigten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie … Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen … .“ (Adolph & Seibert 2016: S. 32)

Es bildet sich ab, dass die Berufsgruppe der Sozialarbeiter eine Minderheit, trotz steigenden Wachstums zu anderen Berufszweigen, darstellt. Zum Vergleich „9,2 Millionen Erwerbstätige verfügten 2017 über einen akademischen Abschluss. Damit hatte mehr als jeder fünfte Erwerbstätige an einer Universität, Fachhochschule oder einer Berufsakademie studiert (22 Prozent).“ (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2019: S. 8)

Diese Bestandsaufnahme in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht einen breitgefächerten wissenschaftlichen Zugang und zugleich wird die Annäherung an ein wenig bis gar nicht wissenschaftlich untersuchtes Thema wieMännliche Sozialarbeiter – Konstruktion von Identität und professioneller Haltungdadurch erschwert.

2.2.1 Definition von Sozialarbeiter

Sozialarbeiter zu werden ist eine akademische Ausbildung. Dem Wunsch, diesen Berufszweig auszuwählen und zugleich auszuüben, liegen u.a. variable Motivationsfaktoren, wie z.B. die Unterstützung der Besserstellung von sozial schwächeren Mitmenschen in der Gesellschaft, und Beweggründe, wie z.B. Menschen in Not zu helfen, sie darin zu unterstützen, dass sie einen Ausweg aus ihren Problemen finden, zugrunde.

Es besteht keine eindeutige Definition darüber, was ein typischer Sozialarbeiter ist. Was macht einen Sozialarbeiter beispielsweise charakteristisch aus oder was ist in der heutigen Zeit sein klassisches Arbeitsfeld?

Vielmehr gibt es vom Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. eine verabschiedete internationale Definition aus Juli 2014 von IFSW10, welche auf unterschiedlichen Verständnissen der Mitgliedsorganisationen aus 116 Staaten basiert und seit September 2016 eine aktuelle deutschsprachige Definition von Sozialer Arbeit abbildet (vgl. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 1):

„Soziale Arbeit fördert als praxisorientierte11Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung12von Menschen. Die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die Menschenrechte, die gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt13bilden die Grundlage der Sozialen Arbeit. Dabei stützt sie sich auf Theorien der Sozialen Arbeit14, der Human- und Sozialwissenschaften und auf indigenes Wissen15. Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen und das Wohlergehen verbessern, dabei bindet sie Strukturen ein.16Diese Definition kann auf nationaler und/oder regionaler Ebene weiter ausgeführt werden.“ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2)

Es zeichnet sich ab, dass sich der Sozialarbeiter in einem handlungsorientierten Arbeitssetting befindet, gepaart mit Wissen und wissenschaftlichen Bezügen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Können. Durch fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen sowie Fähigkeiten reflektiert der Sozialarbeiter u.a. seine Lebensgeschichte, sein Handeln, sein Denken, seine Umwelt sowie seine diversen Kontrakte zu den unterschiedlichsten Akteuren. Er ist ständig aufgefordert, sich aktiv mit sich und seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Dieser Beruf ist überwiegend und in der Regel kognitiven, emotionalen und psychischen Arbeitsaufgaben zuzuordnen. Es erfordert z.B. ein hohes Maß an Empathiefähigkeit, d.h. mit den Konstruktionen seiner Klienten, Arbeitskollegen, Arbeitgeber usw. mitzuschwingen und zugleich eine eigene Position zu beziehen sowie Grenzen zu ziehen.

Ein Sozialarbeiter zu sein besteht aus einer hochkomplexen und diffusen Arbeitsteilung, die den ständigen sowie wechselseitigen Dialog sucht. Vielmehr benötigt sie diesen, um den oben genannten Prinzipien Soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Gemeinsame Verantwortung und Achtung der Vielfalt gerecht zu werden. Es geht um einen verantwortungsvollen Beruf, welcher sich im Kern verpflichtet hat, seinen Mitmenschen nah und ihnen gegenüber professionell zu sein. Diese Maxime sind, wie oben zu entnehmen ist, mit Zielen verknüpft. Es geht primär um die Förderung des sozialen Wandels, der sozialen Entwicklung, des sozialen Zusammenhalts sowie der Stärkung und Befreiung der Menschen.

