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Krieg für Gott? Die Rückkehr des gerechten Krieges im Fundamentalismus von Christentum und Islam

Titel: Krieg für Gott? Die Rückkehr des gerechten Krieges im Fundamentalismus von Christentum und Islam

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2020 , 64 Seiten

Autor:in: Dr. Matthias Dickert (Autor:in)

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Jede kritische Analyse des Begriffs eines gerechten Krieges muss sich darüber klar sein, dass die theoretischen Grundlagen und seine historischen Umsetzungen immer eng an die jeweilige Zeitgeschichte sowie konkrete kirchliche, politische und juristische Gegebenheiten gebunden waren , sind und sein werden. Kurzum, jedes Reden über den Gerechten Krieg wurde und wird immer von diesen Einflüssen konditioniert und ist als dynamisch anzusehen.

Interessant ist die Tatsache, dass sich die Idee eines gerechten Krieges in allen drei monotheistischen Religionen findet, besonders aber in Christentum und Islam. Beide Religionen neigen dazu, das Adjektiv gerecht mit heilig auszutauschen. Man führt Krieg gegen Andersdenkende und -gläubige, um den eigenen Glauben zu rechtfertigen, ein erster Hinweis auf die These, dass der Monotheismus strukturell den Kriegsgedanken in sich trägt, da nur eine Religion die wahre sein kann.

Die Idee, dass Kriege gerecht sein können, entstammt jedoch nicht der christlichen Tradition, sondern hat griechische und römische Vordenker. Seit 1990 wird der Begriff immer wieder im Zusammenhang mit humanistischen Hilfsleistungen neu akzentuiert und diskutiert. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem Islam seit den Jahren 1979 und 2001 erhielt er eine neuerliche Aktualität sowie eine neue Vermischung von politischen und religiösen Ansätzen und Motiven.

Per Definition ist die Lehre vom gerechten Krieg eine in der abendländischen Rechtsgeschichte entwickelte Auffassung, derzufolge ein Krieg oder ein bewaffneter Konflikt zwischen Kollektiven (meist Staaten) nur dann ethisch und moralisch legitim sein kann, wenn er bestimmte Auflagen erfüllt.

Das Recht zum Krieg (ius ad bellum) ist einer legitimen Autorität vorbehalten. Diese muss den Krieg aus einem gerechten Grund sowie aus ethisch richtigen Absichten und Zielen führen. Das Recht im Krieg (ius in bello), das die Einhaltung bestimmter Kriegsregeln einfordert (z.B. den Schutz der Zivilbevölkerung sowie den humanitären Umgang mit Kriegsgefangenen), bildet eine zweite logische Entwicklung des ius ad bellum.

Schon hier wird deutlich, wie die Ideen eines gerechten Krieges oder seine Varianten der Kreuzzüge oder eines Heiligen Kriegs im Islam, des Jihad, aus genau dieser Mischung von Politik (ge-recht ) und Theologie (heilig) besteht, die ihre Sprengkraft bis heute behalten hat.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. DER FUNDAMENTALISMUS DER MODERNE ALS QUELLE VON GEWALT

I.1 Vorwort Fundamentalismus

I.2 Der moderne Fundamentalismus

I.3 Fazit: Moderner Fundamentalismus

II. DIE REDE VOM GERECHTEN KRIEG IN DER CHRISTLICHEN TRADITION

III. HINTERGRUND DER KATHOLISCHEN LEHRE VOM GERECHTEN KRIEG

III.1 Eschatologischer Vorbehalt

III.2 Sünde

III.3 Ekklesiologie

III.4 Theologische Ethik

III.5 Die katholische Soziallehre

III.6 Zusammenfassende Beurteilung der Tradition

IV. DER KRIEG UND DAS RECHT LEGITIMER VERTEIDIGUNG

IV.1 Ideologien und Realität des Krieges

IV.2 Was tun?

