Die Psychische Entwicklung im Altersverlauf anhand der psychologischen Gerontologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einführung

2.0 Kontext zur Arbeitswelt

3.0 Gerontologie

4.0 Gerontopsychologie nach Matthias Kliegel
4.1 Multidirektionalität und Multidimensionalität von Altersveränderungen
4.2 Die psychische Entwicklung im Alter
4.2.1 Kognition
4.2.2 Intelligenz
4.2.3 Gedächtnis

5.0 Selektive Optimierung und Kompensation als Theorie des erfolgreichen Alterns trotz Einschränkungen

6.0 Fazit

7.0 Quellen

1.0 Einführung

Die Thematik des Alterns beeinflusst das Denken und Handeln eines Menschen. So wird in unserer Gesellschaft häufig gefragt: „Bist du dafür nicht noch zu jung?“ oder: „Bist du dafür nicht schon zu alt?“

Ein Blick zurück in die frühe Geschichte der Menschheit offenbart eine Rollenverteilung, die sich nicht nur am Geschlecht sondern auch am Lebensalter orientiert. Obwohl es in der Steinzeit eine geringere Lebenserwartung als heute gab, gab es auch in dieser Zeit alte und junge Gruppenangehörige, die gemäß ihrem Alter soziale Verpflichtungen erfüllen mussten. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung in den folgenden Jahrhunderten veränderte sich zwar die Art der Aufgaben, die aufgrund eines bestimmten Lebensalters zu tragen waren. Grundsätzlich jedoch sorgen die Jungen meist für die Alten und bekommen dafür sofern noch möglich deren Unterstützung in Bereichen wie zum Beispiel der Haushaltsführung, Beratung auf Grund von Erfahrungen, der Weitergabe von Wissen und ähnlichem.

Der Begriff „Alter“ wird mit dem der Weisheit verknüpft. Menschen höheren Lebensalters wurde und wird eine hohe Weisheit zugesprochen, die sie sich aufgrund ihrer Lebenserfahrung angeeignet haben. Das wird auch in Filmen und Märchen deutlich in denen häufig der alte und weise Großvater dargestellt wird, der mit seinem Wissen und seiner Erfahrung den jungen Menschen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Mit dem Begriff „Alter“ wird häufig auch ein bestimmtes Aussehen assoziiert. Die Menschen haben davon ein Bild im Kopf, was ein „altes Aussehen“ ist, wodurch ältere Mitmenschen stigmatisiert werden. Wenn die Frage gestellt wird ob ein Mensch jung oder alt aussieht und woran dies erkennbar ist, werden häufig unterschiedliche Kriterien genannt, weil sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen hat. Stellte noch für die Generation der heute über 80 jährigen eine Glatze ein Altersmerkmal dar, wird eine Glatze heute von jüngeren Menschen weniger einem fortgeschrittenen Alter zugeordnet als von den älteren Menschen. Eine konstante die über tausende von Jahren besteht ist die Bemühung um den Erhalt von Schönheit und jugendlichem Aussehen. In diesem Zusammenhang sind z.B. die Darstellungen von Nofretete und Kleopatra zu sehen.

Betrachtet man die Verwendung des Begriffs „Alter“ in unserer heutigen Gesellschaft fällt auf, dass sich auf Grund der längeren Lebensspannen und des höheren Freizeitanteils das Verhältnis zum Alter verändert hat. Die Menschen leben länger und möchten länger jung wirken. Die Aussage weise zu wirken ist daher für viele Menschen kein Kompliment mehr, da diese impliziert alt zu sein. So ist es nicht verwunderlich, dass die Schönheitschirurgie boomt und die Orthopädie versucht durch Verschleiß beeinträchtigte Körperteile auszutauschen um ein längeres agiles Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Daraus ergibt sich Frage, wie es um die geistige Leistungsfähigkeit im Alter bestellt ist. Unterliegt auch diese Verschleißerscheinungen und wenn ja, kann man diese aufhalten oder ausgleichen? Bevor eine Antwort auf diese Frage gefunden werden kann, muss geklärt werden was mit dem Begriff „Alter“ gemeint ist bzw. ob man diesen Begriff überhaupt umfassend definieren kann.

