Das argentinische Spanisch. Eine Untersuchung mit Sprachbeispielen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Faktoren der Herausbildung des argentinischen Spanisch
2.1. Ausgangslage
2.2. Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung
2.3. Wege der Eroberung und Kolonisierung
2.4. Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen
2.5. Europäische Kontaktsprachen
2.6. Die aktuelle demographische Situation in Argentinien

3. Das argentinische Spanisch
3.1. Phonetik und Phonologie
3.1.1. Vokalismus
3.1.2. Konsonantismus
3.1.3. Prosodie
3.2. Morphosyntax
3.3. Lexik

4. Tango und Lunfardo
4.1. Tango Argentino
4.2. El Lunfardo
4.2.1. Struktur

5. Liedanalyse / Textbeispiel
5.1 „El Ciruja“
5.2 „Buenos Aires/New York ...(hay una manzana en tus gusanos)” von Don Lunfardo

6. Schlussbetrachtung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist das argentinische Spanisch, da es in meinen Augen eine Besonderheit darstellt. Die spanische Sprache wurde zur Zeit der Kolonisierung nach Südamerika gebracht und dort eingeführt und mit den Sprachen der Einheimischen vermischt, wobei das Spanisch meist alle anderen Sprachen unterdrückte und eine dominierende Rolle übernahm. Diese Dominanz wurde verstärkt mit der wachsenden Zahl der Einwanderer in den folgenden Jahrhunderten aus Europa und in erster Linie aus Spanien. Südamerika bzw. Lateinamerika wurde von den Kolonisatoren als minderwertig gegenüber Europa betrachtet und somit berücksichtigten sie auch keinerlei Besonderheiten der einheimischen Bevölkerung. In Folge dessen, galt Spanisch als Handelssprache zwischen Einheimischen und Kolonisatoren und wurde später auch vollständig von den Einheimischen zusätzlich zu ihrer Muttersprache übernommen.

In Argentinien, wie ich im Folgenden zeigen werde, war der sprachliche Einfluss nicht rein oder vorherrschend spanisch, sondern man findet auch starke Spuren des Italienischen. Aber auch andere europäische Sprachen hatten in Argentinien einen wesentlich höheren Einfluss auf die Sprachentwicklung als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Dadurch zeigen sich auch heute noch Besonderheiten im argentinischen Spanisch, die sonst kaum zu finden sind auf dem Kontinent. Auch die Rolle der Einheimischen ist in Argentinien nicht so dominierend, wie in Mexiko beispielsweise.

Als Sprachbeispiele habe ich Lieder des Tangos genommen, die den Lunfardo beinhalten, den ich im Zuge der Arbeit erläutern möchte. Der Tango und seine Sprache hatte und hat eine besondere Stellung in der argentinische Kultur und da es sehr schwer für mich wäre an originale Tonaufnahmen der gesprochenen Sprache zu kommen werde ich die Musik dazu benutzen, die Charakteristika des Argentinischen, die sich jedoch in erster Linie im mündlichen Sprachgebrauch zeigen, zu verdeutlichen. Ein weiteres Textbeispiel wird eine aktuelle Musikgruppe aus Argentinien sein, da in ihren Texten Besonderheiten auftreten, die ich zuvor als Unterschiede zum Kastilischen Spaniens herausarbeiten werde.

2. Faktoren der Herausbildung im historischen Rückblick

In diesem Abschnitt will ich auf die Einflüsse eingehen, die das Spanische in Argentinien beeinflusst haben zur Zeit des Eroberungs- und Kolonisationsprozess. Dabei werde ich der Unterteilung von Eva-Maria Güida in Studien zum argentinischen Spanisch folgen[1]. Kubarth formulierte dazu folgendes:

„In keinem anderen Land Lateinamerikas haben kulturgeschichtliche Faktoren einen ähnlichen sprachprägenden Einfluss, nirgends sonst findet man eine so enge Verbindung von Sprache und Nationalbewusstsein; die Sprache ist absolutes Symbol der Unabhängigkeit und Eigenart des Argentiniers“[2]

Wie ich schon angedeutet habe, gab es besonders in Argentinier auch einen bedeutenden Einfluss von europäischen nicht-hispanophonen Einwanderern. Dabei sind fünf Elemente sehr wichtig zu betrachten: die Ausgangslage, der Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung, die Wege der Eroberung und Kolonisierung, die Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen und die europäischen Kontaktsprachen.