V. DAS ERBE DER GEWALT IN ISLAM UND CHRISTENTUM

V.1 Das Erbe der Gewalt

V.2 Politische Ebene

V.3 Theologische Ebene

V.4 Der Anspruch der Moderne

V.5 Stärkung der Autorität

V.6 Grenzen der Autorität

VI. DIE FUNKTION DES JIHAD

VII. DER 11.SEPTEMBER 2001

VIII. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die Untersuchung analysiert die Rückkehr des Konzepts des "Gerechten Krieges" im religiösen Fundamentalismus des Christentums und des Islams und hinterfragt, wie diese Religionen Gewalt legitimieren oder pazifistische Gegenentwürfe entwickeln.

  • Die Entstehung und Definition des modernen Fundamentalismus
  • Die historische und theologische Entwicklung der Lehre vom "Gerechten Krieg" im Christentum
  • Das ambivalente Verhältnis von Religion und Gewalt in Islam und Christentum
  • Die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die globale politische Debatte
  • Möglichkeiten einer gewaltfreien Konfliktlösung und interreligiösen Dialogs

Auszug aus dem Buch

III.1 Eschatologischer Vorbehalt

Zwischen unseren Gegenwartserfahrungen und unserer Hoffnung auf die künftige Vollendung des Gottesreiches besteht eine Spannung. Da das Reich Gottes noch nicht existiert, sondern erst im Kommen ist, können Harmonie und Friede, wonach sich alle sehnen, nur begrenzt erfahren werden. Es gibt, historisch gesehen, einen Zeitpunkt - wo Streit, Konflikte und Eroberungen an der Tagesordnung sind -, der der Erreichbarkeit des Zieles, das alle herbeisehnen, nämlich die Manifestation des Reiches Gottes auf Erden, enge Grenzen setzt.

Und dennoch, Gewalt kann man nicht einfach damit rechtfertigen, dass es sich dabei: um die Sache Gottes handle, schließlich vermehrt sie menschliches Leid und bringt den Tod von Menschen mit sich. Da wir fest auf die kommende Vollendung des Reiches Gottes hoffen, müssen wir auch alles tun, um die Rolle, die wir der Gewalt im menschlichen Leben gezwungenermaßen einräumen, zu beschränken. Bisweilen mag der gewaltsame Einsatz von Macht als sittlich berechtigte Option erscheinen, doch kann man von ihr nicht so Gebrauch machen, als sei die heutige Situation für Christen normativ. Glaubende sollten Gewalt stets als schmerzlich empfinden, auch wenn sie notwendig erscheint. Notwendig wegen der erschreckenden Möglichkeiten, die den Menschen unter den Bedingungen einer nicht voll erlösten Welt immer noch zur Verfügung stehen. Und, schmerzlich, weil die Einlösung der Hoffnung, dass wir endlich Schwerter zu Pflugscharen umschmieden, sich wieder einmal verspätet.

Zusammenfassung der Kapitel

I. DER FUNDAMENTALISMUS DER MODERNE ALS QUELLE VON GEWALT: Das Kapitel definiert den modernen Fundamentalismus nicht als Rückfall ins Mittelalter, sondern als reaktionäres Produkt der Moderne, das Identitätsmuster in einer globalisierten Welt anbietet.

II. DIE REDE VOM GERECHTEN KRIEG IN DER CHRISTLICHEN TRADITION: Es wird erörtert, wie theologische und philosophische Traditionen über Jahrhunderte zur Legitimation von Kriegen und zur Etablierung moralischer Schranken instrumentalisiert wurden.

III. HINTERGRUND DER KATHOLISCHEN LEHRE VOM GERECHTEN KRIEG: Dieses Kapitel erläutert die theologischen Grundlagen der katholischen Position, einschließlich eschatologischer Vorbehalte, der Rolle der Sünde und der kirchlichen Mitverantwortung für das Gemeinwohl.

