Der Weg des Kaffees nach Europa und Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben in der Frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe


I nhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erste Erwähnungen und Legenden um den Kaffeestrauch

3 Ausbreitung des Kaffees
3.1 Europäische Expansion

4 Erste Kaffeehäuser und gesellschaftliches Leben in Europa

5 Fazit

6 Anhang

7 Quellenverzeichnis
7.1 Abbildungsverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Eine Reihe von Irrtümern ranken sich um „Coffea arabica“, denn etymologisch stammt „Kaffee“ nicht von Kaffa, der äthiopischen Provinz, wo wilde Kaffeesträucher wuchsen, auch leitet sich die Bohne nicht von arabisch „bun“/ „bon“ oder „bunnu“ ab, sondern vom türkischen „kahwe“ und arabischen „qahwa“, was beides Wein bedeutet, da Moslems keinen Alkohol trinken durften und Kaffee zu ihrem Rauschgetränk wurde.1

Im Folgenden soll geklärt werden, welchen Weg der Kaffee nach Europa nahm und welche Umstände dies hervorriefen beziehungsweise begünstigten. Weiterhin wird beschrieben, wie das neue Heißgetränk die Gesellschaft der Frühen Neuzeit formte und beeinflusste. Die – zum Großteil religiösen – Quellen für die Beschreibung des anfänglichen Kaffeekonsums der Ursprungsländer und die Ausbreitung der Bohne in andere Teile der Welt, waren oft widersprüchlich oder ungenau, jedoch war ein klarer Konsens auszumachen, der dargelegt werden soll. Es wird auf das eigentliche Vorkommen, die Ausbreitung im Orient, auf die europäische Expansion und in Folge dessen die Einführung des Kaffees im Europa der Frühen Neuzeit2 eingegangen. Ein kurzer Ausblick nach 1800 soll die Behandlung des Themas abschließen, es jedoch nicht in aller Vollständigkeit abrunden.

2 Erste Erwähnungen und Legenden um den Kaffeestrauch

Die Wiege des Kaffees liegt in Abessinien, dem heutigen Äthiopien in Ostafrika. Entgegen der landläufigen Annahme, wussten die Ureinwohner schon, wie die reifen Kaffeekirschen des dort wildwachsenden und noch nicht kultivierten Kaffeestrauches zu nutzen waren: Zerstampfte Kaffeekirschen wurden zur Fett- und Eiweißaufnahme gewonnen und aus vergorenen Kaffeekirschen wurde Alkohol hergestellt.3 Weiterhin trugen Eingeborene Kaffeebohnen zum Kauen mit sich und wilde Oromo4 ernährten sich bei Kriegszügen von zerstoßenen Bohnen, die sie mit Butter oder Talg mischten.5

Eine mögliche erste schriftliche Erwähnung der Kaffeepflanze stellt die arabische Quelle von Ibn Sina aus dem 11. Jahrhundert dar, in der er einen magenstärkenden Samen namens „bunchum“ als Heilmittel preist. Dies ist jedoch nicht gesichert, da es keine weiteren vergleichbaren Quellen aus dieser Zeit gibt, die die Vermutung unterstützen. Um die Übersiedlung und Entdeckung des Kaffees im Jemen ranken sich eine Vielzahl von Legenden. Hier sollen nun einige angeführt werden. Am Bekanntesten ist die 1671 von einem syrischen Mönch namens Faustus Naironus Banesius veröffentlichte. Hier schreibt er, dass man im Jemen in einem Kloster durch das ungewöhnliche Verhalten der Viehherde die Wirkung des Kaffees entdeckte. Weiterhin beschreibt er einen Aufguss aus Kaffeekirschen, der wach machen und berauschend wirken soll. Dies wurde schnell bekannt und Kaufleute begannen mit dem Handel, wodurch sich, laut Banesius, der Kaffee im Orient verbreitete. Nach arabischer und türkischer Überlieferung hingegen, sollen Mönche einer Sufi-Gemeinschaft6 durch einen Hirten von einem Blitz erfahren haben, der in einen Kaffeestrauch eingeschlagen war und sich so das Aroma entfalten konnte. Die Röstung war entdeckt und somit die heutige Nutzung der Bohne geprägt. Aus dem 15. Jahrhundert existiert eine Handschrift eines Muftis der Sufi-Gemeinschaft, in der es heißt, dass ein heißes schwarzes Getränk 1420 durch den Mufti Gemal-Eddin Abu Abdallah Mohammed Ben Said in Aden im Jemen eingeführt wurde. Weiterhin schrieb der arabische Chronist Abd-al Kadir Ibn Mohammed el Asari 1587, dass es schon seit 100 Jahren ein neues Heißgetränk in Aden und Mekka gäbe. Die genaue Zubereitung bleibt hier jeweils unklar.7 Nach einem weiteren arabischen Manuskript soll der Gelehrte Al-Dhabhani, Mitglied einer Sufi- Gemeinschaft, 1454 Samen aus Abessinien in den Jemen mitgebracht haben. Das Getränk wurde, der Quelle nach, schnell bekannt und von den Sufi-Gemeinschaften kultiviert.8 Es gibt noch weitere Legenden mit religiöser Konnotation, so galt Kaffee als ein durch Allah gegebenes Getränk anstelle von Wein und auch Mohammed preist das Getränk der Legende nach als Berauschend und Stärkend an.9