Um zu verdeutlichen, in welchen Arbeitsfeldern ein Sozialarbeiter tätig sein kann, soll die Abbildung 2 einen Überblick verschaffen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit (Holdenrieder 2017: S. 15)

Die Wirklichkeit der Arbeitsfelder (siehe Abbildung 2) und somit die entsprechenden Konstruktionen von Vorstellungen, Deutungen und Bedeutsamkeiten ist für einen männlichen Sozialarbeiter eben eine andere, besonders, wenn er beispielsweise in der Arbeit mit Frauen tätig ist. Jegliche Stereotypen wie hart, unemotional, überlegen oder dergleichen würden ihn innerhalb von kürzester Zeit an die Grenzen des machbaren bringen. Vielmehr würde er ineffizient sowie ohne männliche Identität als männlicher Sozialarbeiter in eben diesem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit sein. In Kapitel 3.3 Wirksamkeit in der Sozialen Arbeit wird näher darauf eingegangen.

Eine Zuschreibung und Definition eines Sozialarbeiters bleibt komplex. Es ist eine vielfältige Tätigkeit mit sehr vielen Chancen, nach den jeweiligen Stärken und Schwächen eines Sozialarbeiters ein passgenaues Arbeitsfeld zu finden. Die obige Abbildung 2 dient als Orientierung und zugleich wird die Tragfähigkeit eines so wichtigen Berufes deutlich. In Kapitel 3.1 Berufsverständnis Soziale Arbeit wird tiefer auf das Berufsverständnis Sozialer Arbeit eingegangen. Einer nicht zu unterschätzenden Wertigkeit dieser Profession bleibt die Freude an Sozialer Arbeit und der Spaß in der Tätigkeit dessen als ein wichtiger sowie zufriedenstellender Marker für diese Berufsbranche.

Ein Sozialarbeiter wird nicht monetär entsprechend seines Anforderungsprofils entlohnt und dies ist ein Posten, welcher bereits immer mehr öffentlichen Zuspruch gewonnen hat, sodass eine wirtschaftliche Wertsteigerung angemessen seiner auszuführenden Dienstleistung in Zukunft positiv sowie zugleich abwartend zu beobachten gilt. Auf der anderen Seite sind es die kleineren Freuden und Erfolge eines Sozialarbeiters, die ihn motivieren und stärken. Es sind Momente, in denen er sich selber in seinem Handeln wirksam erlebt oder z.B. durch ein direktes oder indirektes Feedback eines Menschen, den er begleitet, gefördert oder gefordert hat, einen an dessen Problemlage gemessenen, gemeinsamen Erfolg erzielen konnte.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung aller personalisierten Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

2 „Unter ´empirisch´ versteht man eine auf Tatsachen beruhende Vorgehensweise in Wissenschaft und Forschung. Hierbei werdenErkenntnisse systematisch aus messbaren bzw. beobachtbaren, nachprüfbaren Ergebnissen gewonnen, nicht aus theoretischen Überlegungen.“ (Simon 2018)

3 „Ontologie als wissenschaftliche Disziplin innerhalb der Philosophie ist die Lehre vom Sein, d.h., Ontologen denken darüber nach, was existiert oder was konstruiert wird. Daher muss man die Frage nach dem Sein und die nach dem Erkennen trennen. Philosophen versuchen festzulegen, welche Dinge oder Gegenstände immer schon existieren, und zwar entweder durch Konstruieren oder durch Entdecken. (…) Der Begriff der Ontologie ist in jüngster Zeit aber nicht nur auf die Philosophie beschränkt, denn zunehmend beschäftigen sich auch Psychologen, Soziologen oder Wirtschaftswissenschaftler mit dem Thema der Ontologie.“ (Stangl 2019a)