In der Literatur wird keine einheitliche Definition verwendet. Zudem hat sich die Bedeutung des Begriffs im Laufe der Jahrhunderte auf Grund der fortgeschrittenen Forschung und einer höheren Lebenserwartung gewandelt. Aus diesem Grund werde ich mich dem Begriff „Alter“ über verschiedene Definitionen nähern. Ein gängiges Mittel zur Differenzierung ist die Unterscheidung zwischen dem biologischen, kalendarischen und sozialen Alter. Das biologische Alter richtet sich nach körperlichen Merkmalen, während das kalendarische Alter ab dem Geburtstermin ansteigend verläuft. Das soziale Alter wird nach sozialen Entwicklungsstufen eingeteilt wie zum Beispiel der Kindheit und der Jugend.

Matthias Kliegel hat in seinem Buch „Psychologische Grundlagen der Gerontologie“ verschiedene Altersdefinitionen zusammengetragen. Laut der Literatur der Altersforschung sind Menschen alt, wenn sie das sechzigste Lebensjahr vollendet haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt hingegen die Grenze beim fünfundsechzigsten Lebensjahr an, da dies in den meisten Ländern die Altersgrenze für das Ende der Berufstätigkeit darstellt (vgl. Kliegel/Martin, 2010: S. 33).

Eine weitere Definitionsmöglichkeit besteht in Bezug auf körperliche Leistungsmaxima wie zum Beispiel der Muskelkraft, Seh- und Hörfähigkeit oder geistigen Beeinträchtigung (vgl. Kliegel/Martin, 2010: S. 33). Doch da bei einem gesundem Menschen nicht der Zeitpunkt festgelegt werden kann, wann die vier genannten Leistungsmaxima einsetzen ist diese Definition meiner Ansicht nach diskutabel. Wahl und Heyl beschreiben den Begriff des Alterns meiner Ansicht nach treffend, indem sie ihn als einen „dynamischen Prozess“ beschreiben (Wahl/Heyl, 2004: S. 41). Da eine Einteilung der Lebensspanne in jung und alt kompliziert ist und anscheinend einen dynamischen Prozess darstellt, werde ich die Begriffe im Folgenden zwar verwenden, mich aber der Forschungslage anschließen und mich an keiner endgültigen Definition versuchen. Vor der Darstellung von Aspekten der gerontologischen Forschung beschäftige ich mich mit der Bedeutung des Alters für die Arbeitswelt.

2.0 Kontext zur Arbeitswelt

Menschen, die erwerbstätig sind verbringen einen Großteil ihres Lebens am Arbeitsplatz. Sie treten in jungen Jahren in das Erwerbsleben ein und treten im Normalverlauf erst in den sechziger Lebensjahren wieder aus diesem aus. Aus diesem Grund ist es interessant zu betrachten, inwiefern sich gesundheitliche Belastungen und das Alter im Berufsleben auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber auswirken können.