IV. DER KRIEG UND DAS RECHT LEGITIMER VERTEIDIGUNG: Hier wird kritisch untersucht, wie Ideologien – wie die islamische oder amerikanische – Kriege legitimieren und welche Rolle der Faktor Moral in der realpolitischen Kriegführung spielt.

V. DAS ERBE DER GEWALT IN ISLAM UND CHRISTENTUM: Das Kapitel analysiert die historische und theologische Nähe beider Religionen zur Gewalt und stellt die Frage, wie ein Dialog der Religionen trotz existierender Absolutheitsansprüche möglich sein kann.

VI. DIE FUNKTION DES JIHAD: Das Kapitel beleuchtet die theologische Verwurzelung des Jihad und seine heutige Reduktion durch radikale Gruppierungen auf ein politisches Instrument zur Bekämpfung des Westens.

VII. DER 11.SEPTEMBER 2001: Die Analyse der Anschläge verdeutlicht die weltpolitische Zäsur und die daraus resultierende Spaltung der Welt in feindliche Lager sowie die Instrumentalisierung von Angst und Propaganda.

VIII. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die ethischen Herausforderungen zusammen und fordert eine Abkehr von gewaltsamen Lösungen zugunsten eines interreligiösen Dialogs und einer Stärkung ziviler Strukturen.

Schlüsselwörter

Gerechter Krieg, Fundamentalismus, Christentum, Islam, Gewalt, Religion, Ideologie, 11. September 2001, Jihad, Ethik, Friedensethik, Identität, Globalisierung, Autorität, Moral.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rückkehr und Legitimation religiös begründeter Gewalt im Kontext des Konzepts des "Gerechten Krieges" innerhalb von Christentum und Islam im 21. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Entstehung des modernen Fundamentalismus, die Entwicklung der bellum-iustum-Lehre, die historische Analyse von Gewalt in den Weltreligionen und die politische Instrumentalisierung von Religion nach 2001.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die ideologische Vermischung von Religion und politischer Macht zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie diese zur Rechtfertigung bewaffneter Konflikte genutzt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theologisch-ethische und politikwissenschaftliche Analyse, die historische Quellen sowie zeitgenössische Forschungsergebnisse kritisch auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Tradition des "Gerechten Krieges" in der christlichen Lehre, dem Verhältnis von Religion und Gewalt im Islam sowie der Rolle der Ereignisse des 11. Septembers für die globale Sicherheitsarchitektur.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind "Gerechter Krieg", "Fundamentalismus", "Terrorismus", "Eschatologischer Vorbehalt" und "Interreligiöser Dialog".

Wie bewertet der Autor die Rolle des 11. Septembers 2001?

Der Autor sieht in diesem Ereignis eine weltpolitische Zäsur, die nicht nur eine militärische Antwort provozierte, sondern auch eine lang anhaltende Spaltung durch ideologische Propaganda und die Instrumentalisierung religiöser Gefühle einleitete.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des religiösen Friedens?

Der Autor schließt, dass Religionen eine Verantwortung tragen, das religiöse Empfinden in vernünftige Bahnen zu lenken und dass eine gewaltfreie Konfliktlösung nur durch eine authentische Rückkehr zu den friedlichen Kernwerten der jeweiligen Quellen möglich ist.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Krieg für Gott? Die Rückkehr des gerechten Krieges im Fundamentalismus von Christentum und Islam
Hochschule
Univerzita Komenského v Bratislave
Autor
Dr. Matthias Dickert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
64
Katalognummer
V513547
ISBN (eBook)
9783346103437
ISBN (Buch)
9783346103444
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gerechter Krieg religiöser Fundamentalismus Christentum Islam
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Matthias Dickert (Autor:in), 2020, Krieg für Gott? Die Rückkehr des gerechten Krieges im Fundamentalismus von Christentum und Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513547
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Leseprobe aus  64  Seiten
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