4 „Die Epistemologie oder Erkenntnistheorie ist ein grundlegendes Teilgebiet der Philosophie, das sich mit folgenden Fragen befasst: … Wie kommt Wissen zustande? … Welche Erkenntnisprozesse sind denkbar? … Wie ist wissen unter den verschiedenen Voraussetzungen begründet? … Woran erkennt man, dass Wissen tatsächlich auf Grund von Erkenntnis angeboten wird? Von Interesse für die Epistemologie ist vor allem auch, welche Arten von Zweifeln an welcher Art von Wissen grundsätzlich bestehen können. Unter Epistemologie versteht man in der Philosophie und Wissenschaftstheorie ganz allgemein daher dieLehre vom Wissen(z.B. bei Platon und Aristoteles) im Unterschied zu der auf der Sinneswahrnehmung beruhenden (bloßen) Meinung. Traditionell unterscheidet man zwei Zugangsformen der Epistemologie: … denRationalismus, der besagt, dass Menschen ihr Wissen durch logisches Denken erlangen, und … denEmpirismus, der besagt, dass Menschen ihr Wissen durch sensorische Erfahrung erlangen. Die meisten Philosophen stimmen allerdings darin überein, dass es beider Zugangsweisen bedarf und dass sich beide gegenseitig unterstützen und korrigieren.“ (Stangl 2019b)

5 „Wir kennen kein Volk ohne Namen und ohne Sprache und auch keine Kultur, in der nicht irgendwie zwischen dem Selbst und dem Anderen, uns und ihnen unterschieden würde … Selbst-Kenntnis ist immer eine Konstruktion, ganz gleich, wie sehr sie als Entdeckung erfahren wird, und sie ist niemals ganz ablösbar von dem Anspruch, anderen auf bestimmte Art und Weise bekannt zu sein.“ (Calhoun 1994: S. 9f zit. n. Castells 2017: S. 6)

6 „Im Konstruktivismus sind Beobachter nichtMenschen, die irgendwo stehen und irgend etwas [sic!] sehen, sondernwissenschaftliche Beobachtungssysteme, in denenOperationen(Beobachtungen, Experimente, Messungen) unter kontrollierten Bedingungen ablaufen. Die Beobachtungen, die … für alle möglichen Operationen stehen, sind Operationen der Wissenschaft, nicht Aktionen in der Alltagswelt.Operationensind Eingriffe in Systembildungen. Der Term >>Operation<< ersetzt eine Vielzahl von Begriffen (Erleben, Handeln, Wahrnehmen, Kommunizieren), die sonst mal ´dem Menschen´ mal ´dem System´ zugerechnet werden. Hier werden nurzweiTerme benötigt: der Begriff derAktion, der auf der Ebene von individuellen Akteuren (´Menschen´) alle sonstigen Begriffe ersetzt, die auf ´innere Abläufe´ oder ´äußeres Verhalten´ referieren; und der BegriffOperation, der auf der Ebene sozialer Systembildungen alle sonstigen Terme ersetzt, mit denen systemische Veränderungen beschrieben werden.“ (Jensen 1999: S. 101f)

7 „Als Systemtheorie bezeichnet man die interdisziplinäre Wissenschaft, welche versucht[,] die Prinzipien und Grundlagen unterschiedlicher Systeme (soziale, biologische, mechanische) zu formulieren. Ihr Anwendungsbereich liegt heute in zahlreichen komplexen Gegenstandsbereichen[,] wie z.B. bei dem Versuch der Ordnung von Computernetzwerken, Familien, Maschinen, Organisationen oder biologischen Zellen. Die Systemtheorie ist bestrebt, gleiche Strukturen in diesen Gebilden aufzudecken. Die dazu nötigen Konzepte des Erkennens und Problemlösens fasst man oft unter dem Begriff des Symtemdenkens [sic!] zusammen. Ziel der allgemeinen Systemtheorie ist es, exaktere Vorhersagen über das Systemverhalten zu ermöglichen.“ (Landsiedel NLP Training 2019)

8 „Sozialpädagogik, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik“

9 „Krankenhäuser (ohne HS-Kliniken, Vorsorge-, Reha-Kliniken), Hochschulkliniken, Vorsorge- und Rehabilitationskliniken, Arztpraxen und Zahnarztpraxen, Praxen von psycholog. Psychotherapeuten, Praxen Massage, KG, Hebammen + verw. Beruf und Heilpraktikerpraxen, sonstige selbstständige Tätigkeiten im Gesundheitswesen, Pflegeheime, Stationäre Einrichtungen zur psychosozialen Betreuung, Suchtbekämpfung u.Ä., Ambulante soziale Dienste“

