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Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen

Title: Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen

Diploma Thesis , 2005 , 71 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Oldekop (Author)

Business economics - Investment and Finance
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Neues Standardverfahren ist kein Standard

Im Zuge der rasant wachsenden Unternehmenskapitalisierungen insbesondere im Bereich der New Economy zur Jahrtausendwende konnte man diese Wertentwicklung und die im Bereich der Unternehmensakquisitionen gezahlten Preise mit traditionellen Bewertungsverfahren wie der Discounted Cash Flow Methode, bei der die erwarteten Zahlungsmittelrückflüsse einer Investition auf den Gegenwartszeitpunkt abgezinst werden, nicht mehr erklären. Analysten behalfen sich damit, strategische Wachstumschancen und daraus resultierende künftige Gewinnpotentiale als Werttreiber zu identifizieren.1 Die Vertreter des Realoptionsansatzes, der diese Wachstumspotentiale durch Berücksichtigung strategischer und operativer unternehmerischer Flexibilität bei realen Investitionen im Gegensatz zu den traditionellen Bewertungsverfahren quantitativ erfassen soll, sahen in der Bewertungsmethode, die zu dem Zeitpunkt bereits seit etwa 20 Jahren in der wissenschaftlichen Literatur existierte, den sich in kürzester Zeit etablierenden Standard.2
In der Wissenschaft ist die vom Realoptionsansatz verwendete Übertragung von Bewertungsmethoden der Finanzoptionspreistheorie auf die Bewertung realer Investitionen umstritten 3, und empirische Studien belegen, dass der Realoptionsansatz sich in der Praxis bisher nicht durchgesetzt hat.4 Dies liegt zum Teil daran, dass der Realoptionsansatz als mitverantwortlich für ökonomische Desaster wie die Internetblase oder die gigantische Firmenpleite von Enron gemacht wird.5 Die vermeintlich durch den Realoptionsansatz resultierenden Fehlbewertungen wurden zum Argument gegen die Implementierung in der Praxis. Dabei ist es wesentliches Bestreben von Vertretern des Ansatzes, die Mängel und dabei insbesondere Unterbewertungen von realen Investitionen durch die traditionell verwendeten Investitionsrechenverfahren insbesondere der Kapitalwertmethode zu beheben.
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1 Vgl. Seiler/Stauber (2003), S.117.
2 Vgl. Hommel (2000), S.30; Seiler/Stauber (2003), S.117f.; Hommel/Müller (1999), S.177.
3 Vgl. Breuer (1998a), S.5; Müller (2005), S.176.
4 Vgl. Peemöller u.a. (2002), S.562ff.; Vollrath (2003), S.370.
5 Vgl. Triantis (2005), S.10.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. NEUES STANDARDVERFAHREN IST KEIN STANDARD

