Das Thema dieser Arbeit ist das argentinische Spanisch, da es in meinen Augen eine Besonderheit darstellt. Die spanische Sprache wurde zur Zeit der Kolonisierung nach Südamerika gebracht und dort eingeführt und mit den Sprachen der Einheimischen vermischt, wobei das Spanisch meist alle anderen Sprachen unterdrückte und eine dominierende Rolle übernahm. Diese Dominanz wurde verstärkt mit der wachsenden Zahl der Einwanderer in den folgenden Jahrhunderten aus Europa und in erster Linie aus Spanien. Südamerika bzw. Lateinamerika wurde von den Kolonisatoren als minderwertig gegenüber Europa betrachtet und somit berücksichtigten sie auch keinerlei Besonderheiten der einheimischen Bevölkerung. In Folge dessen, galt Spanisch als Handelssprache zwischen Einheimischen und Kolonisatoren und wurde später auch vollständig von den Einheimischen zusätzlich zu ihrer Muttersprache übernommen.
In Argentinien, wie ich im Folgenden zeigen werde, war der sprachliche Einfluss nicht rein oder vorherrschend spanisch, sondern man findet auch starke Spuren des Italienischen. Aber auch andere europäische Sprachen hatten in Argentinien einen wesentlich höheren Einfluss auf die Sprachentwicklung als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Dadurch zeigen sich auch heute noch Besonderheiten im argentinischen Spanisch, die sonst kaum zu finden sind auf dem Kontinent. Auch die Rolle der Einheimischen ist in Argentinien nicht so dominierend, wie in Mexiko beispielsweise.
Als Sprachbeispiele habe ich Lieder des Tangos genommen, die den Lunfardo beinhalten, den ich im Zuge der Arbeit erläutern möchte. Der Tango und seine Sprache hatte und hat eine besondere Stellung in der argentinische Kultur und da es sehr schwer für mich wäre an originale Tonaufnahmen der gesprochenen Sprache zu kommen werde ich die Musik dazu benutzen, die Charakteristika des Argentinischen, die sich jedoch in erster Linie im mündlichen Sprachgebrauch zeigen, zu verdeutlichen. Ein weiteres Textbeispiel wird eine aktuelle Musikgruppe aus Argentinien sein, da in ihren Texten Besonderheiten auftreten, die ich zuvor als Unterschiede zum Kastilischen Spaniens herausarbeiten werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Faktoren der Herausbildung des argentinischen Spanisch
2.1. Ausgangslage
2.2. Zeitraum der Eroberung und Kolonisierung
2.3. Wege der Eroberung und Kolonisierung
2.4. Substanz und Qualität der von den Eroberern und Kolonen mitgebrachten Sprachen
2.5. Europäische Kontaktsprachen
2.6. Die aktuelle demographische Situation in Argentinien
3. Das argentinische Spanisch
3.1. Phonetik und Phonologie
3.1.1. Vokalismus
3.1.2. Konsonantismus
3.1.3. Prosodie
3.2. Morphosyntax
3.3. Lexik
4. Tango und Lunfardo
4.1. Tango Argentino
4.2. El Lunfardo
4.2.1. Struktur
5. Liedanalyse / Textbeispiel
5.1 „El Ciruja“
5.2 „Buenos Aires/New York ...(hay una manzana en tus gusanos)” von Don Lunfardo
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die sprachlichen Besonderheiten des argentinischen Spanisch unter Berücksichtigung soziokultureller Einflussfaktoren. Ziel ist es, die Eigenständigkeit dieser Varietät gegenüber dem kastilischen Spanisch durch die Analyse von Phonetik, Morphosyntax und Lexik – insbesondere anhand von Tangotexten und populärer Musik – zu belegen und zu erläutern.