10 „Internationale Föderation der Sozialarbeiter“

11 „im deutschen Verständnis als handlungsorientierte Profession“

12 „der in der Global Definition genannte Begriffliberation, der in der deutschen Sprache als ´Befreiung´ übersetzt wird, wird in der deutschen Fassung im übertragenen Sinn als ´Selbstbestimmung von Menschen´ nach Einigung mit dem Fachbereichstag übersetzt. Es gelten auch die in Fußnote [15] aufgezeigten historischen Kontexte.“

13 „Der Begriff der Vielfalt umfasst auch Heterogenität“

14 „Was auch empirisches Wissen beinhaltet“

15 „Das in der englischen Definition angeführte indigenous knowledge wird mit Verweis auf die vom IFSW verabschiedeten Kommentierung der Definition als international geltende Positionierung aus Gründen der Solidarität beibehalten: ´Mit der vorliegenden Definition wird bekräftigt, dass der Sozialen Arbeit nicht nur spezifische Praxiserfahrungen und westliche Theorien zugrunde liegen, sondern dass sie auch von indigenem Wissen beeinflusst wird. Ein Teil des Kolonialerbes ist, dass allein westliche Theorien und westliches Wissen als wertvoll eingestuft und indigenes Wissen abgewertet, abgetan und von westlichen Theorien und westlichem Wissen unterworfen wurde. Mit der vorliegenden Definition soll dieser Prozess gestoppt und umgekehrt werden, indem anerkannt wird, dass indigene Völker in jeder Region, in jedem Land und in jedem Gebiet ihre eigenen Werte, ihre eigene Art des Verständnisses und ihre eigene Art der Weitergabe ihres Wissens haben und einen unschätzbaren Beitrag zur Wissenschaft geleistet haben. Soziale Arbeit zielt auf eine Überwindung des historischen westlichen Kolonialismus und der westlichen Hegemonie im Bereich der Wissenschaft ab, indem man den indigenen Völkern auf der ganzen Welt zuhört und von ihnen lernt. Auf diese Weise werden die Kenntnisse im Bereich der Sozialen Arbeit von indigenen Völkern mit erarbeitet und beeinflusst und nicht nur im lokalen Umfeld, sondern auch auf internationaler Ebene adäquater angewandt.´ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S.3 zit. n. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2)

Darüber hinaus wird in Verstärkung und Erweiterung der englischsprachigen Definition auf Bezüge im deutschsprachigen Raum betont, dass sich Soziale Arbeit auch auf reflektiertes Erfahrungswissen beruflich-biografischer Praxen und kulturelles Kontextwissenstützt, wie es auch in der Kommentierung der englischsprachigen Definition ausgeführt wird: ´Ein solcher Ansatz kann eine konstruktive Auseinandersetzung und den Wandel erleichtern, wenn bestimmte kulturelle Überzeugungen, Werte und Traditionen die grundlegenden Menschenrechte verletzen. Da Kultur ein gesellschaftliches Konstrukt und dynamisch ist, unterliegt sie Dekonstruktion und Veränderungen. Eine solche konstruktive Auseinandersetzung, Dekonstruktion und Veränderung kann durch die Beschäftigung mit spezifischen kulturellen Werten, Überzeugungen und Traditionen und durch das Verstehen selbiger sowie durch einen kritischen und reflektierenden Dialog mit Angehörigen der jeweiligen Kulturgruppe über allgemeine Menschenrechtsfragen erleichtert werden.´“
(Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S. 3 zit. n. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2) und von ihnen lernt. Auf diese Weise werden die Kenntnisse im Bereich der Sozialen Arbeit von indigenen Völkern mit erarbeitet und beeinflusst und nicht nur im lokalen Umfeld, sondern auch auf internationaler Ebene adäquater angewandt.´ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S. 3 zit. n. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2)