2.1. Die Ausgangslage

Als die Eroberung durch spanische Kolonisatoren in Argentinien begann, traf das mitgebrachte Spanisch auf die Sprachen der indianischen Bevölkerung. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt auf dem Territorium des heutigen Argentiniens keine großen Stämme wie die Azteken in Mexiko oder die Inkas in Peru, vielmehr gab es mehrere kleinere Stämme. Durch die relativ unbedeutende Größe der Stämme war der Einfluss ihrer Sprachen auf das Spanische relativ gering und heutzutage sind kaum noch Spuren zu finden. Den Einfluss kann man auf drei Sprachgruppen beschränken, die zum Zeitpunkt der Eroberung im südlichen Teil des Kontinents gelebt haben, Quichua, Guaraní und Araukanisch. Sie waren die einzigsten, die auch andere kleinere Sprachgruppen überlagerten und daher als „lenguas generales“[3]bezeichnet werden. Allerdings findet man auch das Phänomen vor, dass viele Wörter indianischen Ursprungs von den Eroberern vom Norden des Kontinents aus in den Süden mitgebracht wurden, solche Wörter bezeichnet man als „Wanderwörter“[4]. Meistens betrifft dies bestimmte Bezeichnungen von Nahrungsmitteln oder anderen Dingen, die in anderen Teilen des Kontinents und für die Europäer unbekannt waren.

Das Quichua ist eine indianische Sprache, die neusten Forschungen zu folge, zum Zeitpunkt der Kolonisierung und auch vorher schon im Nordwesten und insbesondere in der Provinz Santiago del Estero existiert hat. Heute ist der Einfluss des Quichua auf die Provinzen Santiago del Ester, Salta und Jujuy begrenzt. Jedoch findet man Einflüsse auf das Spanische in der gesamten nordwestlichen Region Argentiniens.

Das Guaraní ist heute auf die nordöstlichen Provinzen Corrientes, Misiones und den Osten der Provinz Chaco und Formosa begrenzt. Zur Zeit der Eroberung trafen die Kolonisatoren in Asunción auf diese Sprache und trugen sie durch ihre von dort ausgehende Eroberung in den Süden des Landes. Das regionale Spanisch in den nordöstlichen Provinzen unterliegt einem beträchtlichen Einfluss des Guaraní insbesondere im Bereich der Lexik.

Das Araukanische oder Mapuche hatte einen wesentlich geringeren Einfluss auf das Spanische als die anderen beiden indianischen Sprachen. Es erstreckt sich über die Region Cuyo, die Provinzen Córdoba, Neuquén, La Pampa und die Kordillere entlang nach Süden an der Grenze zu Chile. Besonders Toponyme spiegeln den Einfluss dieser indianischen Sprache wieder.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die indianischen Sprachen keinen großen Einfluss auf das argentinische Spanisch hatte, abgesehen von lexikalischen Ausnahmen und in den vorher benannten Regionen fallen Einflüsse auf, die sich auf Intonation, Morphologie und Syntax beziehen.