Die erste Erwähnung durch einen Europäer erfolgte 1582 in der „Beschreibung einer Reisz“. Leonhart Rauwolff, Augsburger Mediziner, schrieb in seinem Reisebericht über den Orient: „ein guet getränck […], Chaube von jnen genennet, das ist gar nahe wie Dinten so schwartz“10. Irrtümlicherweise nahm er Indien als Herkunftsland des Kaffees an, war aber auch wegweisend, denn er bezeichnete den Kaffee sowohl als Genuss- als auch Heilmittel. Der venezianische Botaniker Prospero Alpino lieferte 1592 die erste bildliche Darstellung eines Kaffeebaumes in seinem Buch „De plantis Aegypti liber“ und sah im Kaffee eher den medizinischen Nutzen und hatte weniger den Anspruch einer exakten botanischen Darstellung. Mitte des 16. Jahrhunderts folgte dann die erste Abbildung der Samen der Bohne in der Drogenkunde des Portugiesen Garcia D´Orta.11

Es kamen immer mehr Informationen über die Verbreitung des Kaffees durch Reiseberichte nach Europa. So geht zum Beispiel aus dem Bericht eines in Kriegsgefangenschaft geratenen Christen hervor, dass 1604 in Budapest, durch die Türken besetzt, Kaffee getrunken wurde und 1609 ein englischer Seemann „cohoo- Plantagen“ in der südarabischen Würste bei Mocha gesichtet habe.12 Jedoch waren reisende Europäer gespaltener Meinung, was den Nutzen von Kaffee anging, denn für die Einen war es eine medizinische und soziale Innovation, für Andere gesundheitsschädlich oder zu aufputschend. So einigten sich die Quellen nicht darauf, ob Kaffee nun Rausch-, Genuss- oder Heilmittel war. Anfang des 17. Jahrhunderts war es dennoch meist als Heilmittel oder als schlichter Weinersatz in der Oberschicht bekannt.13

3 Ausbreitung des Kaffees

Der Jemen, auch „Arabia Felix“ genannt, war lange das einzige Land, was Kaffee kultivierte und bis ins 18. Jahrhundert primäres Anbauland. Um ihr Monopol zu behalten, verhinderten sie, dass keimfähige Samen außer Landes gerieten. Nach der osmanischen Eroberung des Jemens, 1536, erfolgte eine schrittweise Ausbreitung des Kaffees im Orient, da sich das Einflussgebiet des Osmanischen Reiches stetig vergrößerte. Zwischen 1470 und 1500 kam die Bohne nach Mekka und Medina.14

Die Sufis bereiteten ein Getränk namens „qishr“ zu, das aus heißem Wasser mit Kaffeekirschen und Rohbohnen vermischt bestand und in Gefäßen über dem Feuer erhitzt, die Bohnen jedoch noch nicht geröstet wurden. Es ist anzunehmen, dass die Bohnenröstung erstmals in Syrien oder Ägypten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angewandt wurde. Wahrscheinlicher ist Syrien, da dort auch die Kaffeemühle entstand. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich die Röstung im gesamten Orient durch.15

Nach 1511, als die Rechtmäßigkeit des Kaffees beim „Kaffeekonzil“ geklärt war, wurde er immer mehr zum Exportgut und der Kaffeeanbau stieg. Zuvor (und auch danach, aber erfolglos) gab es immer wieder Kaffeeverbote und Zweifel am gesundheitlichen Nutzen des Kaffees. Auch die Vereinbarkeit mit dem Glauben wurde bis 1511 in Frage gestellt, doch diente der Kaffee nun offiziell als Weinersatz. So gelangte der Kaffee nach Anatolien, auf den Balkan und nach Ungarn. 1517 gab es erste Berichte der Kaffeenutzung in Istanbul, erste Kaffeestuben entstanden 1554. Um 1600 ist er überall im Osmanischen Reich zu finden.16

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde er zuerst in der Moschee getrunken. Dieser Ort wurde allerdings durch die im 16. und 17. Jahrhundert entstehenden ersten Kaffeehäuser, „Kaveh kanes“ genannt – als Pendant zur Taverne – ersetzt. Die Gesellschaft wandelte sich durch nun vorhandene öffentliche Räume für Männer, die Geselligkeit, soziale Interaktion und Gastfreundschaft förderten. Entlang der Karawanenstraße17 wurde um 1600 Kaffee zum Alltagsgetränk.18