In Bezug auf die Gesundheit unterscheidet das Statistische Bundesamt bei der Ermittlung der Belastung am Arbeitsplatz zwischen körperlichen und psychischen Belastungen. Zu diesen Belastungen wurde für das Jahr 2007 eine Erhebung durchgeführt. Bei der Betrachtung muss allerdings beachtet werden, dass die Aussagen auf einer subjektiven Einschätzung der Befragten beruhen und dass deren Angaben nicht medizinisch überprüft worden sind. Das Ergebnis dieser Befragung ist, dass rund 11% der Befragten eine körperliche Belastung an ihrem Arbeitsplatz empfunden haben. Davon nannten rund 6% eine schwierige Körperhaltung sowie das Händeln von schweren Lasten als Grund für diese Einschätzung (vgl. Statistisches Bundesamt, 2012a: S. 8). Einer psychischen Belastung sahen sich hingegen 11,3% der Befragten ausgesetzt. Ausgehend von diesen 11,3% waren als größte Gruppe 17,6% in akademischen Berufen tätig; 16,9% gaben an, in Leitungs- oder Führungspositionen eine psychische Belastung zu empfinden. Interessant an diesen Werten ist, dass die Mehrzahl der Menschen, die an einer psychischen Belastung am Arbeitsplatz leiden, aus akademischen Berufen kommt. Da in dieser Statistik jedoch nicht abgegrenzt wird, ob es sich auch um Leitungs- und Führungspositionen in akademischen Berufen handelt, wäre ein Vergleich zwischen den Gruppen mutmaßend, weshalb er nicht vorgenommen wird. Als psychische Belastung wurden Zeitdruck, Arbeitsüberlastung sowie Mobbing und Belästigung konstatiert (vgl. Statistisches Bundesamt, 2012a: S. 9). Deutlich wird hierbei, dass es sich bei der Beurteilung nicht um körperliche Einschränkungen handelt sondern um eine gefühlte psychische Belastung.

Im Vergleich der Variablen körperliche und psychische Belastung am Arbeitsplatz wird deutlich, welchen Stellenwert die psychische Belastung in unserer Gesellschaft erreicht hat. Diese Zahlen werden durch die mediale Berichterstattung im Dezember 2012 und Januar 2013 gestützt, wo vor psychischen Ausfallerscheinungen wie Burnout oder Depressionen in Verbindung mit dem Arbeitsplatz auch bei jüngeren Arbeitnehmern gewarnt wurde.

Betrachtet man die Anzahl der Erwerbstätigen, gab es im Jahr 2011 laut dem Statistischen Bundesamt in der Bundesrepublik Deutschland rund 35 Millionen Erwerbstätige. Dabei stellen mit rund 19 Millionen Menschen die größte Altersklasse die 40-60 jährigen dar (vgl. Statistisches Bundesamt, 2012b: S. 3). An dieser Zahl wird deutlich, vor welcher Herausforderung die deutschen Unternehmen in den kommenden Jahren stehen werden. Die Belegschaften werden älter, qualifizierter Nachwuchs kommt im Vergleich zum Bedarf nicht ausreichend nach und Merkmale, die das Alter mit sich bringen, wie die Veränderung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit werden die Menschen in ihrem Arbeitsalltag beeinflussen. Als Folge daraus kann es zu hohen Krankenständen oder auch einem Leistungsabfall in der täglichen Arbeitsleistung kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Leistungsressourcen im Altersverlauf zu berücksichtigen und die Arbeitsaufgaben auf diese Erkenntnisse abzustimmen. So werde ich mich im Folgenden mit der psychischen Leistungsfähigkeit im Altersverlauf, einem Forschungsfeld der Gerontologie, beschäftigen.

3.0 Gerontologie

Der wissenschaftliche Begriff Gerontologie geht auf den russisch-französischen Gelehrten Elie Metchnikoff zurück. Er setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern „Geront“, was übersetzt „alter Mensch“ bedeutet, und „ologie“, was als Bezeichnung für Wissenschaft verwendet wird (vgl. Wahl/Heyl, 2004: S. 35). Gerontologie steht also für die Alternsforschung.

Wahl und Heyl (2004: S. 30 ff.) beschreiben die Gerontologie als ein über weite Strecken empirisches Wissenschaftsfeld in dem Daten über das Altern gesammelt, ausgewertet und interpretiert werden. Dieses umfasst die Beschreibung, die Erklärung, die Veränderung sowie die Prognose von Altern. Unter die Beschreibung von Altern fallen Deskriptionen von alten Menschen, die zum Beispiel durch Gespräche, Beobachtungen oder anderen nach wissenschaftlichen Kriterien erfassten Daten erhoben werden. Die Erklärung von Altern ist ein Abgleich verschiedener Daten, die im Vergleich das Alter betreffende Beobachtungen belegen können. Die Veränderung im Alter kann durch einen „Vorher-Nachher-Vergleich“ festgestellt werden, während bei der Prognose von Altern die vorher erhobenen Daten genutzt werden, um langfristige Trends darstellen zu können (vgl. Wahl/Heyl, 2004: S. 31 ff.).