2.2. Der Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung

Den Beginn der Eroberung des heutigen Gebiets Argentiniens kann man auf das 16. Jahrhundert datieren. Zu dieser Zeit war dieser Bereich noch nicht erobert und es bestand die Gefahr aus Sicht der Spanier, dass die Portugiesen ihnen zuvor kommen und das noch nicht eroberte Gebiet unter ihre Herrschaft nehmen könnten. Die Mündung des La Plata wurde 1516 von dem spanischen Seefahrer Juan Díaz de Solís entdeckt und 1536 kam es zur Gründung des ersten Stützpunktes durch die Gründung von Buenos Aires und 1537 folgte die Gründung von Asunción. Im 19. Jahrhundert kam es zur Erschließung der restlichen Gebiete Argentiniens. Es wurden ab 1877/78 massive Feldzüge gegen die Indianer vorgenommen und somit wurde dann der südlichste Teil des amerikanischen Kontinents erschlossen.

Insgesamt erstreckte sich die Eroberung des gesamten Gebiets des heutigen Argentiniens über insgesamt vier Jahrhunderte.

Durch den späten Zeitpunkt der Eroberung und Besiedlung des Landes, herrschte nur eine sehr lockere Bindung zum Mutterland und somit nur wenig Kontrolle in jeglicher Hinsicht durch den spanischen Hof, was insbesondere für die freie Entwicklung der Sprache zuträglich war.

2.3. Die Wege der Eroberung und Kolonisierung

Argentinien wurde aus mehreren Richtungen und in verschiedenen Etappen die Eroberung und Besiedlung vollzogen.

Als eine mögliche Richtung ist der Seeweg und damit verbunden der Norden. In 1536 erreichte eine größere Expedition aus Spanien das La-Plata-Gebiet. Zuvor konnten die Indianer mehrere Eroberungsversuche der Spanier abwehren. Auch erreichten sie 1541 durch kontinuierlichen Widerstand, dass die Spanier ihre Befestigung aufgeben mussten und dabei erhebliche Verluste und große Hungersnot erlitten. Einige wenige Siedler überlebten allerdings und siedelten sich in dem weiter nördlich gelegenen Stützpunkt an. Dieser Stützpunkt war das heutige Asunción del Paraguay und wurde damals 40 Jahre später Ausgangspunkt für erneute Versuche den Süden zu erobern. So kam es 1580 zur zweiten Gründung des heutigen Buenos Aires und des weiteren zur Errichtung zusätzlicher bedeutender Stützpunkte wie 1573 in Santa Fé und 1588 in Corrientes.

Ein zweiter Eroberungs- und Besiedlungsstrom kam aus Peru, über denCamino del Incaund dieQuebrada de Humahuaca[5]. Die Kolonisatoren vollzogen aus dieser Richtung Feldzüge und dadurch wurden wichtige Stützpunkte gegründet, wie 1593 Jujuy, 1582 Salta und 1573 Córdoba.

Aus Santiago de Chile, über die Anden vollzog sich ein dritter Eroberungs- und Kolonisierungsschub, der somit aus dem Westen kam. Dabei wurden die heutigen Provinzen Mendoza, San Juan und San Luis erobert, wobei wichtige Städte dort gegründet wurden.

Die Argentinier selbst führten im 19. Jahrhundert einen Feldzug durch, um den Süden und damit Patagonien zu erschließen, wodurch die Eroberung und Erschließung des Landes abgeschlossen wurde. Die Gründungsdaten der Hauptstädte der südlichen Provinzen liegen alle im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für den südlichsten Teil des Landes, Tierra del Fuego, lag eine besondere Situation vor. Es wurde schon 1520 von Magellán entdeckt aber erst 1826 – 1836 durch die Briten erforscht. Ab 1880 wurde das Gebiet durch Argentinier und Chilenen besiedelt allerdings erfolgte 1893 eine Aufteilung des Gebiets zwischen Argentinien und Chile.