- Historische Einflussfaktoren der Kolonisierung
- Phonetische und phonologische Charakteristika
- Morphosyntaktische Abweichungen und der Voseo
- Die Rolle des Lunfardo und Cocoliche als sprachliche Interferenzen
- Analyse authentischer Textbeispiele
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Vokalismus
Wie das Kastilische hat auch das amerikanische Spanisch aus phonologischer Sicht fünf Vokalphoneme. Jedoch könnte man sagen, dass eine Reduktion des dreistufigen spanischen Vokalsystems mit fünf Vokalen zu einem zweistufigen Vokalsystem mit /i/, /a/ und /u/ stattfindet, wie die anschließend gezeigten Tendenzen vermuten lassen. Dabei verschwinden /e/ und /o/ aber nicht, „sondern es entwickelt sich vielmehr eine allophonische Alternanz zwischen [e - i] und [o - u]“ 13
Allgemein herrscht eine Tendenz zur Nasalisierung von Vokalen auch wenn sie in nichtnasaler Umgebung vorkommen. Allerdings gibt es im Nordosten die Besonderheit, dass de unbetonten Vokale /e/ und /o/ geschlossen ausgesprochen, wie pocu und frenti, besonders in Verbindung mit Plosiven und /s/.
Wenn Vokalgruppen auftreten, kommt es zur Diphthongreduzierung, wie bei Uropa. Durch Assimilation oder Akzentverlagerung wird eine Tendenz zur Diphthongierung bei Hiaten erreicht. Als Beispiele kann man hier anführen: peón > pión, peor > pior, caerá > cairá oder paraíso > paraiso, oído > oido.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des argentinischen Spanisch ein und erläutert die Motivation, diese Varietät aufgrund ihrer soziokulturellen Besonderheiten und Einflüsse zu untersuchen.
2. Faktoren der Herausbildung des argentinischen Spanisch: Dieses Kapitel behandelt die historischen Rahmenbedingungen der Eroberung und Kolonisierung, einschließlich der Einflüsse indianischer Sprachen und der Bedeutung europäischer Einwanderungswellen.
3. Das argentinische Spanisch: Der Hauptteil analysiert detailliert die sprachwissenschaftlichen Unterschiede zum europäischen Spanisch in den Bereichen Phonetik, Morphosyntax und Lexik.
4. Tango und Lunfardo: Hier werden die Entstehungsgeschichte des Tangos und die sprachlichen Eigenheiten des Lunfardo als soziale Interferenzsprache dargestellt.
5. Liedanalyse / Textbeispiel: Dieses Kapitel dient der praktischen Anwendung, indem zwei Musikbeispiele auf ihre sprachlichen Besonderheiten und den Gebrauch des Lunfardo hin untersucht werden.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Schwierigkeit einer eindeutigen sprachwissenschaftlichen Klassifizierung des argentinischen Spanisch.
Schlüsselwörter
Argentinisches Spanisch, Spanische Sprache, Lateinamerika, Phonetik, Morphosyntax, Lexik, Lunfardo, Tango, Sprachwandel, Kolonisierung, Voseo, Cocoliche, Sprachinterferenz, Varietät, Einwanderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und den spezifischen Eigenschaften der spanischen Sprache in Argentinien im Vergleich zum kastilischen Spanisch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung durch Kolonisierung, der Einfluss von Einwanderern sowie die Untersuchung phonetischer, morphosyntaktischer und lexikalischer Merkmale.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Eigenständigkeit des argentinischen Spanisch zu definieren und den Einfluss soziokultureller Faktoren auf dessen Entwicklung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der praktischen Analyse von Textbeispielen, insbesondere Liedtexten, um sprachliche Phänomene zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Bedingungen, die sprachwissenschaftliche Analyse der Varietät und die Untersuchung der sprachlichen Interferenzen durch Tango und Lunfardo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Argentinisches Spanisch, Lunfardo, Voseo, Sprachwandel und Tango.
Welche Rolle spielt das Lunfardo in der Arbeit?
Das Lunfardo wird als soziale Interferenzsprache und fester Bestandteil der argentinischen Kultur und Tangotexte eingehend analysiert.
Wie definiert die Autorin den Status des argentinischen Spanisch?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es schwierig ist, das argentinische Spanisch eindeutig als eigenständige Sprache oder bloßen Dialekt zu klassifizieren, da es sich in einem kontinuierlichen, offenen Entwicklungsprozess befindet.
- Quote paper
- Jana Winkelmann (Author), 2004, Das argentinische Spanisch. Eine Untersuchung mit Sprachbeispielen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51341