Darüber hinaus wird in Verstärkung und Erweiterung der englischsprachigen Definition auf Bezüge im deutschsprachigen Raum betont, dass sich Soziale Arbeit auch auf reflektiertes Erfahrungswissen beruflich-biografischer Praxen und kulturelles Kontextwissen stützt, wie es auch in der Kommentierung der englischsprachigen Definition ausgeführt wird: ´Ein solcher Ansatz kann eine konstruktive Auseinandersetzung und den Wandel erleichtern, wenn bestimmte kulturelle Überzeugungen, Werte und Traditionen die grundlegenden Menschenrechte verletzen. Da Kultur ein gesellschaftliches Konstrukt und dynamisch ist, unterliegt sie Dekonstruktion und Veränderungen. Eine solche konstruktive Auseinandersetzung, Dekonstruktion und Veränderung kann durch die Beschäftigung mit spezifischen kulturellen Werten, Überzeugungen und Traditionen und durch das Verstehen selbiger sowie durch einen kritischen und reflektierenden Dialog mit Angehörigen der jeweiligen Kulturgruppe über allgemeine Menschenrechtsfragen erleichtert werden.´“ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S. 3 zit. n. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2)

16„Ausdrücklich wird unter Verweis auf die Kommentierung die Legitimität und Begründung Sozialer Arbeit hervorgehoben, dass sie dort eingreift, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. ´Soziale Arbeit legitimiert und begründet sich dadurch, dass sie dort eingreift, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Die Umwelt umfasst die verschiedenen sozialen Systeme, in denen die Menschen leben, sowie die natürliche, geographische Umwelt, die starken Einfluss auf das Leben der Menschen hat. Der im Rahmen der sozialen Arbeit vertretene partizipatorische Ansatz spiegelt sich darin wider, dass ´Menschen und Strukturen eingebunden [werden], um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern´. Bei der Sozialen Arbeit wird soweit wie möglich mit anstatt für Menschen gearbeitet. Entsprechend dem Paradigma der sozialen Entwicklung verfügen Sozialarbeiter über ein großes Spektrum an Fertigkeiten, Techniken, Strategien, Grundsätzen und Handlungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen des Systems, die auf den Erhalt des Systems und/oder auf Systemänderungen abzielen. Die praktische Soziale Arbeit umfasst eine ganze Reihe an Tätigkeitsfeldern, einschließlich verschiedener Formen der Therapie und Beratung, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit, Formulierung und Analyse von politischen Maßnahmen sowie Fürspracheaktivitäten und politische Interventionen. Aus emanzipatorischer Perspektive, die von dieser Definition unterstützt wird, zielen die Strategien der Sozialen Arbeit darauf ab, die Hoffnung, das Selbstwertgefühl und das kreative Potential der Menschen zu stärken, um repressiven Machtverhältnissen und strukturellen Quellen für Ungerechtigkeiten entgegenzutreten und diese zu bekämpfen und somit die Mikro-Makro-Dimension und die persönlich-politische Dimension der Intervention in einem kohärenten Ganzen zu vereinen. Der ganzheitliche Fokus der Sozialen Arbeit ist ein universeller Grundsatz, die Schwerpunkte der praktischen Sozialen Arbeit variieren jedoch von Land zu Land und von Zeit zu Zeit, je nach den historischen, kulturellen, politischen und sozioökonomischen Bedingungen.´“ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014: S. 4 zit. n. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2016: S. 2)

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Männer in der Sozialen Arbeit. Identität, Persönlichkeitsbildung und professionelle Haltung
Autor
Jahr
2020
Seiten
71
Katalognummer
V513280
ISBN (eBook)
9783963550461
ISBN (Buch)
9783963550478
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktivismus, Männlichkeit, Soziale Arbeit, Professionelle Haltung, Wirksamkeit, Identität, Männliche Sozialarbeiter, Konstruktion von Identität und professioneller Haltung, Identitätsbildung, Empathie, Berufsverständnis der Sozialen Arbeit
Arbeit zitieren
Jonathan Will (Autor), 2020, Männer in der Sozialen Arbeit. Identität, Persönlichkeitsbildung und professionelle Haltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513280

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