2.4. Die Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen

Wer wirklich die ersten Siedler auf dem argentinischen Territorium waren ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Jedoch lässt sich unter Betrachtung der Wege und Zeitpunkte der Eroberung sagen, dass nur ein geringer Anteil der Spanier direkt aus dem Mutterland kam. Dadurch wurde oft ein Spanisch nach Argentinien gebracht, welches zuvor viel Kontakt mit anderen Sprachen hatte und somit verschiedenen Einflüssen ausgesetzt war und sie teilweise auch aufgenommen hat. Nach der Gründung der ersten Siedlungen durch die Eroberer war es in erster Linie den Einheimischen und ihrer Kooperationsbereitschaft beim Erhalt der Siedlungen, zu verdanken, dass diese Erfolge hatten und weiterbestehen konnten. Da aus dem spanischen Mutterland wenig neue Siedler kamen, war nur der vermehrte Zustrom indianischer Einheimischer die Ursache für die funktionierenden Siedlungen.

Im 16. und 17. Jahrhundert lebten in Argentinien Indianer, Mestizen und Weiße und außerdem Schwarze, die kurz nach der Eroberung als Sklaven nach Buenos Aires gebracht worden sind. Sie dienten als Arbeitskräfte und machten einen relativ hohen Anteil der Bevölkerung aus.

Aus dieser Bevölkerungsmischung des 16. Jahrhunderts ergeben sich für die spanische Sprache besondere Einflüsse.

„Die erste Kolonialisierung wurde mehrheitlich von Menschen durchgeführt, die bereits auf dem südamerikanischen Kontinent geboren waren: von Criollos, das heißt von Nachkommen spanischer Einwanderer, von Mestizen, das heißt von Nachkommen aus Verbindungen zwischen Spaniern und Indianern, von Indianern, und, zu einem sehr geringen Prozentsatz, von Spaniern.“ (Güida 1993, 18)

Bei Criollos ist der Einfluss der heimischen und sie umgebenden Sprachen deutlich spürbar. Die Eltern von Criollos sind Muttersprachler des Spanischen und kommen ursprünglich aus Spanien. Dadurch sollte man annehmen, sie sprächen ein reines und ursprüngliches Spanisch, allerdings muss man hier in Betracht ziehen, unter welchen Umständen sie aufwachsen. Sie haben in ihrem Heranwachsen engen Kontakt zu indianischen Sprachen und das sprachliche Zentrum ihrer Sprache ist weit entfernt. Daher ist es verständlich, dass ihr Spanisch keiner Korrektur unterlegen war und starken Einflüssen unterlegen ist und sich somit verändert. Auch die Gruppe der Mestizen unterstützt eine gewisse Korruption des Spanischen, da ihre Eltern Indianer und Spanier waren, treffen hier zwei Sprachen aufeinander, die sich gegenseitig beeinflussen, wobei das Spanische vorherrschend bleibt, aber stark von der indianischen Sprache beeinflusst wird. Auch der schon angedeutete Aspekt, dass europäische Siedler auf dem Kontinent wanderten und somit Einflüsse aus verschiedenen Regionen in ihre Muttersprache Spanisch aufnahmen. Insbesondere ist hierbei darauf hin zu weisen, dass indianische Wanderwörter in den gebräuchlichen Wortschatz aufgenommen wurden.

[...]


[1]Güida 1993, 12

[2]Kubarth 1987, 172-173

[3]Güida 1993, 13

[4]Güida 1993, 13

[5]Güida 1993, 15

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das argentinische Spanisch. Eine Untersuchung mit Sprachbeispielen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Die spanische Sprache von der frühen Neuzeit bis heute
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V51341
ISBN (eBook)
9783638473422
ISBN (Buch)
9783656202011
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanisch, Sprache, Neuzeit
Arbeit zitieren
Jana Winkelmann (Autor), 2004, Das argentinische Spanisch. Eine Untersuchung mit Sprachbeispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51341

Kommentare

  • Gast am 12.8.2011

    leider hat mir diese arbeit kaum weitergeholfen. die zitierweise ist nicht eindeutig und sprachliche mängel sind vorhanden. es wundert mich, dass die note eine 1,0 gewesen sein soll!

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