1.1. Problemstellung

1.2. Gang der Untersuchung

2. MOTIVE FÜR VERWENDUNG DES REALOPTIONSANSATZES

2.1. Voraussetzungen für den Wert von Handlungsspielräumen

2.1.1. Irreversibilität

2.1.2. Flexibilität

2.1.3. Unsicherheit

2.2. Begriffsbestimmung Realoption

2.3. Analogie zwischen Finanzoptionen und Handlungsspielräumen

3. TYPEN VON REALOPTIONEN

3.1. Flexibilitätsoptionen

3.1.1. option to wait – Warte- und Lernoption

3.1.2. option to default during staged construction- Verzögerungsoption

3.1.3. option to switch input and output- Wechseloption

3.1.4. option to abandon- Abbruchoption

3.1.5. option to shut down and reopen– Schließungs- und Wiedereröffnungsoption

3.1.6. option to expand and to contract capacity

3.2. Wachstumsoptionen- the option to expand

4. BEWERTUNG VON FINANZOPTIONEN

4.1. Theoretische Bewertungsgrundlagen

4.1.1. Modellunabhängige Wertgrenzen und Wertrelationen von Optionen

4.1.2. Prinzip der Arbitragefreiheit als Bewertungsgrundlage

4.2. Das Binomialmodell

4.3. Das Black und Scholes – Modell

5. ERMITTLUNG DER PARAMETER ZUR REALOPTIONSBEWERTUNG

5.1. Basiswert

5.2. Volatilität

5.3. Risikoloser Zins

5.4. Laufzeit , Ausübungspreis und Dividenden

6. DIFFERENZIERTE WÜRDIGUNG DES ANSATZES

6.1. Vorteile des Realoptionsansatzes

6.2. Limitationen und Vorbehalte hinsichtlich der Analogie

6.2.1. Unschärfe

6.2.2. Marktunvollkommenheiten

6.2.3. Endogenität und mangelnde vertragliche Fixierung

6.2.4. Interaktionen und multiple Unsicherheitsquellen

6.2.5. Exklusivität und Wettbewerbseffekte

6.3. Analogiegrenzen und ihre Auswirkungen

6.4. Probleme der praktischen Implementierung

6.5. Principle- Agent- Probleme des Realoptionsansatzes

7. ANWENDBARKEITSORIENTIERTER AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Eignung des Realoptionsansatzes als quantitatives Bewertungsinstrument für reale Investitionen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit Methoden der Finanzoptionspreistheorie zulässig auf Investitionsprojekte übertragbar sind. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob eine konzeptionelle Analogie zwischen Finanzoptionen und unternehmerischer Flexibilität besteht, die eine solche mathematische Bewertung rechtfertigt oder ob Limitationen bei der Operationalisierung in der Praxis überwiegen.

  • Methodische Grundlagen der Finanzoptionsbewertung und deren Übertragbarkeit
  • Analyse der konstituierenden Merkmale von Realoptionen (Irreversibilität, Flexibilität, Unsicherheit)
  • Kritische Würdigung der Bewertungsparameter (Basiswert, Volatilität, Zins, Laufzeit)
  • Identifikation und Kategorisierung verschiedener Realoptionstypen
  • Untersuchung von Limitationen bei der praktischen Implementierung und Analogiegrenzen

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Irreversibilität

Könnte eine Investitionsentscheidung kostenlos revidiert werden, so bestünde kein Risiko für den Investor. Als Folge wären Handlungsspielräume wertlos, da eine Verzögerung von festzulegenden Investitionsentscheidungen keinen Sinn macht, wenn der eingesetzte Investitionsbetrag ohne Risiko zurückerlangt werden könnte. Die Durchführung einer Investition ist in aller Regel mit sunk costs verbunden. Diese sunk costs entstehen, da Investitionsobjekte grundsätzlich speziell auf die Bedürfnisse des investierenden Unternehmens ausgerichtet sind, und eine Veräußerung kann in der Regel nur mit Verlusten realisiert werden.

Es ist dem potentiellen Käufer selten möglich, das Objekt so optimal angepasst einzusetzen, wie es für den ersten Investor möglich war. Bei wettbewerbsgeprägten branchenspezifischen Investitionsobjekten wie etwa Stahlwerken wird eine Veräußerungsabsicht möglicherweise eine Signalfunktion haben, dass die Investition bisher nicht vorteilhaft gewesen ist. Ein außenstehender Dritter kann in der Regel aufgrund von Informationsasymmetrie die Qualität des gebrauchten Gutes schwer einschätzen. Ein Veräußerungserlös wird daher der durchschnittlichen Qualität entsprechen. Gleichzeitig werden sich Verkäufer mit dem Verkauf von Gütern mit hochwertiger Qualität zurückhalten, wenn kein adäquater Marktpreis erzielt werden kann. Dadurch sinkt die durchschnittlich angebotene Qualität, und Marktpreis sowie Marktvolumen sinken weiter bis hin zum Marktzusammenbruch. Dieses Phänomen ist in der Literatur unter „Lemon Problem“ bekannt. Die Differenz zwischen ursprünglich für das Investitionsobjekt gezahlter Summe und dem zu erzielenden niedrigeren Erlös stellt für den Veräußerer irreversible „sunk costs“ dar.

Eine weitere Perspektive stammt aus der Ökonomie natürlicher nicht regenerativer Ressourcen. Die Investitionsentscheidung, diese Vorkommen abzubauen, ist nach erfolgtem Abbau unumkehrbar. Weiterhin können gesetzgeberische Maßnahmen oder vertragliche Verpflichtungen wie beispielsweise bei Anstellung und Entlassung von Arbeitskräften eine Investition teilweise irreversibel werden lassen. Die Problematik der Irreversibilität wird durch das Ausschöpfen unternehmerischer Flexibilität hinsichtlich der Festlegung des Investitionszeitpunktes und weiterer Entscheidungsalternativen hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung des Investitionsprojektes reduziert, und der Wert des Wartens erhält wertrelevante Bedeutung. Irreversibilität der Investitionsausgaben ist daher eine gegebene Voraussetzung für den Wert von unternehmerischen Freiheitsgraden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. NEUES STANDARDVERFAHREN IST KEIN STANDARD: Einleitung in die Problematik, warum traditionelle Bewertungsverfahren wie die Kapitalwertmethode bei komplexen Investitionen in der New Economy an ihre Grenzen stoßen.