Die Gerontologie kann laut Wahl und Heyl (vgl. 2004: S. 39-40) in neun unterschiedliche Einzeldisziplinen unterteilt werden; für diese Unterteilung erheben sie allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der biologische Ansatz bezeichnet die biologische Alternsforschung die sich mit dem Altern von Zellen und Organsystemen beschäftigt. Es gibt zudem zwei unterschiedliche medizinische Ansätze sowie einen pflegewissenschaftlichen Ansatz, die sich mit altersbedingten Erkrankungen und Pflegeprozessen befassen. Daneben existieren der Ansatz der Bevölkerungswissenschaft mit dem Schwerpunkt der Demografie und der der Erziehungswissenschaft, bei der die Möglichkeiten und Barrieren von Bildungsprozessen im Alter im Mittelpunkt stehen, sowie der anthropologische oder auch kulturwissenschaftliche Ansatz, bei dem die kulturellen und geschichtlichen Spezifika des Alterns im Mittelpunkt stehen. Schließlich existiert noch der verhaltenswissenschaftliche Ansatz, der auch psychologische Gerontologie genannt wird. Hier geht es um die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter (vgl. Wahl/Heyl, 2004: S. 38 ff.), mit der ich mich in der Arbeit schwerpunktmäßig auseinandersetze.

4.0 Gerontopsychologie nach Matthias Kliegel

Bei der Gerontopsychologie geht es um Veränderungen, die mit dem Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Handeln, Lernen, der Informationsverarbeitung und dem Erleben im Alter einhergehen (vgl. Kliegel/Martin, 2010: S. 40), womit Phänomene des Alters und Alterns aus psychologischer Sicht betrachtet werden (Kliegel/Martin, 2010: S. 12). Die Leitthemen der Gerontopsychologie liegen nach Kliegel im Alter und Altern, der lebenslangen Entwicklung, der Entwicklungsregulation sowie der Variabilität des Alters und des Alterns. Der Begriff bezieht sich auf Entwicklungs- und Veränderungsprozesse während der Lebensspanne eines Menschen, wobei in der Gerontologie der Altersbereich der über 60-jährigen im Fokus steht. Der Themenbereich Entwicklungsregulation befasst sich mit dem Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Entstehung altersbedingter Krankheiten. Die Untersuchung der Variabilität des Alters und Alterns versucht die Unterschiede zwischen verschiedenen Personen und deren Ressourcen zu umfassen (vgl. Kliegel/Martin, 2010: S. 15 ff.). Der Untersuchungsbereich der lebenslangen Entwicklung beschäftigt sich damit, „…dass über die gesamte Lebensspanne eine Entwicklung stattfindet und Personen sich in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt zielgerichtet verändern“ (Kliegel/Martin, 2010: S. 15).

4.1 Multidirektionalität und Multidimensionalität von Altersveränderungen

Die Veränderungen während der Lebensspanne finden in unterschiedlichen Ressourcenbereichen statt und verlaufen zudem unterschiedlich. Aus diesem Grund wird in der Gerontopsychologie zwischen Multidirektionalität und Multidimensionalität unterschieden (vgl. Kliegel/Martin, 2010: S. 41).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Psychische Entwicklung im Altersverlauf anhand der psychologischen Gerontologie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V513701
ISBN (eBook)
9783346104847
ISBN (Buch)
9783346104854
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychische, entwicklung, altersverlauf, gerontologie
Arbeit zitieren
Jan Brune (Autor), 2013, Die Psychische Entwicklung im Altersverlauf anhand der psychologischen Gerontologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513701

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