3.1 Europäische Expansion

Mit dem Beginn der Frühen Neuzeit setzt ein Globalisierungsprozess ein, wie es ihn in der bisherigen Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben hat. Oft werden die Eroberung von Byzanz durch die Osmanen 1453 und das Ende der Reconquista 1492 als Startpunkte für ein neues Zeitalter angesehen. Dieses Zeitalter ist geprägt durch neue Entdeckungen, Expansion, Kolonialismus und Handel. Schon 1494 schlossen die stärksten Seemächte dieser Zeit, Spanien und Portugal, den Vertrag von Tordesillas zur Aufteilung der Welt in einen westlichen und östlichen Herrschaftsbereich. Die Niederlande, Frankreich und England erstarken jedoch im 16. Jahrhundert seetechnisch und behaupten ihre Territorialansprüche mit Verträgen, Kriegen und Raubhandel.19

Ab dem späten 16. Jahrhundert kam es zu ersten Berührungspunkten der Europäer mit Kaffee im nördlichen Nahen Osten und in den Levantehäfen20 durch Reisende, Händler, Gelehrte und Kolonisten. Jene sahen die Zubereitung und den Konsum und hielten ihre Erfahrungen in Berichten fest oder brachten Bohnen zu medizinischen, botanischen oder ökonomischen Zwecken nach Europa. Sie beschrieben Kaffee sowohl als Genuss- als auch Heilmittel.21 Im frühen 16. Jahrhundert versuchten die Portugiesen, Aden, das „Tor zum Roten Meer“ einnehmen, um den Seeverkehr über die Levantehäfen zu gewährleisten, scheiterten damit jedoch.22

Der Kaffee kam letztendlich über den Levantehandel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Europa. Anlaufhäfen dafür waren Aden und Mocha23, welche zu den Hauptausfuhrhäfen und ersten Kaffeemärkten wurden. Jiddah hingegen war für den Handel mit dem Südjemen bekannt oder schickte den Kaffee über den Landweg Richtung Bagdad und Damaskus. Aden und Mocha wurden von der 1602 gegründeten Niederländischen Ostindienkompanie, kurz VOC und der 1600 gegründeten Britischen Ostindienkompanie, kurz EIC, angelaufen. Diese Aktiengesellschaften waren für den Handel mit Ostasien und Indien privilegiert. Jede Gesellschaft – es gab noch weitere – kontrollierte bestimmte Handelsrouten. Als Vorbild für die Levante-Handelskompanien diente Venedig, das schon seit dem frühen 17. Jahrhundert Bohnen nach Italien importierte. Das Ziel der Handelskompanien war es, die Vorherrschaft Spaniens und Portugals und den Zwischenhandel durch geplante und strukturierte Fahrten zu beenden.

[...]


1 Vgl. Müller, Irmgard: Einführung des Kaffees in Europa, in: Völger, Gisela/Welck, Karin (Hgg.): Rausch und Realität. Drogen im Kulturvergleich (Bd. 2), Reinbek 1982, S. 669.

2 Anm.: Als Frühe Neuzeit soll hier der Zeitrahmen von 1500 bis 1800 aufgefasst werden.

3 Vgl. Teuteberg, Hans-Jürgen: Kaffee, in: Hengartner, Thomas/Merki, Christoph Maria (Hgg.): Genussmittel. Eine Kulturgeschichte, Frankfurt a. M./ Leipzig 2001, S. 93.

4 Anm.: Die Oromo, auch Galla genannt, sind die größte äthiopische Volksgruppe.

5 Vgl. Jünger, Wolfgang: Herr Ober, ein`Kaffee! Illustrierte Kulturgeschichte des Kaffeehauses, München 1955, S. 12 f.

6 Anm.: Sufismus ist eine asketische Strömung des Islam.

7 Vgl. Teuteberg 2001, S. 93 f.

8 Vgl. Menninger, Annerose: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.- 19. Jahrhundert), in: Schneider, Jürgen u.a.: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Bd. 102), Stuttgart22008, S. 171.

9 Vgl. Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Bohne macht Kulturgeschichte, Berlin 1997, S. 12 f.

10 Teuteberg 2001, S. 97 f.

11 Vgl. Ebd. S. 97.

12 Vgl. Heise 1997, S. 9.

13 Vgl. Pendergast, Mark: Kaffee. Wie eine Bohne die Welt veränderte, Bremen22001, S.26.

14 Vgl. Pendergast 2001, S. 24.

15 Vgl. Menninger 2008, S. 88.

16 Vgl. Heise 1997, S. 19.

17 Anm.: Weg der Reise- und Kaufmannsgesellschaften.

18 Vgl. Heise 1997, S. 41.

19 Vgl. Heise 1997, S. 46.

20 Anm.: Levante werden Länder bezeichnet, die am östlichen Mittelmeer und östlich von Italien liegen.

21 Vgl. Menninger 2008, S. 140.

22 Vgl. Ebd. S. 149.

23 Anm.: Die Stadt im Jemen, auch Mokka, gab dem Mokka-Kaffee ihren Namen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Weg des Kaffees nach Europa und Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben in der Frühen Neuzeit
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V513703
ISBN (eBook)
9783346105110
ISBN (Buch)
9783346105127
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kaffees, europa, auswirkungen, leben, frühen, neuzeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Der Weg des Kaffees nach Europa und Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513703

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