2. MOTIVE FÜR VERWENDUNG DES REALOPTIONSANSATZES: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und Voraussetzungen (Irreversibilität, Flexibilität, Unsicherheit), die den Realoptionsansatz als notwendige Ergänzung erscheinen lassen.

3. TYPEN VON REALOPTIONEN: Klassifizierung und detaillierte Beschreibung verschiedener Realoptionsarten, wie Flexibilitäts- und Wachstumsoptionen, um deren Optionscharakter zu verdeutlichen.

4. BEWERTUNG VON FINANZOPTIONEN: Darstellung der mathematischen Bewertungsmodelle (Binomialmodell, Black-Scholes-Modell) und der theoretischen Grundlagen wie dem Prinzip der Arbitragefreiheit.

5. ERMITTLUNG DER PARAMETER ZUR REALOPTIONSBEWERTUNG: Analyse der Herausforderungen bei der Bestimmung der notwendigen Inputdaten für die Realoptionsbewertung, wie Basiswert und Volatilität.

6. DIFFERENZIERTE WÜRDIGUNG DES ANSATZES: Kritische Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen des Ansatzes sowie Untersuchung der Analogiegrenzen zwischen Finanz- und Realoptionen.

7. ANWENDBARKEITSORIENTIERTER AUSBLICK: Zusammenfassende Einschätzung zur zukünftigen Rolle des Realoptionsansatzes als heuristisches Verfahren für die Unternehmenspraxis.

Schlüsselwörter

Realoptionen, Investitionsrechnung, Kapitalwertmethode, Finanzoptionspreistheorie, Flexibilität, Irreversibilität, Unsicherheit, Binomialmodell, Black-Scholes-Modell, Volatilität, Arbitragefreiheit, Handlungsspielräume, Strategische Planung, Unternehmensbewertung, Managemententscheidungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und praktische Anwendbarkeit der Realoptionstheorie zur Bewertung unternehmerischer Investitionsprojekte als Alternative zu traditionellen Methoden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Übertragung von Finanzmarktmethoden auf reale Investitionen, die Modellierung von unternehmerischer Flexibilität und die Analyse von Implementierungshindernissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist eine kritische Analyse, ob die Analogie zwischen Finanzoptionen und unternehmerischen Handlungsspielräumen stark genug ist, um dieselben Bewertungsverfahren zur Steigerung des Unternehmenswertes rational zu rechtfertigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturkritische Untersuchung und theoretische Analyse der finanzwirtschaftlichen Modellannahmen (z.B. Arbitragefreiheit) im Kontext der Unternehmensplanung durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Realoptionstypen, die Darstellung mathematischer Bewertungsmodelle (Binomial- und Black-Scholes), die Problematik der Parameterermittlung und eine kritische Würdigung der Analogiegrenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Realoptionen, Flexibilität, Unsicherheit, Kapitalwertmethode und Investitionsrechnung charakterisiert.

Warum wird der Begriff "Schattenoptionen" verwendet?

Der Begriff bezieht sich auf Realoptionen, die in Investitionsprojekten existieren, aber von Entscheidungsträgern oft unentdeckt und damit unbewertet bleiben.

Inwiefern beeinflusst das "Lemon Problem" die Bewertung realer Investitionen?

Das "Lemon Problem" beschreibt Informationsasymmetrien, die dazu führen, dass Investitionen irreversibel ("sunk costs") sind und nicht zu einem fairen Marktpreis veräußert werden können, was die Analogie zur Handelbarkeit von Finanzoptionen erschwert.

Welche Rolle spielt die "Principle-Agent-Problematik" bei Realoptionen?

Sie beschreibt die Gefahr, dass Entscheidungsträger durch die flexible Beurteilung des Zeitfaktors ineffiziente Projekte länger fortführen, um Fehlentscheidungen zu kaschieren oder persönliche Karriereziele zu verfolgen.

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Details

Title
Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Grade
1,0
Author
Christoph Oldekop (Author)
Publication Year
2005
Pages
71
Catalog Number
V51351
ISBN (eBook)
9783638473507
ISBN (Book)
9783656787013
Language
German
Tags
Implementierung Optionspreistheorie Investitionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Oldekop (Author), 2005, Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51351
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